Huflattich (Tussilago farfara): Studien, Wirkung und Möglichkeiten

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Huflattich beruhigt entzündetes Gewebe und wirkt entwässernd.
Die Pflanzengattung Tussilago gehört zu den Korbblütlern. Ihre einzige Art ist der Huflattich, Tussilago farfara, der zu den traditionellen Heilpflanzen gehört.

Seine hufförmigen Blätter waren im Deutschen namensgebend für die bis zu 30 Zentimeter hohe Pflanze. Sie können mit den Blättern der Weißen Pestwurz verwechselt werden, haben jedoch als Erkennungsmerkmal viele Blattrandzähne, wie in der folgenden Aufnahme gut zu sehen:

Huflattich Blüte - Großaufnahme
Abb1: Huflattich Blüte in Großaufnahme. Die Größenverhältnisse erkennt man gut im Vergleich zu dem vertrockneten Buchenlaub.

Huflattich in der Blüte im April
Abb2: Huflattich gehört zu den ersten Frühlingsboten und blüht ähnlich dem Löwenzahn mit leuchtend gelben Blütenständen, manchmal bereits im Februar.

Zudem verbreiten beide Pflanzen ihre Samen mit kleinen weißen Schirmfliegern. Huflattich hat jedoch einen geschuppten Stängel. Die genügsame Pflanze findet sich in ganz Mitteleuropa. Zudem ist sie in weiteren Teilen Europas sowie in Afrika und Asien heimisch. In Nordamerika hat sich der Huflattich inzwischen als invasive Pflanze verbreitet.

Geschichte

Sein lateinischer Gattungsname geht auf das lateinische Wort für Husten, tussis, zurück. Huflattich wird bereits in der Antike als Heilkraut gegen Husten eingesetzt. Beschreibungen seiner Anwendung finden sich bei Dioskurides, Plinius, Galen und Hildegard von Bingen. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Huflattich ebenfalls als Schleimlöser und gegen Husten eingesetzt.

Wirkung

Die Pflanze wird klassischerschweise gegen Husten eingesetzt. Sie dämpft den Hustenreiz und erleichtert gleichzeitig das Abhusten von Sekret. In den 1970er Jahren entdeckte man das krebserregende Potential des Huflattichs, wodurch die Heilpflanze für die Phytopharmakologie weniger interessant wurde und kaum weiter auf ihre Heilwirkungen untersucht wurde.

In einem Langzeitexperiment an Ratten zeigte sich, dass der Verzehr von Huflattich Leberschäden und Tumore verursachen kann. Verantwortlich für die gesundheitsschädliche Wirkung machen die Forscher das im Huflattich enthaltene Senkirkin.(1)

Senkirkin und das ebenfalls in Huflattich in geringen Mengen vorhandene Senecionin (2) gehören zu den Pyrrolizidinalkaloiden. Diese Alkaloide sind oft für Vergiftungserscheinungen bei Weidevieh verantwortlich. Bei ihrem Abbau in der Leber entstehen hepato- sowie genotoxische Produkte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor den giftigen Stoffen in Lebensmitteln und rät insbesondere ín der Schwangerschaft, während der Stillzeit und Kindern vom „regelmäßigen, dauerhaften Verzehr und Genuss in größeren Mengen“ ab.(3)

Das Bundesgesundheitsamt gibt als Richtwert eine tägliche Höchstdosis von 1 µg Pyrrolizidinalkaloide bei Kurzzeitanwendung (< 6 Wochen) und 0,1 µg bei Langzeitanwendung (> 6 Wochen) an. (6)

Die frische Pflanze kann rund 0,02 Prozent Pyrrolizidinalkaloide enthalten.(4) Das wären 0,001 Gramm, bzw. 1 mg pro 5 g Pflanze, doch gibt es laut einer laborübergreifenden Untersuchung erhebliche Unterschiede bei den Angaben von Arten und Mengen von Alkaloiden in Huflattich.(5)

Inzwischen wurden alkaloidfreie Huflattich-Varianten gezüchtet, die im Handel erhältlich sind. Hauptsächlich aus diesen Sorten werden auch Präparate wie Huflattichsaft oder –tinktur gewonnen.

Auf den Einsatz von Wildpflanzen soll dagegen verzichtet werden. Eine abschließende Beurteilung der Gesundheitsrisiken steht allerdings noch aus.

Ich sammle dennoch Blüten oder Blätter, wobei die Blätter deutlich heilkräftiger sind. Egal ob Blätter oder Blüten: beides muss schnell getrocknet werden, wenn man die Pflanze aufbewahren will. Man nimmt vorzugsweise Pflanzen, die in der Sonne gewachsen sind und "saubere" Blätter, damit man diese nicht waschen muss (wegen des Schleimgehalts der Blätter).

