Königskerze - Verbascum

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Königskerze (Verbascum) ist eine Pflanzengattung mit über 350 Arten, von denen viele als Heilpflanzen genutzt werden.

Sie gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) und kommt in Europa und Asien vor, während ihre Hauptverbreitungszone die Mittelmeerregion ist.

Hier findet sich auch die höchste Artenvielfalt. Inzwischen wurde die Königskerze in Teile Amerikas sowie nach Hawaii und Australien eingeschleppt. Die Königskerze kann bis zu drei Meter hoch wachsen. Zunächst bildet sie eine dichte Rosette grüner Blätter direkt auf dem Boden. Daraus wächst dann der hohe, gerade Stängel empor.

Die Pflanze blüht meist mit leuchtend gelben Blüten. Daneben kann die Königskerze je nach Art orange, lila, blaue oder weiße Blüten hervorbringen. Die lange, schlanke Pflanze wurde früher getrocknet und in Pech getaucht als Fackel verwendet, die eine lange Brenndauer aufwies.

Königskerze hat viele Synonyme, wie beispielsweise Wollkraut, Wetterkerze oder Winterblom. Für Bezeichnungen wie Wollkraut ist die feine Behaarung von Blüten und Staubblättern verantwortlich.

Die Königskerze hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Hippokrates, der bekannteste Arzt der Antike, beschrieb ihre Anwendung bei Wunden und Dioskurides setzte sie gegen Atemwegserkrankungen ein. Hildegard von Bingen empfahl die Königskerze zur Stimmungsaufhellung. Aristoteles beschrieb ihre giftige Wirkung auf Fische und beschreibt ihre Anwendung, um den Fischfang zu erleichtern. Auch von den Indianern gibt es Berichte über diese Art der Nutzung der Königskerze.

In der Kräuterheilkunde wird die Königskerze in Tees als Schleimlöser bei Erkältungen angewendet. Daneben soll sie lindernd auf Asthma und andere Atemwegsleiden wirken. Auch bei Halsentzündungen oder Ohrentzündungen soll die Pflanze wohltuend sein. Einige Arten werden zum Vertreiben von Schadinsekten oder zur Behandlung von Rheuma eingesetzt. Königskerzenöl wird äußerlich bei Warzen, Hämorriden, Ekzemen, Frostbeulen oder Furunkeln angewendet.

Inzwischen hat das europäische Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) die Königskerze nach EG-Richtlinien als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. In früheren Zeiten diente die Pflanze auch dem Fernhalten von bösen Geistern und Flüchen. Verwendet werden meist die Königskerzenblüten, auch Wollblumen genannt.
Heute hat die Forschung einige Heilwirkungen der Königskerze wissenschaftlich nachgewiesen.

Die antioxidativen Eigenschaften der Königskerze wurden bereits mehrfach untersucht. Forscher aus Italien wiesen sie bei der Art Verbascum mallophorum im Zellversuch nach. Sie konnten zeigen, dass die Verbascoside der Pflanze die Bildung freier Radikale unterdrücken und entzündungshemmend wirken.(1)

Türkische Forscher zeigten im Tierversuch an Mäusen, dass die Saponine der Königskerze entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken, während es zu keinerlei toxischen Nebenwirkungen kam. Die Tiere hatten Dosen von 100 oder 200 mg/kg Königskerzenextrakt bekommen. Dabei wirkte der Extrakt dosisabhängig. (2)

Königskerze

In einer weiteren Studie der Universität Ankara isolierten die Wissenschaftler Wirkstoffe aus dem Alkoholauszug der Königskerze. Dabei zeigten sich die gewonnenen Glycoside entzündungshemmend und zwei der Glycoside zudem deutlich schmerzlindernd. (3)

2010 untersuchten Forscher einen Methanolextrakt der Königskerze Verbascum antiochium. Sie zeigten, dass der Extrakt ein wirkungsvolles Antioxidans ist. Daneben wiesen sie eine antimikrobielle Wirkung auf verschiedene gram-positive und gram-negative Bakterienstämme nach, wobei das humanpathogene Pfeiffer-Influenzabakterium Haemophilus influenzae am sensibelsten auf die Königskerze reagierte. Eine chemische Untersuchung des Extrakts ergab, dass Glycoside, Flavonoide und Saponine die Hauptkomponenten darin waren. (4)

2011 wurden in einer weiteren Studie Glycoside, Saponine und Verbascoside aus der Königskerze Verbascum mucronatum isoliert und untersucht. Alle Komponenten zeigten im Tierversuch mit Ratten und Mäusen deutlich entzündungshemmende, schmerzlindernde und wundheilende Eigenschaften, während Verbascoside sich im Versuch am wirkungsvollsten zeigten.(5)

Bereits 2010 wurden Methanolextrakte der Arten Verbascum olympicum, Verbascum stachydifolium und Verbascum uschackense in vivo untersucht und waren im Tiermodell ebenfalls nachweislich wundheilend.(6)

2012 wiesen Forscher aus Bulgarien an Mäusen die entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften der auf dem Balkan häufig verwendeten Art Verbascum xanthophoeniceum nach. Sie untersuchten den Methanolextrakt sowie verschiedene isolierte Wirkstoffe der Königskerze.(7)
Der traditionelle Einsatz der Königskerze bei entzündlichen Krankheiten oder Wunden wird damit in seiner Wirkung wissenschaftlich belegt.

