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Augenbeschwerden

Glaukom (Grüner Star): Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung

René Gräber vor einer stilisierten Augeniris zum Thema Glaukom, Grüner Star und naturheilkundliche Behandlungsansätze.

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Augenbeschwerden / zuletzt aktualisiert: 18/07/2026

Inhaltsverzeichnis Einblenden
Das Wichtigste zum Glaukom auf einen Blick
Was ist ein Glaukom?
Wie entsteht der Augeninnendruck?
Erhöhter Augeninnendruck ist noch kein Glaukom
Ein normaler Augeninnendruck gibt keine Entwarnung
Welche Glaukomformen gibt es?
Primäres Offenwinkelglaukom
Normaldruckglaukom
Engwinkelglaukom und Winkelblock
Sekundäre Glaukome
Angeborenes und juveniles Glaukom
Welche Symptome verursacht ein Glaukom?
Wer hat ein erhöhtes Glaukomrisiko?
Glaukom in der Familie
Kurzsichtigkeit
Kortison: Nicht nur Augentropfen zählen
Der Augeninnendruck schwankt
Warum die Hornhautdicke wichtig ist
Warum der Luftstoß allein nicht reicht
Blutdruck und Glaukom: Mehr ist nicht immer besser – weniger aber auch nicht
Migräne, kalte Hände und Gefäßregulation
Schlafapnoe als möglicher Mitspieler
Diabetes und Glaukom
Wie wird ein Glaukom sicher diagnostiziert?
Augeninnendruckmessung
Untersuchung des Sehnervs
Gesichtsfelduntersuchung
OCT-Untersuchung
Messung der Hornhautdicke
Untersuchung des Kammerwinkels
Die Diagnose steht – werde ich nun blind?
Die schulmedizinische Behandlung des Glaukoms
Augentropfen
Eine einfache Technik verringert Nebenwirkungen
Konservierungsmittel können die Augenoberfläche belasten
Selektive Lasertrabekuloplastik
Operationen
Was Patienten selbst beachten sollten
Mein Zwischenfazit
Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel
Akupunktur
Augen-Yoga und Augenentspannung
Chiropraktik und obere Halswirbelsäule
Ernährung
Heilpflanzen
Ginkgo biloba – besonders beim Normaldruckglaukom
Schwarze Johannisbeere – Anthocyane für Durchblutung und Gesichtsfeld
Safran – kleines, aber interessantes Drucksignal
Forskolin – wirksam, aber meist nur in Kombination untersucht
Homöopathie
Akuter Glaukomanfall
Chronisches Offenwinkel- und Normaldruckglaukom
Wie ich homöopathische Mittel auswähle und kombiniere
Komplexmittel-Homöopathie
Orthomolekular-Medizin
Nicotinamid und Pyruvat
Citicolin
Coenzym Q10
Magnesium – vor allem beim Normaldruckglaukom
Was ich NICHT wahllos ergänzen würde
Säure-Basen-Haushalt
Schüßler Salze
Schlafposition und nächtliche Druckbelastung
Stressregulation, Atmung und Entspannungsverfahren
Störfelder (Zähne, Tote Zähne, Nasennebenhöhlen)
Rene Gräber:

Die Diagnose „Glaukom“ (im Volksmund Grüner Star genannt) macht vielen Menschen zunächst Angst. Fast immer steht dieselbe Frage im Raum: Werde ich mein Augenlicht verlieren? Diese Sorge ist verständlich. Sie führt allerdings leicht zu zwei Fehlern. Die einen geraten in Panik, die anderen verlassen sich ausschließlich auf Augentropfen und Kontrolltermine. Ich halte das für einen Fehler…

Klar: ein Glaukom ist keine harmlose Erkrankung. Es kann den Sehnerv dauerhaft schädigen, und bereits untergegangene Nervenfasern lassen sich bislang nicht zuverlässig zurückholen. Wird die Erkrankung jedoch früh erkannt und der Augeninnendruck ausreichend gesenkt, lässt sich das Fortschreiten häufig deutlich bremsen. Das ist aber noch lange nicht alles…

Beim Glaukom geht es nicht nur um den Druck im Auge. Es geht auch um die Belastbarkeit des Sehnervs, seine Durchblutung, die Energieversorgung seiner Nervenzellen, mögliche Entzündungsprozesse, oxidativen Stress und die Frage, warum ein Mensch bei einem bestimmten Druckwert Schäden entwickelt, während ein anderer mit demselben Wert über Jahrzehnte keine Auffälligkeiten zeigt.

Genau an dieser Stelle wird es für die Naturheilkunde interessant.

Naturheilkundliche und ergänzende Verfahren können eine notwendige augenärztliche Behandlung nicht ersetzen. Sie können aber dort ansetzen, wo die reine Drucksenkung aufhört: beim Schutz der Nervenzellen, bei der Gefäßregulation, beim Stoffwechsel, bei Schlaf und Blutdruck sowie bei der Versorgung mit bestimmten Vitalstoffen.

In diesem Beitrag geht es deshalb um beides:

  • um die unverzichtbare augenärztliche Diagnostik und Behandlung
  • und um die wenig bekannten Möglichkeiten, den Sehnerv darüber hinaus sinnvoll zu unterstützen.

Die eigentliche Gefahr des Grünen Stars besteht nämlich nicht darin, dass man gar nichts tun könnte. Sie liegt vor allem darin, dass die häufigste Form über Jahre praktisch keine Beschwerden verursacht.

Viele Betroffene sehen noch scharf, lesen problemlos und haben keine Schmerzen, während am Rand des Gesichtsfeldes bereits erste Schäden entstehen. Das Gehirn gleicht solche Ausfälle erstaunlich lange aus. Deshalb bleibt ein Glaukom häufig unbemerkt, bis bereits ein Teil der Sehnervenfasern verloren gegangen ist.

Umso wichtiger ist es, nicht nur einen einzelnen Druckwert zu betrachten, sondern das gesamte Geschehen.

Das Wichtigste zum Glaukom auf einen Blick

  • Ein Glaukom ist nicht einfach „zu hoher Augendruck“, sondern eine fortschreitende Schädigung des Sehnervs.
  • Ein erhöhter Augeninnendruck ist der wichtigste behandelbare Risikofaktor. Dennoch entwickelt nicht jeder Mensch mit erhöhten Werten ein Glaukom.
  • Umgekehrt kann der Sehnerv auch bei scheinbar normalen Druckwerten geschädigt werden. Man spricht dann von einem Normaldruckglaukom.
  • Eine einzelne unauffällige Druckmessung reicht deshalb nicht aus, um Entwarnung zu geben. Entscheidend sind auch die Untersuchung des Sehnervs, das Gesichtsfeld, die Nervenfaserschicht, die Hornhautdicke und der Verlauf über längere Zeit.
  • Naturheilkunde kann die notwendige Drucksenkung nicht ersetzen. Sie kann aber mögliche Begleitfaktoren wie Durchblutung, Blutdruckregulation, Schlaf, Stoffwechsel, oxidativen Stress und die Versorgung der Nervenzellen mit einbeziehen.
  • Früh erkannte Glaukome lassen sich heute meist gut behandeln. Die Diagnose bedeutet daher keineswegs automatisch, dass ein Mensch erblinden wird.
  • Plötzlich auftretende starke Augenschmerzen, ein rotes Auge, verschwommenes Sehen, Farbringe um Lichtquellen sowie Übelkeit oder Erbrechen können auf einen akuten Glaukomanfall hinweisen. Das ist ein augenärztlicher Notfall, bei dem jede Stunde zählt.

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Beginnen wir also mit der nächsten (banalen) Frage:

Was ist ein Glaukom?

Beim Glaukom werden Nervenzellen in der Netzhaut und die dazugehörigen Fasern des Sehnervs nach und nach geschädigt. Der Sehnerv ist gewissermaßen das Datenkabel zwischen Auge und Gehirn. Er transportiert die von der Netzhaut aufgenommenen Bildinformationen in die Sehzentren des Gehirns.

Gehen immer mehr dieser Nervenfasern verloren, entstehen zunächst kleine Ausfälle im Gesichtsfeld. Anfangs liegen diese Ausfälle häufig außerhalb des zentralen Sehens. Man kann also weiterhin lesen, Gesichter erkennen und Auto fahren, obwohl Teile des seitlichen Gesichtsfeldes bereits geschädigt sind.

Das Gehirn ist zudem erstaunlich gut darin, fehlende Bildinformationen zu ergänzen. Der Betroffene sieht deshalb nicht unbedingt einen schwarzen Fleck. Er bemerkt zunächst überhaupt nichts. Genau das macht das Glaukom so heimtückisch.

Erst in fortgeschrittenen Stadien wird das Gesichtsfeld enger. Hindernisse am Rand werden übersehen, Menschen stoßen häufiger irgendwo an oder erschrecken, weil ein Radfahrer scheinbar „aus dem Nichts“ auftaucht. Im Endstadium kann nur noch ein enger zentraler Sehrest verbleiben.

