Ackerschachtelhalm

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Ackerschachtelhalm ist eine weit verbreitete Pflanze, die unter zahlreichen Synonymen bekannt ist, von denen Zinnkraut das am meisten verwendete ist. Seine englische Bezeichnung horsetail (Pferdeschwanz) ist auf Deutsch ebenfalls als Synonym bekannt.

Vorkommen

Die Pflanze zählt zur Familie der Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae). Man findet die Heilpflanze auf Äckern, an Wiesenrändern oder auf Böschungen. Sie bevorzugt lehmige, feuchte Böden und bildet reich verzweigte, bis zu 1,60 m tief reichende Rhizome. Über die Rhizome kann der Ackerschachtelhalm sich vegetativ vermehren und ist nur schwer zu entfernen. Ackerschachtelhalm enthält rund zehn Prozent Kieselsäure und Silicate, die in die Zellwände eingelagert sind.(1)

Die Kieselsäure machte ihn früher zu einer beliebten Pflanze für den Haushalt, wo er dem Reinigen von Töpfen und Geschirr aus Zinn diente und so zu Synonymen wie Zinnkraut, Pfannebutzer oder Scheuerkraut kam. Kieselsäure und weitere bioaktive Pflanzenstoffe wie Kaempferol, Quercetin-Glycoside und Koffeinsäure-Derivate machen den Ackerschachtelhalm zur Heilpflanze.(2)

Ackerschachtelhalm

Geschichte

Dioskurides und Plinius beschrieben seine Heilwirkung bereits in der Antike und hoben vor allem seine blutstillenden Eigenschaften vor. Auch Ibn Sina, besser bekannt als Avicenna, und Hieronymus Bock berichteten über Ackerschachtelhalm.

Sebastian Kneipp bezeichnete ihn sogar als unersetzlich und setzte ihn unter anderem gegen Gicht und Rheuma ein. Tee aus Ackerschachtelhalm ist ein traditionelles Heilmittel für Erkrankungen der Harnwege. Verwendet wird der oberirdische unfruchtbare grüne Stängel, der im Frühjahr und Sommer austreibt. Er wird vor der Blüte von Mai bis August gesammelt. Die Sporentriebe finden keine Verwendung in der Heilkunde. Die traditionelle Anwendung des Ackerschachtelhalms umfasst zahlreiche, verschiedene Gebiete.

Wirkung

Er soll bei Rheuma, Gicht, Harnwegs- oder Nierenerkrankungen, Husten, Nierengries, Ödemen, Arthrose, Stoffwechsel- oder Verdauungsstörungen und Bindegewebsschwäche lindernd wirken. Zudem findet er in der Kosmetik Einsatz, beispielsweise gegen schnell fettendes Haar. Durch den hohen Gehalt an Kieselsäure stärkt die Pflanze Haut und Bindegewebe. Bäder und Umschläge mit Ackerschachtelhalm haben sich bei Ekzemen, eiternden Pickeln, Wunden oder entzündlichen Hauterkrankungen als hilfreich bewährt.

Sportler verwenden Ackerschachtelhalm-Präparate als Nahrungsergänzung zur Stärkung von Bändern und Sehnen. Die moderne Forschung hat den Ackerschachtelhalm auf verschiedene Eigenschaften hin untersucht und seine traditionelle Anwendung teilweise wissenschaftlich bestätigt.

Gegen frei Radikale

Verschiedene Studien belegen die Wirkung des Ackerschachtelhalms als Antioxidans. Eine serbische Studie belegt die antioxidative Kraft verschiedener Extrakte aus der Pflanze, darunter der Ethanolextrakt und wässrige Extrakt. Alle Extrakte wirkten gegen freie Radikale, während der Ethanolextrakt am wirkungsvollsten war und einen hohen Anteil des Flavonoids Isoquercitrin enthielt.(3)

Eine weitere Studie bestätigt die Wirkung und wies nach, dass Ackerschachtelhalmextrakte effektiv freie Radikale neutralisieren können. Zudem konnten die Forscher zeigen, dass die Extrakte das Wachstum von Tumorzellen unterdrücken. Sie schlagen daher die Pflanze als Quelle für natürliche Antioxidantien und als Phytotherapeutikum vor.(4)

