Die NDF-Salbe von Hochenegg – Der Versuch einer Beurteilung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die NDF-Salbe wird von der „Hochenegg Naturheilverfahren GmbH“ angeboten, einer österreichischen Firma, die mit Naturprodukten handelt.

Laut eigener Aussage kombiniert die Firma „heimische traditionelle Heilpflanzen mit Naturextrakten aus dem Regenwald, mit Kräuterpulvern aus der ganzen Welt [...]“.

Neben diesen Produkten „unterstützt Hans Hochenegg den Selbstheilungsprozess durch die heilenergetischen Kräfte seiner Hände“. Zum letzten Punkt kann ich selbstverständlich weder verbindliche noch unverbindliche Aussagen machen.

Der Gründer der Firma, Dr. Leonhard Hochenegg, war ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Naturheilkundler. Er galt als „Wunderheiler“. Als solcher wurde er, laut ORF, aufgrund umstrittener Heilmethoden bekannt. Diese brachten ihm dann ein Berufsverbot und Anklagen wegen Körperverletzung ein. Von den Anklagen wurde er allerdings freigesprochen. Trotz der angeblichen Fähigkeit heilende Kräfte zu besitzen, starb er im Jahr 2009 im Alter von nur 66 Jahren.

Auf der Firmen-Webseite gibt es eine ausführliche Familiengeschichte. Zur Firmengeschichte und das Datum der Gründung konnte ich keine Angaben finden.

Die Firma bietet folgende Produkte an:

  • Kräuterkapseln
  • Teemischungen
  • Tropfen und Einreibungen
  • Salben, Cremes etc.
  • anderes

Bekannt wurde die Firma durch ein Produkt, dass in einer Reihe von pharmazeutischen Zeitungen diskutiert wurde – die NDF-Salbe (deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2014/03/04/nicht-deklarierte-corticoide-in-dermatika).

Laut Angaben der Firma Hochenegg enthält die Salbe folgende Inhaltsstoffe: Vaselinum albumsalicylum, Acidum und Sulfur. Die Salbe soll 2 bis 3 mal täglich auf betroffene Hautstellen dünn, aber regelmäßig aufgetragen werden. Indikationen für die Anwendung sind Akne, sehr sensible und trockene Haut und Hautleiden.

Laut Angaben der „Deutschen Apotheker Zeitung“ und der „Pharmazeutischen Zeitung“ (pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51344) dagegen enthält diese Salbe eine Substanz, die ansonsten in der Schulmedizin zu oft und zu reichlich zum Einsatz kommt: Kortison.

So hat das Zentrallabor Deutscher Apotheker (ZL) „verschiedene Formen“ der NDF-Salben getestet und diesen nicht deklarierten Wirkstoff entdecken können. Die Apotheker Zeitung führt weiter aus, dass diverse Formen dieser Salbe im Internet angeboten werden, also nicht nur von der Firma Hochenegg. Es ist in der Tat so, dass es im Netz Angebote von Firmen gibt, die sich den Anschein geben, mit der österreichischen Firma identisch zu sein oder zumindest in deren Auftrag zu verkaufen. Die Webseite der Firma Hochenegg weist auf ihrer Webseite nochmals explizit darauf hin, dass es Nachahmer gibt, die weder mit der originalen Produktpalette, noch mit der Firma selbst etwas zu tun haben (hochenegg.com/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=70&Itemid=101).

Damit lässt sich zu diesem Zeitpunkt (Stand April 2016) für mich nicht feststellen, ob die original NDF-Salben der Firma Hochenegg ebenfalls von dieser Kritik betroffen sind.

Leider geben sich die beiden Apotheker Zeitungen auch keine Mühe, hier die Produkte zu benennen, die das Kortison enthalten. Vielmehr spricht man hier lieber ganz allgemein von „verschiedenen Formen“. Man behauptet zwar, dass bei allen eingeschickten Proben das Kortison gefunden worden war. Aber um welche Proben es sich handelt, dazu gibt es keine Auskunft.

 Die gefundenen Mengen betrugen 0,001 bis 0,05 Prozent und werden von der Zeitung als „signifikant“ bezeichnet. 0,05 Prozent Kortison sind „normale“ Dosierungen in zugelassenen, kommerziellen Kortisonsalben. Aber offensichtlich haben die Apotheker kein Problem mit „signifikanten“ Konzentrationen an Kortison, sondern nur mit denen, die in alternativen Produkten versteckt sind. Denn dann handelt es sich um ein Medikament, das keine Zulassung hat, also kein „ordnungsgemäßes Verfahren“ durchlaufen hat.

Die Zeitung fährt fort, dass nicht nur die NDF-Salbe von den Kortisonbeimischungen betroffen ist, sondern auch andere Produkte, wie „Entspannungssalbe“, Pflegecremes, Salben gegen Neurodermitis etc. In allen diesen Fällen gibt es keinen Hinweis seitens des Anbieters auf die Anwesenheit von Kortison in den Produkten.

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Meine Einschätzung

Kortison gehört in keine Salbe oder Creme, die den Anspruch auf ein natürliches Heilmittel oder Produkt für sich in Anspruch nimmt. Von daher ist die Warnung seitens der Apotheker voll und ganz berechtigt.

Aber die warnenden Apotheker Zeitungen scheinen diesen Vorfall zum Anlass zu nehmen, generell vor allen diesen Produkten zu warnen. Dies wird deutlich, wenn man feststellen muss, dass man auf eine Benennung der getesteten Produkte verzichtet und auch keine Angaben zu den Quellen gemacht hat. Damit werden pauschal alle Hersteller mit ins gleiche „Kortison-Boot“ gehievt, auch wenn sie einwandfreie Produkte anzubieten haben.

Wie sehr dieser Bericht weniger die Information zum Ziel hat, sondern diese Information nützen möchte, um einen Rundschlag gegen alternative Produkte zu lancieren, zeigt der völlig unpassende Passus von den „Entspannungstherapeuten“ und „Wunderheilern“, die besonders den süddeutschen Raum mit den Kortisonsalben unsicher machen. Hier soll suggeriert werden, dass solche Scharlatane nur deshalb Therapieerfolge vorzeigen können, weil die in der Salbe verborgene Schulmedizin in Form von Kortison die Heilung bewirkt und nicht das Voodoo der Wunderheiler. 

Was tun?

Ob Energieheilungen und NDF-Salbe wirklich gegen Akne und empfindliche Haut wirken, das kann ich nicht beurteilen. Ich gehe einmal davon aus, dass man zum Beispiel Akne auch ohne diese beiden Therapierichtungen behandeln kann. Mehr Informationen dazu unter: Akne - Hausmittel und alternative Therapien und Akne: Pflege-Tips, Therapie und Narben-Behandlung.

Von daher würde ich mich dem Aufruf zur Vorsicht bei den NDF-Salben anschließen und diese lieber erst einmal vermeiden. Es wäre problematischer, wenn es keine Alternativen zu dieser Salbe gäbe.

Dieser Beitrag wurde am 18.04.2016 erstellt.

 

 

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