Ein Glaukom ist daher nicht einfach eine Krankheit des „Augendrucks“. Es ist eine Erkrankung des Sehnervs, bei der der Augeninnendruck eine zentrale, aber nicht alleinige Rolle spielt. Die aktuellen deutschen Leitlinien beschreiben Glaukome als chronisch fortschreitende Optikusneuropathien, die sowohl bei erhöhtem als auch bei normalen Druckwerten auftreten können.

Wie entsteht der Augeninnendruck?

Im vorderen Augenabschnitt wird fortlaufend eine klare Flüssigkeit gebildet: das Kammerwasser. Es ernährt unter anderem die Hornhaut und die Augenlinse. Das Kammerwasser fließt normalerweise über ein feines Filtersystem im Kammerwinkel ab. Dieses Filtersystem wird Trabekelwerk genannt. Von dort gelangt die Flüssigkeit über den Schlemm-Kanal zurück in den Blutkreislauf.

Wird mehr Kammerwasser gebildet, als abfließen kann, steigt der Druck im Auge. Auf Dauer kann dieser Druck den empfindlichen Sehnerv belasten. Die Sache ist allerdings komplizierter, als es das einfache Modell vom „zu vollen Auge“ vermuten lässt. Zwei Menschen können denselben Augeninnendruck haben und trotzdem sehr unterschiedlich reagieren. Der eine entwickelt über Jahrzehnte keinen erkennbaren Schaden. Beim anderen schreitet ein Glaukom bereits bei Werten fort, die im üblichen Normbereich liegen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Höhe des Drucks, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des Sehnervs.

Erhöhter Augeninnendruck ist noch kein Glaukom

Von einer okulären Hypertension spricht man, wenn der Augeninnendruck erhöht ist, aber noch keine typische Schädigung des Sehnervs und keine entsprechenden Gesichtsfeldausfälle nachweisbar sind. Das bedeutet nicht, dass der Befund belanglos wäre. Es bedeutet aber auch nicht, dass jeder Betroffene automatisch behandelt werden muss.

In der großen Ocular Hypertension Treatment Study entwickelten innerhalb von fünf Jahren 9,5 Prozent der unbehandelten Teilnehmer ein Offenwinkelglaukom. Unter drucksenkenden Augentropfen waren es 4,4 Prozent. Die Behandlung senkte das Risiko also deutlich. Gleichzeitig entwickelte die große Mehrheit auch ohne sofortige Behandlung in diesem Zeitraum kein Glaukom.

Daraus folgt eine wichtige Konsequenz: Nicht jeder erhöhte Messwert verlangt dieselbe Therapie. Für die Entscheidung spielen unter anderem folgende Punkte eine Rolle:

  • Wie hoch ist der Augeninnendruck tatsächlich?
  • Wie dick ist die Hornhaut?
  • Wie sehen Sehnerv und Nervenfaserschicht aus?
  • Gibt es bereits Auffälligkeiten im Gesichtsfeld?
  • Wie alt ist der Patient?
  • Liegt ein Glaukom in der Familie vor?
  • Bestehen Kurzsichtigkeit oder andere Augenerkrankungen?
  • Verändert sich der Befund im Verlauf?

Gute Glaukommedizin behandelt keine isolierte Zahl. Sie beurteilt das individuelle Risiko.

Ein normaler Augeninnendruck gibt keine Entwarnung

Einer der am wenigsten bekannten Punkte ist das sogenannte Normaldruckglaukom. Dabei zeigt der Sehnerv typische Glaukomschäden, obwohl die gemessenen Augeninnendruckwerte nicht oberhalb des üblichen statistischen Normbereichs liegen.

Das Wort „Normaldruck“ kann dabei in die Irre führen. Ein Druckwert kann für die Bevölkerung statistisch normal und für den einzelnen Sehnerv trotzdem zu hoch sein. Außerdem kann der tatsächliche Höchstwert außerhalb der Sprechstundenzeiten liegen und bei der Messung schlicht verpasst werden.

Selbst beim Normaldruckglaukom ist die Senkung des Augeninnendrucks die bislang am besten belegte Behandlung. Das zeigt, dass es nicht nur um „hoch“ oder „normal“ geht, sondern um den Druck, den der jeweilige Sehnerv dauerhaft verträgt.

Welche Glaukomformen gibt es?

Primäres Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form. Der Kammerwinkel ist grundsätzlich geöffnet, der Abfluss des Kammerwassers über das Trabekelwerk funktioniert jedoch zunehmend schlechter.

Die Erkrankung entwickelt sich langsam und verursacht lange Zeit keine Schmerzen. Gerade deshalb wird sie häufig erst bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.

Kopfschmerzen oder Augenbrennen sind keine verlässlichen Frühzeichen. Wer darauf wartet, dass sich das Glaukom bemerkbar macht, wartet womöglich zu lange.

Normaldruckglaukom

Beim Normaldruckglaukom entstehen charakteristische Schäden am Sehnerv, ohne dass bei den üblichen Messungen deutlich erhöhte Druckwerte auffallen.

Hier werden neben dem Augeninnendruck weitere Faktoren diskutiert: die Blutversorgung des Sehnervs, nächtliche Blutdruckabfälle, Gefäßregulationsstörungen, Migräne, Schlafapnoe und eine möglicherweise erhöhte Empfindlichkeit der Nervenzellen.

Diese Zusammenhänge sind nicht bei jedem Patienten nachweisbar und keineswegs vollständig geklärt. Bei einem fortschreitenden Glaukom trotz guter Druckwerte sollte man sie jedoch nicht einfach ignorieren.

Engwinkelglaukom und Winkelblock

Beim Engwinkelglaukom ist der Abflusswinkel zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut anatomisch verengt. Verschließt sich dieser Winkel plötzlich vollständig, kann der Augeninnendruck innerhalb kurzer Zeit stark ansteigen.

Dieser akute Winkelblock ist ein augenärztlicher Notfall.

Typische Warnzeichen sind:

  • plötzlich einsetzende starke Augen- oder Kopfschmerzen
  • ein gerötetes, oft hart wirkendes Auge
  • deutlich verschwommenes Sehen
  • Farbringe oder Lichtkränze um Lampen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtscheu
  • eine mittelweit gestellte, schlecht reagierende Pupille

Solche Beschwerden gehören nicht mit Hausmitteln, Augentrost oder einer Extraportion Magnesium behandelt. Der Betroffene muss sofort in eine Augenklinik oder augenärztliche Notfallambulanz.

Bestimmte Medikamente können bei Menschen mit einem anatomisch engen Kammerwinkel einen Winkelblock begünstigen. Dazu gehören je nach Wirkstoff unter anderem einige abschwellende Erkältungsmittel, Antihistaminika, anticholinerge Medikamente und pupillenerweiternde Präparate. Das betrifft keineswegs jeden Glaukompatienten, sondern vor allem Menschen mit einer entsprechenden Engwinkelanatomie. Wer hier gefährdet ist, sollte das wissen und bei neuen Medikamenten gezielt nachfragen.

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Sekundäre Glaukome

Ein sekundäres Glaukom entsteht als Folge einer anderen Erkrankung, einer Verletzung oder einer medizinischen Behandlung.

Mögliche Auslöser sind unter anderem:

  • Augenentzündungen wie eine Uveitis
  • Verletzungen des Auges
  • Blutungen im Auge
  • fortgeschrittener Diabetes mit Gefäßneubildungen
  • Gefäßverschlüsse
  • Pigmentdispersionssyndrom
  • Pseudoexfoliationssyndrom
  • Augenoperationen
  • bestimmte Medikamente, insbesondere Kortison

Gerade das Pseudoexfoliationsglaukom wird häufig unterschätzt. Dabei lagert sich ein feines, schuppenartiges Material an verschiedenen Strukturen des vorderen Augenabschnitts ab. Der Augeninnendruck kann dabei stärker schwanken und deutlich höher ansteigen als bei einem gewöhnlichen Offenwinkelglaukom.

Angeborenes und juveniles Glaukom

Glaukome können selten auch bei Säuglingen, Kindern und jungen Erwachsenen auftreten.

Bei einem angeborenen Glaukom können auffällig große Augen, Lichtscheu, starkes Tränen und krampfhaftes Zusammenkneifen der Lider Hinweise sein. Eine schnelle augenärztliche Abklärung ist notwendig, weil das kindliche Auge durch erhöhten Druck dauerhaft geschädigt werden kann.

Welche Symptome verursacht ein Glaukom?

Das chronische Offenwinkelglaukom verursacht im Frühstadium normalerweise keine eindeutigen Symptome.

