Die Pharmaindustrie setzt Deutschland unter Druck

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

David gegen Goliath oder „Vom wackeren Waisenknaben, der auszog die Pharmabranche das Fürchten zu lehren“. So märchenhaft könnte man die „Mission impossible“ des Gesundheitsministers auch überschreiben. Philipp Rösler schnürt derzeit ein Arzneimittel-Sparpaket. Versucht hatten das schon seine Vorgänger. Horst Seehofer biss sich daran ebenso die Zähne aus, wie Andrea Fischer. Deren Nachfolgerin Ulla Schmidt bemühte sich acht Jahre lang vergeblich, die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Bisher gelang es noch keiner Bundesregierung, die Ausgaben für Medikamente zumindest einzufrieren. Warum wohl auch Röslers Vorstoß mit den geplanten Zwangsrabatten zum Scheitern verurteilt sein wird, beleuchtete das ARD-Magazin Monitor in einem Beitrag vom 22. April 2010. Monika Wagener und Ursel Sieber beschreiben, wie die Pharmaindustrie die Einsparpläne Röslers zu Fall bringen will. Man setzt auf Lobbyarbeit und hatte damit bisher immer Erfolg. 

Bereits zweimal war die Einführung einer Positivliste geplant. Die Kassen würden dann nur noch die dort gelisteten Medikamente erstatten. Beide Male wurde der Gesetzesentwurf in zweiter Lesung im Bundestag abgeschmettert. Ulrich Schwabe führt dies auf den beachtlichen Einfluss der Pharmalobby zurück. Der Professor ist Pharmakologe an der Uni Heidelberg und beobachtet seit Jahren die Medikamentenpreise im internationalen Vergleich. Der deutsche Absatzmarkt ist riesig, und die Gewinnspannen sind es auch. Von satten 20 % ist die Rede. Innovative Medikamente werden in Deutschland um 50-100% teurer gehandelt als bei unseren europäischen Nachbarn. Ginge es nach dem Wunsch der Arzneimittelunternehmen, so sollen diese Einnahmequellen munter weiter sprudeln, auch unter der neuen schwarz-gelben Koalition. Kein Wunder, dass die Pharmalobby Sturm läuft gegen Röslers geplante Reformen.

Monitor wurde ein Musterschreiben des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller zugespielt. Die Vorlage war geplant als "Drohbrief", der an die Wirtschaftsministerien der Bundesländer verschickt werden sollte. Heraufbeschworen wurde die Gefahr eines enormen Verlusts von Arbeitsplätzen. Auch sähe man den High-Tech-Standort Deutschland in ernster Gefahr. Die Realität sieht freilich anders aus, weiß Gesundheitsökonom Michael Schlander. Die deutschen Pharmaunternehmen gehören längst nicht mehr zur Weltspitze. Die Branchenführer wurden von multinationalen Konzernen aufgekauft. Der Rest, der noch am Standort Deutschland produziert, liefert allenfalls Mittelklasse. Und die Zahl der dort Beschäftigten sinkt seit Jahren.

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Wirkliche Innovationen auf dem Arzneimittelsektor kämen schon lange nicht mehr aus Deutschland, bedauert auch Wolf-Dieter Ludwig von der Bundesärztekammer. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission führt dies darauf zurück, dass die Pharmabranche hierzulande weit mehr Geld in Marketingmaßnahmen steckt, statt in die Entwicklung neuer Medikamente. Der Werbeetat ist mehr als doppelt so hoch, wie die Ausgaben für Arzneimittelforschung. Natürlich bat Monitor den VfA um eine Stellungnahme. Doch der Verband lehnte ein Interview ab - angeblich aus Zeitgründen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.3.2015 aktualisiert