Lugol'sche Lösung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Lugol'sche Lösung ist ein Gemisch aus elementarem Iod und Kaliumiodid in einem Verhältnis von 1 : 2. Erfunden wurde sie 1829 von dem französischen Arzt Lugol. Das hauptsächliche Einsatzgebiet der Lösung ist die Desinfektion von Wunden, Operationsbereichen, Trinkwasser und in der Diagnostik.

Bei der Betrachtung der Lugol'schen Lösung müssen wir drei Komponenten auseinander halten. Da gibt es zum einen das elementare Iod, das auch in der Lösung zu finden ist. Kaliumiodid (KI) ist das Salz der Iodwasserstoffsäure (HI). Daneben taucht ein weiterer Begriff auf: das Kaliumiodat (IO3). Auch diese Substanz ist ein Kaliumsalz, aber ein Salz der Iodsäure (HIO3).

Kaliumiodat ist ein starkes Oxidationsmittel. „Iodierte“ Speisesalze und Jodmangel-Tabletten enthalten Natrium- und Kaliumiodate. Kaliumiodid ist nur bedingt einsetzbar, da die Substanz relativ schnell oxidiert. Tabletten mit Kaliumiodid haben beim Strahlenschutz eine Bedeutung. Durch die Einnahme des Iodids wird die Aufnahme von radioaktivem Iod in der Schilddrüse unterbunden.

In der Medizin kommt die Lugol'sche Lösung zu diagnostischen Zwecken zum Einsatz. Sie dient als ein Färbemittel, um Zell- und Gewebestrukturen unter dem Mikroskop sichtbar zu machen. Ein Auftragen der Lösung auf Schleimhäute lässt leicht erkennen, ob maligne Läsionen in der Schleimhaut vorliegen. Denn gesunde Schleimhautzellen haben einen höheren Gehalt an Glykogen, das mit der Iodlösung reagiert, als Krebszellen. Diese zeichnen sich als weiße Flecken in einer bräunlich gewordenen Umgebung ab. Der Arzt kann dann diese „Flecken“ biopsieren und weiter analysieren lassen. (Diagnostic efficiency of toluidine blue with Lugol's iodine in oral premalignant and malignant lesions.)

Die Lugol'sche Lösung als Heilmittel

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen, ob die Lugol'sche Lösung die „Heilversprechen“ einhalten kann, die man ihr mancherorts zuzuschreiben versucht. Auf der anderen Seite gibt es Beobachtungen in bestimmten Indikationsbereichen, die eine therapeutische Wirkung vermuten lassen.

Dieser Bereich ist die Entstehung von malignen Zellen in der Schilddrüse und in der Brust (Hat Jod eine Bedeutung in der Prävention und adjuvanten Therapie von Brustkrebs?). Denn bei Ratten hatte man beobachtet, dass ein Iodmangel prämaligne und maligne Veränderungen in den Brustdrüsen der Tiere begünstigte.

Eine weitere Beobachtung war, dass eine Substitution mit elementarem Iod diese Entwicklung weitestgehend verhindern konnte. Die Reduktion betrug immerhin mehr als 70 Prozent. Und bereits „ausgewachsene“ Tumore schrumpften deutlich unter einer erhöhten Iodzufuhr. Es kam dabei zu keiner Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktionen der Tiere.

Ähnliche gute Befunde konnten allerdings nicht bei Iodid gezeigt werden. Es mag daran liegen, dass Iodid nicht in die Krebszelle eindringen kann, ganz im Gegensatz zu elementarem Iod, das in malignen Zellen deutlich höher konzentriert wird als in gesunden Zellen. Das zeigten auch Untersuchungen im Laborversuch mit menschlichen Brustkrebszellen, deren Proliferation durch Iod, aber nicht durch Iodid unterbrochen werden konnte. Da elementares Iod ein relativ reaktives Element ist, liegt die Vermutung nahe, dass die Substanz in den Krebszellen ein hohes Maß an freien Radikalen bildet, die bei der Krebszelle eine Apoptose auslösen und diese dann untergehen lassen. Gleichzeitig kommt es zur Bildung von Iodlipiden, wie delta-Iodlacton. Diese Substanz bewirkt ebenfalls eine Unterbrechung der Proliferation und Auslösung einer Apoptose.

Von daher gibt es genügend Gründe zu der Annahme, dass eine ausreichend hohe Zufuhr an Iod im Bereich der Prophylaxe von Schilddrüsen- und Brustkrebs gute Erfolge hat. Für eine begleitende Therapie von Brustkrebs spricht ebenfalls vieles.

