Glaukom (Grüner Star): Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Augenbeschwerden / zuletzt aktualisiert: 18/07/2026
Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel
Beim Glaukom kommen nicht alle Verfahren für jeden Menschen gleichermaßen infrage. Entscheidend sind Glaukomform, Augeninnendruck, Durchblutung, Blutdruck, Stoffwechsel, Schlaf, Begleiterkrankungen und die allgemeine Konstitution.
In der Praxis kombiniere ich meist mehrere Verfahren: Akupunktur nach Boel, Vitalstoffe, Ernährung, Heilpflanzen und die Behandlung erkennbarer Störfaktoren. Welche Bausteine sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Befund.
Akupunktur
Augen-Akupunktur nach Boel: die Technik nach Dr. Boel nutzt ein von ihm entwickeltes Akupunkt-System, von dem ich sehr viel halte. Dies wäre meine erste Wahl als Therapie.
Mikro-Akupunktur nach Dr. Rosenfarb: die ganzheitliche Methode legt Wert auf eine präzise Anamnese, Blut- und Allergie-Tests. Rosenfarb entwickelte ein eigenes System mit 48 Akupunkten. Zur Anwendung kommen Aku-Laser (ohne Nadelung), die Elektro-Akupunktur und die Ohr-Akupunktur. Chinesische Heilkräuter und Vitalstoff-Supplementierungen sind in die Behandlung integriert.
Augen-Yoga und Augenentspannung
Unter dem Begriff „Augen-Yoga“ werden sehr unterschiedliche Übungen zusammengefasst. Beim Glaukom geht es dabei nicht darum, den Sehnerv durch Muskeltraining zu reparieren oder den Augeninnendruck dauerhaft wegzuüben. Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Sinnvoll können solche Übungen dennoch sein, wenn sie der Entspannung dienen, starre Naharbeit unterbrechen und die allgemeine Spannungsregulation verbessern.
Geeignet sind vor allem „ruhige Übungen“:
Palmieren: Die warmen Handflächen einige Minuten locker über die geschlossenen Augen legen, ohne Druck auf die Augäpfel auszuüben.
Blickwechsel: Mehrmals langsam zwischen einem nahen und einem weiter entfernten Punkt wechseln.
Sanfte Augenbewegungen: Den Blick ohne Hast nach rechts, links, oben und unten führen.
Weitblick: Bei längerer Bildschirmarbeit regelmäßig in die Ferne sehen.
Der große Schwung: Im Stand den Oberkörper locker von einer Seite zur anderen drehen und den Blick der Bewegung folgen lassen.
Wichtig ist, dass die Übungen angenehm bleiben. Pressen, Luftanhalten und kraftvolle Atemtechniken sind nicht sinnvoll. Das Gleiche gilt für Kopfstand, Schulterstand und längere Umkehrhaltungen, weil der Augeninnendruck dabei deutlich ansteigen kann.
Ich würde diesen Bereich deshalb eher als Augenentspannung und vegetative Regulation verstehen. Er kann Bildschirmstress, Anspannung und Beschwerden der Augenmuskulatur lindern.
Chiropraktik und obere Halswirbelsäule
Beim Glaukom würde ich die Stellung und Funktion der oberen Halswirbelsäule, insbesondere von Atlas und Axis, grundsätzlich überprüfen lassen. Eine ausgeprägte Fehlstellung oder Blockierung in diesem Bereich kann die gesamte Kopf-Hals-Statik, die muskulären Spannungsverhältnisse, die vegetative Regulation und möglicherweise auch die Durchblutung ungünstig beeinflussen. Gerade bei einem Normaldruckglaukom, bei Migräne, Schwindel, Nackenbeschwerden oder auffälliger Gefäßregulation kann eine solche Störung aus meiner Sicht ein erhebliches Heilhindernis darstellen.
Kleine Untersuchungen zeigen, dass Behandlungen der oberen Halswirbelsäule autonome Reaktionen und sogar bestimmte Augenreflexe beeinflussen können; ein direkter Wirksamkeitsnachweis für die Glaukombehandlung ist daraus allerdings noch nicht abzuleiten, bzw. nicht bewiesen.
