Antidepressiva - Lebensgefährliche
Placebos?
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Es wird wohl niemand leugnen wollen, dass schwere Depressionen Hand in Hand gehen mit einem erhöhten Suizidrisiko.
Laut Statistik werden ca. 40 Prozent der Depressiven versuchen, Selbstmord zu begehen, wovon fast 10 Prozent
„erfolgreich“ tötlich enden.
Da Depressionen medizinisch als Erkrankung angesehen werden, ist es nur folgerichtig, dass solche Patienten
medizinische und medikamentöse Betreuung erhalten. Besonders bei der medikamentösen Behandlung scheint sich die
Depressionsbehandlung von einer antihypertensiven Medikation prinzipiell zu
unterscheiden.
Während Antihypertensiva objektive Wirkung auf den erhöhten Blutdruck zeigen, scheinen die Antidepressiva so gut bzw. so schlecht wie keine
Therapie (Plazebo) in der Suizidprävention zu sein.
So ist auch der Einsatz von Lithium bei bipolaren Krankheitsformen deutlich effektiver bei der Suizidprävention
als eine Kurz- oder Langzeitapplikation von Antidepressiva.
Auch wenn beim Suizidaufkommen rückläufige Tendenzen zu verzeichnen sind, scheinen andere Faktoren den positiven
Trend zu beeinflussen, die von den Antidepressiva unabhängig sind. So ist der Zugang zu Schusswaffen strenger
geregelt, die Kohlenmonoxidlevel von Autoabgasen sind drastisch gesunken etc. Damit aber nicht genug!
Seit etwa 20 Jahren zeichnet sich aus klinischen Studien, Versuchen mit gesunden Probanden, Fallserien etc. ab,
dass insbesondere die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Suizidtendenzen verstärken. Diese zeigten im
Vergleich zu Plazebo, dass sie die Häufigkeit von Ängsten und Aggressivität verdoppeln. Diese Befunde waren besonders bei Kindern und
Jugendlichen zu beobachten.
Die FDA sah sich 2004 genötigt, einen besonderen Warnhinweis für Antidepressiva und deren Einsatz bei
Minderjährigen herauszugeben. Eine englische Expertengruppe des britischen Commitee on Safety of Medicines erhob
eine Nutzen-Schaden-Relation für eine Reihe bekannter Antidepressiva. Sie kamen, ähnlich wie die FDA, zu dem
Schluss, dass neben fehlender therapeutischer Wirksamkeit eine Erhöhung der Suizidbereitschaft als Nebenwirkung
(oder Hauptwirkung) zu beobachten war.
Der depressive Studienschwindel der Pharmamarketer
Der SSRI von Eli Lilly, Fluoxetin, konnte gegenüber Plazebo eine tendenziell erhöhte Suizidneigung zeigen.
Fluoxetin wird zur Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen und Bulimie eingesetzt. Er kommt zudem als
Ergänzung zu einer Psychotherapie zur Reduktion von Essattacken und selbstinduziertem Erbrechen zur Anwendung. Trotz der nicht gerade überzeugenden Ergebnisse zweier Studien
kommt Lilly zu einem positiven Ergebnis. Man sah dann den Erfolg des Präparats plötzlich, als man die primäre
Zielsetzung der Untersuchungen umdefinierte und so statistische Relevanzen erzwang.
In weiteren Versuchen, das Wirkprofil von SSRIs und trizyklischen Antidepressiva abzuschätzen, wurden
Metaanalysen und Fall-Kontrollstudien bemüht. Nach Sichtung der Datenlage wurden, trotz großzügiger
Dateninterpretation, keine relevanten Unterschiede zu Plazebo in der therapeutischen Wirksamkeit erkannt. In einer
Metaanlyse wird zudem deutlich, dass bei nur 345 von 702 Studien Suizidversuche als Beurteilungskriterium in Sachen
Wirksamkeit und Nebenwirkung aufgenommen worden ist. In den plazebokontrollierten Studien wurde sogar eine
Verdoppelung des Suizidrisikos unter SSRI-Gabe deutlich. Ähnliches gilt für die trizyklischen Antidepressiva, deren
Suizidrisiko mit dem der SSRI vergleichbar ist.
