Die Strategien der Pharmafirmen: Scheininnovationen zur Sicherung der Gewinnmarge?

Ein Beitrag von René Gräber

Eine Hauptstrategie der Pharmaindustrie: der Patentschutz. Denn nach zehn Jahren verlieren Medikamente diesen Patentschutz und stehen unter dem Konkurrenzdruck von sogenannten Nachahmer-Präparaten, den Generika. Nur neue Medikamente sichern die hohen Vorstandsgehälter und die Dividenden der Aktionäre.

 

Drückt die Pharmaindustrie deshalb 150 bis 300 "Innovationen" pro Jahr in den Markt, die von zahlreichen Experten auch "Scheininnovationen" genannt werden?

Diese bringen zwar mehr Profit, aber wegen der geringen Testbasis auch hohe Risiken für die Patienten. Und dann verweigern auch noch einige die Studienergebnisse, wie zum Beispiel im Fall Pfizer. Mehr dazu im Beitrag: Pfizer verweigert Studienergebnisse.

Sie glauben das sei ein Märchen aus dem Reich der Mythen?

Dann sehen Sie sich bitte einmal die Stellungnahme von Horst Seehofer (als ehemaliger Gesundheitsminister in den 90er Jahren) an:

Jede Änderung des Systems scheitert am Widerstand der Pharmaindustrie.

Kosten-Nutzen-Bewertungen von Medikamenten finden auch seit 2009 nur sehr schleppend statt. Aber hier handelt es sich nur um ein Segment, in dem die Pharmaindustrie tätig ist, wenn es darum geht, die Konditionen für ihr Gedeihen und ihr Wachstum zu sichern.

Als „naiver und unbedarfter“ Heilpraktiker würde ich vermuten, dass gute Medikamente ihren Nutzen in der täglichen Praxis unter Beweis stellen. Damit würde das Darwinsche Gesetz vom Überleben des Fitteren (oder des besser Angepassten) vollkommen evidenzbasiert auch in der schulmedizinischen Realität zur Geltung kommen: Nur was wirklich gut ist, setzt sich durch. Und „gut“ heißt, dass es den meisten Patienten hilft und sie vielleicht sogar heilt. Aber, wie gesagt, ist das eine kindlich naive Ansichtsweise.

Die traurige Realität sieht so aus, dass auf praktisch allen Ebenen der Gesellschaft Vorgänge stattfinden, die die Rahmenbedingungen für das Geschäft „Gesundheit“ konsolidieren und, wo möglich, verbessern. Da ein großer Teil der sogenannten wissenschaftlichen Studien der Schulmedizin nur zu oft gravierende Mängel aufweist, sind andere Mechanismen gefordert, die die Veröffentlichung und Zulassung von nutzlosen und oft auch gefährlichen Medikamenten ermöglichen.

Dass Studien einfach frech gefälscht werden, dafür gibt es Beispiele, die man aber noch als Einzelfälle aussortieren könnte: Fälschungsskandal in der Schmerzforschung. Aber so einfach sollte man es sich nicht machen. In der Tat gibt es überall schwarze Schafe. Aber in der Pharmaindustrie scheint es von solchen Schafen zu wimmeln. Denn mit Hilfe von manipulierten Studien beziehungsweise deren Ergebnissen werden Dokumente angefertigt, die als Grundlage für die Zulassung als Medikament dienen und danach von lebenden Patienten geschluckt werden müssen: Der Skandal um Vioxx-Studien der Firma Merck. Dies ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs oder eine Kostprobe für die Realität hinter den Türen der Pharmafirmen: Das Geschäft mit wertlosen und gekauften Medizinstudien.

Sollten dann aber doch Ergebnisse zu neuen oder bereits in den Markt gebrachten Medikamenten hinterfragt werden, zum Beispiel für Edronax® von Pfizer (siehe Artikel weiter oben: Pfizer verweigert Studienergebnisse) und Tamiflu® von Roche, dann verweigern die Firmen einfach die Herausgabe oder Einsichtnahme in die Forschungsprotokolle. Auf diese Art und Weise brauchen sie keine unliebsamen Ergebnisse zu zeigen und zu erklären oder sich die Mühe zu machen, die Daten so zu manipulieren, dass ein „Legoland-Ergebnis“ dabei herausspringt, dass man zeigen kann. Siehe auch: Krebsmedikamente – zu gut, um wahr zu sein oder Man glaubt es kaum: Erfundene Arzneimittelstudien.

Mit welchen Tricks hier Wissenschaft betrieben wird, damit man mit deren Hilfe marketing- und verkaufstaugliche Ergebnisse produziert, das habe ich ausführlich im „Schulmedizin-Studien-Report“ untersucht.