Krebs

Im Mausmodell konnte ein injizierter Peptid-Extrakt einer Pflanzenmischung, die Ackerschachtelhalm enthält, das Tumorwachstum unterdrücken und die Überlebensrate um 33 Prozent erhöhen.(5)

Hepatitis

In Asien wird Ackerschachtelhalm traditionell bei Hepatitis eingesetzt. Koreanische Forscher untersuchten deshalb einen Methanolextrakt aus Ackerschachtelhalm an menschlichen Leberzellen. Tatsächlich zeigte sich der Extrakt als leberschützend. Zudem konnte seine antioxidative Kraft im Zellversuch weiter belegt werden.(6)

Gedächtnis

Wissenschaftler aus Brasilien zeigten an älteren Ratten eine Stärkung der kognitiven Leistung durch die Einnahme von Ackerschachtelhalm. Die Tiere erhielten täglich einen wässrig-alkoholischen Auszug aus der Heilpflanze in der Dosis 50 mg/kg. Den beobachteten Effekt führen die Forscher zumindest teilweise auf die antioxidativen Eigenschaften der Pflanze zurück. Nebenwirkungen wurden keine beobachtet.(7)

Diabetes

Ackerschachtelhalm wirkt antidiabetisch. Bei Ratten mit Diabetes konnte ein Extrakt der Pflanze den Blutzuckerlevel senken und Zellen regenerieren. Die Tiere hatten fünf Wochen lang täglich 50 oder 250 mg pro Kilo Körpergewicht Ackerschachtelhalm-Methanolextrakt oral bekommen. Beide Dosen erwiesen sich als wirksam.(8)

Eine Studie bestätigt die antidiabetische, blutzuckersenkende Wirkung des Methanolextrakts und konnte zudem zeigen, dass der Extrakt den Gewichtsverlust durch Diabetes stoppt.(9)

In einigen Ländern wird Ackerschachtelhalm traditionell gegen Diabetes eingesetzt. Einige überlieferte Anwendungen beschreiben den Ackerschachtelhalm als entzündungshemmend. Seine entzündungshemmenden Eigenschaften konnten brasilianische Forscher an Mäusen zeigen. In der Dosis 100 mg pro Kilo Körpergewicht wirkte der wässrig-alkoholische Extrakt deutlich entzündungshemmend. Daneben konnte die Studie eine dosisabhängige schmerzstillende Wirkung des Ackerschachtelhalms nachweisen.(10)

Ackerschachtelhalm gegen Krämpfe und Angst

Dieselben Forscher zeigten an Tieren, dass ein Extrakt von Ackerschachtelhalm krampflösend und beruhigend wirkt. Diese Wirkung tritt jedoch erst bei Dosen von mindestens 200 mg/kg ein. Eine nähere Untersuchung des Pflanzenextraktes ergab dabei, dass er bioaktive Pflanzenstoffe wie Tannine, Saponine, Sterole und Flavonoide enthält.(11) Wenn Sie mit Verspannungen zu tun haben, finden Sie in meinem Beitrag: "Verspannungen lösen" weitere Hinweise und Tipps.

Bei Mäusen wirkt der Ethanolextrakt (100 mg/kg) aus Ackerschachtelhalm angstlösend und leicht beruhigend. Zudem verlängert die Einnahme des Extrakts die Schlafzeit. Der angstlösende Effekt war dabei mit dem des Wirkstoffs Diazepam vergleichbar, während die beruhigende Wirkung geringer war.(12) Diazepam ist ein vielfach eingesetztes Psychopharmakon, das jedoch ein hohes Suchtpotential hat. Auch hier habe ich einen Beitrag, der weiterhelfen kann: Angstzustände bekämpfen und verstehen.

Wirksam gegen Pilze, Bakterien und andere Mikroben

Im Jahr 2006 destillierten Forscher ätherisches Öl aus Ackerschachtelhalm und setzten es 1:10 verdünnt gegen eine Reihe von Mikroben ein. Dabei zeigte sich das verdünnte Öl stark antimikrobiell wirksam gegen verschiedene Bakterien (Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa, Salmonella enteritidis) und Pilze (Aspergillus niger, Candida albicans). Ackerschachtelhalm wirkte gegen alle Mikroorganismen im Test, darunter humanpathogene Erreger wie Salmonellen.(13)

