In der Fachzeitschrift
Naturheilpraxis 02/98 erschien ein Aufsatz von Heinz Knieriemen
und Dr. med. Hansueli Albonico, den ich Ihnen zum Studium
empfehle.
Impfen oder der Verlust der
Eigenverantwortlichkeit
von: Heinz
Knieriemen
23 Impfungen gegen 8 verschiedene Krankheiten werden
Kleinkindern nach dem offiziell gültigen schweizerischen
Impfkalender bereits in den ersten beiden Lebensjahren
zugemutet. Die geübte Praxis stößt bei immer mehr Eltern auf
kritische Distanz oder offene Ablehnung, weil sie darin eine
nicht akzeptable Belastung für die Entwicklung ihrer Kinder
sehen. Doch die Massenimpf- und Ausrottungskampagnen für
Kinderkrankheiten bergen nicht nur individuelle Gefahren,
sondern erweisen sich immer mehr als ein volksgesundheitliches
Roulettespiel mit unbestimmtem Ausgang. Dies vor allem deshalb,
weil die offizielle Medizin die Gebote der Nachhaltigkeit nicht
beachtet, worunter die Ökologie die längerfristige
Verträglichkeit einer jetzt ergriffenen Maßnahme für künftige
Generationen versteht.
Die klassischen Kinderkrankheiten sind in unseren
Breitengraden in den letzten Jahrzehnten zu in der Regel
harmlos verlaufenden Ereignissen geworden. Versuche, mittels
Impfkampagnen die Kinderkrankheiten auszurotten, bedeuten
gravierende Eingriffe in das Mensch-Virus-Verhältnis. Gerade
bei Massenimpfkampagnen bestehen große Bedenken hinsichtlich
längerfristiger Verträglichkeit für das Gleichgewicht zwischen
Immunsystem und Umwelt. Unter dem Druck von flächendeckenden
Impfkampagnen kann es dazu kommen, daß der Krankheitserreger
zurückgedrängt wird, die Krankheit aber um so häufiger mit
einem anderen Erreger assoziiert auftritt. So ist
beispielsweise in Deutschland im Zuge der Impfung gegen Masern,
Mumps und Röteln zwar die Häufigkeit der Masern-Enzephalitis
zurückgegangen - in Bayern wurde aber festgestellt,
daß zur gleichen Zeit diese Abnahme überholt wurde durch eine
Zunahme an Varizellen (Windpocken) - für die eine eilfertige
Medizin auch schon wieder Impfstoffe parat hat -, von
Herpes-Enzephalitiden und vor allem von Gehirnentzündungen
"unbekannter Ursache".
Die gleiche Erscheinung der Verlagerung zu einem anderen
Erreger wird bei der Impfung gegen Hämophilus Influenzae B
(Hib), einen der Erreger der kindlichen Hirnhautentzündung,
beobachtet: In Finnland konnten die Hämophilus-Bakterien durch
ehrgeizige Massenimpfkampagnen zwar weitgehend verdrängt werden
- dafür treten seither zunehmend Infektionen durch Pneumokokken
auf, die wesentlich gefährlicher sind. Im Gefolge von
forcierten Impfkampagnen kann es auch dazu kommen, daß sich die
Bakterien und Viren durch Mutationen verändern und damit den
Impfschutz unterlaufen. Es können auch Vermischungen der
Gen-Bestände zwischen natürlichen und Impfviren auftreten,
sogenannte Rekombinanten-Viren. Dieses Problem besteht
beispielsweise bei den Viren der Polio (Kinderlähmung). In der
Schweiz und in Deutschland wurden im letzten Jahrzehnt zwar nur
noch extrem selten Kinderlähmungen diagnostiziert, aber fast
alle diese Fälle wurden durch solche rekombinante Viren
verursacht, deren zukünftige Entwicklung - vor allem auch
im Hinblick auf den forcierten Einsatz gentechnischer
Impfstoffe - völlig ungewiß ist.
