DMSO - Über die "Wunder"-Eigenschaften und Wirkungen des Dimethylsulfoxid

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

In den letzten Jahren werde ich immer mal wieder zum DMSO gefragt. Als "Wundermittel" wird es teilweise angepriesen. Und da ist es für mich immer mal an der Zeit, einen genaueren Blick hinzuwerfen:

DMSO ist ein organisches Lösungsmittel, das polare und nicht polare Substanzen nahezu gleich gut lösen kann. Es dringt leicht in die Haut ein. Einmal aufgetragen, zeigt es eine ungewöhnliche Eigenschaft

Der Anwender verspürt nach dem Auftragen einen knoblauchartigen Geschmack im Mund. Diese „Nebenwirkung“ ist bestenfalls als subjektiv ertragbar oder auch nicht zu beschreiben.

Bei der Anwendung im medizinischen Bereich scheiden sich jedoch die Geister, ob DMSO eine Berechtigung hat und welche „schwerwiegenden“ Nebenwirkungen von der Substanz ausgehen könnten. Und das ist durchaus einer gesonderten Betrachtung wert.

Denn: DMSO ist eigentlich ein Abfallprodukt der Holzindustrie. Und damit kommen wir zu...

Geschichte, Geschichten und Kontroversen

Die „Entdeckung“ als Behandlungsmethode begann im Jahr 1961. Dr. Stanley Jacob von der Oregon Health & Science Universität entdeckte zu dieser Zeit, dass DMSO die Fähigkeit besaß, schnell und tief in die Haut einzudringen, ohne dass es die Haut schädigte. In der Folge widmete er sich der Erforschung dieser Substanz und der Frage, welche medizinischen Indikationen DMSO abdecken könnte.

Es dauerte auch nicht lange, und Öffentlichkeit und Schulmedizin bekamen Wind von diesen Forschungen. Von Vorteil war hier, dass DMSO in der Industrie schon seit Längerem im Einsatz war – vornehmlich als Lösungsmittel. Die Substanz war also so gut wie frei zugänglich und dementsprechend hoch war auch die Rate an „Selbstversuchen“ von Patienten. Dieses öffentliche Interesse kollidierte aber mit den Bemühungen von Dr. Jacob und später der FDA, die herausfinden wollten, ob DMSO sicher ist. Etliche Nebenwirkungen, die nicht ausbleiben konnten, ließen die Substanz in der Folge in einem nicht so guten Licht erscheinen. Damit flachte auch das Interesse an DMSO mit der Zeit ab.

Aber warum führt die Substanz ein Schattenleben in der Schulmedizin, wenn auch nur die Hälfte der Indikationsstellungen für die Substanz, die Dr. Jacobs und andere Wissenschaftler herausgefunden haben, therapeutisch durchführbar sind?

Dr. Jacob gibt als Antwort, dass der Einsatz von DMSO vergleichbar ist mit einem viereckigen Bolzen, der in ein rundes Loch geschlagen werden soll. Die Anwendung von DMSO folgt nicht dem „Schieß-Medizin-Ansatz“, wo man mit einer Flinte auf eine Krankheit zielt. Inzwischen haben Schulmedizin und Pharmaindustrie auch erkannt, dass es möglich ist, mit einer Substanz verschiedene Erkrankungen abzudecken. Das Resultat ist aber nicht ein kontrollierter Einsatz solcher Substanzen, sondern oft eine willkürliche Indikationserweiterung. Denn die bringt neue Kunden und damit mehr Umsatz. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Die unangenehme Eigenschaft von DMSO (diesen charakteristischen Knoblauchgeschmack auf der Zunge zu erzeugen, auch wenn die Anwendung über die Haut erfolgt), macht doppelblinde, Plazebo kontrollierte Studien fast unmöglich. Denn bei einer solchen Studie verrät sich die Substanz durch ihren charakteristischen Geschmack. Diese geschmackliche Veränderung könnte auch mit ein Grund sein, warum sich die Pharmaindustrie nicht so sehr für die Substanz interessiert, da ein solches Produkt nicht leicht zu vermarkten ist.

