Mutterkraut (Tanacetum parthenium): Kleine Zierblume mit großer Wirkung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Obwohl Mutterkraut bereits im Altertum bei verschiedenen Leiden eingesetzt wurde, ist es in heutiger Zeit fast in Vergessenheit geraten.

Dabei hilft die Pflanze, deren Blüten der nah verwandten Kamille ähnlich sind, nicht nur bei Zyklusstörungen und Wechseljahrsbeschwerden, sondern ebenso bei Migräne und chronischen Entzündungen. Selbst Krebs soll man, laut neuerer Studien, mit Mutterkraut behandeln können. Jüngst haben Wissenschaftler auch entdeckt, dass Mutterkraut bei der Nervenheilung hilft. Gelegentlich behandeln Dermatologen auch den kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) mit den Parthenoliden der Heilpflanze.

Viele Namen – ein Kraut

Mutterkraut wird hierzulande auch als Wucherblume oder als Fieberkraut bezeichnet. Ihre weiß-gelben Blütenkörbchen haben ihr außerdem die Namen Zierkamille, Falsche Kamille und Römische Kamille eingebracht. Wissenschaftlich sind ebenfalls mehrere Namen für die zur Familie der Korbblütler gehörende Pflanze geläufig: Tanacetum parthenium und Chrysanthemum parthenium. In Großbritannien, wo dem Mutterkraut eine größere Beachtung geschenkt wird, ist es unter dem Namen Feverfew (übersetzt etwa: Fiebersenker) bekannt.

Verwendet werden nur die oberirdischen Teile, aber nie die Wurzel. Das Kraut enthält bis zu 1  % ätherisches Öl im Frischgewicht mit einer Reihe von Wirkstoffen: Chrysanthenylacetat, Sesquiterpene, und Kampfer. Die wichtigsten Wirkstoffe sind die Parthenolide.    

Bedeutung des Mutterkrauts in früherer Zeit

Das Mutterkraut wird traditionell gerne in Bauerngärten angepflanzt, wobei es mittlerweile nur noch wenig bekannt ist. Es kommen zahlreiche verschiedene Kulturformen vor. Der griechische Arzt Pedanios Dioscurides beschrieb bereits im ersten Jahrhundert nach Christus die Heilwirkung der Pflanze. Und auch im Mittelalter setzten die Menschen das Mutterkraut gerne gegen Fieber und Kopfschmerzen ein. Daneben behandelten die alten Ärzte den Parasitenbefall des Darmes mit dem Heilkraut. Aufgrund seiner guten Wirksamkeit bezeichnen einige Forscher das Heilkraut auch als das „Aspirin des 18. Jahrhunderts“.

Ihren deutschen Namen Mutterkraut verdankt die Pflanze vor allem der Wirkung während der Nachgeburtsphase zu verdanken: So soll es die Ablösung der Plazenta fördern. Außerdem löst es Verkrampfungen während der Geburt und regt die Tätigkeit der Gebärmutter an. Aber auch andere positive Effekte werden Tanacetum parthenium in der traditionellen Frauenheilkunde nachgesagt. So soll es den Menstruationszyklus regulieren, die Monatsblutung und den Eisprung fördern und Regelschmerzen lindern.

Mutterkaut gegen Migräne

Mutterkraut wird vor allem im englischsprachigen Raum gerne als alternatives Mittel gegen Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22096324). Die regelmäßige Einnahme von zwei bis drei frischen Blättern hilft demnach Betroffenen dabei, Migräneattacken vorzubeugen (unter anderem in www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3929876).

Allerdings gibt es andere Untersuchungen, die keinerlei positive Wirkung des Mutterkrauts bei Migräne belegen. Dies liegt vermutlich daran, dass sich die Zusammensetzung des Heilmittels – wie bei pflanzlichen Mitteln häufig – stark unterscheiden kann.

Daher sind die Wissenschaftler sehr daran interessiert, die einzelnen pharmakologisch wirksamen Bestandteile von Tanacetum parthenium aufzuschlüsseln.

Dabei stellte sich heraus, dass die Blätter des Mutterkrauts, neben vielen weiteren Substanzen, spezifische Parthenolide in hoher Anzahl enthalten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Stoffe die Einengung der Blutgefäße verhindern und so Migräneanfällen vorbeugen.

Im Gegensatz zu geläufigen Schmerzmitteln, die bei Migräne oft angewendet werden und die Schmerzen lediglich betäuben, hilft Mutterkraut, dass diese erst gar nicht entstehen. Empfehlenswert ist es, die Mittel bereits dann einzunehmen, wenn man die ersten Anzeichen von Kopfschmerzen bemerkt. Die Präparate sollten dabei mindestens 0,2 Prozent Parthenolide enthalten.

Mutterkraut schützt vor Entzündungen und möglicherweise auch vor Krebs

Seit Jahrhunderten wird Mutterkraut erfolgreich bei chronischen Entzündungen, etwa bei Arthritis eingesetzt. Es scheint die körpereigenen Prostaglandine, die bei Entzündungsreaktionen ausgeschüttet werden, zu hemmen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6107575 und www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21603970).