Der Pariser Medizinhistoriker Mirko Grmek kommt in seinem
Buch L'histoire du Sida (Die Geschichte von Aids) nach
Durcharbeiten von über 1000 wissenschaftlichen Arbeiten zum
Schluß, daß die medizinische Technik durch Unterdrückung von
Krankheiten mittels großangelegter Impfkampagnen wesentliche
Vorbedingungen für das Auftreten der HIV-Erkrankungen
geschaffen hat. Und auch der amerikanische Bakteriologe und
Nobelpreisträger Joshua Lederberg wies darauf hin, daß wir mit
weiteren großen Katastrophen wie Aids zu rechnen haben, weil
zuviel in das natürliche Verhältnis zwischen Mensch und
Krankheitserreger eingegriffen werde.
Am ansteckendsten ist die
Angst
Health for all by the year 2000 - Gesundheit für alle im
Jahr 2000: Gemeint war mit dieser Maxime der WHO ursprünglich
die weltweite Bemühung um einen freien Zugang zu einer
sinnvollen Gesundheitsversorgung. Die Weltkonferenz in Riga
1988 bekräftigte: Die Menschen sind zu befähigen, Verantwortung
für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen. Bei der Umsetzung
dieses Leitsatzes trat indessen eine verhängnisvolle
Sinnverschiebung auf. Health wurde zunehmend als Recht auf
Gesundheit verstanden. Was als berechtigte Forderung formuliert
worden war für die weltweite Verbesserung des
Gesundheitswesens, wurde zu einem höchst problematischen
Anspruch: Gesundheit sozusagen als staatlich garantierter
Besitzstand. Und zwangsläufig leitete sich daraus das Postulat
nach Ausrottung der Krankheiten ab - Krankheit wurde damit ohne
weiteres Hinterfragen in den Bereich des Menschenfeindlichen,
des Unmenschlichen gewiesen. Damit war, insbesondere im Bereich
der Infektionskrankheiten, die Sicht des Abwehrkampfes mit
allen möglichen Waffen gegen die feindlichen Krankheitserreger
programmatisch fixiert. Die Definition der Krankheiten und
damit die Entscheidung über den Einsatz der Abwehrstrategien
wird dabei weitgehend den "Experten" überlassen, ohne daß sich
die eigentlich Betroffenen im klaren sind, wer diese Experten
sind und wie sie sich rekrutieren.
In der hausärztlichen Praxis läßt sich hautnah erleben, daß
viele Eltern überhaupt kein Vertrauen mehr in die Heilkräfte
ihrer Kinder haben. Sie erschrecken maßlos, wenn ihr Kind
plötzlich Fieber hat, über Ohrenschmerzen infolge einer
Mittelohrentzündung oder Halsweh bei Angina klagt. Unabhängig
davon, wie es dem Kind tatsächlich geht, gerät die ganze
Familie in Angst und Panik. Diese Angst ist oft das
Ansteckendste an der ganzen Erkrankung, befällt nicht selten
auch den Arzt und weckt das Bedürfnis nach einer möglichst
raschen Behandlung. Das Kind selber hat zunächst keine Angst.
Die seelische Grundhaltung eines neugeborenen Kindes ist ja das
(Ur-)Vertrauen in die Welt.
Zukünftigen Müttern fehlt heutzutage oft das Vertrauen, eine
Geburt ohne großen medizinisch-technischen Aufwand zu
bewältigen. Es braucht dazu, so sagt man ihnen, technische
Hilfsmittel und medizinische Experten, damit alles gut
verläuft. Und das neugeborene Kind tritt in die Welt und
begegnet im ersten Lebensaugenblick schon der Angst. Zur
Sicherheit wird routinemäßig ein Hüft-Sonogramm gemacht
(UltraschallAufnahme), zur Sicherheit erhält der Säugling
routinemäßig Vitamin-D-Tropfen, und spätestens im 3. Monat
werden die Eltern darauf aufmerksam gemacht, daß das Kind in
seiner Gesundheit gefährdet wäre, wenn es nicht gegen
zahlreiche Krankheiten geimpft wird. Eltern, die ihre Kinder
lieben, lassen sie impfen, heißt der Werbeslogan in der
Schweiz, und: Wenn ein Arzt eine Impfung vorenthält, so kommt
das einer Kindsmißhandlung gleich, befand eine deutsche
Ärztezeitung. Wir erleben Gesundheit nicht als etwas, worüber
wir uns selbst ein Urteil bilden können. Um Gesundheit
wahrzunehmen, müssen vielmehr zahlreiche Krankheiten
ausgeschlossen werden.
