Hanföl und Hanfextratöl - Wirkung & Studien

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Hanföl wird durch die Pressung der Samen von Hanf, botanisch Cannabis sativum, gewonnen.

Dabei handelt es sich um ein sehr hochwertiges Pflanzenöl, das durch seine einzigartige Zusammensetzung ein wertvolles Speiseöl ist, dessen Inhaltsstoffe viele positive Effekte auf die Gesundheit haben.

Die Nutzhanfpflanzen, die in der EU zugelassen werden, enthalten äußerst wenig des psychoaktiven Tetrahydrocannabinol, kurz THC.

Hanf und Hanföl

Die Samen der Hanfpflanzen enthalten zudem ohnehin so gut wie keine Cannabinoide wie das Rauschmittel THC. Der Verzehr des kaltgepressten Hanföles ist daher völlig unbedenklich und wirkt nicht psychoaktiv und macht nicht süchtig.

Allerdings sollte man Hanföl nie mit Haschischöl verwechseln. Letzteres ist ein Extrakt, das aus dem Harz der Cannabis-Pflanze gewonnen wird und reichlich berauschendes THC enthält. Damit fällt es unter die Betäubungsmittel. Weil Hanf als Droge verwendet werden kann, ist der Nutzen der wertvollen Pflanzen in Vergessenheit geraten. Doch heute wird das jahrhundertealte Wissen um die Vorzüge dieser Pflanze langsam wieder neu entdeckt.

Cannabis auf Rezept

Die spasmolytischen und analgetischen Wirkungen der Cannabinoide nutzen Patienten mit chronischen Erkrankungen schon seit einigen Jahren.

Sie taten dies in der Vergangenheit illegal und „auf eigene Faust“. Im Januar 2017 beschloss der Deutsche Bundestag ein Gesetz, um den unkontrollierten Anbau von Cannabis zu bekämpfen und den Kranken den Weg auf den Schwarzmarkt zu ersparen. Künftig können chronisch Kranke Cannabis auf Rezept erhalten, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind.

Die Krankenkassen müssen die Präparate dann bezahlen, die in Apotheken erhältlich sind. Solange noch keine staatlichen Anbaubetriebe in  Deutschland die Hanf-Blätter liefern können, wird der Bedarf durch Importe gedeckt. Die Produkte aus professioneller Landwirtschaft und sachgerechter Verarbeitung garantieren sichere Qualitäts-Standards. Kontrollierte Wirkstoff-Konzentrationen vereinfachen die Dosierungen.

Wie bei allen neu eingeführten Medikamenten werden auch die Cannabis-Wirkungen und die Nebenwirkungen überwacht. Dazu melden Ärzte die Therapie-Erfolge und Risiken an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Daraus sollen sich auch Hinweise auf andere mögliche Indikationen der Therapie ergeben. So soll die Wirkung der Cannabinoide auf eine breite wissenschaftliche Grundlage gestellt werden.         

Die Gesetzes-Initiative ging vom Bundesgesundheitsministerium aus. Im Blick hatten die Politiker dabei Patienten mit Krebs und AIDS, Rheuma, Multipler Sklerose, ADHS sowie dem Tourette-Syndrom. 

Hanföl ist ein echtes Pflanzenöl

Im Gegensatz zu den Ölen anderer Pflanzen enthält es jedoch keine Gift- oder Hemmstoffe, sodass die Samen nicht hitzebehandelt und das Öl nicht raffiniert werden muss. Der Anbau der Hanfpflanzen erfolgt zudem in der Regel ohne Pestizide, sodass Rückstände im Öl nicht zu befürchten sind.

Ideal ist Hanföl aus Kaltpressung. Bei diesem Herstellungsverfahren erreicht das Öl maximal eine Temperatur von 45 °C. So werden keine wertvollen Inhaltsstoffe zerstört. Hanföl enthält einen ungewöhnlich hohen Anteil von 70% mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Darunter sind viele essentielle Fettsäuren, wie Linolsäure und Alpha-Linolensäure.

Die beiden wichtigen Fettsäuren liegen im Hanföl in einem Verhältnis von 3:1 vor, was nicht nur ideal für den menschlichen Stoffwechsel ist, sondern auch einzigartig bei Pflanzenölen. Diese Fettsäuren sind wichtig für den Aufbau der Zellmembranen, für die Herstellung von Hormonen und das Immunsystem. Ein Mangel daran kann sogar zu Stoffwechselkrankheiten führen.

Wofür und wie wird Hanföl eingesetzt?

