Problem: Graue Haare - Ursachen und Therapien

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Für viele Menschen, insbesondere für Frauen, ist das Ergrauen des Haares (ebenso wie der Haarausfall) ein Zeichen des Älter- oder Altwerdens und damit ein Problem. Dabei bestimmt nicht das Alter, ob und wie schnell man ergraut, sondern die Stärke der Pigmentierung der Haare. So ergrauen manche Menschen schon im jugendlichen Alter von 19 Jahren, andere hingegen niemals.

Die Entstehung der natürlichen Farbe des menschlichen Haares

Die natürliche Farbe des Haares eines Menschen wird durch den Gehalt an Melanin innerhalb des Haares bestimmt. Das Pigment Melanin wird in den Melanozyten hergestellt. Melanozyten sind Zellen, die sich nicht nur, aber auch an den Haarfollikeln befinden. Sie bauen die körpereigenen Aminosäuren in verschiedenfarbige Pigmente, das Melanin, um.

Dabei gibt es zwei Formen des Melanins:

Eumelanin: Dieses Pigmet ist für die Braun-Schwarz-Färbung der Haare zuständig und bestimmt vor allem darüber, wie dunkel die Haare sind.

Phänomelanin: ist ein Gold-Rot-Pigment. In blondem und in rotem Haar ist dieses Melanin in großen Mengen enthalten.

Im mikroskopischen Vergleich ist das Phänomelanin von der Struktur kleiner, unregelmäßiger und feiner als das Eumelanin. Je nachdem, wie sich die beiden Melanine mischen, kommt es zu den unterschiedlichen Haarfarben der Menschen. Jedoch sind die Melanine nicht verantwortlich dafür, ob die Haare eines Menschen leuchten oder matt erscheinen. Dies wird durch die Cuticula (eine farblose Schuppenzellen) bestimmt. Sie liegen an der Oberfläche des einzelnen Haares. Liegen diese Schuppenzelle an, wirkt das Haar kräftig und leuchtend. Stehen die Cuticula jedoch ab, erscheint das Haar struppig und kraftlos. Über die Farbe, die Dicke und die Form (lockig oder glatt) der Haare eines Menschen bestimmt die genetische Veranlagung. Diese ist auch maßgeblich für die Ergrauung der Haare verantwortlich.

Mythos "graue" Haare

Im Grunde gibt es "graue" Haare nicht. Denn Haare, die vorher einmal Rot, blond, braun oder schwarz gewesen sind, können ihre Farbe nicht ohne äußere Einwirkungen verändern. Der Eindruck eines ergrauten Haarschopfes entsteht durch die Mischung von pigmentierten und pigmetfreien Haaren, die entweder weiß oder farblos sind, aber keinesfalls grau.

Graue Haare über Nacht

Ein weiterer Mythos scheint das plötzliche Ergrauen der Haare "über Nacht" zu sein. Haare können nicht plötzlich und unerwartet ergrauen, da dies ist ein längerfristiger körperlicher Prozess ist. Ursächlich hierfür ist in den meisten Fällen eine Unterproduktion der Aminosäure Tyrosin, welche der Körper dringend benötigt, um Melanin herzustellen. Diese Unterproduktion lässt sich in der Regel auf eine erbliche Erkrankung oder das Alter des Betroffenen zurückführen.

Doch auch oxidativer Stress in den Melanozyten der Haarwurzeln führt zu der unerwünschten Verfärbung. Wenn der Körper das im Stoffwechsel anfallende aggressive Wasserstoffperoxyd nicht mehr optimal entsorgen kann, ist auch die Melanin-Synthese unterdrückt.

Warum das instabile Peroxyd nicht mehr abgefangen wird, kann mehrere Ursachen haben. Jedenfalls scheinen die Katalasen ihre Funktion nicht mehr vollumfänglich erfüllen zu können. Die Enzyme reduzieren die instabilen Peroxyde und schützen so andere Enzyme vor Schädigungen, die eine Vielzahl von Stoffwechsel-Prozessen betreffen.