So stellen wir mit Erstaunen fest, daß unsere moderne
Medizin das Vertrauen in unsere Heilkräfte und unsere
Selbständigkeit in hohem Maße untergräbt. Wir leben in
einer
Art Absicherungsmedizin - es gibt eigentlich keine wirklich
gesunden Menschen mehr. Ein Bonmot sagt, daß der Gesunde nur
noch nichts von seiner Krankheit weiß. Angst kann dabei
einerseits durch die zunehmende Technisierung und
Automatisierung der Diagnose- und Therapieabläufe ausgelöst
werden, andererseits ist nicht zu übersehen, daß Angst auch
bewußt als Druckmittel eingesetzt wird. Ich erlebe das etwa in
unserer Praxis beim Durchsehen der täglichen Werbepost: Mit
einem gräßlichen dreiköpfigen Drachen wird beispielsweise für
die Grippeimpfung Reklame gemacht; ein unheimlicher Panther
lauert nachts auf den Asthmakranken, der seine Medikamente
nicht regelmäßig einnimmt, Zecken, Viren und Bakterien liegen
auf der Lauer. Der Tod selber erwartet jeden, dem ein
Antibiotikum vorenthalten wird.
Kinderkrankheiten und
Immunkompetenz
Der Mensch braucht zur gesunden Entwicklung seines
Organismus den Kontakt mit seiner Umwelt und den dazugehörigen
Krankheitserregern, welche immer zu Krankheiten führen können.
Früher war das die Immunisierung auf dem Hinterhof; mit dem
Fortschritt der Hygiene mußte diese zwangsläufig zurücktreten
mit der zunächst gewiß positiven Wirkung, daß zahlreiche
Infektionskrankheiten seit Beginn unseres Jahrhunderts
drastisch zurückgegangen sind. In jüngerer Zeit werfen aber die
zunehmenden Immunschwächekrankheiten, Resistenzschwächen,
Autoimmunkrankheiten und Allergien die Frage auf, ob in unseren
Breitengraden bei den Bemühungen um Fernhaltung aller
Infektionen nicht ein Optimum überschritten wurde. So gesehen
werden die Begriffe von Gesundheit und Krankheit sehr relativ,
und es überrascht nicht, daß es heute keine verbindliche
Definition von Gesundheit und Krankheit mehr gibt. Die
klassischen Kinderkrankheiten wie Masern und Scharlach sind
Krankheiten, die zu tiefgreifenden Veränderungen im ganzen
Körper führen. Es findet eine eigentliche Umschmelzung der
körpereigenen Eiweiße statt, was sich etwa im hohen Fieber, im
Ausschlag oder in der Hautschuppung äußert. Entsprechend können
Kinderkrankheiten zu Komplikationen führen; umgekehrt wird
verständlich, daß die Kinderkrankheiten in besonderem Maße zur
Entwicklung und Reifung des Immunsystems beitragen können.
Bereits um die Jahrhundertwende wiesen Ärzte darauf hin, daß
Krebspatienten im Vergleich mit dem Bevölkerungsdurchschnitt in
ihren Anamnesen (Vorgeschichten der Krankheit) auffallend
selten über durchgemachte Kinderkrankheiten berichteten. Dieser
Sachverhalt wurde durch neue, sorgfältig kontrollierte Studien
bestätigt. Die Bedeutung des Durchmachens der Kinderkrankheiten
im richtigen, eben im Kleinkindalter, unterstreicht eine vom
Schweizer Multiple-SkleroseSpezialisten Jürg Kesselring
zitierte Studie. Dieser fand ein vierfach erhöhtes MS-Risiko
bei Personen, welche Mumps erst in der Pubertät
durchmachten.