Die Untersuchung und Behandlung sollte durch einen erfahrenen Chiropraktiker oder Manualtherapeuten erfolgen, der Atlas und Axis gezielt beurteilt und nicht einfach routinemäßig an der Halswirbelsäule „knackt“. Ziel ist die Beseitigung einer relevanten mechanischen und regulativen Störung und nicht die Behauptung, ein Glaukom lasse sich durch einen einzelnen Handgriff beseitigen. Es gehört aber mit in die Gesamtbetrachtung der Patienten…
Ernährung
Eine Ernährung, die den Grünen Star nachweislich aufhält oder den Augeninnendruck dauerhaft senkt, ist mir nicht bekannt. Trotzdem ist es sinnvoll, Gefäße, Stoffwechsel und die Versorgung des Sehnervs durch eine möglichst unverarbeitete, gemüsereiche Kost zu unterstützen.
Besonders interessant sind grüne Blattgemüse und andere natürliche Nitratquellen wie Rucola, Feldsalat, Spinat, Mangold, Petersilie, Sellerie und Rote Bete. Zwei große Langzeituntersuchungen fanden bei einer höheren Nitrataufnahme aus der Ernährung deutlich weniger Neuerkrankungen an einem Offenwinkelglaukom. Bemerkenswert ist, dass sich dieser Zusammenhang nicht durch niedrigere Augeninnendruckwerte erklären ließ. Vermutet wird vielmehr eine günstigere Stickstoffmonoxidbildung und Gefäßregulation. Es handelt sich allerdings um Beobachtungsdaten, nicht um den Beweis einer Glaukomtherapie durch Gemüse.
Als Grundlage empfehle ich daher eine mediterran geprägte Ernährung mit reichlich Gemüse, Salaten, Hülsenfrüchten, Beeren, Nüssen, Olivenöl und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln. Nicht weil die „Mittelmeerdiät“ als Glaukomtherapie bewiesen wäre, sondern weil sie Gefäße, Blutzucker und Stoffwechsel wesentlich vernünftiger unterstützt als eine Kost aus Fertiggerichten, Süßgetränken und Weißmehlprodukten.
Kaffee muss nicht grundsätzlich gestrichen werden. Koffein kann den Augeninnendruck kurzfristig etwas erhöhen, vor allem bei Menschen mit Glaukom oder okulärer Hypertension. Der gewohnheitsmäßige Kaffeekonsum war in großen Untersuchungen insgesamt jedoch nicht eindeutig mit mehr Glaukomerkrankungen verbunden. Bei sehr hohem Konsum, starken Druckschwankungen oder besonderer genetischer Belastung ist Zurückhaltung dennoch sinnvoll.
Auch die Trinkweise spielt eine Rolle. Etwa 800 bis 1.000 Milliliter Wasser in kurzer Zeit können den Augeninnendruck vorübergehend ansteigen lassen. Deshalb lieber regelmäßig über den Tag trinken, statt große Mengen auf einmal hinunterzustürzen.
Von speziellen „Glaukom-Smoothies“ halte ich wenig. Für die beliebige Mischung zahlreicher Gemüse- und Obstsorten gibt es keine klinischen Belege. Gemüse, Kräuter und Beeren sind sinnvoll – aber besser als normale Mahlzeit und nicht als literweise Saft mit entsprechend hoher Zucker- und Flüssigkeitsmenge.
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Heilpflanzen
Unter den zahlreichen Pflanzenstoffen, die als „Augenschutz“ angeboten werden, sind nur wenige bei Glaukompatienten tatsächlich untersucht worden. Am interessantesten sind Ginkgo, Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren, Safran und Forskolin.
Ginkgo biloba – besonders beim Normaldruckglaukom
Ginkgo ist die wichtigste Heilpflanze in diesem Zusammenhang. Dabei geht es weniger um eine direkte Senkung des Augeninnendrucks als um die Durchblutung und Belastbarkeit des Sehnervs. Gerade beim Normaldruckglaukom, bei dem Gefäßregulation und Mikrozirkulation eine größere Rolle spielen können, ist dieser Ansatz interessant.
In einer kleinen randomisierten Studie verbesserten 120 Milligramm eines standardisierten Ginkgo-Extrakts täglich nach vier Wochen bestimmte Gesichtsfeldwerte. Eine längerfristige Untersuchung mit 160 Milligramm täglich fand zudem eine langsamere Verschlechterung des Gesichtsfeldes. Eine weitere kontrollierte Studie konnte diesen Effekt allerdings nicht bestätigen. Die Studienlage ist also nicht einheitlich, liefert aber mehr als nur theoretische Vermutungen.