Aber damit sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Auch die Tatsache, dass die meisten "forschenden" Firmen doppelt oder dreimal so viel Ausgaben für die Werbung wie für die Forschung haben, ist ein bedeutendes Indiz, worum es den Firmen geht. Das heißt, dass dem Marketing fast unendliche Summen an Geldern zur Verfügung stehen, damit Umsatz und Umsatzsteigerung forciert werden können. Ein Teil dieser "Werbegelder" geht als Lohn an die Pharmareferenten. Weitere Beträge fließen an sogenannte "Mietmäuler" (so heißen die wirklich in Insiderkreisen), also an bezahlte Professoren und Doktoren, die sich als Wissenschaftler ausgeben und unter dem schneeweißen Deckmantel des Forschers die Ergebnisse an die Ärzteschaft weitergeben, die ihre Brötchengeber von ihnen hören wollen.

Jenseits der Medizin und Wissenschaft

Aber es gibt doch eine Zulassungsstelle für neue Medikamente und eine Gesundheitsbehörde und dazu noch ein IQWiG, das die Qualitätskontrolle der neuen und alten Medikamente innehat. Die sollten doch dem Übermut der Pharmaindustrie den richtigen Dämpfer aufsetzen - oder?

Der Versuch eines „Dämpfers“, den hat es in der Tat gegeben. Aber auch hier, in den Kontrollinstanzen, den Gesundheitsbehörden und der Zulassungsstelle beziehungsweise der Politik, gibt es Einflussnahmen seitens der Pharmaindustrie, wobei Gelder eingesetzt werden, die nicht aus der Portokasse kommen. Und diese „Einflussnehmer“ sind die sogenannte „Lobby“.

Und diese Lobby ist so effizient und stark, dass unliebsame Qualitätskontrolleure, wie Dr. Sawiki, durch stramme linientreue Vertreter ersetzt werden. Denn es stellte sich heraus, dass Dr. Sawiki als Leiter des IQWiG eine Art "Unfall" war. Der Mann wollte einfach nicht einsehen, dass neue Medikamente nicht unbedingt einen Nutzen gegenüber den alten Varianten haben müssen, nur einen höheren Preis. Er versteifte sich auf die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Überprüfbarkeit des Nutzens der neuen Arzneien, wo doch jeder zu wissen hat, dass der Nutzen neuer Präparate vom Marketing definiert wird. Solche Kontrolleure wollten die Pharmas nicht haben: Das Gesundheitsministerium: Freund der Pharmaindustrie?

Und somit hatte er nach Beendigung seiner vertraglichen Laufzeit auch einen Nachfolger, der sich als Wunschkandidat der Pharmaindustrie herausstellte: IQWiG-Chef Windeler und der „Artenschutz“ für die Homöopathie. Seitdem habe ich vom IQWiG eigentlich nichts mehr gehört oder gesehen. Operation gelungen. IQWiG tot?

Ein weiteres schönes Beispiel für die Verquickung von Industrie und Politik ist die Fragwürdige Verflechtungen bei der Ständigen Impfkommission (STIKO). Hier hat die Pharmaindustrie es anscheinend tatsächlich fertig gebracht, eine staatliche Einrichtung für sich zu funktionalisieren. Die machen nämlich jetzt Werbung für eine Reihe von Impfungen, wie zum Beispiel die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs und andere, die die Werbung aus den Pharmahäusern um Längen schlagen muss - kommt sie doch preisgünstig von einer „unabhängigen“ staatlichen Institution. Das nenne ich doch mal „Glaubwürdigkeitsarbeit“ in Reinkultur.

Aber auch beim allgemeinen "Fußvolk" ist die Pharmaindustrie tätig: Selbsthilfegruppen sind Gefahr und Chance gleichzeitig. Die Pharmaindustrie begreift diese als Chance und unterstützt und subventioniert, dass sich die Balken biegen: Pharmakonzerne und Selbsthilfegruppen – eine fragwürdige Allianz. Immerhin kann man hier dem Verbot von Werbung beim Verbraucher (=Patienten) ein Schnippchen schlagen und sich über die Unterstützung als Wohltäter ins rechte Licht setzen. Wie solche pharmakologisch inspirierten Wohltaten aussehen, können Sie an einem anderen Beispiel studieren: Wenn die Pharmaindustrie als Wohltäter auftritt.

Aber nicht nur bei uns ist diese Praxis Gang und Gäbe. Überall in der „zivilisierten“ Welt wird nach diesem Prinzip gearbeitet, so scheint es zumindest: US-Parlamentarier: Marionetten der Pharmaindustrie?

Fazit

Die Liste an Möglichkeiten in der Welt des pharmazeutischen Profits ist nahezu endlos. Böse Zungen behaupten, dass die Methoden der Pharmaindustrie bestenfalls als „grenzwertig“ zu bezeichnen sind. Meine Liste an Ausführungen zu diesem Thema sollte eigentlich auch endlos sein, aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Wem aber bei den obigen Themen und Beiträgen noch nicht schlecht wurde - hier habe ich noch ein paar Themen aus dem Pharmasumpf:

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 6.5.2014 aktualisiert