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Wirkung auf Blutgefäße

Japanische Forscher extrahierten Weinsäure aus Ackerschachtelhalm und untersuchten ihre Wirkung auf isolierte Blutgefäße der Ratte. Dabei beobachteten sie eine Vasodilatation, eine Erweiterung der Blutgefäße durch die Weinsäure. Die Kontraktion der Blutgefäße durch Kalium blieb durch den Wirkstoff unbeeinflusst. Die Weinsäure bewirkt die Vasodilatation durch Hemmung des Calcium-Einstroms.(14)

Durch die gefäßerweiternde Wirkung könnte Ackerschachtelhalm entspannend wirken oder einer Gefäßverengung entgegenwirken. Allerdings ist noch offen, ob dieser Effekt auch in vivo bei Tier und Mensch eintritt. In einer marokkanischen Studie zeigte sich Ackerschachtelhalmextrakt anti-thrombotisch und verhinderte in vitro die Bildung von Blutgerinnseln. So könnte die Heilpflanze bei cardiovasculären Erkrankungen lindernd wirken oder Komplikationen vorbeugen.(15)

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Die Anwendung von Ackerschachtelhalm oder Präparaten aus der Pflanze gilt als sicher und unerwünschte Nebenwirkungen werden bislang nicht berichtet. Eine Studie an Ratten konnte die Verträglichkeit und Ungiftigkeit der zeitlich begrenzten Einnahme von Ackerschachtelhalm bestätigen.(16)

Japanische Forscher zeigten, dass bei Ratten, die 13 Wochen lang Ackerschachtelhalm aufnehmen, keine Nebenwirkungen auftreten. Selbst tägliche Dosen von 1.5 g/kg waren sicher. (17)

Bei Menschen jedoch, die auf Zigarettenrauch allergisch reagieren, kann das im Ackerschachtelhalm in geringen Mengen vorhandene Nikotin eine allergische Reaktion hervorrufen.(18)

Auch schwangere Frauen sollten mit der Einnahme von Ackerschachtelhalm-Extrakten vorsichtig sein. Eine Fallstudie aus 2011 bringt die Entstehung von Autismus im Mutterleib mit der Einnahme von 1200 mg Ackerschachtelhalm täglich in Zusammenhang. Der Extrakt enthält eine hohe Menge des Enzyms Thiaminase, das für Vitaminmangel verantwortlich sein kann. Tatsächlich kam es in diesem Fall zu einem Mangel an B-Vitaminen während der Schwangerschaft. Daher raten die Mediziner werdenden Müttern zu einem Verzicht auf solche pflanzlichen Nahrungsergänzungen, die ein Risiko darstellen könnten.(19)

Viele bekannte Anwendungen wurden bislang nicht im Tiermodell oder in klinischen Studien untersucht. Vor allem in der Pharmaforschung wird die weit verbreitete Wildpflanze kaum erforscht. Doch viele überlieferte Anwendungen und ein geringes Sicherheitsrisiko machen den Ackerschachtelhalm zu einer interessanten Heilpflanze.

Vorsicht beim Sammeln!

Ackerschachtelhalm kann selber gesammelt und getrocknet werden. Dies sollten aber nur diejenigen tun, die seine Botanik kennen, denn er wird leicht mit dem Sumpfschachtelhalm verwechselt, der wegen seines hohen Anteils an Alkaloiden giftig ist.

Getrockneten Ackerschachtelhalm oder Zinnkraut kann man in Apotheken oder im Kräuterhandel ab 2,00 Euro pro 100 Gramm finden. Zudem gibt es fertige Präparate wie Tinktur oder Tee.

Ackerschachtelhalm ist übrigens einer der Wirkstoffe in Eviprostat, einem Medikament zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie.(20)

Ackerschachtelhalmtee (Zinnkrauttee)

Für einen Ackerschachtelhalmtee nimmt man 2 Teelöffel des Krauts. Dieses in einem viertel Liter kaltem Wasser (0,25l) drei Stunden lang ansetzen. Danach aufkochen und noch kurz ziehen lassen (ca. 1 Minute), dann abseihen. Kurmäßig kann man den Tee drei Wochen lang zu sich nehmen - morgens und abends je eine Tasse.

