Helmkraut (Huang Qin): Studien, Wirkung und Möglichkeiten

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Obwohl das Wissen um die Heilkraft bestimmter Pflanzen alt ist und in traditioneller Medizin Anwendung findet, werden viele Heilpflanzen wie ihre Extrakte in der modernen Medizin bislang kaum arzneilich eingesetzt.


 

Dabei sind zahlreiche Wirkungen längst auch wissenschaftlich belegt worden, während die meisten Pflanzenextrakte kaum unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Das Helmkraut oder Baikalhelmkraut, mit lateinischem Namen Scutellaria baicalensis, aus der Familie der Lippenblütler gehört zu diesen Pflanzen.
Diese Helmkraut-Art hat nicht nur eine lange Tradition als Heilpflanze, sondern wurde auch wissenschaftlich auf ihre Wirkung untersucht.

Herkunft der Pflanze

Ursprünglich war die Pflanze in Sibirien zuhause, verbreitete sich dann in China und Nordamerika und wird heute auf der ganzen Welt angepflanzt.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird das Baikalhelmkraut seit jeher eingesetzt. Es ist in China als Huang qin bekannt und wird zu den 50 wichtigsten Heilpflanzen der chinesischen Kräuterkunde gezählt.

Folgende Anwendungsgebiete sind bekannt

Das Kraut wird gegen Bluthochdruck, Entzündungen, Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen und Infektionen eingesetzt. Daneben werden traditionell auch andere Scutellaria-Arten als Heilpflanzen verwendet.

Das Nordamerikanische Helmkraut, Scutellaria lateriflora, wurde von den Indianern als Mittel zur Förderung der Menstruation verwendet wie zur Linderung von Menstruationsbeschwerden, Anspannung oder Schmerzen.

Im 19. Jahrhundert wurde das Helmkraut als nervenstärkend geschätzt und sogar gegen Tollwut eingesetzt. Daran erinnert die im Englischen neben Skullcap existierende, umgangssprachliche Bezeichnung Mad Dog Weed. Die legal erhältliche Pflanze wird wie Marihuana auch als Rauschmittel geraucht, als Ersatzdroge angewendet oder zur Entgiftung eingesetzt. Zudem werden der Heilpflanze entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt.

Herstellung

Helmkraut kann an feuchten, sonnigen Standorten leicht aus Samen oder Stecklingen kultiviert werden.

Für medizinische Anwendungen werden die Sprossen von drei- bis vierjährigen Pflanzen verwendet, aus denen Tinkturen, Aufgüsse oder Tee gemacht werden. Wer die Pflanze nicht selbst anbauen will, kann in Apotheken, Drogerien und Online-Shops getrocknetes Helmkraut kaufen. Dabei kann die Anwendung bei Überdosierung Schwindel oder Verwirrtheit hervorrufen. Schwangeren wird von der Einnahme generell abgeraten.

Trotz jahrhuntertelanger Anwendung in der Kräuterheilkunde waren die genauen Wirkmechanismen der Pflanzenanwendungen lange unbekannt. Doch konnten einige davon inzwischen durch die Wissenschaft aufgeklärt werden. Im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stand dabei bislang vor allem die Art Scutellaria baicalensis sowie ihre Wurzeln. Dabei wurden Komponenten des Helmkrauts isoliert und auf ihre Wirkung untersucht. Die aus der traditionellen Heilkunde bekannten Effekte wurden bereits vielfach nachgewiesen.

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Folgende Inhaltsstoffe besitzt das Helmkraut

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Scutellaria zählen das nach der Pflanze benannte Bio-Flavonoid Scutellarin, weitere Flavonoide, Harze, Gerbstoffe, ätherische Öle und das hauptsächlich in der Pflanzenwurzel vorkommende Flavonoid Wogonin.

Wogonin gehört zu den bestuntersuchten Wirkstoffen der Helmkräuter und zeigt einige bemerkenswerte Eigenschaften. So kann zum Beispiel die überlieferte Wirkung der Pflanze als Beruhigungsmittel auf dieses Flavonoid zurückgeführt werden.

Studien und Untersuchungen

Eine Studie aus dem Jahr 2002 konnte die angstlösenden Eigenschaften des Wurzel-Flavonoids aus dem Baikalhelmkraut nachweisen. Dabei konnte an Ratten gezeigt werden, dass Wogonin wie Benzodiazepane an GABA-Rezeptoren bindet, dabei jedoch nicht die unerwünschten Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder nachlassende Muskelspannung aufweist.(1)

Durch diesen Wirkmechanismus kann Wogonin auch als Anti-Epileptikum wirken, wie in einem Experiment mit Ratten und Mäusen gezeigt wurde.(2)

Seit Jahrtausenden wird Helmkraut in der chinesischen Medizin gegen Infektionen, darunter Hepatitis eingesetzt. Tatsächlich konnte die heilende Wirkung von Wogonin auf Hepatitis B-Infektionen bei Mäusen 2007 nachgewiesen werden. Seitdem wird der Wirkstoff als Anti-Hepatitis B-Medikament weiter erforscht.(3)

