Opioide – Die harten Schmerzmittel

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Zur Behandlung von Schmerzen stehen der Medizin verschiedene Strategien zur Verfügung. Die Therapie setzt sich vielfach aus einer Kombination zusammen, bei der physikalische, physiotherapeutische sowie medizinische Ansätze miteinander verbunden werden. Im Vordergrund stehen Analgetika, wobei es vor allem die nicht-opioiden Präparate sind, die zum Einsatz kommen. Diese sind i.d.R. frei verkäuflich und weisen bei kurzzeitigem Gebrauch meist nur geringe Nebenwirkungen auf. Opioide dagegen sind immer verschreibungspflichtig. Ihre Wirkung ist wesentlich stärker, Mediziner sind jedoch zurückhaltender in der Verordnung und das nicht ohne Grund.  Je nach zu behandelndem Beschwerdebild, Anwendungsdauer sowie Dosierung und Wirkstoff des jeweiligen Präparates kann es durch den Einsatz von Opioiden zu verschiedenen, z.T. schweren Nebenwirkungen kommen. Der Medizin stehen jedoch nur eingeschränkte Möglichkeiten und Erkenntnisse zur Verfügung, um diese unerwünschten Beschwerden so gering wie möglich halten zu können.

Opioide sind besonders wirksame Analgetika, die vor allem zur Behandlung von (chronischen) Schmerzen eingesetzt werden, meist verursacht durch schwere Grunderkrankungen, wie zum Beispiel einen Tumor. Opioide setzten am ZNS (zentrales Nervensystem) an. Sie blockieren bestimmte Opioid-affine Rezeptoren (Opiatrezeptoren) im Rückenmark und Gehirn, wodurch die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzempfindungen gehemmt wird. Der Schmerz ist nach wie vor vorhanden, wird jedoch nicht mehr als störend bzw. lebensbedrohlich empfunden.

Opioide werden in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Zur Verfügung stehen Tabletten, Zäpfchen, Lösungen, Injektionen, Infusionen (auch Schmerzpumpen) sowie Pflaster. Die zur Anwendung kommende Form ist dabei vor allem abhängig von dem Allgemeinzustand der zu behandelnden Person (zum Beispiel wach, ansprechbar, orientiert) sowie der gewählten Behandlungsstrategie (zum Beispiel Therapie zuhause oder in einer Klinik). Infusionen sind u.a. sinnvoll, wenn der Magen geschont werden soll, Pflaster lassen sich sehr gut im Alltag anwenden (die Einnahme von Tabletten kann rasch vergessen werden). Generell bevorzugen Ärzte jedoch die Darreichungsform als Tablette, hier tritt die Wirkung zeitverzögert ein (Retard-Wirkung).

Die Gabe von Opioiden ist verbunden mit einer Reihe von zentral und peripher verursachten Nebenwirkungen sowie dem Risiko abhängig zu machen. Deshalb schrecken viele Menschen vermutlich vor der Einnahme zurück und auch Ärzte zeigen sich eher verhalten gegenüber einer Verschreibung. Jedoch sind diese Analgetika in sehr schweren Fällen das Mittel der Wahl. Sie helfen u.a. bei Krebserkrankungen, durch Arthrose oder Osteoporose verursachten Schmerzen, während und nach Operationen, bei unfallbedingten Beschwerden oder auch Koliken im Bereich des Darms.

Zu den zentralen Nebenwirkungen zählen zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, die Atemdepression (herabgesetzte Atmung), die Versteifung der Skelettmuskulatur, Schwindelattacken (Blutdruckabfall durch Weitstellung der Gefäße), eine verminderte Diurese (Harnproduktion), die Euphorie bzw. Minderung von Angstzuständen sowie die Miosis (temporäre Verengung der Pupillen). Seltene Nebenwirkungen sind u.a. ein Juckreiz (durch Freisetzung von Histamin), Herzrhythmusstörungen, Mundtrockenheit sowie eine Atemdepression (verminderte Atmung, die bis zum Atemstillstand führen kann).

Periphere Nebenwirkungen sind z.B. die Darmträgheit, die Obstipation (Stuhlverhalt) oder eine ausbleibende Urinausscheidung (Harnverhalt).

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Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) sollten Schmerzen abhängig von ihrer Stärke und der verursachenden Erkrankung behandelt werden. So stehen für leichte Beschwerden nicht-opioide Analgetika (zum Beispiel Paracetamol, Diclofenac) zur Verfügung.

