Gute Laune mit Johanniskraut?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Seit vielen hundert Jahren gilt das Johanniskraut als sehr wirksame Heilpflanze. Und neuere Forschungen und Studien bestätigen: Das Johanniskraut ist eine Alternative zu den Antidepressiva.

 

Johanniskraut hat als medizinische Heilpflanze eine sehr lange Tradition. Vor 2000 Jahren wurde es von griechischen und römischen Ärzten als Heilmittel verwendet. Im Mittelalter griff der Arzt Paracelsus auf das Heilkraut zurück. Im 18. Jahrhundert wurde die antidepressive Wirkung des Johanniskraut bekannt. Seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wird es auch in der Schulmedizin eingesetzt.

Da es eine so lange Tradition hat, ist es nicht verwunderlich, dass es auch noch viele andere Namen in der "Volksmedizin" hat. Ich kenne das auch noch unter den Namen: Blutkraut, Jeses-Wunden-Kraut, Johannisblut oder Wundkraut.

Das Johanniskraut ist eine bis zu 1 Meter hoch wachsende mehrjährige Pflanze, die ab Mitte Juni goldgelb blüht, wie im folgenden Bild gut zu sehen:

Johanniskraut in der Blüte
Abb1: Die Johanniskraut-Pflanze in der Blüte 

Zerreibt man die Blüten, tritt eine rote Flüssigkeit aus, das Rotöl. Die ätherischen Öle der Pflanze sind gut zu erkennen, wenn man deren ovale Blätter gegen das Licht hält. Die kleinen hellen Punkte die man dann sieht sehen wie Löcher aus und erwecken den Eindruck die Pflanze sei "durchlöchert".

Johanniskraut - Großaufnahme
Abb2: Ein wichtiges Merkmal für das echte Johanniskraut ist die Blüte. Wenn man die Blüte abzupft (mit dem Kelch unten!) und diese kräftig zwischen den Fingern zerreibt, verfärben sie sich dunkelrot. Man muss aber schon kräftig reiben.

Herstellung

Johanniskrautöl wird ganz einfach zubereitet, indem die Blüten in eine lichtdurchlässige Flasche gelegt und in Öliven- oder Sonnenblumenöl eingelegt werden. Anschließend bleibt die Flasche zwei Monate lang in der Sonne stehen.

Das Johanniskrautextrakt zur Medikamentenherstellung wird gewonnen, indem der Blütenhorizont der Pflanze, also die Blüten, Blätter und Stengel aus dem oberen Bereich des Krautes, geerntet, getrocknet und anschließend zerkleinert werden. Danach werden sie mit Alkohol versetzt. Aus dieser Mischung wird schließlich das Extrakt gewonnen.

Inhaltsstoffe

Hyperforin, Hypericin und Pseudohypericin sowie Flavonoide (wie Hyperosid, Isoquercitin, Biapigenin) und Rutin sind neben den ätherischen Ölen die Hauptinhaltsstoffe des Johanniskraut. Für die medizinische Wirkung der Pflanze ist vor allem das Hyperforin verantwortlich, das in keiner anderen Pflanze enthalten ist.

Anwendungsgebiete

Das Johanniskrautextrakt wird vorrangig als Stimmungsaufheller bei Depressionen eingesetzt oder als Beruhigungsmittel bei nervöser Unruhe (z.B. vegetative Dystonie). Bei einer Behandlung sollte man aber wissen, dass es 4 bis 6 Wochen dauern kann, bis entsprechende Wirkspiegel erreicht sind und eine Aufhellung der Stimmungslage eintritt.

Äußerlich wird das Johanniskrautöl wegen seiner entzündungs-hemmenden Wirkung bei kleineren Verletzungen und Verbrennungen angewandt. Niemals aber bei offenen Wunden. Mehr dazu auch unter: Wundheilung

Interessanterweise kann man Johanniskraut auch in Fällen von Bettnässen geben, was verständlich erscheint, wenn man bedenkt, dass Bettnässen auf "seelische Ursachen" geschoben wird.

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Wirkung

Die klinisch (schulmedizinisch) belegte Wirkung tritt zeitversetzt etwa zwei Wochen nach Beginn der Einnahme auf. Eine Behandlung als "Antidepressivum" kann sich über mehrere Monate erstrecken. Der Wirkstoff nimmt Einfluss auf die Botenstoffe (Noradrenalin, Serotonin, Dopamin) des Gehirns, die für den Stoffwechsel zwischen den Nervenzellen und damit für das Auftreten von Depressionen mit verantwortlich sind.

Allerdings muss Johanniskraut sehr diszipliniert dosiert werden, da der Wirkstoff ernsthafte Nebenwirkungen auslösen kann. Das Extrakt erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut. Wird diese unter Therapie starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kann es zu Entzündungen oder dauerhafter Verfärbung der Haut kommen. Deshalb die Haut vor Sonnenbädern unbedingt durch Einreiben mit Sonnenöl mit hohem Lichtschutzfaktor schützen.

Auch sollte die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente vermieden werden, da das Johanniskrautextrakt den Wirkspiegel mancher Arzneien deutlich verändern kann. In diesem Fall ist unbedingt eine Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt erforderlich. Meistens wissen Apotheker dazu aber wesentlich mehr - es sei denn man hat wirklich einen Heilpflanzen-Experten vor sich...

Darreichung

Johanniskraut kann gut als Tee zubereitet werden, der allerdings zu niedrig dosiert ist, um eine signifikante medizinische Wirkung zu erzielen.

Ich rate meistens zu einem Extrakt in Tablettenform, den man in der Apotheke erhält. Lassen Sie sich aber in diesen Dosierungen von einem Heilpraktiker oder Arzt beraten, der sich auch mit Heilpflanzen auskennt.

Das Johanniskraut-Rotöl wird als Einreibemittel in Flaschen angeboten. 

Fazit

Es gibt nur wenige Heilpflanze, die derart oft "untersucht" wurde. Und die Fakten und Ergebnisse können sich sehen lassen. Das haben auch die Hersteller gemerkt: über 100 verschiedene Johanniskraut-Präparate sind in Deutschland erhältlich.

Das Johanniskraut hat eine relativ enge "Indikation", die sich im Wesentlichen auf leichte Depressionen beschränkt. Bei den sogenannten symptomatischen oder reaktiven Depressionen kann das Mittel in entsprechenden Konzentrationen die herkömmlichen Antidepressiva weitgehend ersetzen. Auch bei einer vegetativen Dystonie kann man es einsetzen - wenn man keine anderen Ursachen findet und einem sonst nichts einfällt. Bevor Sie aber jetzt selbst "losziehen" um sich Johanniskraut zu besorgen, lesen Sie lieber noch mal die Nutzungshinweise meiner Webseite...

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 7.4.2015 aktualisiert