Hier käme die Lugol'sche Lösung als Mittel der Wahl durchaus in Frage. Denn sie enthält immerhin 1 von 3 Teilen elementares Iod, was für die Prophylaxe und möglicherweise auch Therapie benötigt wird. Da taucht bei mir sofort die Frage auf, ob die Lugol'sche Lösung der einzige Iodlieferant in der Welt ist, oder ob es nicht andere und vor allem bessere Alternativen dazu gibt? Denn es ist nicht jedermanns Sache, ein Desinfektionsmittel zu schlucken, dass zudem einen nicht günstigen Effekt auf die Schleimhäute ausübt.

Als Alternative bietet sich hier Seetang an (sicherlich auch nicht die einzige). Seetang enthält verhältnismäßig hohe Konzentrationen an elementarem Iod. Laut „ÄrzteZeitung“ (Jod gegen Brustkrebs) gibt es epidemiologische Untersuchungen, die gezeigt haben, dass in den Ländern Südostasiens „die Prävalenz von Brustkrebs und Mastopathien niedriger als in westlichen Ländern“ ist. Und in genau diesen Ländern gehören Seetang und -algen zur fast täglichen Speisekarte.

Im Gegensatz zur Lugol'schen Lösung können Seetang und -algen mit noch weiteren, für den Körper wichtigen Nährstoffen aufwarten. Damit wäre für mich bei dieser Indikation der Seetang die biologisch und physiologisch bessere Lösung als die Lugol'sche Lösung. Einwände, dass Seetang und -algen geschmacklich nicht für jeden in Frage kommen, kann ich nur mit der Frage beantworten, ob die Lugol'sche Lösung dann so viel besser schmeckt als Seetang? Jedenfalls ist aus ernährungsphysiologischer Sicht die Lugol'sche Lösung eine kleine Katastrophe im Vergleich zu den Meeresprodukten.

Noch mehr Heilung

Es gibt eine Reihe von Webseiten, die die Heilkraft der Lugol'schen Lösung preisen. Ich habe aber dazu keine wissenschaftlichen Exponate finden können, die dies belegen würden. Für Heilpflanzen und -pilze gibt es eine große Zahl an wissenschaftlicher Literatur, die die physiologische Wirksamkeit der Inhaltsstoffe gezeigt habt. Damit wäre das die Latte, an der sich Substanzen wie die Lugol'sche Lösung messen müssen. Immerhin ist die Lösung fast 200 Jahre alt. Damit fällt die „Ausrede“, dass man noch nicht viel wissen kann, da die Zeit für eine wissenschaftliche Begutachtung zu kurz ist, flach.

Stellvertretend für diese Webseiten habe ich Aufgaben/Wirkungen von Jod/Lugol'scher Jodlösung herausgesucht. Hier wird eine Fülle an „Aufgaben und Wirkungen“ aufgezählt, die vielleicht in den meisten Fällen auch richtig sind. Aber die Angabe, das Iod ein „potentes Antioxidans“ ist, kann ich nicht nachvollziehen. Iod ist vielmehr das genaue Gegenteil, da es sehr reaktionsfreudig ist. Nicht umsonst wird Iod als Desinfektionsmittel eingesetzt, da es durch Oxidation Bakterien, Viren etc. eliminiert.

Die Liste führt dann weiter unten an, dass durch eine verstärkte Oxidation Fette besser abgebaut werden. Wenn dem so ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit für eine anti-oxidative Wirkung gleich Null. Denn es gibt noch keine Oxidantien, die anti-oxidativ wirken. Dies ist bestenfalls erst dann der Fall, wenn ein Oxidans reduziert worden ist und damit keine oxidativen Kapazitäten mehr hat. Vitamin E und Vitamin C sind solche Substanzen, die oxidativ und anti-oxidativ wirken können, je nach Redox-Status.

Die auf dieser Webseite aufgeführte Liste an möglichen Wirkungen von Iod liest sich wie das „Who is who“ der Wirkungen von Heilpflanzen und -pilzen. Der Unterschied liegt nur darin, dass diese Wirkungen weitestgehend für die Heilpflanzen und -pilze dokumentiert worden sind. Für Iod kenne ich keine Dokumentation für die meisten der hier aufgeführten Punkte. Daher drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass hier einfach bekannte Wirkungen von alternativen herbalen Präparaten auf die Lugol'sche Lösung „projiziert“ werden. Ich würde jedenfalls für eine anti-bakterielle Therapie keine Lugol'sche Lösung schlucken, sondern mich nach natürlichen Antibiotika umschauen.

Fazit

Die Lugol'sche Lösung ist ein Desinfektionsmittel und kein Medikament, nicht einmal ein alternatives. Die möglichen Einsatzgebiete im präventiven und therapeutischen Bereich lassen sich ohne Mühe durch deutlich bessere Alternativen ersetzen, die zudem mehr als nur elementares Iod und Kaliumiodid zu bieten haben. Denn der Mensch lebt nicht nur vom Iod allein…

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 07.01.2016 aktualisiert

 

 

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