Abwehrsteigerung mit Umckaloabo?
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
„Schwerer Husten“ ist die Bedeutung des aus der Zulu-Sprache stammenden Namens Umckaloabo, dieser bezeichnet ein
apothekenpflichtiges pflanzliches Präparat, das aus einem südafrikanischen Geraniengewächs gewonnen wird.
Es handelt sich hierbei um Wurzelextrakte der Arzneipflanze Pelargonium reniforme / sidoides. Mittlerweile
gelingt der kontrollierte Anbau in südafrikanischen Plantagen, zuvor gewann man den Extrakt aus wildwachsenden
Wurzeln, wodurch die Verfügbarkeit limitiert war.
Inhaltsstoffe
Die pharmakologische Wirksamkeit des Wurzelextrakts ergibt sich aus der Ergänzung der Effekte der wirksamen
Einzelsubstanzen. Die pharmakologisch bedeutenden Inhaltsstoffe, welche Umckaloabo zu einem Phytobiotikum machen
sollen, sind Catechingerbstoffe, Flavonoide, Polysterole, ätherische Öle sowie Cumarine (wie Umckalin).
Der Mix verschiedenster Inhaltsstoffe soll die Wirkung gegen Infekte ausmachen. Zur Verwendung als Arzneimittel
wird das Extrakt aus der getrockneten Wurzel gewonnen, als ethanolischer Auszug. Die Verarbeitung der Wurzel
erfolgt erst nach 3-jährigem Wachstum der Pflanze, somit ist eine Anreicherung der Wirkstoffe gegeben.
Wirkung – Potentes 3-faches Wirkungsspektrum?
Als Eigenschaften werden dem Spezialextrakt aus dem Kapland – Pelargonie Wirkungen gegen Bakterien, Vieren sowie
Schleim zugeschrieben.
Die antivirale Wirkung ergibt sich aus der vermuteten Stimulation der endogenen Synthese von Interferon im Falle
einer Infektion. Interferone sind eine Gruppe von Molekülen, die die Ausbreitung viraler Infektionen zu begrenzen
vermögen. Es wird sowohl die Vermehrung der bereits in das Gewebe eingewanderten Viren verhindert, als auch deren
Anhaften an Zellen der Schleimhaut.
Der antibakterielle Effekt, wobei eine direkte moderate antibakterielle Wirkung gegen bestimmte grampositive und
gramnegative Bakterien, die relativ schwach ist, von der indirekten unterschieden wird. Letztere ist gegeben durch
Abwehr des ersten Schrittes der Infektion, indem das adhärieren der Bakterien an Schleimhautzellen unterdrückt
wird, vermutlich vermittelt durch die Phenolgruppen des Extraktes, die eine Art Schutzfilm über die Zellen ziehen.
Ebenfalls werden Eindringen sowie Durchschleusen der Bakterien in tiefere Gewebeschichten abgeblockt, die eine
Ausbreitung erlauben würden. Des Weiteren bewirkt Umckaloabo die Mobilisierung von Immunzellen, speziell
Makrophagen (phagozytäre Zellen; Phagozytose = Aufnahme fremder Partikel oder Mikroorganismen durch die Zelle).
Schlussendlich resultiert eine Aktivierung natürlicher Killerzellen, die infizierte Zellen töten und damit die
Vermehrung behindern.
Auch wird dem Wurzelextrakt eine schleimlösende Wirkung zugesprochen. Die Schleimhäute der Atemwege bestehen aus
einem respiratorischen Flimmerepithel, welches charakterisiert ist durch schleimbildende Becherzellen im
Epithelverband sowie durch kleine Härchen auf der Oberfläche. Diese vollziehen eine Schlagbewegung Richtung oral
und ermöglichen einen Abtransport von Schleim (und darin hängen gebliebenen Fremdstoffen), der dann abgehustet und
somit entfernt werden kann. Der Schleim wird physiologisch von den Becherzellen des Epithels synthetisiert und wird
pathologisch vermehrt gebildet, z. B. im Falle einer Infektionskrankheit.
Problematisch ist, dass der Schleim einen perfekten Nährboden für Bakterien darstellt. Da die entzündete
Schleimhaut nun vermehrt Schleim produziert, begünstigt sie dadurch das Adhärieren und Vermehren von Erregern (=
Superinfektion). Umckaloabo kann, so vermutet man, die Schlagfrequenz der Flimmerhaare erhöhen und somit einen
verbesserten Abtransport des Schleims gewährleisten und bewirkt aus diesem Grund einen schleimlösenden Effekt, dies
erleichtert das Abhusten und senkt das Superinfektionsrisiko.