Ginkgo würde ich vor allem dann erwägen, wenn ein Normaldruckglaukom, niedrige Blutdruckwerte, Migräne, kalte Hände oder Hinweise auf eine gestörte Gefäßregulation vorliegen. Verwendet werden sollten standardisierte Extrakte und kein beliebiges Ginkgopulver oder Tee. Bei gerinnungshemmenden Medikamenten und vor Operationen muss die Einnahme abgestimmt werden.
Schwarze Johannisbeere – Anthocyane für Durchblutung und Gesichtsfeld
Auch Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren sind bemerkenswert. In einer zweijährigen randomisierten und placebokontrollierten Studie erhielten 38 Glaukompatienten zusätzlich zu ihren Augentropfen täglich 50 Milligramm standardisierte Anthocyane.
In der Anthocyan-Gruppe verschlechterte sich das Gesichtsfeld weniger stark als unter Placebo. Gleichzeitig nahm die Durchblutung im Bereich des Auges zu, während sich der Augeninnendruck kaum veränderte. Das spricht dafür, dass Heilpflanzen möglicherweise auch jenseits der reinen Drucksenkung ansetzen können. Die Studie war allerdings klein und sollte deshalb nicht mehr beweisen müssen, als sie tatsächlich gezeigt hat.
Wichtig ist die Unterscheidung: Untersucht wurde ein standardisierter Extrakt aus Schwarzen Johannisbeeren. Die häufig beworbene Heidelbeere ist zwar ebenfalls reich an Anthocyanen, verfügt beim Glaukom aber über eine deutlich schwächere klinische Datenlage.
Safran – kleines, aber interessantes Drucksignal
Safran ist vor allem wegen seiner antioxidativen und nervenzellschützenden Eigenschaften interessant. In einer kleinen randomisierten Pilotstudie erhielten Patienten mit Offenwinkelglaukom zusätzlich zu ihrer bisherigen Behandlung täglich 30 Milligramm eines wässrigen Safranextrakts.
Nach drei Wochen lag der Augeninnendruck in der Safrangruppe niedriger als unter Placebo. Nach dem Absetzen verschwand dieser Unterschied wieder. Das spricht für eine reale Wirkung, ist aber noch keine ausreichende Grundlage für eine allgemeine Therapieempfehlung. Bis heute fehlt vor allem eine größere Langzeitstudie, die zeigt, ob Safran nicht nur einen Messwert, sondern auch den Sehnerv und das Gesichtsfeld schützt.
Forskolin – wirksam, aber meist nur in Kombination untersucht
Forskolin ist ein Inhaltsstoff der indischen Buntnessel, Coleus forskohlii. Der Stoff erhöht in den Zellen die Bildung von zyklischem AMP und kann dadurch die Produktion des Kammerwassers beeinflussen.
In mehreren klinischen Untersuchungen führten orale Kombinationspräparate mit Forskolin zu einer zusätzlichen Senkung des Augeninnendrucks bei Patienten, die bereits Augentropfen verwendeten. Das Problem: Meist wurde Forskolin zusammen mit Rutin, Homotaurin, Carnosin oder weiteren Stoffen gegeben. Welcher Anteil des Effekts tatsächlich auf die Heilpflanze zurückging, lässt sich daher nicht sicher bestimmen.
Mein Rat:
Von den Heilpflanzen ist Ginkgo beim Normaldruckglaukom derzeit am interessantesten. Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren kommen vor allem bei einem vaskulären Ansatz infrage. Safran und Forskolin zeigen erste Wirkungen auf den Augeninnendruck, benötigen aber wesentlich bessere Langzeitstudien.
Für Augentrost, Schöllkraut, Kurkuma oder beliebige „Augentees“ gibt es dagegen keinen überzeugenden klinischen Nachweis, dass sie den Glaukomverlauf beeinflussen. Sie nur deshalb aufzunehmen, weil sie pflanzlich sind, wäre keine Naturheilkunde, sondern Dekoration.