Wenn man dann noch bedenkt, dass niemand für DMSO ein Patent anmelden kann, dann wird die Substanz auf wirtschaftlicher Sicht besonders uninteressant. Denn die Indikationen, die DMSO abdecken soll laut Dr. Jacob, wird von patentierbaren „Eigenerfindungen“ der Pharmaindustrie abgedeckt.

DMSO und die FDA

Die ursprüngliche Begeisterung für die Substanz lockte eine Reihe von pharmazeutischen Firmen auf den Plan, die sich an klinischen Studien erprobten. Im November 1965 starb eine Frau in Irland unter einer Behandlung mit DMSO aufgrund einer allergischen Reaktion. Sie nahm neben DMSO noch andere Medikamente. Bei der Frau wurde aber in der Folge keine Autopsie durchgeführt, so dass die wahre Todesursache unklar blieb. Für die „Fachwelt“ jedoch stand sonnenklar fest, dass nur DMSO der Grund für den Tod sein konnte. Nach zwei weiteren Monaten zwang die FDA die Betreiber der Studie, selbige abzubrechen.

Nach rund 20 Jahren mit etlichen klinischen Studien und Laborstudien gab es keinen einzigen weiteren Todesfall. Auch die zuvor anscheinend beobachteten Veränderungen in den Augen der Probanden durch DMSO konnte nicht reproduziert werden. Aber bis heute weigert sich die FDA standhaft, neue Studien zum DMSO zuzulassen. Sie ließ nur eine einzige Indikation zu, den Einsatz der Substanz bei einer interstitiellen Blasenentzündung. Diese Zulassung erfolgte im Jahr 1978. Heute erlaubt die FDA einigen wenigen Spezialisten mit Sonderindikationen, DMSO zu benutzen und zu erforschen.

DMSO und sein Indikationskatalog

Analgetische Effekte

Die Fähigkeit, in die Haut einzudringen, wurde als erstes nachgewiesen. In der Folge sahen die Forscher dann, dass DMSO auch durch Membranen wandern kann. Die Fähigkeit dazu hängt allerdings von der Konzentration der Lösung ab. Eine Lösung zwischen 70 und 90 Prozent zeigt die besten Effekte. Eine Lösung mit mehr als 90 Prozent dagegen lässt die Membrangängigkeit wieder sinken. Konzentrationen, die geringer ausfallen, sind ebenfalls in der Lage, Membranen zu durchdringen, so dass eine 15-prozentige DMSO-Lösung keine Mühe hat, die Blase zu erreichen.

Diese Fähigkeit macht DMSO zum geeigneten Wirkstoffträger. So werden an DMSO gebundene Substanzen, wie Morphine, Penicilline, Steroide, Insulin etc., „huckepack“ transdermal appliziert und erreichen schneller ihre Wirkorte.

DMSO wurde in erster Linie als lokal appliziertes Schmerzmittel eingesetzt, eine Lösung, die aus 70 Prozent DMSO und 30 Prozent Wasser besteht. Laborstudien zeigten den Wirkmechanismus, der die analgetische Wirkung verursacht (Dimethyl sulfoxide (DMSO) blocks conduction in peripheral nerve C fibers). Es gibt einige klinische Studien, die die Wirksamkeit belegt haben (Dimethyl sulfoxide in musculoskeletal disorders). Eine Studie (The use of DMSO in tennis elbow and rotator cuff tendonitis: a double-blind study) zeigte keinen günstigen Effekt. Allerdings könnte man hier einwenden, dass die Plazebogruppe eine angeblich nicht wirksame Lösung von 5 Prozent DMSO erhalten hatte, die mit der 70-prozentigen Verumlösung verglichen wurde. Es könnte hier immer noch möglich sein, dass auch eine Lösung in geringer Konzentration noch wirksam ist und somit keine signifikanten Unterschiede zu einer höher konzentrierten Lösung zeigt. Verbrennungen, Schnitte und Verstauchungen und Verrenkungen sind mit DMSO behandelt worden. Die schmerzlindernde Wirkung tritt augenblicklich ein und hält bis zu 6 Stunden an. Andere Behandlungsmethoden zeigen erst nach Wochen der Behandlung einen Effekt bei Patienten mit chronischen Schmerzen. Laut Dr. Jacob ist DMSO die einzige Substanz, die zu eine so schnellen Wirkung fähig ist.