Das Auge tut nicht weh. Die Sehschärfe kann ausgezeichnet sein. Lesen ist weiterhin möglich. Selbst eine normale neue Brille sagt nichts darüber aus, ob der Sehnerv gesund ist.

Später können folgende Probleme auftreten:

  • Einschränkungen des seitlichen Gesichtsfeldes
  • Schwierigkeiten bei Dunkelheit und Dämmerung
  • häufigeres Anstoßen an Gegenstände
  • Übersehen von Stufen, Hindernissen oder Personen
  • Unsicherheit im Straßenverkehr
  • verlangsamte Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse
  • im fortgeschrittenen Stadium ein sogenannter Tunnelblick

Diese Beschwerden sind jedoch keine geeignete Früherkennung. Wenn der Patient selbst deutliche Ausfälle bemerkt, besteht die Erkrankung meist schon länger.

Wer hat ein erhöhtes Glaukomrisiko?

Der wichtigste Risikofaktor ist ein erhöhter Augeninnendruck. Hinzu kommen Alter, Vererbung und bestimmte anatomische Voraussetzungen.

Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, bei denen einer oder mehrere der folgenden Punkte vorliegen:

  • Alter über 40 Jahre
  • Glaukom bei Eltern oder Geschwistern
  • erhöhter Augeninnendruck
  • starke Kurzsichtigkeit
  • auffälliger Sehnerv
  • dünne zentrale Hornhaut
  • frühere Augenverletzungen oder Augenoperationen
  • chronische Augenentzündungen
  • Pseudoexfoliations- oder Pigmentdispersionssyndrom
  • längere oder hoch dosierte Kortisonbehandlung
  • bestimmte ethnische beziehungsweise familiäre Risikokonstellationen

Die deutsche Leitlinie nennt insbesondere höheres Alter, familiäre Belastung, erhöhten Augeninnendruck und stärkere Kurzsichtigkeit als wichtige Risikofaktoren.

Glaukom in der Familie

Ein Glaukom tritt familiär gehäuft auf. Wird bei einem Menschen ein Glaukom diagnostiziert, sollten Eltern, Geschwister und erwachsene Kinder davon erfahren.

Das klingt banal, wird aber erstaunlich oft vergessen.

Wer selbst keine Beschwerden hat, hält einen Augenarzttermin leicht für verzichtbar. Gerade beim Glaukom ist Beschwerdefreiheit jedoch kein Qualitätsnachweis für den Sehnerv.

Kurzsichtigkeit

Vor allem eine stärkere Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko eines Offenwinkelglaukoms. Gleichzeitig kann die Beurteilung des Sehnervs bei stark kurzsichtigen Augen schwieriger sein, weil Sehnervenkopf und Netzhaut bereits anatomische Besonderheiten aufweisen.

Eine auffällige OCT-Messung ist bei hoher Kurzsichtigkeit deshalb nicht automatisch ein Glaukom. Umgekehrt darf man echte Veränderungen nicht vorschnell als bloße Folge der Kurzsichtigkeit abtun.

Der Verlauf entscheidet.

Kortison: Nicht nur Augentropfen zählen

Kortison kann bei empfindlichen Menschen den Augeninnendruck erhöhen. Am deutlichsten ist dieser Zusammenhang bei kortisonhaltigen Augentropfen und Augenpräparaten. Aber auch Tabletten, Spritzen, Inhalationen, Nasensprays und länger angewendete Hautpräparate können bei entsprechend veranlagten Menschen relevant sein.

Das bedeutet nicht, dass notwendiges Kortison eigenmächtig abgesetzt werden soll. Wer Kortison über längere Zeit benötigt, bereits erhöhte Druckwerte hat oder familiär mit Glaukom belastet ist, sollte den Augenarzt darüber informieren und gegebenenfalls den Druck kontrollieren lassen.

Der Augeninnendruck schwankt

Ein Augeninnendruck von beispielsweise 18 mmHg um 11 Uhr vormittags bedeutet nicht automatisch, dass der Druck nachts, am frühen Morgen oder an anderen Tagen ebenfalls 18 mmHg beträgt.

Der Druck unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. Bei manchen Patienten liegen die Spitzen am Morgen, bei anderen nachts oder außerhalb der üblichen Praxiszeiten. Eine einzige Messung ist daher lediglich eine Momentaufnahme. NICE weist ausdrücklich darauf hin, dass Druckspitzen bei den üblichen Messungen während der Sprechstundenzeit übersehen werden können.

Bei unklaren Befunden oder einem fortschreitenden Schaden trotz scheinbar guter Werte kann ein Tagesdruckprofil sinnvoll sein. Dabei wird der Druck zu verschiedenen Tageszeiten wiederholt gemessen. Eine vollständige 24-Stunden-Erfassung ist im Alltag zwar aufwendig, kann in besonderen Fällen aber wertvolle Hinweise liefern.

Warum die Hornhautdicke wichtig ist

Der Augeninnendruck wird in der Regel über die Hornhaut gemessen. Deren Dicke und biomechanische Eigenschaften beeinflussen das Messergebnis.

Eine dickere Hornhaut kann einen höheren Druck vortäuschen. Eine sehr dünne Hornhaut kann dazu führen, dass der tatsächliche Druck unterschätzt wird. Zudem gilt eine dünne zentrale Hornhaut selbst als Risikomarker für die Entwicklung eines Glaukoms.

Deshalb gehört bei einer sorgfältigen Erstabklärung die Messung der zentralen Hornhautdicke – die Pachymetrie – dazu. Eine Zahl wie 20 oder 22 mmHg lässt sich ohne Kenntnis der Hornhaut nicht vollständig einordnen.

Besonders wichtig ist das nach einer Laserbehandlung der Hornhaut zur Korrektur von Kurzsichtigkeit, etwa LASIK oder PRK. Dabei wird die Hornhaut dünner beziehungsweise ihre Form verändert. Spätere Druckmessungen können dadurch zu niedrig ausfallen. Wer eine solche Operation hatte, sollte dies bei jeder Glaukomabklärung ausdrücklich angeben.

Warum der Luftstoß allein nicht reicht

Viele Menschen kennen die Druckmessung beim Optiker oder Augenarzt: Ein kurzer Luftstoß trifft das Auge, anschließend erscheint eine Zahl auf dem Gerät.

Diese Messung kann als Orientierung dienen. Für eine belastbare Glaukomdiagnostik reicht sie allein nicht.

Als Referenzmethode gilt weiterhin die Goldmann-Applanationstonometrie. Dabei wird die zuvor betäubte Hornhaut mit einem kleinen Messkörper vorsichtig berührt. Zusätzlich müssen Sehnerv, Gesichtsfeld, Hornhautdicke und Kammerwinkel beurteilt werden.

Ein normaler Luftstoßwert ist deshalb kein Gesundheitszeugnis für den Sehnerv.

Blutdruck und Glaukom: Mehr ist nicht immer besser – weniger aber auch nicht

Hoher Blutdruck kann Gefäße schädigen. Beim Glaukom richtet sich die Aufmerksamkeit jedoch zunehmend auch auf die andere Seite: einen zu starken nächtlichen Blutdruckabfall. Der Sehnerv benötigt eine ausreichende Durchblutung. Sinkt der Blutdruck während der Nacht sehr stark, während gleichzeitig der Augeninnendruck ungünstig liegt, kann der sogenannte okuläre Perfusionsdruck abnehmen.

Studien bringen ausgeprägte nächtliche Blutdruckabfälle mit einer schnelleren Verschlechterung des Gesichtsfeldes in Verbindung, besonders beim Normaldruckglaukom. Der Zusammenhang ist nicht bei jedem Patienten gleich und rechtfertigt keine pauschalen Therapieänderungen. Bei fortschreitendem Schaden trotz gut eingestelltem Augendruck kann eine 24-Stunden-Blutdruckmessung aber sinnvoll sein.

Wer seine Blutdrucktabletten abends einnimmt, sollte sie deshalb keinesfalls auf eigene Faust absetzen oder verschieben. Augenarzt und Hausarzt müssen die Gesamtsituation gemeinsam beurteilen.

Es wäre wenig gewonnen, den Sehnerv vor einem niedrigen Nachtwert schützen zu wollen und dafür einen Schlaganfall zu riskieren.

Migräne, kalte Hände und Gefäßregulation

Bei einigen Patienten mit Normaldruckglaukom finden sich Hinweise auf eine gestörte Regulation kleiner Blutgefäße. Dazu können Migräne, eine Neigung zu sehr kalten Händen und Füßen oder ein Raynaud-Phänomen gehören.

Das bedeutet nicht, dass Migräne ein Glaukom verursacht. Es bedeutet auch nicht, dass jeder Mensch mit kalten Händen eine Augenkrankheit hat.

Bei einem fortschreitenden Normaldruckglaukom kann eine solche Gefäßanamnese jedoch ein Puzzleteil sein. Der Sehnerv hängt nicht nur vom Druck im Auge, sondern auch von seiner Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen ab.

