Nebennierenprobleme

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Nierenprobleme gehören zu den bekannten Leiden - Aber die Nebenniere?

Fast jeder weiß, wenn die Nieren nicht mehr so funktionieren wie sie es eigentlich sollten, dann droht die ärztliche Behandlung durch Dialyse. Denn die Hauptaufgabe der Niere ist, die angefallenen Schadstoffe im Organismus herauszufiltern und auszuscheiden.

Was vielleicht weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass es auf den Nieren eine Art Anbau gibt, der als Nebenniere bezeichnet wird. Und dieser Anbau hat mit der Ausscheidungs- und Entgiftungsfunktion der Niere nichts zu tun.

Die hauptsächliche Gemeinsamkeit mit der Niere ist das paarige Vorkommen, denn alle beiden Nieren sind mit diesem An- oder Aufbau ausgestattet. Beim Menschen befinden sich die Nebennieren auf den oberen Polen der Nieren. Bei den Tieren, deren Körperhaltung nicht aufrecht ist, befinden sich die Nebennieren am vorderen Nierenpol.

Bau und Funktionen der Nebenniere

Wenn die Nebennieren nichts mit der Ausscheidung zu tun haben, was machen sie dann? Wenn man sich den Aufbau der Nebenniere näher anschaut, dann stellt man fest, dass man es hier mit 2 verschiedenen Organen zu tun hat.

Hier einmal der schematische Aufbau der Nebenniere:

  • Das Doppelorgan ist umgeben von einer Bindegewebskapsel oder Capsula 
  • Darunter liegt die Zona glomerulosa, die etwa 15 Prozent der gesamten Nebennierenrinde ausmacht. Diese Schicht ist für die Produktion von Mineralcorticoiden, wie z. B. Aldosteron, verantwortlich. 
  • Es schließt sich die Zona fasciculata an, die 78 Prozent der Nebennierenrinde einnimmt und für die Produktion und Ausschüttung von Glucocorticoiden, wie Cortisol, verantwortlich ist. 
  • Dann folgt als letzter Bestandteil der Nebennierenrinde die Zona reticularis, die nur noch 7 Prozent der Rinde ausmacht. Dafür hat sie aber ein umfangreicheres Aufgabengebiet, ist sie doch für die Produktion von Glucocorticoiden, Androgenen und geringen Mengen an Östrogen verantwortlich. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, dass alle Hormone, die in der Rinde gebildet werden, aus Cholesterin synthetisiert werden. Dazu wird das Cholesterin mit Hilfe eines Transportproteins in die innere Membran der Mitochondrien der entsprechenden Zellen transportiert. Hier erfolgt die enzymatische Umwandlung zu einem Mineral- oder Glucocorticoid. Damit wäre das Wesentlichste zum ersten Organ der Nebenniere gesagt. 
  • Das 2. Organ besteht nur aus einer Schicht, der Medulla oder Nebennierenmark. Die Medulla ist verantwortlich für die Produktion von Adrenalin, etwa 80 Prozent, und geringen Mengen an Noradrenalin, ca. 20 Prozent. Die Ausgangssubstanz für die Synthese von Adrenalin und Noradrenalin ist L-Tyrosin. Während die Nebennierenrinde mesodermaler Herkunft (ein Begriff aus der Entwicklungsbiologie und bezeichnet sich entwickelnde Zellen der 3. Entwicklungswoche) ist, stammt das Nebennierenmark von Zellen des Nervensystems ab.

 

Wenn die Nebenniere krank wird

Hormone sind Steuerelemente des Organismus, die ihm ermöglichen, seine Funktionen optimal durchzuführen. Fallen diese Steuerelemente, eins oder mehrere, aus, dann kann man dies mit einem Sportwagen ohne Lenkung vergleichen. Der Motor läuft, aber der Wagen würde spätestens in der nächsten Kurve nur noch Schrottwert haben.
Aber nicht nur der Ausfall von Hormonen kann Probleme bereiten. Eine Überproduktion ist ähnlich verhängnisvoll wie ein Ausfall. So führt die Überproduktion von Aldosteron zu einem Bluthochdruck (Hypertonie) und erniedrigten Kaliumkonzentrationen im Blut.

Die Mediziner haben auch einen Namen für dieses Krankheitsbild: das Conn-Syndrom.