Auch die antimikrobielle Wirkung wird durch andere Studien weiter belegt. US-Forscher zeigten die antibakterielle Wirkung von Königskerzenextrakt (Verbascum thapsus) auf die Arten Klebsiella pneumonia, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis und Escherichia coli. Dabei wirkten Ethanol-, Methanol- und wässriger Extrakt, doch der wässrige Extrakt war am wirkungsvollsten. Zudem wirkten alle Extrakte toxisch auf das pflanzenpathogene Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens.(8)

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In einer Studie aus der Türkei wirkte Königskerzenextrakt dreier Spezies toxisch auf gram-positive Bakterien, darunter Mycobacterium smegmatis, der Modellorganismus für Mycobakterien, und Hefepilze, jedoch harmlos auf gram-negative Bakterien, darunter E. coli. Untersucht wurden die Königskerzen-Arten Verbascum olympicum, Verbascum prusianum und Verbascum bombyciferum.(9)

In einer Studie an Mäusen erwies sich ein wässrig-alkoholischer Auszug aus der Königskerze als leberschützend. Auch diese Wirkung führen die Forscher zumindest teilweise auf die antioxidative Kraft der Heilpflanze zurück. Die Wirkung war mit der des Wirkstoffs Silibinin aus der Mariendistel vergleichbar. Silibinin wird bereits in Arzneimitteln verwendet.(10)

Argentinische Wissenschaftler wiesen nach, dass der Methanolextrakt der Königskerze antiviral wirkt. Im Versuch wirkte der Extrakt toxisch auf das Virus, das bei Säugetieren außer Primaten und Menschen die meist tödliche Pseudowut hervorruft. Die Wirtszellen im Versuch wurden durch die Pflanzenextrakte dagegen nicht geschädigt. Die antivirale Wirkung konnte jedoch nur vor oder während der Anheftung der Viren an die Säugetierzellen nachgewiesen werden. Hatte das Virus die Wirtszelle bereits mit seiner DNA infiziert, blieb der Extrakt wirkungslos.(11)

Auch als Wurmmittel kann die Königskerze eingesetzt werden. Türkische Wissenschaftler zeigten an Mäusen, dass ein Methanolextrakt der Königskerze (100 mg/kg) gegen den parasitären Spulwurm Aspiculuris tetraptera wirkt.(12)

Eine aktuelle Studie von März 2012 bestätigt dieses Ergebnis. Wässriger Methanolextrakt der Spezies Verbascum thapsus wirkte bei Hasen dosisabhängig toxisch auf Rund- und Bandwürmer. Eingesetzt wurden Dosen von 10 bis 40 mg/kg. Bei Bandwürmern war der Extrakt sogar wirkungsvoller als der Arzneistoff Albendazol, der weltweit als Wurmmittel eingesetzt wird. Neben der vermiziden Wirkung zeigten die Forscher, dass der Pflanzenextrakt krampflösend und entspannend wirkt.(13)

Ein alkoholischer Extrakt der Königskerze Verbascum cheiranthifolium wurde 2008 als natürliches und für Menschen ungiftiges Pflanzenschutzmittel untersucht. Dabei wurde der Pflanzenextrakt bei Weizen und Gerste eingesetzt, die mit Käfern der Spezies Rhyzopertha dominica (Getreidekapuziner) befallen waren. Es zeigte sich, dass die niedrigste Dosis von 0,25 % (w/v) die Vermehrung des Schädlings auf beiden Getreidesorten effektiv verhindert. Bei der höchsten Dosis im Test von 3% (w/v) starben auf Weizen alle und auf Gerste rund zwei Drittel der erwachsenen Käfer.(14)

Damit könnte die Königskerze möglicherweise eine Alternative zu problematischen, synthetischen Pflanzenschutzmitteln darstellen.

Immer wieder wird eine krebshemmende Wirkung der Königskerze diskutiert. Tatsächlich konnten chinesische Forscher 2011 im Zellversuch nachweisen, dass Wirkstoffe von Verbascum thapsus hemmend auf Entstehung und Wachstum von Tumorzellen wirken und bei Lungenkrebszellen sogar den Zelltod auslösen.(15)

Jordanische Forscher kamen zu ähnlichen Ergebnissen und zeigten dabei zudem, dass die Blüten der Königskerze wirkungsvoller sind als Stängel oder Blätter.(16)

Eine Studie aus Argentinien untersuchte 2011 die Toxizität des Methanolextrakts aus der Königskerze. Die Untersuchung bestätigt, dass die Anwendung der Heilpflanze als sicher gelten kann. Es zeigte sich keine toxische Wirkung des Extrakts auf Säugetierzellen.(17)

An klinischen Studien fehlt es jedoch weitgehend und wie viele andere wild wachsende Pflanzen ist die Königskerze nicht im Fokus der Pharmaforschung. Ihre Anwendung hat jedoch eine lange Tradition und schädliche Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Äußerlich angewendet kann die Pflanze jedoch eine allergische Hautreaktion hervorrufen.