Inhaltsstoffe

Huflattich enthält zahlreiche Pflanzenstoffe, die positive Wirkungen auf die Gesundheit haben, darunter Rutin, Quercetin oder Kaempferol. (7)

Die lindernde Wirkung von Huflattich bei Husten sowie sein Effekt, Abhusten und Auswurf zu erleichtern, wurden inzwischen wissenschaftlich belegt. Forscher hatten Mäusen einen wässrigen Auszug aus Huflattichknospen (Flos Farfara) oder Stängeln verabreicht. Dabei war jedoch nur der Extrakt aus Huflattichknospen wirksam. Er wirkte lindernd auf den Hustenreiz, verzögerte den Einsatz des akuten Hustens und vermehrte den Auswurf. Daneben hatten die Wissenschaftler verschiedene Metabolite aus dem Extrakt isoliert und fanden Chlorogensäure, Rutin und Cynarin in hohen Konzentrationen. Sie vermuten, dass diese Wirkstoffe dem Huflattich seine Heilwirkung bei Husten verleihen.(8)

Huflattich enthält verschiedene Terpene, die im Zellversuch an Makrophagen aktiv die vermehrte Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) durch Zellgifte unterdrücken. NO kann DNA und Proteine schädigen. Die Terpene waren im Versuch durch Ethanolextraktion aus Huflattichblüten gewonnen worden. Dabei entdeckten die Forscher zwölf verschiedene Terpene im Huflattich.(9)

Eine Stimulierung des Enzyms NO-Synthase dagegen haben russische Forscher für Polysaccharide aus Huflattichblättern nachgewiesen. Das Enzym sorgt für die Neubildung von NO für physiologische Prozesse. Getestet wurde an Makrophagen der Maus.(10)

Das nach dem Huflattich benannte Terpen Tussilagon verleiht der Pflanze entzündungshemmende Eigenschaften. Als potentiellen Wirkmechanismus konnten Forscher in Makrophagen eine Aktivierung des Enzyms Hämoxygenase-1 zeigen.(11)

Das Enzym ist wichtig für die Neubildung von Gefäßen und Gewebe, hemmt Entzündungen, baut Porphyrin ab, ist an der Signaltransduktion beteiligt und wirkt oxidativem Stress entgegen. Bereits in den 1980er Jahren konnten Forscher zeigen, dass ein Huflattich-Extrakt bei Ratten Entzündungsreaktionen lindern kann. (12)

Bei Hunden, Katzen und Ratten wirkt intravenös verabreichtes Tussilagon ähnlich wie Dopamin. Es steigert den Blutdruck und verstärkt die Atemaktivität.(13)

Die Terpene des Ethanolextraktes aus Huflattich, vor allem Tussilagon, hemmen in vitro das Enzym Diacylglycerol-Acyltransferase, das für die Bildung von Triglyceriden und Fettgewebe verantwortlich ist. Damit könnte Huflattich zum Naturheilmittel im Kampf gegen Diabetes und Übergewicht werden. (14)

Huflattich enthält verschiedene Antioxidantien. Chinesische Wissenschaftler untersuchten Heilpflanzen der traditionellen chinesischen Medizin in zwei verschiedenen Modellen auf ihre antioxidative Wirksamkeit. Bei dem Screening wurde der Methanolextrakt von 56 verschiedenen Pflanzen der traditionellen chinesischen Heilkunde untersucht. Es zeigte sich, dass Tussilago je nach Untersuchungsmethode die zweit- oder dritthöchste antioxidative Kraft im Test hatte und damit als gute Quelle für natürliche Antioxidantien gelten darf.(15)

Methanolextrakt enthält die phenolischen Komponenten der Pflanzen. Eine ältere Studie wies dagegen bereits die antioxidative Wirkung von Glykosiden des Huflattichs nach. Die Forscher vermuten, dass die Glykoside der Pflanze chemotherapeutische Eigenschaften verleihen. (16)

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Die antioxidative Kraft eines Ethyl-Acetat-Extrakts aus Huflattich hat koreanischen Wissenschaftlern zufolge in vitro eine nervenschützende Wirkung. Sie schlagen vor, Huflattich weiter auf sein Potential als Heilmittel im Einsatz gegen neurodegenerative Krankheiten und Leiden (z.B. Alzheimer, Parkinson, ALS, spinale Muskelatrophie u.a.m.) zu untersuchen, die von oxidativem Stress verursacht werden könnten.(17)

Türkische Wissenschaftler belegten eine antibakterielle Wirkung von wässrigem Extrakt aus Huflattichblättern gegen Arten wie Streptococcus pyogenes, Staphylococcus aureus and Staphylococcus epidermidis. Allerdings zeigte sich die Heilpflanze auch toxisch (giftig).(18)

Eine Studie aus Prag hatte bereits 2002 eine antimikrobielle Wirkung von Huflattich-Ethanolextrakt auf verschiedene Pilze und Bakterien nachgewiesen.(19)

Viele Untersuchungen fanden mit Extrakten oder isolierten Komponenten des Huflattichs in vitro statt. Forschungsergebnisse aus in vivo Experimenten oder klinische Studien liegen dagegen bislang kaum vor. Zudem fehlt es leider noch an Studien zur Toxizität der Pflanze und Bioverfügbarkeit der schädlichen Alkaloide aus Huflattich.