Ursache für diese Überproduktion können Tumore der Nebenniere sein oder eine beidseitige Hyperplasie der Nebenniere (Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Zunahme der Zellzahl).

Ein Conn-Syndrom mit normalen Kaliumspiegeln ist in der Praxis wesentlich häufiger anzutreffen als mit zu niedrigen Kaliumspiegeln. Da die Blutdruckkontrolle vom Renin-Angiotensin-Aldosteron-System abhängig ist, bewirken die erhöhten Aldosteronwerte unabhängig vom Kaliumspiegel immer einen erhöhten Blutdruck. Und je höher der Aldosteronspiegel ist, desto stärker fällt der Hochdruck dann aus.

Umgekehrt, wenn eine Unterfunktion der Nebennierenrinde vorliegt, dann kommt es zu einem Aldosteronmangel.

Morbus Addison und das adrenogenitale Syndrom sind Beispiele für einen solchen Zustand. Morbus Addison ist in 70 Prozent der Fälle eine Autoimmunkrankheit, bei der Antikörper vom Organismus gebildet werden, die die Nebennierenrinde langsam zerstören. Mit betroffen sind dann auch die Zonen, die die Glucocorticoide synthetisieren, also die Zona fasciculata und reticularis.

Durch die herabgesetzte Cortisolbildung wird kompensatorisch in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) mehr ACTH gebildet, das die vermehrte Synthese von Cortisol anregen soll. Da die Synthesezellen von den Antikörpern jedoch zerstört worden sind, bleibt die Reaktion auf das erhöhte ACTH aus und die Hypophyse produziert noch mehr ACTH usw. Der Teufelskreis ist perfekt und führt zu unphysiologisch hohen ACTH-Konzentrationen. Bei diesen Voraussetzungen entsteht bei der Synthese von ACTH ein Spaltprodukt, das Melanozyten-stimulierendes Hormon genannt wird und die Melanozyten zu einer vermehrten Pigmenteinlagerung anregt. Es kommt also in diesem Szenario gleichzeitig zu einer Bräunung der Haut ohne UV-Einwirkung. Daher stammt der Begriff „Bronzekrankheit“ für den Morbus Addison.

Beim adrenogenitalen Syndrom handelt es sich um eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der die Synthese von Cortisol und Aldosteron gestört sind. Diese Störung kommt durch eine Überstimulation der Nebennierenrinde zustande, die zusätzliche Stoffwechselwege aktiviert. Diese bilden dann vermehrt Progesteron und Pregnenolon. Auch hier setzt wieder der Mangel an Cortisol eine kompensatorische Stimulation der Hypophyse in Gang. Bei diesem Syndrom ist allerdings die Bildung der Sexualhormone nicht gestört, bzw. wird durch die Überaktivität der Hypophyse angeregt. Da die enzymatische Umwandlung von Cholesterin zu Cortisol aufgrund des genetischen Defekts nicht funktioniert, liegt in der Nebennierenrinde sehr viel „Rohmaterial“ für die Synthese von Sexualhormonen vor, was über die erwähnten zusätzlichen Stoffwechselwege zur vermehrten Bildung von Androgenen führt, auch bei Mädchen.

Das Resultat ist eine Vermännlichung von betroffenen Mädchen bzw. eine frühzeitige Geschlechtsentwicklung bei Jungen. Der Mangel an Aldosteron stört das Gleichgewicht des Elektrolythaushalts und führt zu Flüssigkeitsverlusten. Ohne einen Ersatz der fehlenden Hormone endet die Krankheit tödlich.

Eine Überproduktion an Glucocorticoiden führt zum Morbus Cushing. Grund dafür liegt selten in der Nebenniere, sondern in einer gestörten Regulierung der Hypophyse oder des Hypothalamus, die unphysiologisch große Mengen an ACTH produzieren. Die dadurch produzierten Mengen an Cortisol sind ebenfalls unphysiologisch, was sich in der Praxis in erhöhten Blutzuckerwerten, Stammfettsucht, Hautveränderungen und dem Abbau von Knochen- und Muskelgewebe äußert. Solche Symptome kennt man auch von Langzeiteinnahmen von Corticosteroiden, wie Prednisolon etc.