Für die Behandlung mittelstarker Schmerzen werden schwach-wirksame Opioide eingesetzt. Hierzu zählen zum Beispiel Tramadol (Tramal®) und Tilidin (Valoron®).
Das bekannteste und nach wie vor effektivste Mittel ist Morphium (Morphin). Es zählt zu den starken Opioiden und wird bei besonders starken Schmerzen verordnet. Weitere Opioide dieser Klasse sind u.a. Fentanyl (Duragesic®), Buprenorphin (Temgesic®) und Levomethadon (Polamidon®).

Um eine schmerzlindernde Wirkung erzielen zu können, ist es bei der Gabe von Opioiden wichtig, den durch sie ins Blut abgegebenen Spiegel an Wirksubstanzen relativ gleichbleibend zu halten. Hierzu ist die Einnahme nach einem zuvor festgelegten Schema besonders wichtig. Die regelmäßige Einnahme bewirkt u.a., dass bestimmte Nebenwirkungen sich bessern oder vollständig geben. Sie führt jedoch auch dazu, dass sich der Organismus an den Wirkstoff gewöhnt (= drohende Abhängigkeit). Bei bestimmten Erkrankungen kann dies dazu führen, dass die Dosierung erhöht werden muss, um den gleichen Effekt erzielen zu können (= Toleranzentwicklung). Dies erscheint wie ein Teufelskreis, aus dem man scheinbar nur schwer wieder herauskommt.

In Deutschland leiden gut fünf Millionen Menschen an verschiedenen Formen von chronischen oder den Alltag deutlich beeinflussenden Schmerzen. Studien gehen davon aus, dass gut jeder sechste Beschwerdefall einer intensiven Analgetika-Therapie bedarf. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist jedoch die Verordnung von Opioiden wesentlich geringer. Vermutet wird, dass Mediziner vor allem die Nebenwirkungen sowie die Gefahr eines Missbrauchs fürchten. Zudem ist die Anwendung der Opioide nach dem Betäubungsmittelgesetz (BTM) geregelt und unterliegt einer strengen Kontrolle, die den Medizinern einen hohen bürokratischen Aufwand abverlangt. 
Zu den Nebenwirkungen der Opioide gehören neurologische Einschränkungen, wie die ärztliche Erfahrung zeigt und Studien belegen. Die regelhafte Einnahme von Opioiden kann die aktive Teilnahme am Leben beeinträchtigen (zum Beispiel Autofahren, Bedienen von Maschinen). Nicht immer ist dies der Fall und von Individuum zu Individuum sehr verschieden, sodass dies mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden sollte.

Opioide sind potentiell suchterzeugend. Die Gefahr einer Abhängigkeit durch die Behandlung von Schmerzen war der Grund für die restriktive deutsche Gesetzgebung. Im Blick hatten die Gesundheitspolitiker dabei, dass Opioide einigen illegalen Drogen wie Heroin sehr ähnlich oder fast identisch sind. Sie fürchteten den nahtlosen Übergang von der Opioid-Medikation zum Konsum verbotener und verunreinigter Drogen.

Kritiker der streng begrenzten Opioid-Anwendung beriefen sich auf Studien, in denen das Sucht-Risiko als gering bewertet wurde. Jedoch waren dies Untersuchungen, die Patienten nur über einen Zeitraum von einigen Wochen beobachteten. US-amerikanische Langzeit-Studien belegen indes die immense Suchtgefahr, die die Opioide mit sich bringen. In den USA ist der Umgang mit den diesen Medikamenten sehr viel legerer. Ärzte verschreiben sie eilfertiger, weil die liberalen Gesetze dies erlauben. Sogar Kinder ab 11 Jahren dürfen die legalen Drogen bekommen. Wissenschaftliche Forschungen haben nachgewiesen, dass dies zu einem enormen Anstieg der Drogenabhängigkeit geführt hat. So hat sich in den Jahren zwischen 2002 und 2011die Zahl der abhängigen Jugendlichen in den USA verdoppelt. Erfasst wurden in der Studie Konsumenten illegaler Drogen und Menschen, die opioide Medikamente missbrauchen, weil sie infolge ihrer Sucht die Kontrolle verloren hatten. 2016 waren schätzungsweise 10 % aller US-Amerikaner süchtig nach opioiden Medikamenten und illegalen Drogen. Allein in Ohio sind wöchentlich rund 25 Drogentote durch Überdosierungen zu verzeichnen.

Suchtforscher halten den Zusammenhang zur ausufernden Verschreibung von Opioiden für unbestreitbar. Die Präparate sind Einstiegsdrogen und erwiesen sich so als tödliche Falle.
Doch die zentral wirksamen Medikamente töten auch ohne den Umweg über den Drogen-Schwarzmarkt: Von 550 Patienten, die Opioide noch nicht einmal wegen schwerer Tumor-Erkrankungen erhalten, stirbt einer im Laufe der Dauer-Medikation nach zweieinhalb Jahren an den Folgen der Pharmaka. Mediziner warnen daher eindringlich gerade vor dem Dauergebrauch. Gefährdete Menschen können sogar schon nach einer einzigen Dosis in eine lebensgefährliche Sucht abgleiten.          