Eine weitere Metaanalyse von 477 klinischen Studien kommt ebenfalls zu keinen besseren Ergebnissen, eher
geschönten, mit statistisch frisierten Vertrauensbereichen. Man kann daraus auch schließen, dass bei weniger
erweiterten Vertrauensbereichen ein erhöhtes Suizidrisiko auch in diesen Studien nicht auszuschließen ist. Alles in
allem deutet vieles darauf hin, dass Daten und Ereignisse nicht komplett dokumentiert worden sind, so dass der
objektive Aussagewert aller dieser Erhebungen äußerst fragwürdig ist. Dies wird umso deutlicher, als in der ersten
Metaanalyse nur publizierte Studien berücksichtigt wurden. Damit fällt alles Negativ-Material, dass den Weg in den
Papierkorb fand, aus der Beurteilung heraus, eine Praxis, die für SSRI-Studien nicht unbekannt ist.
Aber nicht nur Negativ-Befunde fallen unter den Tisch. Die Studiendesigns und Basisdaten werden von den Firmen
und Betreibern schon im Vorfeld so zurecht gebogen, dass das gewünschte Ergebnis zum guten Schluss auch
herauskommt. So werden Suizidversuche gezielt fehlklassifiziert, indem z.B. diese Ereignisse in der „Wash-out“
Phase der Plazebogruppe zugeordnet werden. Ein anderer Trick besteht darin, diese Ereignisse fehlzukodieren, also
statt Suizidversuch nur „emotionale Labilität“ zu notieren. Auch über die Auswahl der Probanden/Patienten kann eine
interessierte Vorselektion vorgenommen werden. So werden Drogenkonsumenten, akute Suizidalität und ähnliche
Diagnosen ausgeschlossen. Aufgenommen werden primär Patienten, von denen man weiß, dass sie ein erwünschtes
Reaktionsmuster auf die zu prüfende Substanz zeigen. Das Studiendesign, ein weiterer interessierter Punkt, ist dann
auch nicht auf eine Erfassung solcher „Störungen“ ausgelegt und schaut blind über alles hinweg, was mit Suizid zu
tun haben könnte.
Heute weiß man, dass die Firma Lilly bewusst kritische Daten verschwiegen hat. Kritische Forscher, die das
Risikopotential anders als die Firma eingeschätzt hatten, wurden privat und professionell unter Druck gesetzt.
Teuere Plazebos
Signifikant höhere Nebenwirkungsraten von SSRIs und/oder trizyklischen Antidepressiva ist das Eine, aber
möglicherweise keine positive therapeutische Wirkung derselben das Andere. So gibt es ernstzunehmende Hinweise, das
Präparate, wie Citalopram, Fluoxetin, Nefazodon (außer Handel), Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin eine
therapeutische Wirksamkeit entfalten, die zwischen 68 und 89 Prozent auf einem Plazeboeffekt beruht. Möglicherweise
ist der therapeutische Effekt noch geringer und der Plazeboeffekt noch ausgeprägter, weil bei der Sichtung des
Datenmaterials eine Reihe von Studien unberücksichtigt blieben, die keinerlei therapeutische Effizienz feststellen
konnten.
Eine wissenschaftlich wichtige Größe in der Beurteilung der biologischen oder biochemischen Aktivität einer
Substanz ist die Dosis-Wirkungsrelation. Diese ist unglaublicherweise für die Psycho-Medikamente vollkommen
unbekannt. Das heißt für die Praxis, dass ich bei mangelndem Effekt nicht weiß, ob eine Dosissteigerung zu einem
therapeutischen Ergebnis führt oder ob ich nicht einfach die Nebenwirkungen erhöhe, ohne den Patienten zu
therapieren. Da die antidepressiven Pharmamarketer dies wissen, initiieren sie acht klinische Studien, von denen
dann zwei (zufällig) positiv ausfallen. Diese beiden Studien sind für die Zulassung bei der FDA notwendig, die
anderen sechs gehen den Weg alles Vergänglichen.
Denk ich an Deutschland in der Nacht....
Für Reboxetin von der Firma Pfizer war nur eine Studie von acht positiv, ein Grund, warum die Substanz in den
Staaten nicht zugelassen wurde. Dafür aber in Deutschland.... Das IQWiG forderte daraufhin von Pfizer
Studienmaterial und –unterlagen zur Bewertung an, die Pfizer schlicht verweigerte. Im November letzten Jahres kam
das IQWiG zu dem Schluss, dass das Pfizer´sche Präparat keinerlei therapeutischen Nutzen habe.
Nicht nur in Hollywood wird mit Träumen eine Menge Geld gemacht. Wer hätte vermutet, dass die
hochwissenschaftliche Pharmaindustrie Hollywood in dieser Angelegenheit locker in die Tasche steckt.
Dieser Beitrag wurde letzmalig am 13.10.2011 aktualisiert.

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