Das Nebennierenmark ist nur äußerst selten von einer Unterfunktion betroffen. Das Gleiche gilt auch für die Überfunktion. Die tritt im Wesentlichen ein, wenn sich Tumore im Mark gebildet haben, die ebenfalls Katecholamine bilden können. Es kommt dann zu schlagartig erhöhten Blutdruckwerten bedingt durch eine überhöhte Katecholaminfreisetzung, die ernsthafte Folgen auf das Herz-Kreislauf-System haben kann (Herzinfarkt, Schlaganfall usw.)

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"Problemchen" mit der Nebenniere

Soweit eine kurze Zusammenfassung oder Übersicht zu den ernsthaften Erkrankungen der Nebenniere. Aber hier sind wir schon in einem fortgeschrittenen Stadium. Wie bei vielen anderen Erkrankungen, ausgenommen die erblich bedingten, bauen sich diese Zustände in der Nebenniere erst langsam auf, bevor die ernsthaften Symptome zutage treten. Die Reservekapazitäten der Nebenniere sind so groß, dass 90 Prozent der Nebenniere funktionsunfähig werden müssen, bevor die ersten (ernsten) Symptome auftreten. Aber dann ist es meist schon zu spät, die Nebenniere wieder auf „Vordermann“ zu bringen.

Bei einer Unterfunktion bzw. auf dem Weg dahin kommt es zu „typischen“ Beschwerden, die aber oft nicht mit der Nebenniere in Verbindung gebracht werden. Die Betroffenen klagen über:

Wenn eine Reihe dieser Symptome bei Ihnen eintreten, dann könnte dies ein Hilfeschrei der Nebennieren sein. Diesen zu missachten wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eines Tages zu einer vollkommenen Unterfunktion führen.

Aber wieso machen die Nebennieren schlapp?

Stress hat viel mit beiden Organen in der Nebenniere zu tun. Erinnern Sie sich, dass die Rinde das Stresshormon Cortisol produziert und das Mark Adrenalin und Noradrenalin. Adrenalin und Noradrenalin werden dann produziert und ausgestoßen, wenn eine „Flucht- oder Kampfsituation“ vorliegt.

Beide Katecholamine erhöhen den Blutdruck und die Herzfrequenz, so dass der Organismus in der Stresssituation stärker durchblutet wird. Diese stärkere Durchblutung sichert einen verbesserten Sauerstoff- und Nährstofftransport zu den Organen. Cortisol bewirkt eine Verstärkung der Gluconeogenese (Neusynthese von Glucose aus organischen Vorstufen von Nicht-Kohlehydraten). Weiter verstärkt Cortisol die lipolytische Wirksamkeit von Adrenalin und Noradrenalin und baut Proteinreserven ab.

Man kann sich leicht ausmalen, dass bei einem Kampf oder der Flucht vor einem Feind diese Mechanismen notwendig sind, um den Organismus leistungsfähiger zu machen. Denn Schlagen und Rennen erfordern Energien, die die Glucose besonders schnell bereit stellt. Der erhöhte Blutdruck und die erhöhte Herzfrequenz transportieren Sauerstoff und Glucose schneller an die Zielorte und decken somit den erhöhten Energiebedarf.

Beim mentalen Stress, der vorherrschenden Form des Stresses in der modernen Gesellschaft, treten genau diese Vorgänge ebenso in Kraft wie beim Kämpfen und Flüchten. Der Unterschied ist nur, dass der mentale Stress keine Kampf- oder Fluchtsituation darstellt. Es wird kaum körperliche Energie benötigt, da man vor dem mentalen Stress nicht wegrennen kann und ihn auch nicht bekämpfen kann. Denn wie reagieren Sie bei dem Stress, den Sie mit Ihrem Chef haben oder beim Mobbing? Schlagen Sie ihn zusammen oder rennen Sie schnell weg? Theoretisch wären dies Möglichkeiten, die sich aber für einen zivilisierten Menschen nicht gehören.

Es wäre gesellschaftlich unakzeptabel. Und die Kündigung bzw. eine Anklage wegen Körperverletzung wäre die Folge. Das heißt, dass mentaler Stress länger anhält als körperlicher Stress. Beim körperlichen Stress ist die Sache schnell erledigt in der Regel: entweder man entkommt dem Tiger oder Bären oder man wird gefressen. Beim Kampf gewinnt man oder verliert. Ein Kampf dauert auch keine Monate oder Jahre. Adrenalin und Noradrenalin haben eine kurze Halbwertszeit und sind nach Beendigung der Situation verschwunden. Die Cortisolwirkung setzt mit einer leichten Verzögerung ein, da bei einer Stresssituation zunächst genug Glucose im Blut ist. Die verzögerte Wirkung aktiviert nur die Energiereserven, falls die notwendig werden sollten.