Homöopathie
Bei der homöopathischen Behandlung muss man zwei völlig verschiedene Situationen trennen: den akuten Glaukomanfall und das chronisch verlaufende Glaukom.
Akuter Glaukomanfall
Ein plötzlich schmerzendes, gerötetes Auge mit verschwommenem Sehen, Farbringen um Lichtquellen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen kann auf einen akuten Winkelblock hinweisen. Das ist kein Fall für Selbstversuche, sondern ein Notfall. Wenn man was tun will (homöopathisch) dann muss das Mittel sofort „sitzen“ – also innerhalb von einer Stunde wirken.
In der traditionellen homöopathischen Literatur werden bei entsprechenden akuten Arzneimittelbildern unter anderem Belladonna, Spigelia, Lachesis und Phosphorus genannt. Auch Aconitum ist ein Mittel – vor allem wenn es von jetzt auf gleich begann…
Chronisches Offenwinkel- und Normaldruckglaukom
Beim chronischen Glaukom sieht die Situation anders aus. Hier entwickelt sich die Schädigung über Monate und Jahre. Grundsätzlich gibt es zwei Vorgehensweisen:
Die klassische Homöopathie wählt das Arzneimittel nach dem gesamten individuellen Beschwerde- und Reaktionsbild aus. Die Banerji-Protokolle arbeiten dagegen mit festen, krankheitsbezogenen Mitteln und Potenzen. Zu Banerji hier mehr: Banerjii-Protokolle
In den verbreiteten ophthalmologischen Banerji-Protokollen wird beim Glaukom folgende Kombination genannt:
Argentum nitricum C 200: zweimal täglich
bei deutlich erhöhtem Augeninnendruck zusätzlich Silicea C 30: zweimal täglich
Diese Variante findet sich sowohl in der vorliegenden Protokollübersicht als auch in weiteren Zusammenstellungen zur ophthalmologischen Anwendung der Banerji-Protokolle.
Argentum nitricum wäre dabei das grundsätzliche Glaukommittel des Protokolls. Silicea wird ergänzt, wenn der Augeninnendruck deutlich erhöht ist. Beim Normaldruckglaukom ist diese Ergänzung folglich nicht automatisch angezeigt. Dort würde ich stärker auf das individuelle Gesamtbild achten: niedriger Blutdruck, Migräne, kalte Hände, Schlafprobleme, Gefäßregulation und weitere Begleitsymptome.
Parekh erwähnt in seinen „Additional Benrjis Protocols“
Argentum nitricum C 200 zweimal täglich
Lycopodium C 30 zweimal täglich
Silicea wird dort nicht genannt.
Wie ich homöopathische Mittel auswähle und kombiniere
Ein Protokoll ist kein Grund, wahllos mehrere Mittel nebeneinander einzunehmen. Entscheidend ist zunächst die Glaukomform:
Bei deutlich erhöhtem Druck kann das druckbezogene Banerji-Protokoll erwogen werden.
Beim Normaldruckglaukom steht eher die individuelle Konstitution mit Gefäß-, Kreislauf- und Stressreaktionen im Vordergrund.
Bei einem sekundären Glaukom müssen zunächst Auslöser wie Entzündungen, Verletzungen, Kortison oder Diabetes berücksichtigt werden.
Auch unter homöopathischer Begleitung bleiben Augeninnendruck, Gesichtsfeld, OCT und Sehnervbefund die entscheidenden Kontrollgrößen. Ein Auge, das sich „entspannter“ anfühlt, sagt noch nichts darüber aus, ob der Sehnerv geschützt ist.
Komplexmittel-Homöopathie
Aus dem Bereich der homöopathischen Komplexmittel stehen einige gute Mittel zur Verfügung. Meine Favoriten sind dabei die Regenaplexe: Regenaplexe: Anwendungsgebiete und Indikationen
Beim Glaukom denkt man vor allem an die Nummer: Regenaplex 511b.
Ergänzend kommen im Verlauf der Therapie auch folgende Nummern zum Einsatz: 506a, 506b, 506c, 100/1, 39a, 36a, 21d, 50a, 7, 6, 510a
Die Reihenfolge und Auswahl der Mittel richtet sich nach den Beschwerden und der exakten Diagnose.
Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:
Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!