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Entzündungen

DMSO dämpft Entzündungen über verschiedene Mechanismen. Es wirkt anti-oxidativ im Bereich der Verletzung (Role of oxygen-derived free radicals in hemorrhagic shock-induced gastric lesions in the rat.). Eine klinische Arbeit mit 150 Patienten, die unter einer Colitis ulcerosa litten, bestätigte diese Ergebnisse am Menschen. Dabei zeigte sich, dass DMSO Membranen stabilisiert und den unkontrollierten Austritt von Zytoplasma verhindert.

Eine Arbeit aus dem Jahr 1978 zeigte an 213 Patienten mit Entzündungen im Urogenitaltrakt (Dimethyl sulfoxide in treatment of inflammatory genitourinary disorders.) eine signifikante Verbesserung der Symptomatik dieser Patienten. Daher empfahlen die Autoren den Einsatz von DMSO bei Entzündungsprozessen, die auf nicht-bakterieller Basis oder einem Tumor beruhen.

Allerdings „behandelt“ man hier mit Hilfe von DMSO Symptome und keine Ursachen. Aber in einer Reihe von Fällen ist die Eindämmung von Entzündungen, ohne dabei deren Ursachen mit einzubeziehen, der erste Schritt, um den Patienten von Schmerzen und Unwohlsein zu befreien. Und Entzündungen sind, besonders wenn sie chronisch werden, potente Auslöser von Gewebeveränderungen, die bis hin zu Tumorbildung führen können.

Sklerodermie

Sklerodermie ist glücklicherweise eine sehr seltene Erkrankung. Aber sie kann tödlich enden oder zumindest zu Deformierungen führen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Bindegewebeverhärtung. Diese Verhärtung kann auf die Haut beschränkt bleiben oder aber auch Organe mit einbeziehen, wie Verdauungstrakt, Lungen, Herz, Nieren etc. Die schulmedizinisch-medikamentöse Therapie sieht im Wesentlichen Chemotherapeutika als Mittel der Wahl an, aber auch nur, um den Krankheitsverlauf aufzuhalten. Eine Heilung gibt es für die Schulmedizin hier nicht.

Eine Arbeit aus dem Jahr 1967 (Further observations on the effect of dimethyl sulfoxide in patients with generalized scleroderma. (Progressive systemic sclerosis).) untersuchte 42 Patienten mit Sklerodermie, bei denen alle damals üblichen Behandlungsmethoden versagt hatten. Die Autoren sahen bei 26 dieser 42 Patienten ausgezeichnete Verbesserungen des Krankheitsverlaufs und -bildes. Es zeigten sich Veränderungen im betroffenen Gewebe und einsetzende Heilungsprozesse von ischämischen Geschwüren an den Fingern, eine Abnahme von Schmerzen und Steifheit der Glieder und eine Zunahme der Stärke.

Eine andere Arbeit aus dem Jahr 1985 (Double-blind, multicenter controlled trial comparing topical dimethyl sulfoxide and normal saline for treatment of hand ulcers in patients with systemic sclerosis.) kommt allerdings zu komplett gegenteiligen Ergebnissen. Hier wird sogar von einer „signifikanten Toxizität von DMSO auf die Haut“ gesprochen.

Arthritis

Arthritis, wie der Name schon ankündigt, ist mit Entzündungen der Gelenke verbunden. Eine anti-entzündliche Substanz, wie DMSO, könnte somit bei dieser Indikation gute Dienste leisten. Eine Laborstudie mit Ratten zeigte eine deutliche Besserung des Krankheitsbildes nach der Behandlung mit DMSO (Attenuation of adjuvant arthritis in rats by treatment with oxygen radical scavengers.). Klinische Studien mit Patienten scheint es nur aus den 1960er und 70er Jahren zu geben, leider alle Veröffentlichungen ohne Abstract. Wie es aussieht, ist die Substanz für diese Indikation entweder in Vergessenheit geraten, aus welchem Grund auch immer. Oder aber sie hat sich nicht so bewährt seitens Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Andere mögliche Anwendungen und Indikationen