Aber mentaler Stress ist nicht so leicht abzubauen. Und die Stresssituationen kommen auch täglich wieder und wieder auf Sie zu. Damit wird Ihr Stresssystem, die Nebennieren an vorderster Front, permanent belastet. Sie produzieren pausenlos Adrenalin und Noradrenalin und belasten somit das Herz-Kreislauf-System, sinnloserweise.

Sie produzieren pausenlos Cortisol und belasten den gesamten Stoffwechsel, was der Türöffner für Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes, darstellen kann. Und diese unphysiologische Dauerbelastung mit mangelhaften Regenerationszeiten können auch die Nebennieren langfristig nicht verkraften. Es kommt der Tag, wo sie ausgebrannt sind und in die Unterfunktion fallen.

Was tun?

Die Antwort ist eigentlich leicht zu geben: Vermeidung von Stress.

Die Praxis spricht aber eine andere Sprache. Wie kann ich unliebsame Chefs oder Kollegen meiden, wenn ich auf meinen Job angewiesen bin? Bei beruflichem oder privatem Stress (schlimmstenfalls beides gleichzeitig) ist die Lösung des Problems in der Regel nicht einfach. Da die Vermeidung oft unmöglich ist, wäre die nächstbeste Möglichkeit, stresslindernde Tätigkeiten in der Freizeit durchzuführen.

Yoga, Qi-Gong, Tai-Chi, Entspannungsübungen, Entspannungsbäder, autogenes Training, Meditation usw., um dem Organismus wenigstens für eine kurze Zeit eine Pause zu gönnen und stressfrei zu sein.

Empfehlenswert sind diese Maßnahmen auch, um einen gestörten Schlaf und Einschlafschwierigkeiten zu bekämpfen. Gehen sie bis 22.30 Uhr ins Bett, auch wenn Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschlafen können. Die Dunkelheit fördert die Produktion von Melatonin, das auch als „Schlaf-Hormon“ bekannt ist.

Ausgleichssport ist sinnvoll, aber nur in dem Maße, das nicht zu einer Überforderung führt. Wer sich nach den Leibesübungen eher ausgebrannt als entspannt fühlt, sollte zu leichteren Sportarten wechseln. Hier kommen Gymnastik wie Stretching, Nordic-Walking und Yoga in Frage.

Unterstützend wirkt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wobei coffeinhaltige Getränke vermieden werden sollten. Besser sind Kräutertees etwa mit Basilikum, Löwenzahnwurzel und Minze. Zitronensaft ist besonders bei den im Verlauf einer Nebennierenstörung auftretenden Verdauungs-Problemen ratsam. Probiotische Präparate fördern die Gesundung des Magen-Darm-Traktes ebenfalls. Bei Salzhunger sind mineralreiche Nahrungsmittel und Getränke empfehlenswert sowie Himalaja-Salz oder Seetangblätter (Nori). 

Da Stress eine „Erfindung“ der Natur ist, hat die Natur, wie so häufig, auch Mittel und Wege bereitgestellt, die beim Beseitigen von Stress helfen können. Und diese Mittel haben einen zentralen Einfluss auf die Nebennieren.

Als erstes sei hier die Pantothensäure zu nennen, die auch Vitamin B5 genannt wird. Dieses Vitamin hat eine ganze Reihe an Aufgaben zu bewältigen. Es ist notwendig für die Synthese von Coenzym A. Dieses Coenzym ist direkt am Fettstoffwechsel und indirekt am Eiweißstoffwechsel und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt. Damit wird klar, dass ein Absinken der Pantothensäurespiegel zu einer Verschlechterung der Stoffwechselleistung führt und damit Müdigkeit, Schwächegefühl usw. auslöst. Außerdem ist die Substanz an der Cholesterinsynthese beteiligt, die für die Bildung der Steroidhormone notwendig ist. Die Pantothensäure in Form von Coenzym A wird auch für die Acylierung und Acetylierung benötigt. Hierbei werden Acyl- bzw. Acetylgruppen in Moleküle eingefügt und somit deren Funktion verändert. In diesem Fall handelt es sich um Enzyme und Botenstoffe, die durch diese Vorgänge ein- und ausgeschaltet werden können.