Orthomolekular-Medizin
Beim Glaukom wird zunehmend deutlich, dass nicht nur der Augeninnendruck eine Rolle spielt. Die Nervenzellen der Netzhaut benötigen viel Energie und sind auf leistungsfähige Mitochondrien angewiesen. Genau hier setzt die orthomolekulare Begleittherapie an. Diese soll die Energieversorgung, die Zellmembranen und die Widerstandskraft des Sehnervs unterstützen.
Dabei sind nicht sämtliche „Augenvitamine“ automatisch sinnvoll. Klinisch interessant sind vor allem Nicotinamid, Citicolin, Coenzym Q10 und auch Magnesium.
Nicotinamid und Pyruvat
Nicotinamid ist eine Form des Vitamins B3 und eine Vorstufe von NAD, einem Schlüsselmolekül des mitochondrialen Energiestoffwechsels. Pyruvat wird ebenfalls für die zelluläre Energiegewinnung benötigt.
In einer kleinen randomisierten Studie erhielten Glaukompatienten steigende Dosen von 1.000 bis 3.000 Milligramm Nicotinamid und 1.500 bis 3.000 Milligramm Pyruvat täglich. Nach gut zwei Monaten verbesserten sich mehr einzelne Messpunkte im Gesichtsfeld als unter Placebo. Die globalen Gesichtsfeldwerte zeigten jedoch keine durchgängig überzeugende Verbesserung, und ein langfristiger Schutz des Sehnervs wurde nicht nachgewiesen.
Trotzdem halte ich diesen Ansatz derzeit für einen der spannendsten. Er behandelt nicht nur den Druck, sondern die energetische Belastbarkeit der retinalen Ganglienzellen. Die verwendeten Nicotinamidmengen liegen allerdings weit oberhalb einer normalen Vitaminergänzung. Solche Grammdosen sind pharmakologische Dosierungen und gehören nicht in einen unkontrollierten Selbstversuch. Wichtig ist außerdem: Nicotinamid ist nicht dasselbe wie Niacin beziehungsweise Nicotinsäure.
Citicolin
Citicolin ist ein körpereigener Baustein für Phospholipide und damit für die Stabilität von Zellmembranen bedeutsam. Außerdem beeinflusst es neuronale Signalwege und wird seit Langem als neuroprotektive Substanz untersucht.
Besonders interessant ist eine dreijährige randomisierte Studie mit 80 Patienten, deren Glaukom trotz gut eingestelltem Augeninnendruck weiter fortschritt. Citicolin-Augentropfen bremsten gegenüber Placebo den Verlust der retinalen Nervenfaserschicht. Auch das zentrale Gesichtsfeld entwickelte sich günstiger; beim üblichen 24-2-Gesichtsfeldtest wurde der Unterschied allerdings knapp nicht statistisch signifikant.
Auch orale Studien zeigen Verbesserungen elektrophysiologischer Messwerte und teilweise der sehbezogenen Lebensqualität. Noch ist aber nicht abschließend bewiesen, dass Citicolin den Glaukomverlauf dauerhaft aufhält. Es gehört dennoch zu den orthomolekularen Substanzen, die ich besonders bei einer dokumentierten Verschlechterung trotz akzeptabler Druckwerte ernsthaft prüfen würde.
Coenzym Q10
Coenzym Q10 ist für die mitochondriale Energieproduktion notwendig und zugleich ein wichtiger antioxidativer Schutzstoff. Das macht es für Nervenzellen mit hohem Energiebedarf grundsätzlich interessant.
Klinische Studien beim Glaukom wurden bislang vor allem mit Coenzym-Q10-haltigen Augentropfen in Kombination mit Vitamin E durchgeführt. Dabei verbesserten sich bestimmte elektrophysiologische Messwerte der Netzhaut und der Sehbahn. Eine neuere Untersuchung fand außerdem günstigere Entwicklungen beim Gesichtsfeld und bei der Dicke der Nervenfaserschicht.
Man muss die Grenzen sehen: Untersucht wurde eine Kombination aus Coenzym Q10 und Vitamin E, meist als Augentropfen. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine beliebige orale Q10-Kapsel denselben Effekt besitzt.
Magnesium – vor allem beim Normaldruckglaukom
Magnesium ist besonders bei Patienten mit Normaldruckglaukom, Migräne, kalten Händen, Gefäßkrämpfen oder niedrigen Blutdruckwerten interessant. Es beeinflusst Gefäßtonus, Nervenreizbarkeit und zahlreiche mitochondriale Enzymreaktionen.