Königskerzenblüten sind geschnitten und getrocknet im Handel erhältlich. Sie können von Juni bis September auch selbst gesammelt werden. Von den getrockneten Blüten werden rund zwei Gramm pro Tasse Tee verwendet. Nach zehn Minuten Durchziehen ist der Tee fertig. Bei Beschwerden können davon bis zu vier Tassen täglich getrunken werden. Alternativ können die Blüten zwei Stunden in kaltem Wasser ziehen. Diese Methode löst mehr Schleimstoffe aus den Blüten.

Zum Trinken kann der Sud aufgekocht werden. Wegen der feinen Haare der Blüten und Staubblätter sollten Getränke gefiltert werden, da die Härchen sonst irritieren können. Kinder, Stillende und Schwangere sollten wegen ungeklärter Sachlage lieber auf den Heilpflanzentee verzichten. Neben den Blüten sind Tinktur oder Öl aus Königskerze erhältlich. Arzneimittel aus der Königskerze sind noch nicht auf dem Markt.

Die Königskerze ist eine beliebte Kulturpflanze und Pflanzen wie Samen sind im Gartenhandel erhältlich.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 26.11.2014 aktualisiert

Quellen:

1. Speranza et al. Journal of Biological Regulators and Homeostatic Agents. 2009 Jul-Sep;23(3):189-95. Anti-inflammatory properties of the plant Verbascum mallophorum. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19828096

2. Akkol et al. Antinociceptive and anti-inflammatory effects of saponin and iridoid glycosides from Verbascum pterocalycinum var. mutense Hub.-Mor. Zeitschrift für Naturforschung C. 2007 Nov-Dec;62(11-12):813-20. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18274283

3. Tatli et al. Anti-inflammatory and antinociceptive potential of major phenolics from Verbascum salviifolium Boiss. Zeitschrift für Naturforschung C. 2008 Mar-Apr;63(3-4):196-202. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18533461

4. Ozcan et al. Antimicrobial and antioxidant activities of various extracts of Verbascum antiochium Boiss. (Scrophulariaceae). Journal of Medicinal Food. 2010 Oct;13(5):1147-52. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20626244

5. Akdemir et al. Bioassay-guided isolation of anti-inflammatory, antinociceptive and wound healer glycosides from the flowers of Verbascum mucronatum Lam. Journal of Ethnopharmacology. 2011 Jul 14;136(3):436-43. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20621642

6. Süntar et al. An ethnopharmacological study on Verbascum species: from conventional wound healing use to scientific verification. Journal of Ethnopharmacology. 2010 Nov 11;132(2):408-13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20709167

7. Dimitrova et al. Antiinflammatory Properties of Extracts and Compounds Isolated from Verbascum xanthophoeniceum Griseb. Phytother Res. 2012 Mar 3. doi: 10.1002/ptr.4641. [Epub ahead of print] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22389249

8. Turker & Camper. Biological activity of common mullein, a medicinal plant. Journal of Ethnopharmacology. 2002 Oct;82(2-3):117-25. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12241986

9. Dülger et al. Antimicrobial activity of three endemic Verbascum species. Pharmaceutical Biology. 2002;40(8):587–589. 20.uludag.edu.tr/~gurcan/_private/Pdf/VerbAntimicrobialActivity.pdf

10. Umer et al. Hepatoprotective activities of two Ethiopian medicinal plants. Pharmaceutical Biology. 2010 Apr;48(4):461-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20645727

11. Escobar et al. Antiviral effect and mode of action of methanolic extract of Verbascum thapsus L. on pseudorabies virus (strain RC/79). Natural Product Research. 2011 Oct 17. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21999656

12. Kozan et al. Experimental Parasitology. 2011 Oct;129(2):211-4. The in vivo anthelmintic efficacy of some Verbascum species growing in Turkey. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21782813

13. Ali et al. Anthelmintic and relaxant activities of Verbascum Thapsus Mullein. BMC Complement Altern Med. 2012 Mar 30;12(1):29. [Epub ahead of print] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22463730

14. Khoshnoud et al. Insecticidal properties of Verbascum cheiranthifolium against R. dominica on wheat and barley. Pakistan Journal of Biological Sciences. 2008 Mar 1;11(5):783-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18819578

15. Zhao et al. Isolation of chemical constituents from the aerial parts of Verbascum thapsus and their antiangiogenic and antiproliferative activities. Arch Pharm Res. 2011 May;34(5):703-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21656353

16. Talib & Mahasneh. Antiproliferative activity of plant extracts used against cancer in traditional medicine. Sci Pharm. 2010;78(1):33-45. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21179373

17. Escobar et al. Genotoxic evaluation of a methanolic extract of Verbascum thapsus using micronucleus test in mouse bone marrow. Natural Product Communications. 2011 Jul;6(7):989-91. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21834240