Heute wissen wir, dass die Pantothensäure in der Lage ist, die Stresshormone Cortisol und Progesteron zu erhöhen. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus dem Jahr 1985 zeigte bei Ratten, bei denen künstlich ein Pantothensäuremangel ausgelöst worden war, dass die Funktion der Nebenniere sich verschlechtert hatte. Diese Funktion verbesserte sich in dem Maße wie Pantothensäure wieder zugeführt wurde (Adrenal cortex functional activity in pantothenate deficiency und the administration of the vitamin or its derivatives).

Eine Arbeit aus dem Jahr 2008 zeigte ähnliche Ergebnisse (Effects of pantothenic acid supplementation on adrenal steroid secretion from male rats). Nur wurde hier bei den Ratten keine Hypovitaminose (Vitaminmangel) erzeugt, sondern die Tiere bekamen zusätzlich zu ihrem normalen Futter noch einen Zusatz an Pantothensäure ins Trinkwasser. Auch hier war ein direkter Zusammenhang zwischen der Verabreichung des Vitamins und der Produktion an Progesteron und Cortisol zu sehen. Außerdem, so stellten die Autoren fest, scheint die Pantothensäure die Ansprechbarkeit der Nebennierenrinde auf ACTH zu erhöhen.

Wenn man sich in der Literatur nach den empfohlenen Tagesdosen umschaut, dann entsteht der Eindruck, als wenn es unmöglich wäre, einen Vitamin-B5-Mangel zu bekommen. Denn die Substanz ist in fast jedem Lebensmittel enthalten. Fleisch ist dabei der beste Pantothensäure-Lieferant. Vollkornprodukte, Eier, Nüsse, Reis, Obst und Gemüse, Milch und Bierhefe (Prost) sind ebenfalls gute Quellen.

Diese Nahrungsmittel sollen dann in der Lage sein, den Tagesbedarf zu decken, der je nach Alter verschieden hoch ausfällt:

Säuglinge bis zum 6. Monat 1,7 Milligramm
Säuglinge und Kleinkinder bis zum 12. Monat 1,8 Milligramm
Kinder von 1 bis 3 Jahren 2 Milligramm
Kinder von 4 bis 8 Jahren 3 Milligramm
Kinder von 9 bis 13 Jahren 4 Milligramm
Erwachsene und Jugendliche von 14 + Jahren 5 Milligramm

Schwangere

Stillende Mütter

6 Milligramm

7 Milligramm

In Großbritannien und Deutschland werden für Erwachsene beiderlei Geschlechts 6 Milligramm pro Tag empfohlen.

Wie wir aber bereits bei der wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 2008 gesehen haben, kann eine Supplementierung zusätzlich zu einer normalen Diät die Funktion der Nebennieren verbessern. Zudem bin ich noch nicht vollkommen überzeugt, ob die uns zu Verfügung stehenden Nahrungsmittel wirklich die Nährstoffe beinhalten, die sie von Natur aus eigentlich haben sollten. Für die Industrieprodukte bin ich mir sicher, dass dies nicht der Fall ist. Und dies betrifft auch die Pantothensäure.

Falls Sie also ein oder mehrere Symptome für eine Nebenniereninsuffizienz haben sollten, dann wäre eine Supplementierung mit Pantothensäure ein erster Schritt, diese zu kompensieren. Da die Pantothensäure praktisch untoxisch ist, muss man auch bei höheren Dosierungen nicht mit unerwünschten Wirkungen rechnen. Erst bei monatelanger Supplementierung mit täglich 10 Gramm (1 Gramm hat 1000 mg; 10 Gramm wären die 1666-fache Dosierung der normalen empfohlenen Tagesdosis von 6 Milligramm) kann es zu Darmstörungen, gestörter Gefäßneubildung und Gefäßerweiterung kommen.

Solche Giga-Dosen sind jedoch nicht erforderlich, um eine Nebenniereninsuffizienz zu korrigieren. Die 1985 erschienene Arbeit gibt an, den Versuchstieren 3,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht zu haben. Dies wären für einen 80 Kilogramm schweren Menschen 264 Milligramm pro Tag. Dies ist ebenfalls eine stolze Menge, aber vollkommen problemlos.