Auch Entzündungsreaktionen der Haut können mit Wogonin und dem ebenfalls aus dem Baikalhelmkraut isoliertem Flavonoid Baicalein bekämpft werden. Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Wogonin konnten in-vivo an Mäusen nachgewiesen werden.(4)

2011 wurde von japanischen Forschern an Nacktmäusen gezeigt, dass die Einnahme von Wogonin und Baicalein bestimmte Hautschädigungen durch UV-Einstrahlung verhindert.(5)

Die traditionelle chinesische Medizin setzt Helmkraut zudem gegen Bluthochdruck ein. Wie die Pflanze bei Bluthochdruck helfen kann, konnte eine Forschergrupppe aus Hongkong zeigen. Die Helmkraut-Flavonoide Baicalein und Wogonin hemmen die krankhafte Überproduktion von Kollagen und die schädliche Ablagerung an die Herzfasern.(6)

Das vielseitige Wogonin kann sogar im Zellversuch wie in-vivo die Bildung und Ausdifferenzierung von Neuroblasten deutlich erhöhen. Neuroblasten ersetzen im Gehirn geschädigte Zellen und sind wichtig für die Regulation von geschädigten Nervenzellen. Damit kann Wogonin aktiv bei Hirnschädigungen und Nervenschädigungen eingreifen.(7)

Osteoklasten sind Zellen, die Knochensubstanz resorbieren. Bei einigen Krankheiten, wie zum Beispiel Osteoporose oder Arthritis, findet eine erhöhte und schädliche Aktivität der Osteoklasten statt. Hier greift ebenfalls das Helmkraut-Flavonoid Wogonin regulierend ein und schützt die Knochen vor einer bakteriell verursachten, krankhaften Resorption, indem es die vermehrte Bildung von Osteoklasten hemmt.(8)

Ganz besonderes Augenmerk der Forschung liegt auf Wogonin als potentielles Antikrebs-Therapeutikum. Das Flavonoid unterscheidet zwischen gesunden und bösartig veränderten Zellen und hemmt das Tumorwachstum, indem es den Zelltod von Krebszellen auslöst (9).

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde die krebshemmende Wirkung von Wogonin auf unterschiedlichste Arten von Krebs nachgewiesen, darunter Brustkrebs (10), Lungenkrebs (11), Leukämie (12), Gallenblasenkrebs (13), Eierstockkrebs (14), Knochentumor (15) und Hirntumore (16) sowie Magenkrebsgeschwüre (17).

Auch andere aktive Komponenten des Helmkrauts haben nachgewiesenermaßen Antikrebs-Eigenschaften, wie Baicalein gegen Brustkrebs (18) und Pankreaskrebs (19). Die übergroße Fülle an wissenschaftlichen Studien der letzten 20 Jahre zu dieser Wirkung der Helmkraut-Flavonoide Wogonin, Baicalein und Baicalin wurde von Li-Weber in einem Review zusammengefasst (20).

Durch seine Wirkung auf viele verschiedene Krebserkrankungen, seine Ungiftigkeit gegen normale Zellen und seine Verstärkung der Chemotherapie sowie Milderung ihrer Nebenwirkungen (21) ist Wogonin ein vielversprechender Kandidat als Antikrebs-Therapeutikum.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Einnahme von Wogonin weitgehend ungefährlich und ohne Nebenwirkungen ist. Wie schon aus der Erfahrung der Kräuterheilkunde bekannt sollten Schwangere allerdings von einer Einnahme absehen, da bei trächtigen Mäusen und ihren Feten Genotoxizität nachgewiesen wurde, während es jedoch nicht zu Missbildungen kam.(22)

Viele weitere Studien lieferten wertvolle Erkenntnisse über die Heilkraft des Helmkrautes. Sie alle aufzuzählen würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

Da die Kräuterheilkunde lange in ihrem Potential unterschätzt wurde, wurden viele natürliche Wirkstoffe bislang nicht in der klinischen Forschung untersucht und es liegen keine Arzneimittel vor, die bereits Wirkstoffe des Helmkrauts enthalten. Durch die vielversprechenden Forschungsergebnisse ermutigt erforschen Labore weltweit die aktiven Komponenten des Helmkrauts für die Entwicklung neuer Medikamente, die jedoch erst in einigen Jahren auf den Markt kommen dürften.

Wer der Heilpflanze eine Chance geben will, kann in Apotheken und Online-Shops getrocknete Pflanzen oder die stärker Wogoninhaltigen Wurzeln finden, aus denen Tee zubereitet werden kann, oder Kapseln aus dem Ausland beziehen, wo Scutellaria traditionell verwendet wird.

Leider stehen wissenschaftlich angelegte Anwendungsstudien noch aus, sodass man sich bei der Dosierung bis auf Weiteres auf traditionell überlieferte Rezepte verlassen muss.