Schlafapnoe als möglicher Mitspieler

Eine obstruktive Schlafapnoe führt während der Nacht wiederholt zu Atempausen und Sauerstoffabfällen. Metaanalysen finden bei Schlafapnoepatienten häufiger Glaukomerkrankungen beziehungsweise glaukomtypische Veränderungen. Damit ist noch nicht bewiesen, dass die Schlafapnoe das Glaukom verursacht. Die Verbindung ist aber biologisch plausibel und sollte bei entsprechenden Beschwerden bedacht werden.

Hinweise auf eine mögliche Schlafapnoe sind:

  • lautes, unregelmäßiges Schnarchen
  • beobachtete Atempausen
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • trockener Mund am Morgen
  • ausgeprägte Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • schlecht einstellbarer Bluthochdruck

Ein Patient mit Normaldruckglaukom, fortschreitenden Gesichtsfeldausfällen und deutlichen Hinweisen auf nächtliche Atempausen braucht nicht noch ein Nahrungsergänzungsmittel. Er braucht zunächst eine vernünftige Schlafdiagnostik.

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Diabetes und Glaukom

Diabetes wird häufig als allgemeiner Glaukomrisikofaktor genannt. Beim primären Offenwinkelglaukom ist der Zusammenhang jedoch weniger eindeutig, als vielfach dargestellt wird.

Unstrittig ist: Diabetes kann die Netzhautgefäße schädigen und im fortgeschrittenen Stadium zu schweren sekundären Augenproblemen führen. Dazu gehört auch das neovaskuläre Glaukom, bei dem krankhafte Gefäßneubildungen den Abfluss des Kammerwassers blockieren.

Diabetiker sollten ihre Augen daher regelmäßig kontrollieren lassen. Eine gute Blutzuckereinstellung ist für Netzhaut und Gefäße wichtig, ersetzt aber weder die Untersuchung des Sehnervs noch die Messung des Augeninnendrucks.

Wie wird ein Glaukom sicher diagnostiziert?

Eine vernünftige Glaukomdiagnostik besteht aus mehreren Bausteinen. Keine einzelne Untersuchung kann für sich allein alle Fragen beantworten.

Augeninnendruckmessung

Der Augeninnendruck wird möglichst mit einer zuverlässigen Methode gemessen. Bei auffälligen oder schwankenden Werten können Wiederholungsmessungen zu verschiedenen Tageszeiten erforderlich sein.

Untersuchung des Sehnervs

Der Augenarzt beurteilt den Sehnervenkopf, die sogenannte Papille. Dabei achtet er unter anderem auf Form, Aushöhlung, Randbereiche, Seitenunterschiede und kleine Blutungen am Papillenrand.

Solche Papillenrandblutungen sind wenig bekannt, können aber ein Hinweis auf ein aktives Fortschreiten der Erkrankung sein.

Gesichtsfelduntersuchung

Bei der automatischen Perimetrie reagiert der Patient auf Lichtpunkte unterschiedlicher Helligkeit. Dadurch wird geprüft, welche Bereiche des Gesichtsfeldes noch zuverlässig wahrgenommen werden.

Die Untersuchung ist anstrengend und die ersten Ergebnisse sind nicht immer verlässlich. Müdigkeit, Konzentration, trockene Augen und Unerfahrenheit können das Ergebnis beeinflussen. Ein einzelnes schlechtes Gesichtsfeld beweist daher noch keine Verschlechterung. Häufig zeigt erst die Wiederholung, was wirklich los ist.

OCT-Untersuchung

Die optische Kohärenztomografie, kurz OCT, vermisst unter anderem die Nervenfaserschicht der Netzhaut und bestimmte Zellschichten im Bereich der Makula.

Das Verfahren kann strukturelle Schäden sichtbar machen, bevor der Patient selbst etwas bemerkt. Es ist jedoch keine unfehlbare Glaukommaschine. Hohe Kurzsichtigkeit, anatomische Besonderheiten, Messfehler und ungeeignete Vergleichsdatenbanken können zu Fehlalarmen führen.

Auch beim OCT ist der Verlauf häufig wichtiger als ein einzelner farbiger Ausdruck.

Messung der Hornhautdicke

Die Pachymetrie hilft, den gemessenen Augeninnendruck und das individuelle Risiko besser einzuordnen.

Untersuchung des Kammerwinkels

Mit der Gonioskopie wird geprüft, ob der Kammerwinkel offen, eng oder teilweise verschlossen ist. Diese Untersuchung entscheidet mit darüber, um welche Glaukomform es sich handelt und welche Behandlung geeignet ist.

Eine fundierte Untersuchung bei Verdacht auf Offenwinkelglaukom oder okuläre Hypertension umfasst daher nicht nur die Druckmessung, sondern auch Hornhautdicke, Kammerwinkel, Gesichtsfeld und Sehnervbeurteilung.

Die Diagnose steht – werde ich nun blind?

Nein. Eine Glaukomdiagnose bedeutet nicht automatisch, dass der Patient sein Sehvermögen verlieren wird. Sie bedeutet, dass ein Risiko erkannt wurde, das nun ernst genommen und überwacht werden muss. Wie schnell ein Glaukom fortschreitet, ist höchst unterschiedlich. Manche Erkrankungen bleiben über viele Jahre stabil. Andere schreiten schneller voran und benötigen eine entschlossenere Drucksenkung.

Entscheidend sind:

  • das bereits vorhandene Ausmaß der Schädigung
  • die Geschwindigkeit der bisherigen Verschlechterung
  • das Alter und die Lebenserwartung
  • der unbehandelte Ausgangsdruck
  • der individuell festgelegte Zieldruck
  • die Zuverlässigkeit der Behandlung
  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Die aktuellen deutschen Leitlinien verlangen ausdrücklich eine individuelle Therapie. Der Zieldruck soll nicht nach einer starren Tabelle festgelegt werden, sondern nach Glaukomart, Schädigungsgrad, Verlauf, Alter und Begleiterkrankungen.

Ein Patient mit einem kleinen stabilen Befund und niedriger Progressionsgeschwindigkeit benötigt möglicherweise eine andere Behandlung als ein jüngerer Patient mit bereits fortgeschrittenem Schaden.

Die schulmedizinische Behandlung des Glaukoms

Das einzige Behandlungsprinzip, dessen schützende Wirkung beim Glaukom zuverlässig belegt ist, besteht derzeit in einer ausreichenden Senkung des Augeninnendrucks. Das gilt sogar für das Normaldruckglaukom. Die Behandlung kann mit Augentropfen, einer selektiven Laserbehandlung oder einer Operation erfolgen. Welche Methode geeignet ist, hängt von Glaukomform, Ausgangsdruck, Zieldruck, Verträglichkeit, Fortschreiten und persönlichen Voraussetzungen ab.

Augentropfen

Drucksenkende Augentropfen verringern entweder die Bildung des Kammerwassers oder verbessern seinen Abfluss.

Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen gehören:

  • Prostaglandinanaloga
  • Betablocker
  • Carboanhydrasehemmer
  • Alpha-2-Agonisten
  • Rho-Kinase-Hemmer
  • Kombinationspräparate

Prostaglandinanaloga werden häufig einmal täglich eingesetzt und senken den Druck meist zuverlässig. Sie können unter anderem zu geröteten Augen, verstärktem Wimpernwachstum, Veränderungen der Irisfarbe oder dunklerer Haut um das Auge führen.

Betablocker-Augentropfen können trotz lokaler Anwendung in den Kreislauf gelangen. Sie sind unter anderem bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, langsamem Puls, Asthma oder schwerer chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung problematisch.

Carboanhydrasehemmer und Alpha-2-Agonisten haben wiederum eigene Nebenwirkungs- und Gegenanzeigenprofile. Deshalb sollte der Augenarzt nicht nur nach den Augen, sondern auch nach Herz, Lunge, Blutdruck und weiteren Medikamenten fragen.

Eine einfache Technik verringert Nebenwirkungen

Viele Patienten tropfen das Medikament ins Auge und blinzeln anschließend kräftig. Dadurch gelangt ein Teil des Wirkstoffs über den Tränenkanal in Nase und Rachen – und von dort in den Blutkreislauf.

Besser ist folgende Vorgehensweise:

  1. Hände waschen und das untere Augenlid vorsichtig herunterziehen.
  2. Einen einzigen Tropfen in den Bindehautsack geben.
  3. Das Auge sanft schließen, ohne fest zu kneifen.
  4. Den inneren Augenwinkel neben der Nase für ein bis zwei Minuten leicht drücken.
  5. Bei mehreren Präparaten mindestens fünf Minuten Abstand halten.

Ein Tropfen reicht. Mehr passt ohnehin kaum auf die Augenoberfläche. Durch das sanfte Verschließen des Tränenkanals bleibt mehr Wirkstoff am Auge und weniger gelangt in den übrigen Körper.