Zur Überprüfung der Hypothese, wonach das Durchmachen von
Kinderkrankheiten mit einem niedrigeren Krebsrisiko im
Erwachsenenalter einhergeht, wurde 1993/94 bei 379
Krebspatienten in 35 anthroposophisch orientierten Arztpraxen
in der Schweiz unter Kontrolle des Instituts für Mathematische
Statistik und Versicherungslehre der Universität Bern eine
kontrollierte Studie durchgeführt. Diese ergab insgesamt ein
deutlich gesenktes Krebsrisiko für Personen mit durchgemachten
Kinderkrankheiten. Allerdings drängte sich eine Differenzierung
zwischen Brustkrebskranken und Betroffenen anderer Karzinome
auf: Für die Patientinnen mit Brustkrebs konnte dieser
Zusammenhang nur bei den Masern gezeigt werden. In der Gruppe
der übrigen Karzinome hingegen nahm das Krebsrisiko mit jeder
durchgemachten Kinderkrankheit um 20 bis 35 % ab. Am stärksten
war der Zusammenhang bei Röteln und Windpocken, schwächer bei
Mumps und Scharlach. Nach durchgemachten Masern fanden wir eine
Verminderung des Krebsrisikos auf weniger als die Hälfte.
Verstöße gegen die Nachhaltigkeit der
Medizin
Bei Masern, Mumps und Röteln handelt es sich um 3 ganz
verschiedene Kinderkrankheiten, denen man mit einer
Massen-Kombinationsimpfung unmöglich gerecht werden kann.
Trotzdem basiert die MMR-Impfkampagne auf serienweiser
Durchimpfung der Kinder gegen alle 3 Krankheiten gleichzeitig,
Es wird grundsätzlich auch keine Rücksicht darauf genommen, ob
ein Kind einzelne dieser Krankheiten bereits durchgemacht hat
oder schon Einzelimpfungen erhalten hat.
Impfungen, und besonders Massenimpfkampagnen, bedeuten
grundsätzlich einen massiven künstlichen Eingriff in
Gleichgewichte zwischen Mensch und Mikroben mit unübersehbaren
Folgen. Nach den geltenden Regeln der Ökologie sind solche
Eingriffe deshalb sorgfältig auf ihre Nachhaltigkeit zu
überprüfen. Unter Nachhaltigkeit versteht die Ökologie die
längerfristige Verträglichkeit einer jetzt ergriffenen Maßnahme
für künftige Generationen. Das Erfordernis der Nachhaltigkeit
ist indessen in der offiziellen Medizin mit wenigen Ausnahmen
noch kaum bekannt.
Ziel der Ausrottung: unrealistisch
und gefährlich
Weil die 3 Kinderkrankheiten nicht ausgerottet werden
können, ist zu befürchten, daß die Massenbeimpfung die
natürliche Immunität der Kinder soweit zerstört, daß
gefährliche Epidemien auftreten werden. Diese Gefahr bleibt
auch bei sehr hoher Durchimpfung bestehen. Solange die
MMR-Impfkampagne am Ziel der Ausrottung dieser Krankheiten
festhält, führt sie durch ihre innere Gesetzmäßigkeit zu
zahlreichen Zwangswirkungen auf Individuum und Gesellschaft.
Das Ausrottungskonzept ist ausgesprochen störanfällig. Die
ganze Kampagne gerät immer mehr zu einem riskanten Experiment
und volksgesundheitlichem Roulettespiel, weil sich in der
Schweiz wie in anderen Industrieländern nur 80 % statt der
notwendigen 95 bis 100 % der Bevölkerung impfen lassen und weil
die Impfstoffwirksamkeit geringer ist als erhofft. Die
Störanfälligkeit führt dazu, daß zur Eingrenzung von
Rückfall-Epidemien zunehmend Zwangsmaßnahmen notwendig werden,
beispielsweise die Sicherstellung und Aufrechterhaltung einer
vollständigen Durchimpfung, die Überwachung der Immunitätslage
der Bevölkerung, die Überwachung der Viruszirkulation im Inland
und in benachbarten Gebieten sowie die Bereitstellung von
Quarantänen und Abriegelungsimpfungen bei Krankheitsausbrüchen.