In einer kleinen Studie erhielten 15 Patienten mit Normaldruckglaukom einen Monat lang täglich 300 Milligramm Magnesiumcitrat. Einige Gesichtsfeldwerte verbesserten sich gegenüber der unbehandelten Kontrollgruppe. Eine messbare Verbesserung der Augendurchblutung ließ sich allerdings nicht feststellen.
Was ich NICHT wahllos ergänzen würde
Für Vitamin C, Vitamin E, Zink, Selen, Alpha-Liponsäure, Carnitin oder Omega-3-Fettsäuren gibt es zwar plausible Mechanismen und zahlreiche experimentelle Untersuchungen. Ein belastbarer Nachweis, dass diese Substanzen für sich allein das Fortschreiten eines Glaukoms verhindern, fehlt jedoch.
Auch bei Kombinationspräparaten bleibt häufig unklar, welcher Bestandteil überhaupt wirksam war. Ein Produkt mit acht Inhaltsstoffen kann einen interessanten Studienbefund liefern – es beantwortet aber nicht die Frage, welche dieser acht Substanzen der Patient tatsächlich benötigt.
In der Praxis würde ich deshalb nicht alles wahllos einsetzen! Nicotinamid und Pyruvat kommen vor allem für die mitochondriale Energieversorgung infrage, Citicolin bei fortschreitenden Schäden trotz gutem Augeninnendruck und Magnesium eher bei einem Normaldruckglaukom mit vaskulären Auffälligkeiten. Coenzym Q10 ist interessant, besitzt bislang aber vor allem Daten aus speziellen Augentropfenpräparaten.
Die Auswahl sollte sich am konkreten Befund orientieren und nicht daran, was gerade auf einer Packung als „Augenkomplex“ verkauft wird.
Säure-Basen-Haushalt
Eine eingeschränkte Mikrozirkulation, Sauerstoffmangel, mitochondrialer Stress und eine vermehrte Laktatbildung können zu lokalen pH-Verschiebungen führen. Das beeinflusst Enzymaktivität, Zellmembranen, Gefäßregulation und die Energieversorgung der Nervenzellen. Gerade die retinalen Ganglienzellen reagieren auf solche Belastungen empfindlich, weil ihr Energiebedarf hoch ist.
Eine gemüse- und mineralstoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und eine gute Atmung können den Säure-Basen-Haushalt und die Geweberegulation unterstützen. Basenpräparate können in bestimmten Fällen sinnvoll sein, sind aber kein Selbstzweck und schon gar keine eigenständige Glaukomtherapie. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Ernährung, Verdauung, Nierenfunktion, Medikamenten, Stoffwechsel und individueller Belastung.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Säure-Basen-Haushalt bei der Einnahme von Carboanhydrasehemmern wie Acetazolamid. Diese können Bicarbonatverluste und Verschiebungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt begünstigen. Hier sollten Nierenwerte, Elektrolyte und Verträglichkeit kontrolliert werden.
Schüßler Salze
- Kalium chloratum (Schüssler Nr 4),
- Kalium phosphoricum (Schüssler Nr 5),
- Magnesium phos. (Schüssler Nr 7),
- Natrium chlor. (Schüssler Nr 8),
- Natrium phos. (Schüssler Nr 9),
- Silicea (Schüssler Nr 11)
Schlafposition und nächtliche Druckbelastung
Im Liegen steigt der Augeninnendruck bei vielen Menschen an. Kleine Studien zeigen, dass eine echte Anhebung des gesamten Bettkopfes um etwa 20 bis 30 Grad den nächtlichen Druck reduzieren kann. Mehrere übereinandergestapelte Kissen sind nicht dasselbe: Sie können den Hals abknicken oder die Halsvenen komprimieren und dadurch sogar ungünstig sein.
Eine leichte Anhebung des gesamten Bettkopfes kann den nächtlichen Augeninnendruck vermindern. Gemeint ist eine Schrägstellung der Liegefläche beziehungsweise des oberen Bettbereichs nicht ein Turm aus Kissen, durch den der Hals abgeknickt wird.
