Mönchspfeffer (Agnus Castus): Anwendung, Wirkung und
Nebenwirkungen
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Der Mönchspfeffer gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und gehört zur Gattung
Vitex, die eine Reihe von strauch- bis baumartigen Pflanzen umfasst. Sein geschichtlich populärer Name lautet
Keuschbaum oder Keuschlamm, was sich auch in dem wissenschaftlich-lateinischen Namen widerspiegelt (agnus = Lamm,
castus = keusch).
Der Mönchspfeffer steht in dem Ruf eine Art Anaphrodisiakum zu sein, da der Genuss seiner Früchte und Samen den
Geschlechtstrieb mindern soll. So war er integraler Bestandteil der meisten mittelalterlichen Klostergärten, um die
"Abkehr von weltlicher Liebe" zu fördern. Sein Samen hat einen scharfen Geschmack, was ihn als Pfefferersatz
qualifiziert.
Mönchspfeffer ist eine Heilpflanze der besonderen Art
Es gibt bis heute eine Reihe von gut durchgeführten Studien, die belegen, dass der Mönchspfeffer äußerst
effektiv ist in der Behandlung des prämenstruellen Syndroms und dass er Linderung bei Wechseljahrbeschwerden
verschafft.
Eine weitere Indikation ist die Hormonregulation bei unregelmäßigem Zyklus. Unfruchtbarkeit infolge von
Gelbkörperinsuffizienz scheint ebenfalls eine Indikation des Mönchpfeffers zu sein, konnte er zeigen, dass er in
der Lage ist, die Gelbkörperhormonproduktion zu steigern. Allerdings sind die Ergebnisse noch zu widersprüchlich
und inkonsistent, als dass man hier eine allgemeingültige Therapieempfehlung ableiten könnte.
Die Frage, ob der Mönchspfeffer zu Recht in dem Ruf steht, eine Art Anaphrodisiakum zu sein und einen negativen
Einfluss auf die Libido zu haben, kann von der Wissenschaft nicht bestätigt werden. Die wenigen Studien, die sich
unter anderem auch dieser Frage widmeten, zeigten keinen Einfluss auf das Sexualverhalten unter Einnahme von
Mönchspfeffer.
Verträglichkeitsstudien für den Mönchspfeffer zeigen, dass er im Allgemeinen sehr gut vertragen wird.
Nebenwirkungen
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Übelkeit, Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, menstruelle
Beschwerden, Akne, Pruritus und Erythema.
Mönchspfeffer sollte allerdings nicht in der Pubertät, Schwangerschaft und während der Stillzeit eingenommen
werden. Bei östrogen-empfindlichem Brustkrebs oder Tumoren der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ist ebenfalls von einer
Einnahme abzuraten.
Quellen:
1. V. Ledina, A.V. Tagiyeva, F.S. Revazova “Vite agnus castus: Successful treatment of moderate to severe
premenstrual syndrome.” Maturitas, Volume 55, Supplement 1, Pages S55-S63 (1 November 2006)
2. Westphal LM, Polan ML, Trant AS. “Double-blind, placebo-controlled study of Fertilityblend: a
nutritional supplement for improving fertility in women.” Clin Exp Obstet Gynecol. 2006;33(4):205-8.
3. Roemheld-Hamm B. “Chasteberry” Am Fam Physician. 2005 Sep 1;72(5):821-4.
4. Berger D, Schaffner W, Schrader E, Meier B, Brattström A. „Efficacy of Vitex agnus castus L. extract Ze
440 in patients with pre-menstrual syndrome (PMS).” Arch Gynecol Obstet. 2000 Nov;264(3):150-3.
5. Gorkow C, Wuttke W, März RW. “Effectiveness of Vitex agnus-castus preparations.” Wien Med Wochenschr.
2002;152(15-16):364-72.
6. Bergmann J, Luft B, Boehmann S, Runnebaum B, Gerhard I. „The efficacy of the complex medication
Phyto-Hypophyson L in female, hormone-related sterility. A randomized, placebo-controlled clinical double-blind
study.“ Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd. 2000 Aug;7(4):190-9.
7. Veal L. „Complementary therapy and infertility: an Icelandic perspective.” Complement Ther Nurs
Midwifery. 1998 Feb;4(1):3-6.
8. Cahill DJ, Fox R, Wardle PG, Harlow CR. “Multiple follicular development associated with herbal
medicine.” Hum Reprod. 1994 Aug;9(8):1469-70. (Diese Studie steht stellvertretend für das Dilemma der
medizinisch-wissenschaftlichen Studien, da in dieser 4 Autoren Schlussfolgerungen mit Anspruch auf
Allgemeingültigkeit aus der Beobachtung von einem (1)! Patienten machen)
9. Daniele C, Thompson Coon J, Pittler MH, Ernst E. „Vitex agnus castus: a systematic review of adverse
events.” Drug Saf. 2005;28(4):319-32.
10. Schellenberg R. “Treatment for the premenstrual syndrome with agnus castus fruit extract: prospective,
randomised, placebo controlled study.” BMJ. 2001 Jan 20;322(7279):134-7.
11. He Z, Chen R, Zhou Y, Geng L, Zhang Z, Chen S, Yao Y, Lu J, Lin S. “Treatment for premenstrual syndrome
with Vitex agnus castus: A prospective, randomized, multi-center placebo controlled study in China.” Maturitas.
2009 May 20;63(1):99-103.
12. Loch EG, Selle H, Boblitz N. „Treatment of premenstrual syndrome with a phytopharmaceutical formulation
containing Vitex agnus castus.” J Womens Health Gend Based Med. 2000 Apr;9(3):315-20.
Dieser Beitrag wurde letzmalig am 28.08.2011 aktualisiert.

|