In den USA ist das nach jahrelangen Zwangsimpfungen bereits
Realität: Ein Masernausbruch führt dort beinahe zu so
dramatischen Reaktionen wie ein Ausbruch von Pest oder
Cholera!
Und bist du nicht willig . . .
.
Die Ausrottungskampagne gegen die Kinderkrankheiten Masern,
Mumps und Röteln stößt nicht nur bei Eltern auf zunehmende
Skepsis, sondern wird auch von einer Ärztegruppe, die heute
mehr als 500 Mitglieder umfaßt, als in immunologischer,
epidemiologischer und sozialer Hinsicht bedenklich empfunden.
Die vor 10 Jahren gegründete Ärztegruppe sieht sich heute
weitgehend bestätigt. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die 3
Kinderkrankheiten nicht ausgerottet werden können. Die
Impfkampagne führt zu einer gefährlichen Verlagerung des
Krankheitsalters, bedeutet massive künstliche Eingriffe in ein
Gleichgewicht zwischen Mensch und Mikroben und begünstigt
zumindest die massive Zunahme von Allergien und
Autoimmunerkrankungen.
Letztlich ist es wohl vor allem ein unterschiedliches
Verständnis von Gesundheit und Krankheit, das zu den
Impfdiskussionen von großer Heftigkeit und Emotionalität führt.
Gesundheit ist nämlich nicht sosehr ein Zustand, sondern viel
eher eine Art Weg zur Selbsterkenntnis. Die Sinnlosigkeit, die
reine Zufälligkeit der Krankheiten anzunehmen, scheint mir
unvernünftig und destruktiv. Jede Krankheit ist eine Botschaft.
Auch Kinderkrankheiten haben einen Inhalt, der nach
Aufmerksamkeit und Achtsamkeit ruft. So ist es denkbar, daß der
wachsende Organismus in gewissen Abständen in kritische Phasen
gerät, in denen er auf dem Krankenlager der körperlichen und
seelischen Ruhe, der Sammlung neuer Kräfte bedarf. Für Kinder
können Krankheiten durchaus eine Bereicherung sein, die ihnen
die nötige vorbereitende Pause für einen neuen Reifungsschritt
ermöglichen. Doch wer hat in Zeiten von Angst- und
Ausrottungsstrategien noch Zeit, ein krankes Kind daheim zu
pflegen, ihm Tee zu kochen, es zu salben, zu wickeln und ihm
etwas vorzulesen? Wer mag schon Krankheit als einen Beitrag zur
Gesundheit sehen?
Die Folgen: Es häufen sich die diffusen, diagnostisch schwer
einzuordnenden psychischen Zustandsbilder bei Kindern, die kaum
je krank waren, aber nervös, lustlos, reizbar, appetitlos in
den Tag hineindösen, also Krankheitsbilder, die sich am ehesten
mit den Erschöpfungsdepressionen von Erwachsenen vergleichen
lassen. Eltern, Lehrer, Ärzte und Therapeuten kennen diese
Kinder, die weder krank noch gesund sind. Die Zeichen der Zeit
erkennt am ehesten die klassische Homöopathie: Für sie sind
Impfungen kein Immuntraining, das einen sicheren Schutz bietet.
Sie wertet Kinderkrankheiten vielmehr als einen positiven
Versuch der Natur, sich von den ererbten chronischen Miasmen zu
befreien. In jeder Kinderkrankheit findet ein Reifungsprozeß
statt, der für die ganze menschliche Entwicklung wichtig
ist.