Gerade bei Betablocker-Augentropfen kann diese Kleinigkeit relevant sein.

Konservierungsmittel können die Augenoberfläche belasten

Viele Glaukompatienten benötigen ihre Tropfen über Jahre. Konservierungsmittel können dabei trockene, brennende oder chronisch gereizte Augen begünstigen.

Wer zunehmend rote, empfindliche oder trockene Augen entwickelt, sollte die Behandlung nicht einfach abbrechen. Möglich sind konservierungsmittelfreie Präparate, andere Wirkstoffe oder eine Laserbehandlung. Leitlinien sehen konservierungsmittelfreie Tropfen insbesondere bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit oder einer klinisch relevanten Erkrankung der Augenoberfläche vor.

Selektive Lasertrabekuloplastik

Die selektive Lasertrabekuloplastik, kurz SLT, behandelt das Trabekelwerk im Kammerwinkel mit kurzen Laserimpulsen. Dadurch kann sich der Abfluss des Kammerwassers verbessern.

Die Behandlung erfolgt ambulant, dauert meist nur wenige Minuten und eröffnet bei Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension die Möglichkeit, den Druck ohne tägliche Tropfen oder mit weniger Medikamenten zu kontrollieren.

SLT ist inzwischen nicht mehr bloß eine Reservebehandlung, wenn alle Tropfen versagt haben. Deutsche und internationale Leitlinien sehen sie neben der medikamentösen Therapie als mögliche Primärbehandlung an.

In der LiGHT-Studie bot eine primäre SLT-Behandlung über sechs Jahre eine gute langfristige Druckkontrolle und verringerte gegenüber einer zunächst medikamentösen Behandlung die Notwendigkeit späterer Eingriffe. Ein erheblicher Teil der Patienten blieb über Jahre ohne tägliche Augentropfen.

Die Wirkung hält allerdings nicht bei jedem Patienten dauerhaft an. Eine Wiederholung kann möglich sein, und manche Patienten benötigen später trotzdem Tropfen oder eine Operation.

Operationen

Reichen Augentropfen und Laserbehandlung nicht aus oder besteht bereits ein fortgeschrittenes Glaukom, kann eine Operation notwendig werden.

Das klassische Verfahren ist die Trabekulektomie. Dabei wird ein neuer Abflussweg für das Kammerwasser geschaffen. Daneben stehen Drainageimplantate, kammerwinkelbasierte Eingriffe, Kanaloplastiken und verschiedene Stentverfahren zur Verfügung.

Unter dem Begriff „MIGS“ werden zahlreiche vermeintlich mikroinvasive Verfahren zusammengefasst. Die aktuelle deutsche Leitlinie weist allerdings zu Recht darauf hin, dass nicht jeder kleine Schnitt automatisch ein kleines Risiko bedeutet. Einige Verfahren senken den Druck nur mäßig, andere sind stärker wirksam, aber auch eingriffsintensiver. Die Wahl muss zum notwendigen Zieldruck und zur konkreten Erkrankung passen.

Ein schickes Implantat ist nicht automatisch besser als ein bewährter Eingriff. Entscheidend ist, ob der Sehnerv damit ausreichend geschützt wird.

Was Patienten selbst beachten sollten

Die Behandlung des Glaukoms findet nicht nur beim Augenarzt statt. Der Patient trägt einen erheblichen Teil dazu bei, ob die Therapie funktioniert.

Wichtig sind vor allem:

  • Kontrolltermine nicht auslassen
  • Augentropfen regelmäßig und korrekt anwenden
  • Nebenwirkungen offen ansprechen
  • alle Medikamente einschließlich Kortisonpräparate angeben
  • dem Augenarzt frühere LASIK- oder andere Hornhautoperationen mitteilen
  • nach Hornhautdicke, Kammerwinkel, Gesichtsfeld und OCT-Verlauf fragen
  • nahe Angehörige über die familiäre Belastung informieren
  • bei fortschreitendem Normaldruckglaukom Blutdruck, Schlaf und mögliche Gefäßfaktoren mitbeurteilen lassen
  • Medikamente niemals eigenmächtig absetzen

Wer schlecht an das Auge herankommt, zittert, Gelenkprobleme hat oder den Tropfen nicht sicher trifft, sollte das sagen. Es gibt Tropfhilfen, Einzeldosisbehälter und andere praktische Lösungen.

Die Therapie kann nur wirken, wenn der Wirkstoff tatsächlich im Auge ankommt.

Mein Zwischenfazit

Der Grüne Star ist ernst zu nehmen, aber kein unabwendbares Schicksal. Die häufigste Form schleicht sich ein, ohne Schmerzen und ohne deutliche Warnung. Deshalb sind eine rechtzeitige Untersuchung und eine gründliche Diagnostik so wichtig. Nicht der einzelne Augeninnendruck entscheidet, sondern das Gesamtbild aus Sehnerv, Gesichtsfeld, Nervenfaserschicht, Hornhaut, Kammerwinkel und Verlauf.

Ebenso wichtig ist eine vernünftige Perspektive: Ein erhöhter Druck ist noch kein Glaukom. Ein normaler Druck schließt ein Glaukom nicht aus. Und ein diagnostiziertes Glaukom bedeutet keineswegs automatisch Erblindung. Heute stehen wirksame Augentropfen, Laserbehandlungen und verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Wird der individuell schädliche Druck rechtzeitig gesenkt und der Verlauf zuverlässig kontrolliert, lässt sich das vorhandene Sehvermögen häufig langfristig erhalten.

An dieser Stelle beginnt die Frage, welchen ergänzenden Beitrag Naturheilkunde, Vitalstoffe, Ernährung, Durchblutung, Stoffwechsel und der Schutz der Nervenzellen leisten können und wo die Grenzen solcher Verfahren liegen…

Und darüber sprechen wir jetzt…

Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel

Beim Glaukom kommen nicht alle Verfahren für jeden Menschen gleichermaßen infrage. Entscheidend sind Glaukomform, Augeninnendruck, Durchblutung, Blutdruck, Stoffwechsel, Schlaf, Begleiterkrankungen und die allgemeine Konstitution.

In der Praxis kombiniere ich meist mehrere Verfahren: Akupunktur nach Boel, Vitalstoffe, Ernährung, Heilpflanzen und die Behandlung erkennbarer Störfaktoren. Welche Bausteine sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Befund.

Akupunktur

Augen-Akupunktur nach Boel: die Technik nach Dr. Boel nutzt ein von ihm entwickeltes Akupunkt-System, von dem ich sehr viel halte. Dies wäre meine erste Wahl als Therapie.

Mikro-Akupunktur nach Dr. Rosenfarb: die ganzheitliche Methode legt Wert auf eine präzise Anamnese, Blut- und Allergie-Tests. Rosenfarb entwickelte ein eigenes System mit 48 Akupunkten. Zur Anwendung kommen Aku-Laser (ohne Nadelung), die Elektro-Akupunktur und die Ohr-Akupunktur.  Chinesische Heilkräuter und Vitalstoff-Supplementierungen sind in die Behandlung integriert.

Augen-Yoga und Augenentspannung

Unter dem Begriff „Augen-Yoga“ werden sehr unterschiedliche Übungen zusammengefasst. Beim Glaukom geht es dabei nicht darum, den Sehnerv durch Muskeltraining zu reparieren oder den Augeninnendruck dauerhaft wegzuüben. Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Sinnvoll können solche Übungen dennoch sein, wenn sie der Entspannung dienen, starre Naharbeit unterbrechen und die allgemeine Spannungsregulation verbessern.

Geeignet sind vor allem „ruhige Übungen“:

Palmieren: Die warmen Handflächen einige Minuten locker über die geschlossenen Augen legen, ohne Druck auf die Augäpfel auszuüben.
Blickwechsel: Mehrmals langsam zwischen einem nahen und einem weiter entfernten Punkt wechseln.
Sanfte Augenbewegungen: Den Blick ohne Hast nach rechts, links, oben und unten führen.
Weitblick: Bei längerer Bildschirmarbeit regelmäßig in die Ferne sehen.
Der große Schwung: Im Stand den Oberkörper locker von einer Seite zur anderen drehen und den Blick der Bewegung folgen lassen.

Wichtig ist, dass die Übungen angenehm bleiben. Pressen, Luftanhalten und kraftvolle Atemtechniken sind nicht sinnvoll. Das Gleiche gilt für Kopfstand, Schulterstand und längere Umkehrhaltungen, weil der Augeninnendruck dabei deutlich ansteigen kann.

Ich würde diesen Bereich deshalb eher als Augenentspannung und vegetative Regulation verstehen. Er kann Bildschirmstress, Anspannung und Beschwerden der Augenmuskulatur lindern.