Anwendungsgebiete von Umckaloabo
In Südafrika werden die Extrakte der Pelargonium - Arten in der traditionellen Heilkunst verwendet und finden
dabei ihren Einsatz bei Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Trakt-Beschwerden, Lebererkrankungen, Durchfallleiden
sowie bei Menstruationsbeschwerden. In Europa blickt man auf noch keine all zu lange Markteinführung zurück, daher
gibt es keine traditionellen Anwendungsgebiete. In Deutschland ist es seit 2005 zur Behandlung akuter Bronchitis
zugelassen.
Als Mittel der Wahl wird es zum Teil bei akuten oder vorakuten Atemwegsinfekten, bei chronischen
Atemwegsinfekten, Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, sowie bei Mandelentzündung und
Nasen-Rachen-Entzündung.
Pflanzlich heißt nicht harmlos, jede noch so natürliche Medizin kann zum bei falscher Anwendung zum Gift
werden.
Kontraindiziert ist die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit. Der Gründe sind ungenügende
Erfahrung bzw. fehlende Studien über die Anwendung in der Schwangerschaft, die eine Gefährdung ausschließen.
Der Einsatz von Umckaloabo bringt in der Regel selten Nebenwirkungen mit sich. Zu bedenken ist, dass Umckaloabo
eine Wirkstoffmischung darstellt, die eventuell gewisse zur Wechselwirkung mit anderen Stoffen neigende
Einzelsubstanzen enthält, wie z. B. Cumarin, welches die Blutgerinnung beeinflussen kann. Diskutiert wird eine
gerinnungshemmende Wirkung, die möglicherweise das Blutungsrisiko erhöht. Daher ist auch die verstärkende
blutverdünnende Wirkung bei gleichzeitiger Medikation mit Cumarinderivaten (Marcumar) zu beachten.
Geteilte Meinung existiert über die Gabe von Umckaloabo an Kinder, da es sich bei dem Präparat um den
ethanolischen Auszug aus den Wurzeln der Kapland - Pelargonie handelt und dieser somit Alkohol enthält. Der
Alkohlgehalt beläuft sich auf etwa 12 %, eine dauerhafte Medikation ist daher auf keinen Fall indiziert.
Kinderärzten zu Folge sei die Tagesdosis weitgehend unbedenklich.
Studien zur Wirksamkeit von Umckaloabo
Wissenschaftlichen Analysen zufolge soll Umckaloabo ein Anhaften der Erreger an der Schleimhaut und eine Hemmung
der Bakterienvermehrung bewirken sowie die Virenabwehr verbessern und der Schleimlösung dienen.
Es existieren bisher aber keine eindeutigen Studien zur Wirkung am Menschen. Die bisherige Datenlage stützt sich
auf einige placebokontrollierte Doppelblindstudien, sowie auf unkontrollierte Beobachtungsstudien. Randomisierte
kontrollierte Vergleiche mit einem Standardantibiotikum (Antibiotikum mit valider Wirkung) fehlen bisher gänzlich,
so dass keine vergleichende Aussage über die antiobitische Potential gegenüber einem gewöhnlich eingesetzten
Antibiotikum getroffen werden kann.
Gegenüber dem eingesetzten Placebos, ergab sich eine Überlegenheit von Umckaloabo, zudem nahm man eine Besserung
der Symptome, sowie eine Verkürzung der Arbeitsunfähigkeitsdauer wahr. Auch zeige sich in Studien wohl eine
statistisch signifikante Majorität von Umckaloabo gegenüber Placebo im Einsatz bei Mandel- und
Nasennebenhöhlenentzündungen. Teilwiese zeigte sich aber keine Besserung, im Vergleich zum natürlichen Verlauf der
Erkrankung. Dagegen belegen anscheinend Praxiserfahrungen, dass das pflanzliche Antibiotikum gegen Entzündungen der
Nasennebenhöhlen, sowie der Mandeln und bei Bronchitis Wirksamkeit zeigt. Die Erkrankten zeigen einen weniger
schweren Verlauf und gesunden schneller.
Fazit
In Anbetracht der Häufigkeit einer Antibiotikamedikation, wäre ein alternatives, nebenwirkungsarmes,
pflanzliches Präparat wünschenswert. Denn die Behandlung mit gängigen Antibiotika ist nicht bedenkenlos, da sich
bei häufiger Antibiotikatherapie eine Resistenz von Krankheitserregern einstellen kann.
Des Weiteren sind die Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen, die eine Schädigung der Darmflora hervorrufen oder
Allergien verursachen können. Nun ist die Datenlage, aber zu schwach um sich rein positiv für Umckaloabo
auszusprechen und es sollte immer bedacht werden, dass bei schweren Infekten das Naturheilmittel nicht effektiv
wirksam ist. Also Umckaloabo darf nicht anstelle einer dringenden Antibiotikatherapie eingesetzt werden, da sonst
schwere Komplikationen drohen können.
Dieser Beitrag wurde letzmalig am 28.08.2011 aktualisiert.

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