Baikalhelmkraut enthält bis zu 3.9 mg Wogonin pro 1000 mg Trockengewicht.(23)

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.08.2012 aktualisiert

Quellen:

1) Hui et al., Anxiolytic effect of wogonin, a benzodiazepine receptor ligand isolated from Scutellaria baicalensis Georgi, Biochemical Pharmacology, 2002, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12392823

2) Park et al., Anticonvulsant effect of wogonin isolated from Scutellaria baicalensis, European Journal of Pharmacology; 2007, Nov 28;574(2-3):112-9; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17692312

3) Guo et al., Anti-hepatitis B virus activity of wogonin in vitro and in vivo; Antiviral Research, 2007 Apr;74(1):16-24; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17280723

4) Chi et al., Effects of wogonin, a plant flavone from Scutellaria radix, on skin inflammation: in vivo regulation of inflammation-associated gene expression, Biochemical Pharmacology, 2003 Oct 1;66(7):1271-8, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14505806

5) Kimura & Sumiyoshi, Effects of baicalein and wogonin isolated from Scutellaria baicalensis roots on skin damage in acute UVB-irradiated hairless mice, European Journal of Pharmacology, 2011 Jul 1;661(1-3):124-32; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21549115

6) Kong et al., Baicalein and Wogonin inhibit collagen deposition in SHR and WKY cardiac fibroblast cultures, BMB Reports, 2010 Apr;43(4):297-303; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20423617

7) Lim et al., Wogonin induces differentiation and neurite outgrowth of neural precursor cells, Biochemical and Biophysical Research Communication, 2010 Nov 5;402(1):42-7; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20888794

8) Jang et al., Wogonin inhibits osteoclast formation induced by lipopolysaccharide, Phytotherapy Research, 2010 Jul;24(7):964-8; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19998398

9) Baumann et al., Wogonin preferentially kills malignant lymphocytes and suppresses T-cell tumor growth by inducing PLCgamma1- and Ca2+-dependent apoptosis, Blood, 2008 Feb 15;111(4):2354-63, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18070986

10) Chung et al., Anticancer effects of wogonin in both estrogen receptor-positive and -negative human breast cancer cell lines in vitro and in nude mice xenografts, International Journal of Cancer, 2008 Feb 15;122(4):816-22, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17957784

11) Chen et al., Wogonin, a bioactive flavonoid in herbal tea, inhibits inflammatory cyclooxygenase-2 gene expression in human lung epithelial cancer cells, Molecular Nutrition & Food Research, 2008 Nov;52(11):1349-57, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18496814

12) Huang et al., Wogonin, an active compound in Scutellaria baicalensis, induces apoptosis and reduces telomerase activity in the HL-60 leukemia cells, Phytomedicine, 2010 Jan;17(1):47-54, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19577445

13) Dong et al., Wogonin, an active ingredient of Chinese herb medicine Scutellaria baicalensis, inhibits the mobility and invasion of human gallbladder carcinoma GBC-SD cells by inducing the expression of maspin, Journal of Ethnopharmacology, 2011 Aug 6. [Epub ahead of print], http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21855619

14) Chen et al., Combined activity of oridonin and wogonin in advanced-stage ovarian cancer cells: sensitivity of ovarian cancer cells to phyto-active chemicals, Cell biology and toxicology, 2011 Apr;27(2):133-47, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20872277

15) Lin et al., Wogonin triggers apoptosis in human osteosarcoma U-2 OS cells through the endoplasmic reticulum stress, mitochondrial dysfunction and caspase-3-dependent signaling pathways, International Journal of Oncology, 2011 Jul;39(1):217-24, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21573491

16) Yang et al., Wogonin induces G1 phase arrest through inhibiting Cdk4 and cyclin D1 concomitant with an elevation in p21Cip1 in human cervical carcinoma HeLa cells, Biochemistry and Cell Biology, 2009 Dec;87(6):933-42, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19935879

17) Zhao et al., Wogonin potentiates the antitumor effects of low dose 5-fluorouracil against gastric cancer through induction of apoptosis by down-regulation of NF-kappaB and regulation of its metabolism, Toxicology Letters, 2010 Sep 1;197(3):201-10, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20570612

18) Lee et al., The role of Ca2+ in baicalein-induced apoptosis in human breast MDA-MB-231 cancer cells through mitochondria- and caspase-3-dependent pathway, Anticancer Research, 2008 May-Jun;28(3A):1701-11, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18630529

19) Takahashi et al., Baicalein, a component of Scutellaria baicalensis, induces apoptosis by Mcl-1 down-regulation in human pancreatic cancer cells, Biochimica et Biophysica Acta, 2011 Aug;1813(8):1465-74, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21596068

20) Li-Weber, New therapeutic aspects of flavones: the anticancer properties of Scutellaria and its main active constituents Wogonin, Baicalein and Baicalin; Cancer Treatment Reviews, 2009 Feb;35(1):57-68, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19004559

21) Enomoto et al., Wogonin potentiates the antitumor action of etoposide and ameliorates its adverse effects, Cancer Chemotherapy and Pharmacology, 2011 May;67(5):1063-72, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20658136

22) Zhao et al., Developmental toxicity and genotoxicity studies of wogonin; Regulatory Toxicology and Pharmacology, 2011, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21459121

23) Li et al., Contents of major bioactive flavones in proprietary traditional Chinese medicine products and reference herb of radix Scutellariae, Journal of Pharmaceutical and Biochemical Analysis. 2009 Oct 15;50(3):298-306, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19481403