Aloe Vera

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ob als Pflegecreme zur äußerlichen Anwendung oder zum Einnehmen - der Aloe Vera werden zahlreiche Heilwirkungen nachgesagt.

Doch welche Effekte lassen sich mit der pflanzlichen Substanz tatsächlich erzielen?

Inhaltsstoffe und Wirkung

Zu Unterscheiden sind zunächst die Begriffe "Aloe" und "Aloe Vera". Während der Erstgenannte die Sammelbezeichnung für die vorliegende Pflanzengattung darstellt, die aus der Untergewächse der Affodillgewächse stammt, handelt es sich bei der Aloe Vera um eine bestimmte Art dieser Gattung, von denen jedoch insgesamt 500 existieren.

Die unterschiedlichen Aloe Arten weisen dabei durchaus verschiedene Wirkungen auf, medizinisch genutzt wird ausschließlich die Aloe Vera.

Die Pflanze zeichnet sich durch zahlreiche wirksame Inhaltsstoffe aus, die für ihre Wirkung verantwortlich gemacht werden. Dabei kommen hauptsächlich zwei verschiedene Produkte - das Aloe-Gel und der Aloe-Saft - zum Einsatz, die jeweils aus den Blättern der kakteenähnlichen Pflanze gewonnen werden. Das Gel wird durch die geschälten Blätter und nach Herauslösen des im Blattinneren befindlichen Kerns gewonnen, wobei eine fast farblos, viskose Masse entsteht.

Aloe

Das Endprodukt enthält über 90% Wasser, daneben die Zuckerarten Mannose, Glucose und Galactose sowie eine Vielzahl an wasserlöslichen Vitaminen, Aminosäuren und Salicylsäure. Bei dem zweiten aus der Aloe Vera-Pflanze gewonnen Produkt handelt es sich um den Saft, der aus den äußeren Blattteilen gewonnen wird, recht bitter schmeckt und der die stark abführenden Anthrachinonglykoside Aloin A und B enthält. [1]

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Trennung von Gel und Saft nicht immer sauber erfolgt, so dass abhängig von der Art des Herstellungsverfahrens durchaus auch abführende Komponenten im Gel vorhanden sein können. Deswegen ist beim Kauf auf Qualität zu achten, die aus einem patentierten Verfahren resultiert. [2]

Aloe Vera Saft findet häufig Verwendung als Abführmittel, während das Gel vor allem äußerlich bei zahlreichen Hautsymptomatiken eingesetzt wird. Hierzu gehören vor allem Hautreizungen und Wunden, aber auch Verbrennungen und Psoriasis. Zubereitungen, die für die Einnahme geeignet sind (zum Beispiel Trinkgel) werden darüber hinaus auch als Mittel gegen hohen Blutzucker oder bei Reizdarmsyndrom angeboten. [1]

Studien

Vor allem zum Gel der Aloe Vera-Pflanze wurden mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Studien durchgeführt. Wie das Ergebnis zeigt, kann durch die regelmäßige Anwendung des Produkts vor allem die Hautfeuchte verbessert werden. Rauhe, rissige Haut wird durch Aloe Vera geschmeidiger und weicher. [3]

Die Glucane, die in den Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung enthalten sind, bewirken darüber hinaus eine entzündungshemmende und wundheilende sowie zellteilungsfördernde Wirkung. Aus diesem Grund ist der Einsatz auch bei leichten Verletzungen angezeigt. [4]

Ferner können Produkte der Pflanze auch bei seborrhoischer Dermatitis eingesetzt werden, wie die Ergebnisse einer Doppelblindstudie zeigte, an denen insgesamt 44 Erwachsene teilgenommen haben, trat bei etwa 60% der Probanden eine deutliche Besserung auf, während nur ein Fünftel der Kontrollgruppe einen Erfolg verzeichnen konnte. [5]

Bei einer placebokontrollierten, doppelblinden Studie aus Pakistan, bei der insgesamt 60 Patienten untersucht wurden, konnte hingegen eine hydrophile Creme mit Aloe Vera innerhalb eines Monats bei 83% der Untersuchten eine deutliche Besserung von Psoriasis herbeiführen, nur 6,65 der Betroffenen aus der Kontrollgruppe konnten einen derartigen Effekt nachweisen. [6]

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Untersuchungen, die in der Zeit danach durchgeführt wurden, konnten allerdings diese Wirkung nicht mehr bestätigen, so dass die Untersuchung durchaus kontrovers zu sehen ist. Auch die innerliche Anwendung von Aloe Vera kann unterschiedliche Heilwirkungen erzielen. Verschiedenen Studien zufolge weist die Substanz einen immunmodelierenden Effekt auf, der auf die Polysaccharide der Pflanze zurückzuführen ist, zum Beispiel Aloctin A und Acemannan, allerdings müssen von Letztgenanntem besonders hohe Dosierungen vorliegen, damit dieser Effekt zustande kommt. [7]