Eine weitere Hilfe kann die Lakritze sein. Denn die Wurzeln des Süßholz enthalten unter anderem einen Stoff, der Glycyrrhinzinsäure genannt wird. Diese Substanz wirkt schleimlösend, schleimverflüssigend, anti-bakteriell, anti-mykotisch, anti-viral usw. Sie hat entzündungshemmende und krampflösende Wirksamkeit.

Darüber hinaus ist die Glycyrrhinzinsäure in der Lage, das Enzym zu blockieren, das für Abbau und Deaktivierung von Cortisol verantwortlich ist. Damit erhöht sich die Halbwertszeit von Cortisol und braucht demzufolge nicht so häufig von der Nebennierenrinde nach produziert werden. Da die Säure eine Reihe von strukturellen Gemeinsamkeiten mit Cortisol hat, hat sie auch Cortisol-ähnliche Eigenschaften, wie z. B. die entzündungshemmende Wirkung.

Dies ist ein weiterer Punkt, der eine herabgesetzte Produktion begünstigt und somit die Arbeit der Nebennieren erleichtert. Bei einem vorliegenden Bluthochdruck jedoch ist ein vermehrter Verzehr von Lakritze nicht zu empfehlen, da die Glycyrrhinzinsäure auch die Aldosteron-Spiegel anhebt, die wiederum den Blutdruck ansteigen lassen. Personen mit einer Tendenz zur Hypotonie (zu geringer Blutdruck) können hier von der Lakritze mehr profitieren. Da bei einer Nebenniereninsuffizienz auch die Produktion an Aldosteron betroffen ist, kann die Lakritze helfen, die Aldosteronproduktion zu harmonisieren.

Das homöopathische Komplexmittel Phytocortal enthält Potenzen von Schöllkraut (Chelidonium majus), Gänseblümchen (Bellis perennis) und Dioscorea villosa aus der Familie der Yamswurzelgewächse. Das Mittel stimuliert die Nebennierenrinde und wirkt so einer Unterfunktion entgegen. Die Einnahme sollte aber immer mit einem Heilpraktiker abgestimmt werden. Einige Kollegen vermuten (wie ich auch), dass das Medikament den Gesundheitszustand von Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom oder mit Fibromyalgie (chronische Faser-Muskel-Schmerzen) verbessern kann. Denn diese beiden komplexen Krankheitsbilder werden auch durch eine mangelhafte Ausschüttung der Nebennierenhormone bedingt.

Cordyceps sinensis (Chinesischer Raupenpilz) ist ein Heilpilz, der in Tibet und in China seit langer Zeit traditionell genutzt wird. Wissenschaftlich ist anhand von Tierversuchen erwiesen, dass der Heilpilz die körpereigene Produktion der Corticosteroide stimuliert, also die Nebenniere aktiviert (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9620174 und http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16141547).

Ebenfalls in Laborkontrollen konnte gezeigt werden, dass sich eine wässrige Lösung von Cordyceps sinensis bei Stresssymptomen und Erschöpfungserscheinungen positiv auswirkt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12736514).

Der Pilz, der auf unterirdisch lebenden Raupen im tibetischen Hochland wächst, wird in der asiatischen Heilkunst allgemein dazu genutzt, um die Lebensenergie zu verbessern.

Die Schlafbeere (Withania somnifera), auf Sanskrit Ashwagandha genannt, wird aufgrund der guten Verträglichkeit und des großen Wirkspektrums in der ayurvedischen Medizin sehr häufig verwendet. So wird sie zum Beispiel bei Stress zur Stärkung der Nebenniere, aber auch bei neurologischen Erkrankungen oder bei Entzündungen eingesetzt (zusammengefasst in www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22754076).

Erhältlich sind meist Extrakte oder getrocknete Pflanzenteile der auch als indischer Ginseng bezeichneten Schlafbeere. Verwendet werden in Indien sowohl die Blätter und Wurzeln als auch die Beeren.

Fazit

Vitamin B5 und Lakritze können bei einer sich anwandelnden Nebenniereninsuffizienz gute Dienste leisten, die Insuffizienz kompensieren zu helfen.

Gleiches gilt für Medikamente aus der Schlafbeere oder Cordyceps sinensis und für das homöopathische Mittel Phytocortal, die allesamt als wirksam und gut verträglich gelten. Diese Alternativen erscheint mir günstiger als bei einer ausgelaugten Nebenniere täglich synthetische Hormone einnehmen zu müssen, um die Lebensfähigkeit zu erhalten.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.03.2017 aktualisiert.