Dr. de la Torre von der Universität von Chicago stellte 1973 fest, dass bei einer Steigerung des intrakraniellen Drucks (Hirndruck), einem Zustand, der eine intensivmedizinische Überwachung erfordert, DMSO schneller diesen (Über)Druck senkt als andere Medikamente (Dimethyl sulfoxide in the treatment of experimental brain compression). DMSO stabilisiert den Blutdruck, verbessert die Atmung und erhöht die Urinproduktion um den Faktor 5. Außerdem erhöht DMSO den Blutfluss in der Wirbelsäule zu verletzten Arealen. Dr. de la Torre setzte seitdem DMSO bei Patienten mit schweren Kopfverletzungen ein, vor allem bei Fällen, bei denen der Hirndruck nicht nachließ, trotz des Einsatzes von Mannitol, Steroiden und Barbituraten.

Weitere (propagierte) Indikationen sind:

  • Nasennebenhöhleninfektionen
  • interstitielle Cystitis (chronische Blasenentzündung) – FDA
  • Zulassung in den USA
  • Herpes und Gürtelrose 
  • Multiple Sklerose 
  • systemischer Lupus erythematodes
  • (Schmetterlingsflechte, seltene Autoimmunerkrankung)
  • Sarkoidose (systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung)
  • Thyroiditis (eine Entzündung der Schilddrüse)
  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung)
  • Lepra
  • Krebs 
  • und anderen Krankheitszuständen

DMSO in Deutschland

Nachdem DMSO in Deutschland in den 60er Jahren kurz eingeführt worden war, verschwand es fast so schnell wie es aufgetaucht war. Im Jahr 1982 wurde die Substanz wieder eingeführt in Form eines Gels: Das Dolbene Gel. Es handelt sich hier um eine Sportsalbe von Merckle. Das Gel besteht aus 15 Prozent DMSO, was relativ gering dosiert ist. Höher dosierte Medikamente mit DMSO sind augenblicklich noch nicht oder nur über Sonderverordnung erhältlich.

Fazit

DMSO als Abfallprodukt der Holzindustrie – das ist kein überzeugendes Argument für einen Einsatz. Denn Fluor und Aluminium, die uns in die Zahnpasta und Impfungen gesteckt werden, sind ebenfalls industrielle Abfallprodukte, die man in humanen Müllhalden gewinnbringend entsorgt.

Bei DMSO allerdings scheint das Abfall-Argument nicht unbedingt zuzutreffen. Vor allem ältere Studien aus der „Hochzeit“ des DMSO zeigen günstige Effekte bei verschiedenen Indikationen. Auf der anderen Seite gibt es keine nennenswerten Nebenwirkungen. Nur länger anhaltende Einwirkung in hohen Konzentrationen von DMSO können die Leber und Nieren schädigen. Da DMSO als Wirkstoffträger dient, ist es auch denkbar, dass toxische Stoffe an DMSO binden und somit leichteren Zugang über die Haut zum Organismus haben. DMSO verstärkt die Wirkung von Blutverdünnern, Steroiden, Herz-Kreislauf-Medikamenten, Schlafmitteln und so weiter.

Fazit vom Fazit

Unter dem Strich ist DMSO eine interessante Substanz. Aber es gibt für den so eben besprochenen Indikationskatalog eine lange Liste an Heilpflanzen, die in Wirkung und Verträglichkeit ähnlich gute oder sogar noch bessere Wirkungen haben.

Bei speziellen Indikationen, wie zum Beispiel den erhöhten Hirndruck, jedoch scheint DMSO konkurrenzlos zu sein. Von daher würde ich auf DMSO zurückgreifen, wenn die Optionen von Homöopathie, Heilpflanzen oder zum Beispiel Heilpilzen ausgeschöpft sind oder keinen zufriedenstellenden Erfolg gebracht haben.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 13.05.2015 aktualisiert.

 

 

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