Wer bevorzugt immer auf derselben Seite schläft und auf dieser Seite den deutlich stärkeren Augenschaden hat, sollte sich oben nochmal meinen Punkt zur Chiropraktik genau anschauen! Schlafpositionen sind nicht die Ursache jedes Glaukoms, können aber bei nächtlichen Druckspitzen ein zusätzlicher Faktor sein, ebenso wie Probleme in der HWS.
Stressregulation, Atmung und Entspannungsverfahren
Chronischer Stress beeinflusst Sympathikus, Cortisol, Gefäßtonus und wahrscheinlich auch den Augeninnendruck. Mehrere kleinere randomisierte Studien mit Glaukompatienten berichten unter täglicher Meditation beziehungsweise achtsamkeitsbasierter Stressreduktion über niedrigere Druckwerte, günstigere Stressmarker, bessere Durchblutungsparameter am Sehnerv und eine höhere Lebensqualität. Auch eine 2024 veröffentlichte Studie zur langsamen „365-Atmung“ fand niedrigere Druck- und Cortisolwerte sowie eine günstigere autonome Regulation.
Ich arbeite hier je nach Patient mit ruhiger Bauchatmung, verlängertem Ausatmen, autogenem Training oder anderen Entspannungsverfahren. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung der Methode, sondern dass der Patient regelmäßig aus der dauernden sympathischen Anspannung herauskommt. Besonders interessant ist das bei Normaldruckglaukom, Migräne, Schlafproblemen, innerer Unruhe und einer auffälligen Gefäßregulation.
Störfelder (Zähne, Tote Zähne, Nasennebenhöhlen)
Gerade beim Grünen Star würde ich nach mögliche Störfelder im Kopfbereich fahnden. Zähne, Kiefer und Nasennebenhöhlen liegen anatomisch und funktionell näher am Auge, als es die übliche fachärztliche Aufteilung vermuten lässt. Chronische Entzündungen an wurzelbehandelten oder abgestorbenen Zähnen, unbemerkte Entzündungsherde an den Wurzelspitzen, Parodontitis und chronisch belastete Nebenhöhlen können das Entzündungsmilieu, die vegetative Regulation und möglicherweise auch die Mikrozirkulation ungünstig beeinflussen.
Das ist nicht nur eine „naturheilkundliche Vermutung“ wie uns immer wieder nachgesagt wird. Beobachtungsstudien fanden bei Parodontitispatienten ein erhöhtes späteres Glaukomrisiko; auch Unterschiede der Zahngesundheit und des oralen Mikrobioms wurden bei Patienten mit Offenwinkelglaukom beschrieben. Ebenso war eine chronische Rhinosinusitis in großen Kohorten mit einem erhöhten Risiko für Offenwinkel- und Normaldruckglaukome verbunden. Damit ist noch nicht bewiesen, dass ein bestimmter Zahn oder eine Nebenhöhle das Glaukom verursacht. Es ist aber ein Hinweis und ich sehe die Zusammenhänge in der Praxis ja…
Nach meiner Erfahrung finden sich bei praktisch allen Glaukompatienten auffällige Belastungen im Bereich der Zähne oder Nasennebenhöhlen. Besonders aufmerksam werde ich bei einem Normaldruckglaukom, bei einer Verschlechterung trotz gut eingestelltem Augeninnendruck sowie bei gleichzeitigem Kopfdruck, häufigen Nebenhöhlenproblemen, Gesichtsschmerzen, auffälligem Mundgeruch, Parodontitis oder wurzelbehandelten Zähnen.
Sinnvoll sind dann eine gründliche zahnärztliche und gegebenenfalls kieferchirurgische Untersuchung sowie eine Beurteilung der Nasennebenhöhlen durch einen erfahrenen HNO-Arzt. Dabei genügt es nicht, nur nach akuten Schmerzen zu fragen. Chronische Herde können lange stumm bleiben. Nicht jeder auffällige Zahn muss entfernt und nicht jeder Schleimhautbefund behandelt werden. Entscheidend ist, ob der Befund tatsächlich als Störfeld infrage kommt und zum Gesamtbild des Patienten passt.
Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den „5 Wundermitteln“ an:
Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…
Dieser Beitrag wurde 2008 erstellt und letztmalig am 16.7.2026 komplett überarbeitet.
Rene Gräber:
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