Da Hanföl zu großen Teilen aus wertvollen, ungesättigten Fettsäuren besteht, wird es im Körper für viele lebenswichtige Prozesse verwertet. Durch die regelmäßige Zufuhr von Hanföl in der Ernährung ist der Bedarf an essentiellen Fettsäuren leicht zu decken. Schon 15 bis 20 Gramm Hanföl pro Tag reichen.

Geschmack und für die Küche

Das Pflanzenöl eignet sich durch seinen nussig-feinen Geschmack gut für Salate, aber auch zum Kochen. Nur zum Braten und Frittieren kann man es nicht verwenden, da Hanföl eine niedrige Rauchtemperatur hat und hitzeempfindlich ist. Als Nahrungsergänzung kann es täglich pur eingenommen werden.

Vitamine, Proteine, Fettsäuren

Doch nicht nur wichtige Fettsäuren liefert das Hanföl. Es enthält zudem einen hohen Anteil an Vitaminen, Proteinen und Aminosäuren. So finden sich in dem Pflanzenöl alle acht essentiellen Aminosäuren, die der Mensch mit der Nahrung aufnehmen muss. Mit dem Verzehr von Hanföl kann man also jedes Protein im Körper herstellen. Klar: man müsste schon ganz schön viel davon trinken um den Proteinbedarf zu decken - das ist klar...

Aber was auch interessant ist: das Globulin-Protein Edestin ist im Öl vorhanden. Die Hanf-Proteine können vom Menschen für den Aufbau der Immunglobuline verwertet werden, ohne die unser Immunsystem nicht arbeiten kann.

Linderung bei Krankheiten

Nach vielen Berichten kann das Pflanzenöl bei bestimmten Erkrankungen Linderung verschaffen. Dazu gehören:

Daneben wird dem Öl eine vorbeugende Wirkung von:

nachgesagt.

Es besteht allerdings noch Forschungsbedarf, ob und auf welche Weise Hanföl medizinisch eingesetzt werden kann.

Kosmetik

Positive Effekte hat das Öl der Cannabis-Samen dabei auch als Kosmetikum für die Haut. Außer pur kann es in vielerlei Kosmetikprodukten Verwendung finden. Es pflegt die Haut sehr sanft und kann irritierter Haut zur Beruhigung verhelfen. Bei Neurodermitis kann Hanföl der geplagten Haut Linderung verschaffen. Der Marktanteil der Kosmetik mit Hanföl ist jedoch trotz der guten Eigenschaften eher gering.

Haltbarkeit

Hanföl, das schonend hergestellt wurde, ist bei richtiger Lagerung fast unbegrenzt haltbar. Damit es möglichst lange frisch bleibt, lagert man es an einem kühlen, dunklem Ort.

Idealerweise wird es in einer dunklen Glasflasche aufbewahrt. Doch kann auch das wertvolle Hanföl ranzig werden. Wenn es beginnt, alt und ranzig zu riechen, sollte es entsorgt werden.
Hanfextraktöl wird aus den Blüten der Hanfpflanze hergestellt.

Inhaltsstoffe

In diesem Produkt sind die für kritisch gehaltenen rund 60 verschiedenen Cannabinoide enthalten. Allerdings fehlt das THC, das den Harz des Hanfes zum Rauschmittel macht. Das wichtigste Cannabinoid im Hanfextraktöl ist das Cannabidiol (CBD). Derzeit gibt es mehrere Forschungsgruppen, die die medizinische Wirkung von Cannabinoiden, die chemischen Komponenten der Hanfpflanze, die physiologisch wirksam sind, untersuchen.

CBD bindet an die CB2-Rezeptoren, die nicht identisch sind mit den Rezeptoren, die vom THC blockiert werden. Deswegen fehlt auch der Rausch, der beim Haschisch-Konsum auftritt. Die CB2-Rezeptoren gehören zum Endocannabinoid-System (ECS), in dem körpereigene Encannabinoide wirksam sind.

CBD imitiert diese im Nervensystem produzierten Neurotransmitter und kann wahrscheinlich deswegen Schmerzen lindern (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4604191/).

Auch den Cannabinoid- Receptor GPR55 beeinflusst CBD und reduziert dadurch ebenfalls Schmerzzustände (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21683763).

Eine andere Überlegung geht dahin, dass CBD den Spiegel der Anandamide senkt. Diese Neurotransmitter erzeugen eine Schmerzwahrnehmung, die gelindert wird, wenn CBD deren Metabolisierung fördert.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie einfach meinen kostenlosen Praxis-Newsletter an:

(Weitere) Anwendungsgebiete

In den USA wird die Wirkung von Hanfextraktöl als Krebstherapie heftig diskutiert. Da dort der Anbau auch von THC-armen Nutzhanf-Pflanzen nur mit Genehmigung möglich ist, die selten und mit strengen Auflagen erteilt wird, ist es kaum möglich, Hanföl zu kaufen.