Unter anderem sind die antioxidativen Eigenschaften von Mutterkraut beschrieben. Allerdings zeigt eine Studie, dass die Heilwirkung der Pflanze nicht ausschließlich durch die oben beschriebenen Parthenolide hervorgerufen werden kann. Denn ein Extrakt, der diese Substanzen nicht enthält, arbeitet ebenfalls als hervorragendes Antioxidans in unserem Körper (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18071724).

Krebs wird von vielen Wissenschaftlern als eine entzündliche Erkrankung betrachtet. Denn Entzündungsprozesse sind eines der Hauptsymptome bei Krebs. Die Wirkung von Mutterkraut auf verschiedene Krebszellen wurde vor einigen Jahren eingehend untersucht. Es zeigte sich, dass das Mutterkraut das Wachstum von Krebszelllinien (Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs) unter Laborbedingungen hemmen kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16579729).

Es stellte sich heraus, dass die Mutterkraut-Präparate menschliche Transkriptionsfaktoren (NF-Kappa B) blockieren können, die bei Krebs fehlerhaft arbeiten und ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen begünstigen. Während NF-Kappa B normalerweise in Zellen nur angeschaltet wird, um eine Entzündung zu bekämpfen, ist es in Tumorzellen ständig aktiv (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10962577).

Zurzeit versuchen Wissenschaftler, ein Medikament auf Basis des Mutterkrauts gegen Leukämie zu entwickeln, denn der Extrakt tötet bereits die entarteten Stammzellen ab. Dies ist außergewöhnlich, denn alle bisherigen Medikamente greifen die Krebszellen erst in einem späteren Stadium an (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17336250).

Die Parthenolide des Mutterkrautes unterstützen die Heilung geschädigter Nerven

Im Tierversuch konnten Wissenschaftler belegen, dass Parthenolid verletzte Nervenzellen schneller heilen lässt. Dr. Fischer von der Universitätsklinik Düsseldorf untersuchte eine Gen-Variante von Mäusen, die durch ein verändertes Enzym im genetischen Stoffwechsel zu schnellerer und besserer Regeneration beschädigter Nerven imstande sind. Fischer und sein Team fragten sich, ob dieser Effekt nicht auch biochemisch erzielbar wäre.

Zunächst legten Fischers Mitarbeiter Nervenzell-Kulturen an und behandelten sie mit Parthenoliden. Schon hier zeigte sich, dass die Heilung viel schneller erfolgte als in den Kontroll-Kulturen. Davon ermutigt führten die Neurologen den Versuch an lebenden Tieren durch. Die Forscher fügten den Mäusen eine Verletzung des Ischias-Nerven zu und verfütterten Parthenolid. Bereits nach wenigen Tagen konnten die Tiere ihre Pfoten wieder bewegen. Bei den nicht mit dem Mutterkraut behandelten Mäusen dauerte die Regenration viel länger oder verlief unvollständiger.

Erstaunlich fanden die Wissenschaftler, dass eine systemische Behandlung ausreichte. Das bedeutet, dass schon eine orale Verabreichung genügt, um den Effekt zu erzielen. Parthenolid muss also nicht per Injektion auf die Nerven aufgebracht werden.

Die Düsseldorfer Neurologen planen weitere Forschungen, um eine Anwendung beim Menschen zu entwickeln. Ziel ist hier, verletzte Rückenmarksfasern zur optimalen Heilung zu bringen oder den Sehnerven zu regenerieren. Im Blick hat das Team auch die Behandlung von Multipler Sklerose. Neuropathien sind motorische und sensorische Störungen, an denen besonders ältere Menschen leiden. Auch hier erhoffen sich die Neurologen nun neue Medikamente auf der Basis des Mutterkraut-Extraktes (http://www.jneurosci.org/content/36/14/3890.short?sid=e1a14ac5-aae1-4558-917a-eb3108953045).

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Verträglichkeit von Präparaten mit Mutterkraut

Im Allgemeinen gilt Mutterkraut als sehr gut verträglich. Da Mutterkraut aber möglicherweise Kontraktionen auslösen kann, sollte es während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Für Kinder unter zwölf Jahren liegen keine genauen Daten vor. Daher ist von einer Einnahme für Frauen während der Stillzeit und für Kinder grundsätzlich abzuraten.

Bei einer bekannten Allergie gegen Kamille, Schafgarbe oder Beifuß sollten Mutterkraut-Präparate nicht eingenommen werden.

Selten kann es zu Hautirritationen (Kontaktdermatitis) an Mund oder Zunge kommen. Ist dies der Fall, sollte das Heilmittel sofort abgesetzt werden. Gleiches gilt, wenn andere, bisher nicht bekannte Symptome auftreten, die in Verbindung mit der Einnahme stehen könnten.
Patienten, die blutverdünnende Mittel einnehmen, sollten Mutterkraut ebenfalls meiden.

Wer Mutterkraut über einen langen Zeitraum einnimmt, sollte es nur nach und nach absetzen. Denn sonst kann es vorrübergehend zu Kopfschmerzen, Muskelsteifheit, Nervosität, Schlaflosigkeit oder Schmerzen kommen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.07.2016 aktualisiert