Chiropraktik und obere Halswirbelsäule

Beim Glaukom würde ich die Stellung und Funktion der oberen Halswirbelsäule, insbesondere von Atlas und Axis, grundsätzlich überprüfen lassen. Eine ausgeprägte Fehlstellung oder Blockierung in diesem Bereich kann die gesamte Kopf-Hals-Statik, die muskulären Spannungsverhältnisse, die vegetative Regulation und möglicherweise auch die Durchblutung ungünstig beeinflussen. Gerade bei einem Normaldruckglaukom, bei Migräne, Schwindel, Nackenbeschwerden oder auffälliger Gefäßregulation kann eine solche Störung aus meiner Sicht ein erhebliches Heilhindernis darstellen.

Kleine Untersuchungen zeigen, dass Behandlungen der oberen Halswirbelsäule autonome Reaktionen und sogar bestimmte Augenreflexe beeinflussen können; ein direkter Wirksamkeitsnachweis für die Glaukombehandlung ist daraus allerdings noch nicht abzuleiten, bzw. nicht bewiesen.

Die Untersuchung und Behandlung sollte durch einen erfahrenen Chiropraktiker oder Manualtherapeuten erfolgen, der Atlas und Axis gezielt beurteilt und nicht einfach routinemäßig an der Halswirbelsäule „knackt“. Ziel ist die Beseitigung einer relevanten mechanischen und regulativen Störung und nicht die Behauptung, ein Glaukom lasse sich durch einen einzelnen Handgriff beseitigen. Es gehört aber mit in die Gesamtbetrachtung der Patienten…

Ernährung

Eine Ernährung, die den Grünen Star nachweislich aufhält oder den Augeninnendruck dauerhaft senkt, ist mir nicht bekannt. Trotzdem ist es sinnvoll, Gefäße, Stoffwechsel und die Versorgung des Sehnervs durch eine möglichst unverarbeitete, gemüsereiche Kost zu unterstützen.

Besonders interessant sind grüne Blattgemüse und andere natürliche Nitratquellen wie Rucola, Feldsalat, Spinat, Mangold, Petersilie, Sellerie und Rote Bete. Zwei große Langzeituntersuchungen fanden bei einer höheren Nitrataufnahme aus der Ernährung deutlich weniger Neuerkrankungen an einem Offenwinkelglaukom. Bemerkenswert ist, dass sich dieser Zusammenhang nicht durch niedrigere Augeninnendruckwerte erklären ließ. Vermutet wird vielmehr eine günstigere Stickstoffmonoxidbildung und Gefäßregulation. Es handelt sich allerdings um Beobachtungsdaten, nicht um den Beweis einer Glaukomtherapie durch Gemüse.

Als Grundlage empfehle ich daher eine mediterran geprägte Ernährung mit reichlich Gemüse, Salaten, Hülsenfrüchten, Beeren, Nüssen, Olivenöl und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln. Nicht weil die „Mittelmeerdiät“ als Glaukomtherapie bewiesen wäre, sondern weil sie Gefäße, Blutzucker und Stoffwechsel wesentlich vernünftiger unterstützt als eine Kost aus Fertiggerichten, Süßgetränken und Weißmehlprodukten.

Kaffee muss nicht grundsätzlich gestrichen werden. Koffein kann den Augeninnendruck kurzfristig etwas erhöhen, vor allem bei Menschen mit Glaukom oder okulärer Hypertension. Der gewohnheitsmäßige Kaffeekonsum war in großen Untersuchungen insgesamt jedoch nicht eindeutig mit mehr Glaukomerkrankungen verbunden. Bei sehr hohem Konsum, starken Druckschwankungen oder besonderer genetischer Belastung ist Zurückhaltung dennoch sinnvoll.

Auch die Trinkweise spielt eine Rolle. Etwa 800 bis 1.000 Milliliter Wasser in kurzer Zeit können den Augeninnendruck vorübergehend ansteigen lassen. Deshalb lieber regelmäßig über den Tag trinken, statt große Mengen auf einmal hinunterzustürzen.

Von speziellen „Glaukom-Smoothies“ halte ich wenig. Für die beliebige Mischung zahlreicher Gemüse- und Obstsorten gibt es keine klinischen Belege. Gemüse, Kräuter und Beeren sind sinnvoll – aber besser als normale Mahlzeit und nicht als literweise Saft mit entsprechend hoher Zucker- und Flüssigkeitsmenge.

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Heilpflanzen

Unter den zahlreichen Pflanzenstoffen, die als „Augenschutz“ angeboten werden, sind nur wenige bei Glaukompatienten tatsächlich untersucht worden. Am interessantesten sind Ginkgo, Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren, Safran und Forskolin.

Ginkgo biloba – besonders beim Normaldruckglaukom

Ginkgo ist die wichtigste Heilpflanze in diesem Zusammenhang. Dabei geht es weniger um eine direkte Senkung des Augeninnendrucks als um die Durchblutung und Belastbarkeit des Sehnervs. Gerade beim Normaldruckglaukom, bei dem Gefäßregulation und Mikrozirkulation eine größere Rolle spielen können, ist dieser Ansatz interessant.

In einer kleinen randomisierten Studie verbesserten 120 Milligramm eines standardisierten Ginkgo-Extrakts täglich nach vier Wochen bestimmte Gesichtsfeldwerte. Eine längerfristige Untersuchung mit 160 Milligramm täglich fand zudem eine langsamere Verschlechterung des Gesichtsfeldes. Eine weitere kontrollierte Studie konnte diesen Effekt allerdings nicht bestätigen. Die Studienlage ist also nicht einheitlich, liefert aber mehr als nur theoretische Vermutungen.

Ginkgo würde ich vor allem dann erwägen, wenn ein Normaldruckglaukom, niedrige Blutdruckwerte, Migräne, kalte Hände oder Hinweise auf eine gestörte Gefäßregulation vorliegen. Verwendet werden sollten standardisierte Extrakte und kein beliebiges Ginkgopulver oder Tee. Bei gerinnungshemmenden Medikamenten und vor Operationen muss die Einnahme abgestimmt werden.

Schwarze Johannisbeere – Anthocyane für Durchblutung und Gesichtsfeld

Auch Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren sind bemerkenswert. In einer zweijährigen randomisierten und placebokontrollierten Studie erhielten 38 Glaukompatienten zusätzlich zu ihren Augentropfen täglich 50 Milligramm standardisierte Anthocyane.

In der Anthocyan-Gruppe verschlechterte sich das Gesichtsfeld weniger stark als unter Placebo. Gleichzeitig nahm die Durchblutung im Bereich des Auges zu, während sich der Augeninnendruck kaum veränderte. Das spricht dafür, dass Heilpflanzen möglicherweise auch jenseits der reinen Drucksenkung ansetzen können. Die Studie war allerdings klein und sollte deshalb nicht mehr beweisen müssen, als sie tatsächlich gezeigt hat.

Wichtig ist die Unterscheidung: Untersucht wurde ein standardisierter Extrakt aus Schwarzen Johannisbeeren. Die häufig beworbene Heidelbeere ist zwar ebenfalls reich an Anthocyanen, verfügt beim Glaukom aber über eine deutlich schwächere klinische Datenlage.

Safran – kleines, aber interessantes Drucksignal

Safran ist vor allem wegen seiner antioxidativen und nervenzellschützenden Eigenschaften interessant. In einer kleinen randomisierten Pilotstudie erhielten Patienten mit Offenwinkelglaukom zusätzlich zu ihrer bisherigen Behandlung täglich 30 Milligramm eines wässrigen Safranextrakts.

Nach drei Wochen lag der Augeninnendruck in der Safrangruppe niedriger als unter Placebo. Nach dem Absetzen verschwand dieser Unterschied wieder. Das spricht für eine reale Wirkung, ist aber noch keine ausreichende Grundlage für eine allgemeine Therapieempfehlung. Bis heute fehlt vor allem eine größere Langzeitstudie, die zeigt, ob Safran nicht nur einen Messwert, sondern auch den Sehnerv und das Gesichtsfeld schützt.

Forskolin – wirksam, aber meist nur in Kombination untersucht

Forskolin ist ein Inhaltsstoff der indischen Buntnessel, Coleus forskohlii. Der Stoff erhöht in den Zellen die Bildung von zyklischem AMP und kann dadurch die Produktion des Kammerwassers beeinflussen.

In mehreren klinischen Untersuchungen führten orale Kombinationspräparate mit Forskolin zu einer zusätzlichen Senkung des Augeninnendrucks bei Patienten, die bereits Augentropfen verwendeten. Das Problem: Meist wurde Forskolin zusammen mit Rutin, Homotaurin, Carnosin oder weiteren Stoffen gegeben. Welcher Anteil des Effekts tatsächlich auf die Heilpflanze zurückging, lässt sich daher nicht sicher bestimmen.