Für US-amerikanische Kritiker der laxen Handhabung von Opioiden ist das strenge deutsche BTM ein Vorbild. Die Skeptiker in den USA kommen nicht nur aus den Reihen der Ärzte, sondern auch aus Polizei und Justiz, die mit den täglichen Problemen der Drogen-Kriminalität konfrontiert sind. Doch die mächtige Pharma-Lobby steht politischen Maßnahmen gegen den Medikamenten-Missbrauch und deren Folgen entgegen. Zu lukrativ ist das Geschäft mit den legalen Drogen. So wurde mit dem Präparat Oxicontin 2010 ein Umsatz von 3,1 Milliarden Dollar erzielt. Und das konnte Schätzungen zufolge nur ein Drittel des gesamten Marktes sättigen. 

Die bedenklichen Folgen für die Gesundheit des Einzelnen und die Gesellschaft weisen deutlich darauf hin, dass bei Weitem nicht jeder Mensch für eine Therapie mit Opioiden geeignet ist. So ist der Einsatz zum Beispiel auch kontraindiziert bei einer Schwangerschaft, der akuten Pankreatitis, einem erhöhten Hirndruck oder einer Lungenerkrankung. Und auch bei Menschen, die sich in einer Suchtabhängigkeit befinden oder zuvor einmal befanden, ist Vorsicht geboten. Dies betrifft auch die Abhängigkeit von anderen, nicht zentral wirksamen Schmerzmitteln oder beispielsweise Codein. Hier sollte der behandelnde Arzt das Für und Wider genauestens prüfen.
Opioide dürfen keinesfalls von heute auf morgen abgesetzt werden. Dies geschieht in der Regel in einem schleichenden Prozess, der Wirkstoff wird dabei langsam reduziert. Dies kann der Symptomatik entgegenwirken, die ansonsten in schwerer Form in Erscheinung tritt. Klassisches Beispiel für ein abhängigkeitserzeugendes Opioid ist Heroin. Hier hat der abrupte Stopp fatale Folgen für die betroffene Person (kalter Entzug).

Die sich beim Absetzen eines Opioides zeigenden Symptome sind vergleichbar mit Entzugserscheinungen nach Drogenkonsum. So kommt es u.a. zu einer motorischen Unruhe, zu Kaltschweißigkeit, Gänsehaut, erhöhter Atemfrequenz, einem Blutdruckanstieg, Niesen, Tränenfluss sowie Schmerzen. Je langsamer ein Präparat ausgeschlichen (abgesetzt) wird, desto weniger stark zeigen sich in vielen Fällen diese Symptome. Und sie sind in der Regel nach wenigen Wochen überstanden. Noch bedeutender ist jedoch der Einfluss von Opioiden auf die Psyche. Die durch das Analgetikum vermittelte Euphorie (vermutlich verantwortlich für das Abhängig-machen) verwandelt sich nach dem Absetzen unter Umständen in Trauer, Depression oder Angst und bedarf der genauen Überwachung durch den behandelnden Arzt. Die euphorische Komponente ist es auch, die dazu führt, dass Menschen noch Jahre nach dem Absetzen einen gewissen Drang verspüren, den Wirkstoff konsumieren zu wollen (Suchtfaktor). Für viele Sucht-Patienten bleibt das Problem lebenslang bestehen.

In bestimmten Fällen sind Opioide jedoch das einzig wirksame Mittel zur Behandlung sehr starker Schmerzen. Der Einsatz hat sich u.a. bei Menschen bewährt, die ohne Hoffnung auf Heilung sind. Ihnen kann das verbleibende Lebensstadium durch die Gabe wesentlich erträglicher gestaltet werden, mögliche Nebenwirkungen sind dabei völlig vernachlässigbar.
Generell gilt bei der Verordnung von Opioiden: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Nur unter guter, andauernder medizinischer Überwachung ist der Einsatz von Opioiden überhaupt verantwortbar. Die durch das eingesetzte Präparat erzielten Wirkungen sind in den Vordergrund zu stellen, wenn die Schmerzen ein unerträgliches Maß erreichen und die Gesamt-Prognose sehr schlecht ist. Bei diesen schwerstkranken Patienten sollten mögliche Nebenwirkungen zwar nicht außer Acht gelassen werden, doch sie stellenausschließlich hier das geringere Übel dar.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.12.2016 aktualisiert.

 

 

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