Im Bewußtsein der Öffentlichkeit und weiter Teile der
Medizin wird jedoch immer noch der Keim, die Mikrobe, die
Bakterie, der Virus mit Krankheit gleichgesetzt. Finde den
Keim, töte ihn - und die Krankheit ist besiegt. Die Keimtheorie
der Krankheiten gab den Ärzten die orakelhafte Autorität von
Wissenschaftlern, Priestern und Heilern gleichermaßen. An
diesem Denkmodell orientieren sich auch die Impfungen mit ihren
Ausrottungsstrategien von Krankheiten. Und wir verhalten uns
weiter so, als wären Krebs, Allergien, Autoimmun- und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, an denen in den Industrienationen
die meisten Menschen leiden und auch sterben,
Infektionskrankheiten. Eine sinnvolle Prophylaxe und
Gesundheitspolitik sollte doch in erster Linie darin bestehen,
den bedrängenden Krankheiten den Boden zu entziehen, auf dem
sie sich entfalten können. Gefragt wäre eine Medizin der
Nachhaltigkeit statt groß angelegter Ausrottungskampagnen von
Kinderkrankheiten.
Unsere 5 Kinder sind in den ersten 9 Monaten 1997 an Masern
erkrankt. Wir haben sie in dieser Zeit dankbar begleitet und
sind froh darüber, daß es noch nicht gelungen ist, die
natürliche Keimpopulation gänzlich auszurotten. Eine
durchgemachte Kinderkrankheit macht Kinder um eine Erfahrung
reicher und bringt sie einen Schritt weiter. Daran besteht für
uns kein Zweifel. Was ich aus eigener Kraft, aus eigenem
Antrieb überwinde, läßt mich reifen und macht mich
selbstbewußter. Und genau dieses Urvertrauen haben unsere
Kinder heute nötiger denn je. Mindestens so wichtig ist jedoch
noch ein weiterer Grund, der uns veranlaßt, die Kinderimpfungen
zu verweigern: Wir können und wollen nicht über den Zeitpunkt
entscheiden, wann sich der kindliche Organismus mit welchen
Keimen (nach geltender Lehrmeinung gar mit Masern, Mumps und
Röteln gleichzeitig) auseinandersetzen muß. Bei den Masern
unserer Kinder war es für uns beeindruckend zu beobachten, wie
unterschiedlich sich die Symptome (Husten, Fieber, Ausschläge)
ausprägten und wie unterschiedlich auch die Bereitschaft war,
die Infektion anzunehmen. Der Organismus selbst, eine innere
Uhr, entschied darüber, wann der richtige Moment für eine
Auseinandersetzung gekommen war. Diese Fähigkeit, eine eigene
Immunkompetenz zu entwickeln, wird nicht straflos dauernd
gestört.
Es sind annähernd 10 Jahre her, seit ich dem Langnauer Arzt
Hans Ulrich Albonico erstmals begegnet bin. Er wandte sich
gemeinsam mit seinen Kollegen der Arbeitsgruppe für
differenzierte MMR-Impfungen an einer Pressekonferenz gegen die
Ausrottungskampagne der Kinderkrankheiten und trat für ein
Mitspracherecht der Eltern ein. Doch schon die moderate Kritik
an der Kampagne trug der Gruppe eine arge Schelte der
Medizinprofessoren Max Just und Beat Roos, seinerzeit Direktor
des Bundesamtes für Gesundheitswesen, ein. Ein Mediziner, der
Impfungen hinterfragt, verletzt auch heute noch festgefahrene
Standesregeln.
Sein im Haupt-Verlag erschienenes Buch "Gewaltige Medizin",
das wir in einem kurzen Überblick präsentieren, stellt das
wichtige Thema Impfungen in einen größeren Zusammenhang mit
Fragen zur Immunologie, Aids, Gentechnik und dem Sinn der
Kinderkrankheiten. Die Erfahrungen des engagierten und
verantwortungsbewußten Arztes sind eine gute Grundlage, Eltern
bei ihren Impfentscheidungen Vertrauen und Selbstsicherheit zu
geben.
Albonico, Hans Ulrich: "Gewaltige Medizin." Haupt-Verlag,
Bern, Stuttgart, Wien, 1997.
Anschriften der Verfasser:
Dr. med. Hansueli Albonico
Bernstrasse 13
CH-3550 Langnau
Heinz Knieriemen
Loretostrasse 24
CH-4500 Solothurn
Arbeitsgruppe für differenzierte MMR-Impfungen
Postfach
CH-3000 Bern 9
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