Mein Rat:

Von den Heilpflanzen ist Ginkgo beim Normaldruckglaukom derzeit am interessantesten. Anthocyane aus Schwarzen Johannisbeeren kommen vor allem bei einem vaskulären Ansatz infrage. Safran und Forskolin zeigen erste Wirkungen auf den Augeninnendruck, benötigen aber wesentlich bessere Langzeitstudien.

Für Augentrost, Schöllkraut, Kurkuma oder beliebige „Augentees“ gibt es dagegen keinen überzeugenden klinischen Nachweis, dass sie den Glaukomverlauf beeinflussen. Sie nur deshalb aufzunehmen, weil sie pflanzlich sind, wäre keine Naturheilkunde, sondern Dekoration.

Homöopathie

Bei der homöopathischen Behandlung muss man zwei völlig verschiedene Situationen trennen: den akuten Glaukomanfall und das chronisch verlaufende Glaukom.

Akuter Glaukomanfall

Ein plötzlich schmerzendes, gerötetes Auge mit verschwommenem Sehen, Farbringen um Lichtquellen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen kann auf einen akuten Winkelblock hinweisen. Das ist kein Fall für Selbstversuche, sondern ein Notfall. Wenn man was tun will (homöopathisch) dann muss das Mittel sofort „sitzen“ – also innerhalb von einer Stunde wirken.

In der traditionellen homöopathischen Literatur werden bei entsprechenden akuten Arzneimittelbildern unter anderem Belladonna, Spigelia, Lachesis und Phosphorus genannt. Auch Aconitum ist ein Mittel – vor allem wenn es von jetzt auf gleich begann…

Chronisches Offenwinkel- und Normaldruckglaukom

Beim chronischen Glaukom sieht die Situation anders aus. Hier entwickelt sich die Schädigung über Monate und Jahre. Grundsätzlich gibt es zwei Vorgehensweisen:

Die klassische Homöopathie wählt das Arzneimittel nach dem gesamten individuellen Beschwerde- und Reaktionsbild aus. Die Banerji-Protokolle arbeiten dagegen mit festen, krankheitsbezogenen Mitteln und Potenzen. Zu Banerji hier mehr: Banerjii-Protokolle

In den verbreiteten ophthalmologischen Banerji-Protokollen wird beim Glaukom folgende Kombination genannt:

Argentum nitricum C 200: zweimal täglich
bei deutlich erhöhtem Augeninnendruck zusätzlich Silicea C 30: zweimal täglich

Diese Variante findet sich sowohl in der vorliegenden Protokollübersicht als auch in weiteren Zusammenstellungen zur ophthalmologischen Anwendung der Banerji-Protokolle.

Argentum nitricum wäre dabei das grundsätzliche Glaukommittel des Protokolls. Silicea wird ergänzt, wenn der Augeninnendruck deutlich erhöht ist. Beim Normaldruckglaukom ist diese Ergänzung folglich nicht automatisch angezeigt. Dort würde ich stärker auf das individuelle Gesamtbild achten: niedriger Blutdruck, Migräne, kalte Hände, Schlafprobleme, Gefäßregulation und weitere Begleitsymptome.

Parekh erwähnt in seinen „Additional Benrjis Protocols“

Argentum nitricum C 200 zweimal täglich
Lycopodium C 30 zweimal täglich

Silicea wird dort nicht genannt.

Wie ich homöopathische Mittel auswähle und kombiniere

Ein Protokoll ist kein Grund, wahllos mehrere Mittel nebeneinander einzunehmen. Entscheidend ist zunächst die Glaukomform:

Bei deutlich erhöhtem Druck kann das druckbezogene Banerji-Protokoll erwogen werden.
Beim Normaldruckglaukom steht eher die individuelle Konstitution mit Gefäß-, Kreislauf- und Stressreaktionen im Vordergrund.
Bei einem sekundären Glaukom müssen zunächst Auslöser wie Entzündungen, Verletzungen, Kortison oder Diabetes berücksichtigt werden.

Auch unter homöopathischer Begleitung bleiben Augeninnendruck, Gesichtsfeld, OCT und Sehnervbefund die entscheidenden Kontrollgrößen. Ein Auge, das sich „entspannter“ anfühlt, sagt noch nichts darüber aus, ob der Sehnerv geschützt ist.

Komplexmittel-Homöopathie

Aus dem Bereich der homöopathischen Komplexmittel stehen einige gute Mittel zur Verfügung. Meine Favoriten sind dabei die Regenaplexe: Regenaplexe: Anwendungsgebiete und Indikationen

Beim Glaukom denkt man vor allem an die Nummer: Regenaplex 511b.
Ergänzend kommen im Verlauf der Therapie auch folgende Nummern zum Einsatz: 506a, 506b, 506c, 100/1, 39a, 36a, 21d, 50a, 7, 6, 510a
Die Reihenfolge und Auswahl der Mittel richtet sich nach den Beschwerden und der exakten Diagnose.

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Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!

 

Orthomolekular-Medizin

Beim Glaukom wird zunehmend deutlich, dass nicht nur der Augeninnendruck eine Rolle spielt. Die Nervenzellen der Netzhaut benötigen viel Energie und sind auf leistungsfähige Mitochondrien angewiesen. Genau hier setzt die orthomolekulare Begleittherapie an. Diese soll die Energieversorgung, die Zellmembranen und die Widerstandskraft des Sehnervs unterstützen.

Dabei sind nicht sämtliche „Augenvitamine“ automatisch sinnvoll. Klinisch interessant sind vor allem Nicotinamid, Citicolin, Coenzym Q10 und auch Magnesium.

Nicotinamid und Pyruvat

Nicotinamid ist eine Form des Vitamins B3 und eine Vorstufe von NAD, einem Schlüsselmolekül des mitochondrialen Energiestoffwechsels. Pyruvat wird ebenfalls für die zelluläre Energiegewinnung benötigt.

In einer kleinen randomisierten Studie erhielten Glaukompatienten steigende Dosen von 1.000 bis 3.000 Milligramm Nicotinamid und 1.500 bis 3.000 Milligramm Pyruvat täglich. Nach gut zwei Monaten verbesserten sich mehr einzelne Messpunkte im Gesichtsfeld als unter Placebo. Die globalen Gesichtsfeldwerte zeigten jedoch keine durchgängig überzeugende Verbesserung, und ein langfristiger Schutz des Sehnervs wurde nicht nachgewiesen.

Trotzdem halte ich diesen Ansatz derzeit für einen der spannendsten. Er behandelt nicht nur den Druck, sondern die energetische Belastbarkeit der retinalen Ganglienzellen. Die verwendeten Nicotinamidmengen liegen allerdings weit oberhalb einer normalen Vitaminergänzung. Solche Grammdosen sind pharmakologische Dosierungen und gehören nicht in einen unkontrollierten Selbstversuch. Wichtig ist außerdem: Nicotinamid ist nicht dasselbe wie Niacin beziehungsweise Nicotinsäure.

Citicolin

Citicolin ist ein körpereigener Baustein für Phospholipide und damit für die Stabilität von Zellmembranen bedeutsam. Außerdem beeinflusst es neuronale Signalwege und wird seit Langem als neuroprotektive Substanz untersucht.

Besonders interessant ist eine dreijährige randomisierte Studie mit 80 Patienten, deren Glaukom trotz gut eingestelltem Augeninnendruck weiter fortschritt. Citicolin-Augentropfen bremsten gegenüber Placebo den Verlust der retinalen Nervenfaserschicht. Auch das zentrale Gesichtsfeld entwickelte sich günstiger; beim üblichen 24-2-Gesichtsfeldtest wurde der Unterschied allerdings knapp nicht statistisch signifikant.

Auch orale Studien zeigen Verbesserungen elektrophysiologischer Messwerte und teilweise der sehbezogenen Lebensqualität. Noch ist aber nicht abschließend bewiesen, dass Citicolin den Glaukomverlauf dauerhaft aufhält. Es gehört dennoch zu den orthomolekularen Substanzen, die ich besonders bei einer dokumentierten Verschlechterung trotz akzeptabler Druckwerte ernsthaft prüfen würde.

Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist für die mitochondriale Energieproduktion notwendig und zugleich ein wichtiger antioxidativer Schutzstoff. Das macht es für Nervenzellen mit hohem Energiebedarf grundsätzlich interessant.

Klinische Studien beim Glaukom wurden bislang vor allem mit Coenzym-Q10-haltigen Augentropfen in Kombination mit Vitamin E durchgeführt. Dabei verbesserten sich bestimmte elektrophysiologische Messwerte der Netzhaut und der Sehbahn. Eine neuere Untersuchung fand außerdem günstigere Entwicklungen beim Gesichtsfeld und bei der Dicke der Nervenfaserschicht.

Man muss die Grenzen sehen: Untersucht wurde eine Kombination aus Coenzym Q10 und Vitamin E, meist als Augentropfen. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine beliebige orale Q10-Kapsel denselben Effekt besitzt.