Hinweise zum Kauf

Beim Kauf von getrocknetem Huflattich oder Präparaten aus der Pflanze sollte man sorgfältig das richtige Produkt auswählen und auf die Verwendung von alkaloidarmen Sorten achten, bei denen keine unerwünschten Nebenwirkungen zu befürchten sind.

Viele Anbieter und Online-Shops verzichten leider auf Warnungen vor gesundheitlichen Risiken der Huflattich-Anwendung. Daher sollte man selbst sorgfältig prüfen, ob man das richtige Produkt gefunden hat. Der Handel bietet getrocknete Blätter und Blüten des Huflattichs, Pflanzensaft, Teemischungen, Tinkturen und weitere Produkte an.

Anbieter von Huflattich-Saft bieten sichere, alkaloidfreie Produkte an. In Haarpflegeprodukten wird Huflattich erfolgreich gegen Juckreiz und Schuppen eingesetzt.

Fazit

Huflattich hat sich als Heilpflanze vor allem als kurzzeitige Akutbehandlung von Atemwegsbeschwerden bewährt. Bei anderen Anwendungsgebieten, aber auch bei Husten, kann man auf andere Pflanzen ausweichen, um Gesundheitsrisiken sicher auszuschließen.

Aufgrund des möglichen größeren Potentials dieser Pflanze, würde ich mir weitergehende Studien wünschen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 7.4.2015 aktualisiert

Quellen:

1: Hirono et al. Carcinogenic activity of coltsfoot, Tussilago farfara l. Gann. 1976 Feb;67(1):125-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1269853
2: Jiang et al. Determination of senkirkine and senecionine in Tussilago farfara using microwave-assisted extraction and pressurized hot water extraction with liquid chromatography tandem mass spectrometry. Talanta. 2009 Jul 15;79(2):539-46. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19559918
3: Nulltoleranzen in Lebens- und Futtermitteln. Positionspapier des BfR vom 12. März 2007. http://www.bfr.bund.de/cm/343/nulltoleranzen_in_lebens_und_futtermitteln.pdf
4: Huflattich im GiftpflanzenCompendium, http://www.giftpflanzen.com/tussilago_farfara.html
5: Cao et al. Safety assessment of food and herbal products containing hepatotoxic pyrrolizidine alkaloids: interlaboratory consistency and the importance of N-oxide determination. Phytochem Anal. 2008 Nov;19(6):526-33. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18618436
6: Bundesgesundheitsamt (1992) Bundesanzeiger, 4805; Deutsche Apothekerzeitung 132:1406-1408
7: Liu et al. [Studies on chemical constituents in the buds of Tussilago farfara]. Zhongguo Zhong Yao Za Zhi. 2007 Nov;32(22):2378-81. [Article in Chinese] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18257263
8: Li et al. Metabolomic profiling of the flower bud and rachis of Tussilago farfara with antitussive and expectorant effects on mice. Journal of Ethnopharmacology. 2012 Mar 6;140(1):83-90. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22210102
9: Li et al. New sesquiterpenoids from the dried flower buds of Tussilago farfara and their inhibition on NO production in LPS-induced RAW264.7 cells. Fitoterapia. 2012 Mar;83(2):318-22. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22120501
10: Danilets et al. [Effect of plant polysaccharides on TH1-dependent immune response: screening investigation]. [Article in Russian] Eksp Klin Farmakol. 2010 Jun;73(6):19-22. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22120501
11: Hwangbo et al. The anti-inflammatory effect of tussilagone, from Tussilago farfara, is mediated by the induction of heme oxygenase-1 in murine macrophages. International Immunopharmacology. 2009 Dec;9(13-14):1578-84. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19800419
12: Hwang et al. L-652,469--a dual receptor antagonist of platelet activating factor and dihydropyridines from Tussilago farfara L. Eur J Pharmacol. 1987 Sep 11;141(2):269-81. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2824219
13: Li & Wang. Evaluation of tussilagone: a cardiovascular-respiratory stimulant isolated from Chinese herbal medicine. Gen Pharmacol. 1988;19(2):261-3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3350333
14: Park et al. Sesquiterpenoids isolated from the flower buds of Tussilago farfara L. inhibit diacylglycerol acyltransferase. J Agric Food Chem. 2008 Nov 26;56(22):10493-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18937486
15: Song et al. Total phenolic contents and antioxidant capacities of selected chinese medicinal plants. Int J Mol Sci. 2010 Jun 1;11(6):2362-72. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20640157
16: Kim et al. Antioxidative effects of quercetin-glycosides isolated from the flower buds of Tussilago farfara L. Food Chem Toxicol. 2006 Aug;44(8):1299-307. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16574296
17: Cho et al. Neuroprotective and antioxidant effects of the ethyl acetate fraction prepared from Tussilago farfara L. Biol Pharm Bull. 2005 Mar;28(3):455-60. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15744068
18: Turker &  Usta. Biological screening of some Turkish medicinal plant extracts for antimicrobial and toxicity activities. Nat Prod Res. 2008 Jan 20;22(2):136-46. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18075897
19: Kokoska et al. Screening of some Siberian medicinal plants for antimicrobial activity. J Ethnopharmacol. 2002 Sep;82(1):51-3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12169406