Der ehemalige Krebs-Patient Rick Simpson hat deshalb selber in seinem Garten Hanf angebaut und sein eigenes Hanfextraktöl produziert, mit dem er seine Krebserkrankung selbst behandelte, bis er als krebsfrei galt. Simpson ist ein Kritiker der konventiellen Medizin sowie der Pharmaindustrie. Er berichtet auf einer eigenen Website (http://phoenixtears.ca/) über seine Erfahrungen und gibt Anleitungen zur Produktion des "Allheilmittels".

Anwender berichten von der Heilung vieler, unterschiedlicher Krankheiten, seit sie Hanföl einnehmen, bis hin zum Verschwinden von Gehirntumoren. Während diese Beobachtungen nicht wissenschaftlich untermauert sind, gibt es Forschungsstudien, die Anlass zu der Hoffnung geben, dass Hanföl tatsächlich ein potentielles (und potentes) Medikament ohne Nebenwirkungen ist.

Wirkung gegen Krebs & Krebszellen

So hemmen Cannabinoide im Reagenzglas sowie im Tierversuch das Wachstum von Tumorzellen, während gleichzeitig nachgewiesen ist, dass sie Nebenwirkungen der konventionellen Krebstherapie lindern. Daher wurde schon 2003 im renommierten Wissenschaftsjournal Nature Reviews der Einsatz der Cannabinoide als Anti-Krebs-Therapie diskutiert.

Linderung während und bei Chemotherapie

Inzwischen ist die Linderung der Nebenwirkungen, die während einer Chemotherapie auftreten, nachgewiesen. Besonders die Übelkeit bis hin zum Erbrechen können durch CBD wirksam unterbunden werden (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK425767/).

Andere Studien zeigen die Schmerzlinderung durch Cannabinoide bei Multipler Sklerose (Young, 2005, in Neurology). Dies liefert einen Hinweis darauf, dass CBD Autoimmunerkrankungen positiv beeinflusst. Eine wissenschaftliche Studie ergab Anzeichen für eine Verlangsamung der Alzheimer-Krankheit im Tierversuch (Ramirez, 2005, in Journal of Neuroscience). Daneben lindert Hanfextraktöl die Schmerzen bei Gelenkerkrankungen. Gerade bei Arthrose haben sich die Präparate bewährt (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24494687).

Gelenkschmerzen

Auch die äußerliche Anwendung mit Salben aus dem Hanfextraktöl wirkt heilsam auf schmerzhaften Gelenke (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4851925/).

Neuropathien - Nervenschmerzen

Zudem kann CBD die Beschwerden bei Neuropathien deutlich reduzieren. Dies zeigen Tierversuche, in denen auch die Effekte von CBD bei Gelenkschäden untersucht wurden (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28885454).

Psychische Erkrankungen

Obwohl CBD nicht psychoaktiv ist, kann es zur Balance der Botenstoffe im Nervensystem beitragen. Deswegen wird CBD bei psychischen Krankheiten eingesetzt. Dieser antipsychotische Effekt unterdrückt Wahnvorstellungen und Halluzinationen bei manifesten Schizophrenien (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22716160).

Nebenwirkungen

Allerdings muss auch auf Nebenwirkungen hingewiesen werden, die selten auftreten können. Dazu zählen Müdigkeit oder Nervosität sowie eine Steigerung oder Verminderung des Appetits. Wenige Forschungsarbeiten befassen sich mit den Langzeitwirkungen auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem.

Manche Wissenschaftler warnen vor einer möglichen Beeinträchtigung der Körperabwehr bei längerer Medikation mit CBD.

Hanfextraktöl sollte nicht bei Kindern oder Schwangeren angewendet werden. Grundsätzlich sollten Ärzte die Therapie mit dem Hanf-Produkt immer in eine Behandlung mit anderen Methoden integrieren.

Durch mangelndes Interesse der Pharma-Forschung an einer nicht-patentierbaren Pflanze und sehr restriktiven Cannabis-Gesetzen im führenden Forschungsland USA schreitet die Erforschung der Cannabinoide nicht in dem Maße fort, wie es im Sinne der Patienten wünschenswert wäre - aber das ist ja klar. Das Interesse der Industrie ist primär nicht die Heilung der Patienten...

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 05.12.2017 aktualisiert, Bild: fotolia - Elroi