Magnesium – vor allem beim Normaldruckglaukom

Magnesium ist besonders bei Patienten mit Normaldruckglaukom, Migräne, kalten Händen, Gefäßkrämpfen oder niedrigen Blutdruckwerten interessant. Es beeinflusst Gefäßtonus, Nervenreizbarkeit und zahlreiche mitochondriale Enzymreaktionen.

In einer kleinen Studie erhielten 15 Patienten mit Normaldruckglaukom einen Monat lang täglich 300 Milligramm Magnesiumcitrat. Einige Gesichtsfeldwerte verbesserten sich gegenüber der unbehandelten Kontrollgruppe. Eine messbare Verbesserung der Augendurchblutung ließ sich allerdings nicht feststellen.

Was ich NICHT wahllos ergänzen würde

Für Vitamin C, Vitamin E, Zink, Selen, Alpha-Liponsäure, Carnitin oder Omega-3-Fettsäuren gibt es zwar plausible Mechanismen und zahlreiche experimentelle Untersuchungen. Ein belastbarer Nachweis, dass diese Substanzen für sich allein das Fortschreiten eines Glaukoms verhindern, fehlt jedoch.

Auch bei Kombinationspräparaten bleibt häufig unklar, welcher Bestandteil überhaupt wirksam war. Ein Produkt mit acht Inhaltsstoffen kann einen interessanten Studienbefund liefern – es beantwortet aber nicht die Frage, welche dieser acht Substanzen der Patient tatsächlich benötigt.

In der Praxis würde ich deshalb nicht alles wahllos einsetzen! Nicotinamid und Pyruvat kommen vor allem für die mitochondriale Energieversorgung infrage, Citicolin bei fortschreitenden Schäden trotz gutem Augeninnendruck und Magnesium eher bei einem Normaldruckglaukom mit vaskulären Auffälligkeiten. Coenzym Q10 ist interessant, besitzt bislang aber vor allem Daten aus speziellen Augentropfenpräparaten.

Die Auswahl sollte sich am konkreten Befund orientieren und nicht daran, was gerade auf einer Packung als „Augenkomplex“ verkauft wird.

Säure-Basen-Haushalt

Eine eingeschränkte Mikrozirkulation, Sauerstoffmangel, mitochondrialer Stress und eine vermehrte Laktatbildung können zu lokalen pH-Verschiebungen führen. Das beeinflusst Enzymaktivität, Zellmembranen, Gefäßregulation und die Energieversorgung der Nervenzellen. Gerade die retinalen Ganglienzellen reagieren auf solche Belastungen empfindlich, weil ihr Energiebedarf hoch ist.

Eine gemüse- und mineralstoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und eine gute Atmung können den Säure-Basen-Haushalt und die Geweberegulation unterstützen. Basenpräparate können in bestimmten Fällen sinnvoll sein, sind aber kein Selbstzweck und schon gar keine eigenständige Glaukomtherapie. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Ernährung, Verdauung, Nierenfunktion, Medikamenten, Stoffwechsel und individueller Belastung.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Säure-Basen-Haushalt bei der Einnahme von Carboanhydrasehemmern wie Acetazolamid. Diese können Bicarbonatverluste und Verschiebungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt begünstigen. Hier sollten Nierenwerte, Elektrolyte und Verträglichkeit kontrolliert werden.

Schüßler Salze

Man kann die Schüßler Salze einsetzen. Ich gehe aber fast immer auf die homöopathischen Mittel, weil ich diese für spezifischer halte.
Beim Glaukom denken wir an folgende Schüßler Salze:
  • Kalium chloratum (Schüssler Nr 4),
  • Kalium phosphoricum (Schüssler Nr 5),
  • Magnesium phos. (Schüssler Nr 7),
  • Natrium chlor. (Schüssler Nr 8),
  • Natrium phos. (Schüssler Nr 9),
  • Silicea (Schüssler Nr 11)

Schlafposition und nächtliche Druckbelastung

Im Liegen steigt der Augeninnendruck bei vielen Menschen an. Kleine Studien zeigen, dass eine echte Anhebung des gesamten Bettkopfes um etwa 20 bis 30 Grad den nächtlichen Druck reduzieren kann. Mehrere übereinandergestapelte Kissen sind nicht dasselbe: Sie können den Hals abknicken oder die Halsvenen komprimieren und dadurch sogar ungünstig sein.

Eine leichte Anhebung des gesamten Bettkopfes kann den nächtlichen Augeninnendruck vermindern. Gemeint ist eine Schrägstellung der Liegefläche beziehungsweise des oberen Bettbereichs nicht ein Turm aus Kissen, durch den der Hals abgeknickt wird.

Wer bevorzugt immer auf derselben Seite schläft und auf dieser Seite den deutlich stärkeren Augenschaden hat, sollte sich oben nochmal meinen Punkt zur Chiropraktik genau anschauen! Schlafpositionen sind nicht die Ursache jedes Glaukoms, können aber bei nächtlichen Druckspitzen ein zusätzlicher Faktor sein, ebenso wie Probleme in der HWS.

Stressregulation, Atmung und Entspannungsverfahren

Chronischer Stress beeinflusst Sympathikus, Cortisol, Gefäßtonus und wahrscheinlich auch den Augeninnendruck. Mehrere kleinere randomisierte Studien mit Glaukompatienten berichten unter täglicher Meditation beziehungsweise achtsamkeitsbasierter Stressreduktion über niedrigere Druckwerte, günstigere Stressmarker, bessere Durchblutungsparameter am Sehnerv und eine höhere Lebensqualität. Auch eine 2024 veröffentlichte Studie zur langsamen „365-Atmung“ fand niedrigere Druck- und Cortisolwerte sowie eine günstigere autonome Regulation.

Ich arbeite hier je nach Patient mit ruhiger Bauchatmung, verlängertem Ausatmen, autogenem Training oder anderen Entspannungsverfahren. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung der Methode, sondern dass der Patient regelmäßig aus der dauernden sympathischen Anspannung herauskommt. Besonders interessant ist das bei Normaldruckglaukom, Migräne, Schlafproblemen, innerer Unruhe und einer auffälligen Gefäßregulation.

Störfelder (Zähne, Tote Zähne, Nasennebenhöhlen)

Gerade beim Grünen Star würde ich nach mögliche Störfelder im Kopfbereich fahnden. Zähne, Kiefer und Nasennebenhöhlen liegen anatomisch und funktionell näher am Auge, als es die übliche fachärztliche Aufteilung vermuten lässt. Chronische Entzündungen an wurzelbehandelten oder abgestorbenen Zähnen, unbemerkte Entzündungsherde an den Wurzelspitzen, Parodontitis und chronisch belastete Nebenhöhlen können das Entzündungsmilieu, die vegetative Regulation und möglicherweise auch die Mikrozirkulation ungünstig beeinflussen.

Das ist nicht nur eine „naturheilkundliche Vermutung“ wie uns immer wieder nachgesagt wird. Beobachtungsstudien fanden bei Parodontitispatienten ein erhöhtes späteres Glaukomrisiko; auch Unterschiede der Zahngesundheit und des oralen Mikrobioms wurden bei Patienten mit Offenwinkelglaukom beschrieben. Ebenso war eine chronische Rhinosinusitis in großen Kohorten mit einem erhöhten Risiko für Offenwinkel- und Normaldruckglaukome verbunden. Damit ist noch nicht bewiesen, dass ein bestimmter Zahn oder eine Nebenhöhle das Glaukom verursacht. Es ist aber ein Hinweis und ich sehe die Zusammenhänge in der Praxis ja…

Nach meiner Erfahrung finden sich bei praktisch allen Glaukompatienten auffällige Belastungen im Bereich der Zähne oder Nasennebenhöhlen. Besonders aufmerksam werde ich bei einem Normaldruckglaukom, bei einer Verschlechterung trotz gut eingestelltem Augeninnendruck sowie bei gleichzeitigem Kopfdruck, häufigen Nebenhöhlenproblemen, Gesichtsschmerzen, auffälligem Mundgeruch, Parodontitis oder wurzelbehandelten Zähnen.

Sinnvoll sind dann eine gründliche zahnärztliche und gegebenenfalls kieferchirurgische Untersuchung sowie eine Beurteilung der Nasennebenhöhlen durch einen erfahrenen HNO-Arzt. Dabei genügt es nicht, nur nach akuten Schmerzen zu fragen. Chronische Herde können lange stumm bleiben. Nicht jeder auffällige Zahn muss entfernt und nicht jeder Schleimhautbefund behandelt werden. Entscheidend ist, ob der Befund tatsächlich als Störfeld infrage kommt und zum Gesamtbild des Patienten passt.

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Dieser Beitrag wurde 2008 erstellt und letztmalig am 16.7.2026 komplett überarbeitet.

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