Der Aufguss kann nicht nur getrunken, sondern auch als Spülung für den Mund oder Wunden eingesetzt werden. Bei Hautkrankheiten kann er für Umschläge verwendet werden. Als Badezusatz stärkt er das Bindegewebe und die Elastizität der Haut.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 23.5.2017 aktualisiert

Quellen:

1. Currie & Perry. Chemical evidence for intrinsic 'Si' within Equisetum cell walls. Phytochemistry. 2009 Dec;70(17-18):2089-95. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19879606

2. Milovanović et al. Antioxidant, antimicrobial and genotoxicity screening of hydro-alcoholic extracts of five serbian Equisetum species. Plant Foods Hum Nutr. 2007 Sep;62(3):113-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17676400

3. Mimica-Dukic et al. Phenolic compounds in field horsetail (Equisetum arvense L.) as natural antioxidants. Molecules. 2008 Jul 17;13(7):1455-64. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18719517

4. Cetojević-Simin et al. Antioxidative and antiproliferative activities of different horsetail (Equisetum arvense L.) extracts. Journal of Medicinal Food. 2010 Apr;13(2):452-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20170379

5. Chaadaeva et al. [Antitumor activity of the plant remedy peptide extract PE-PM in a new mouse T-lymphoma/eukemia model]. [Article in Russian] Biomed Khim. 2009 Jan-Feb;55(1):81-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19351037

6. Oh et al. Hepatoprotective and free radical scavenging activities of phenolic petrosins and flavonoids isolated from Equisetum arvense. Journal of Ethnopharmacology. 2004 Dec;95(2-3):421-4. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15507369

7. Guilherme dos Santos et al. Cognitive enhancement in aged rats after chronic administration of Equisetum arvense L. with demonstrated antioxidant properties in vitro. Pharmacology, Biochemistry, Behaviour. 2005 Jul;81(3):593-600. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15972233

8. Soleimani et al. The effect of Equisetum arvense L. (Equisetaceae) in histological changes of pancreatic beta-cells in streptozotocin-induced diabetic in rats. Pak J Biol Sci. 2007 Dec 1;10(23):4236-40. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19086577

9. Safiyeh et al. Antidiabetic effect of Equisetum arvense L. (Equisetaceae) in streptozotocin-induced diabetes in male rats. Pak J Biol Sci. 2007 May 15;10(10):1661-6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19086514

10. Do Monte et al. Antinociceptive and anti-inflammatory properties of the hydroalcoholic extract of stems from Equisetum arvense L. in mice. Pharmacology Research. 2004 Mar;49(3):239-43. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14726218

11. Dos Santos et al. Sedative and anticonvulsant effects of hydroalcoholic extract of Equisetum arvense. Fitoterapia. 2005 Sep;76(6):508-13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15972249

12. Singh et al. Anxiolytic effects of Equisetum arvense Linn. extracts in mice. Indian Journal of Experimental Biology. 2011 May;49(5):352-6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21615059

13. Radulović et al. Composition and antimicrobial activity of Equisetum arvense L. essential oil. Phytotherapy Research. 2006 Jan;20(1):85-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16397851

14. Sakurai et al. [Vasorelaxant activity of caffeic acid derivatives from Cichorium intybus and Equisetum arvense].[Article in Japanese] Yakugaku Zasshi. 2003 Jul;123(7):593-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12875242

15. Mekhfi et al. Platelet anti-aggregant property of some Moroccan medicinal plants. Journal of Ethnopharmacology. 2004 Oct;94(2-3):317-22. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15325737

16. Baracho et al. Study of acute hepatotoxicity of Equisetum arvense L. in rats. Acta Cir Bras. 2009 Nov-Dec;24(6):449-53. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20011829

17. Tago et al. Evaluation of the Subchronic Toxicity of Dietary Administered Equisetum arvense in F344 Rats. Journal of Toxicologic Pathology. 2010 Dec;23(4):245-51. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22272034

18. Sudan BJ. Seborrhoeic dermatitis induced by nicotine of horsetails (Equisetum arvense L.). Contact Dermatitis. 1985 Sep;13(3):201-2. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2932297

19. Ortega García et al. Prenatal exposure of a girl with autism spectrum disorder to 'horsetail' (Equisetum arvense) herbal remedy and alcohol: a case report. Journal of Medical Case Reports. 2011 Mar 31;5:129. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21453474

20. Oka et al. Relevance of anti-reactive oxygen species activity to anti-inflammatory activity of components of eviprostat, a phytotherapeutic agent for benign prostatic hyperplasia. Phytomedicine. 2007 Aug;14(7-8):465-72. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17583488