Dann jedoch können möglicherweise auch Alzheimer-Patienten von dieser Wirkung profitieren. [8] Auch die Wirkung von Aloe Vera bei Diabetes mellitus (hier Typ II) wurde überprüft. Nach einer achtwöchigen Behandlung, bei der insgesamt 30 Diabetiker täglich mit 2x300mg Gel in Kapselform versorgt wurden, konnten sowohl eine Abnahme des Nüchtern-Blutzuckerspiegels sowie des HbA1c und des Gesamt-Cholesterins festgestellt werden. [9]

Die Dosierung, die für die Wirksamkeit für Aloe Vera-Produkte gewählt werden muss, schwankt je nach Art der Zubereitung und Zusammensetzung des Produkts sowie nach Art der Erkrankung. Eine Standarddosierung ist bisher nicht vorhanden.

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Aloe Vera

Grenzen der Anwendung und Nebenwirkungen Der Saft der Aloe Vera, der vor allem auch als Abführmittel Verwendung findet, erzeugt starke Hyperämien in den Unterleibsorganen und darf deshalb nicht während der Schwangerschaft oder der Menstruation sowie in der Stillzeit, bei Nierenentzündungen oder bei Vorliegen von Hämorhhoiden zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich sollte der Saft zudem auch bei Gesunden nicht länger als zwei Wochen verwendet - nicht zuletzt aufgrund seines kanzerogenen und genotoxischen Potenzials. Aus diesem Grund gilt die Substanz wenigstens in seiner Eigenschaft als Abführmittel obsolet, da heute andere, moderne und sanfte Laxantien zur Verfügung stehen, zum Beispiel Milchzucker oder unterschiedliche Quellstoffe. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören bei der topischen Anwendung und gelartigen Zubereitung Brennen auf der Haut, Juckreiz und allergische Dermatitis, die allerdings alle als reversibel angesehen werden können. [1]

Fazit

Wie die Studienlage zeigt, können Aloe Vera-Produkte nicht bei allen Anwendungsgebieten, mit denen sie beworben werden, überzeugen. Bei einzelnen Symptomatiken konnte jedoch durchaus ein guter Effekt nachgewiesen werden. Allerdings ist beim Kauf der Gele unbedingt auf eine gute Qualität und Reinheit zu achten, da Verunreinigungen mit Anthrachinonen zu starken Nebenwirkungen führen können und bei bestimmten Symptomen kontraindiziert sind, ist hierauf besonders zu achten.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.11.2014 aktualisiert

Quellen

[1] Brodschelm, Wilhelm: Aloe Vera auf dem Prüfstand, in: Pharmazeutische Zeitung 04 (2004)

[2] Hager's Handbuch, Aloe-vera-Gel, HagerROM 2001, Springer Verlag, Heidelberg

[3] Dal'Belo, S. E. / Rigo Caspar, L. / Berardo Goncalves, P. M.: Feuchtigkeitsspendende Wirkung von kosmetischen Formulierungen mit Aloe

[4] Esua, M.F. / Rauwald, J.-W.: Neuartige bioaktive Maloyl Glucane aus Aloe Vera Gel: Isolierung, Strukturaufklärung und In-Vitro-Bioassays, Elsevier Ltd., 2005

[5] Vardy, D. A., et al., A double-blind, placebo-controlled trial of an Aloe vera (A. barbadensis) emulsion in the treatment of seborrheic dermatitis. Journal of Dermatological Treatment 10 (1999) 7 - 11.

[6] Syed, T. A., et al., Management of psoriasis with Aloe vera extract in a hydrophilic cream: a placebo-controlled, double-blind study., Tropical Medicine & International Health 4 (1996) 505 - 9.

[7] Im SA, Lee YR, Lee YH, Lee MK, Park YI, Lee S, Kim K, Lee CK. In vivo evidence of the immunomodulatory activity of orally administered Aloe veArch Pharm Res. 2010 Mar;33(3):451-6.

[8] Lewis JE, McDaniel HR, Agronin ME, Loewenstein DA, Riveros J, Mestre R, Martinez M, Colina N, Abreu D, Konefal J, Woolger JM, Ali KH. The effect of an aloe polymannose multinutrient complex on cognitive and immune functioning in Alzheimer's disease. J Alzheimers Dis. 2013;33(2):393-406.

[9] Huseini HF, Kianbakht S, Hajiaghaee R, Dabaghian FH. Anti-hyperglycemic and anti-hypercholesterolemic effects of Aloe vera leaf gel in hyperlipidemic type 2 diabetic patients: a randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. Planta Med. 2012 Mar;78(4):311-6. Vera Extrakt in unterschiedlichen Konzentrationen, beurteilt durch Haut- Biologische Verfahrenstechniken, Skin Research and Technology 2006, 12, S. 241 - 246