Schwedenbitter oder Schwedenkräuter

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Vielfach als Wundermittel deklariert, sind Schwedenkräuter (auch als Schwedenbitter bezeichnet) aus der volkstümlichen Heilkunde nicht mehr wegzudenken. Die Mixtur aus unterschiedlichen Bestandteilen, darunter zahlreiche Kräuter, wurde im 18. Jahrhundert von dem schwedischen Mediziner Dr. Klaus Samst wieder entdeckt, nachdem die Rezeptur bereits eine Zeitlang im Umlauf war.

Doch auch wenn Schwedenkräuter auf den ersten Blick zahlreiche Inhaltsstoffe enthält, die gegen ganz unterschiedliche Beschwerden wirken, ist die tatsächlich Wirksamkeit bislang nicht belegt.

Zusammensetzung

Geläufig ist in Deutschland vor allem der so genannte "Kleine Schwedenbitter", der aus folgenden Bestandteilen besteht:

  • 10g Aloe
  •   5g Myrrhe
  • 10g Sennesblätter
  • 0,2g Safran
  • 10g Kampher
  • 10g Zitwerwurzel
  • 10g Manna
  •   5g Eberwurzel
  • 10g Angelikawurzel
  • 10g Rhabarberwurzel
  • 10g Theriak venezian

Die Mixtur wird mit 1500ml Doppelkorn angesetzt.

Wirkung und Anwendungsgebiete

Grundsätzlich lassen sich beim Schwedenbitter drei große Wirkgruppen unterscheiden:

Die Mixtur enthält zum einen diverse Bitterstoffe - zum Beispiel Angelikawurzel - welche die Verdauung fördern. Studien zeigen, dass solche Bitterpflanzen auch die Produktion der Magensäure ankurbeln, so dass gleichzeitig der Appetit steigt.

[2] Aus diesem Grund gilt auch Appetitlosigkeit als klassisches Anwendungsgebiet von Schwedenbitter. Die zweite Hauptwirkung von Schwedenbitter stellt eine Blutdruckerhöhung und die Anregung des Kreislaufs dar - Effekte, die vor allem durch den enthaltenen Kampfer hervorgerufen werden. Die Wirksamkeit dieses Stoffes konnte im Rahmen der Studie von Prof. Schandry an der der Ludwig-Maximilians-Universität in München nachgewiesen werden.

Eine Probandengruppe mit niedrigem Blutdruck erhielt während der Untersuchung ein kampferhaltiges Mittel, während die Vergleichsgruppe einen Plazebo einnahm. Bereits zwei Minuten nach der Anwendung konnte bei der "Kampfer-Gruppe" ein Steigerung sowohl des Kreislaufs als auch des Blutdrucks sowie eine allgemeine Leistungssteigerung gemessen werden, während die Probanden aus der Plazebo-Gruppe keine nennenswerten Veränderungen aufweisen konnten. [3]

Nicht zuletzt wird Schwedenbitter vor allem auch aufgrund seiner abführenden Wirkung eingesetzt, pflanzliche Laxantien wie Sennesblätter, Rhabarberwuzel, Aloe und Manna helfen mit teilweise recht unterschiedlichen Wirkmechanismen bei Verstopfung. [1]

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Dosierung und Nebenwirkungen

Zu den bekanntesten Dosierungsempfehlungen gehört die sehr alte Anweisung, von der Mixtur sowohl morgens als auch abends je einen Teelöffel verdünnt einzunehmen. Bei akuten Beschwerden können auch bis zu drei Teelöffel zugeführt werden.

Insbesondere bei häufiger und anhaltender Verwendung können vermehrt diverse Nebenwirkungen auftreten, zum Beispiel Durchfall oder allergische Reaktionen. Menschen, die keinen Alkohol konsumieren dürfen, sollten von der Einnahme gänzlich absehen, da der Alkoholgehalt im Schwedenbitter insgesamt sehr hoch ist.

Schwedenbitter ansetzen

Die Schwedenbitter-Tinktur lässt sich ganz einfach auch selbst ansetzen. Für die Herstellung wird die trockene Kräutermischung zunächst zu gleichen Teilen in Marmeladengläser verteilt, wobei die Gläser zu 1/5 gefüllt sein sollten. Anschließend gießt man insgesamt 1500ml Doppelkorn hinzu und schüttelt die Gläser nach dem Verschließen. An einem warmen Ort muss der Schwedenbitter etwa zwei Wochen lang ziehen, wobei die Gläser täglich erneut geschüttelt werden müssen. Nach Ablauf der Ruhezeit kann das Gemisch durch einen Trichter mit Filterpapier in braune Apothekerflaschen gegossen werden.

Schwedenkräuter - Erfahrungen und Kritik

Schwedenbitter gilt in der Volksheilkunde als bewährtes Heilmittel, das in seiner Wirkung jedoch häufig überschätzt und als "Wundermittel" bezeichnet wird - obwohl bislang noch keine wissenschaftliche Studie existiert, welche die Wirksamkeit der Kräutermischung belegen würde. Untersuchungen existieren ausschließlich für Einzelstoffe, zum Beispiel für Sennesblätter als klassisches Abführmittel. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Wirkstoffe mit teilweise verschiedenen Wirkprofilen kann die Wirksamkeit im Schwedenbitter nicht zugesichert werden.
Als Kritik werden überdies häufig auch die Bestandteile selbst aufgeführt. So gelten insbesondere Sennesblätter und Aloe als sehr stark wirksame Abführmittel, die insbesondere bei regelmäßiger Anwendung zahlreiche Probleme mit sich bringen: Vor allem besteht hier leicht die Gefahr, dass die armmuskulatur erschlafft und eine bestehende Verstopfung sogar noch verstärkt wird. Außerdem kann es zu einem Ungleichgewicht im Mineralstoffhaushalt kommen, das vor allem zu deutlichen Kaliumverlusten führt.

Nicht zuletzt besteht der Verdacht, dass die dauerhafte Einnahme von Sennesblättern zu einem erhöhten Darmkrebsrisiko führt. [1]

Insgesamt ist die Kombination von diversen Abführmitteln mit kreislaufanregenden Mitteln wie Kampfer und unterschiedlichen Bitterstoffen zur Anregung der Verdauung nicht immer sinnvoll, da häufig nur eine einzige Beschwerdeart beim Patienten vorliegt und viele Inhaltsstoffe des Schwedenbitters dann überflüssig sind - zumal bisher nicht geklärt ist, ob sich zahlreichen unterschiedlichen Wirkprofile der einzelnen Stoffe nicht gegenseitig beeinflussen, indem sie die Wirkung zum Beispiel verstärken oder hemmen.

Nicht zuletzt ist die Bezeichnung "Schwedenbitter" weder durch ein Patent noch durch Urheberrechte geschützt; aus diesem Grund kann sowohl die Zusammensetzung als auch die Qualität zwischen unterschiedlichen Produkten stark schwanken.

Quellen

[1] Wolf: Obstipation und Laxantien, in: Pharmazeutische Zeitung 50, Eschborn 1998.

[2] Keine Lust auf Essen. Appetitlosigkeit, in: Pharmazeutische Zeitung 32, Eschborn 2007.

[3] The effect of Camphor-Crataegus berry extract combination on blood pressure and mental functions in chronic hypotension - randomized placebo controlled double blind design",Phytomedicine, Vol. 15/11, S. 914-922, November 2008.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 28.10.2014 aktualisiert

 

 

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