Wenn Melanin nicht mehr ausreichend hergestellt werden kann, kommt es zur sogenannten Hypopigmentisierung. Durch die Einlagerung von Bläschen in den Haarschaft, die mit Luft gefüllt sind, erscheinen Haare weiß.

Lebensdauer der Haare

Haare haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 3 bis 7 Jahren, dann fallen sie aus. Liegt nun eine Störung der Melaninproduktion vor, werden die ursprünglichen Haare, die blond, rot, schwarz oder braun waren, immer weniger und weiße Haare wachsen zunehmend nach. Der Mensch ergraut.

Das man aber aufgrund eines schrecklichen Ereignisses oder Stress plötzlich weiße Haare bekommen kann, lässt sich wohl ins Land der Märchen einordnen. Somit scheint dem Spruch "Deinetwegen bekomme ich noch graue Haare" die Grundlage entzogen.

Hilfe bei grauen Haaren

Selbstverständlich kann man graue Haare, ebenso wie jede andere Haarfarbe, mit chemischen Farben tönen oder färben. Hier muss jedoch eine bestimmte Farbart gewählt werden, die auch die Abdeckung grauer Haare gewährleisten kann. Diese Haarfärbemittel greifen jedoch in der Regel die Haarstruktur an und dünnen graue Haare aus. Zumal sind die allermeisten Haarfärbemittel von den Inhaltsstoffen mehr als bedenklich.

Natürliche Heilmittel gegen graue Haare

Die Haare auf „natürliche“ Art wieder „zurückführen“ zu können, scheint für die meisten Menschen unglaublich zu sein.

Und dennoch beobachte ich genau das: Patienten mit ergrauten Haaren, bekommen nach einiger Zeit wieder pigmentierte Haare. Folgende Faktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen: Ernährung und Stress. Damit in engem Zusammenhang stehen die Themen: Übersäuerung und die Versorgung mit Antioxidantien, Mineralstoffen und weiteren Vitalstoffen.

Was ich seit Jahren in der Praxis beobachte und vermute wurde 2017 auch durch eine interessante Untersuchung an der Universität Kairo bestätigt: 550 Männer wurden untersucht. Patienten mit Herzleiden und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) hatten auch deutlich öfter weißes Haar. Die Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den "grauen" Haaren: hormonelle Veränderungen, oxidativer Stress und eine schlechtere Regeneration. Und genau das ist ja auch das, was wir sehen: Menschen mit schlechterem Gesundheitszustand haben öfter graue Haare.

So ist zum Beispiel bekannt, dass Menschen mit Osteopenie ein ums Fünfache Risiko für die Ausbildung grauer Haare haben. Ähnliches gilt für die Weißfleckenkrankheit, Anämie und Schilddrüsenerkrankungen.

Die Ergebnisse würden auch bestätigen, warum zum Beispiel nach dem Fasten Teilnehmer weniger graue Haare haben als zuvor. Falls Sie das mit dem Fasten interessiert, finden Sie HIER meine Heilfasten-Anleitung.

Pseudokatalasen gegen graue Haare?

Verschiedene Hersteller bieten heute Pseudokatalasen an, die auf die Kopfhaut aufgetragen werden und so das Wasserstoffperoxid in den Melanozyten der Haarwurzeln eliminieren sollen.

Fraglich bleibt allerdings, wie die technisch modifizierten Enzyme (PC-KUS) in die Körperzellen gelangen können. Denn dort ist ihr Wirkort und die Makromoleküle können die Zellmembran nicht so ohne Weiteres überwinden.

Zwiebel?

Ein anderer Ansatz zur Wiederherstellung der körpereigenen Katalase-Funktion ist Zwiebelsaft. Darin sollen sich Inhaltsstoffe befinden, die die Enzyme schützen. Sogar aufgeschnittene Zwiebeln, mit denen die Kopfhaut massiert wird, sollen hier Erfolge erzielen können oder der Saft aus ausgepressten Zwiebeln, der aufgetragen wird. Zusätzlich ist UV-Strahlung (Sonnenlicht) erforderlich, weil dies die Wirkstoffe aktiviert.   

Neue Fakten

Wissenschaftler des Londoner University Colleges untersuchten in einer Studie mit 6.000 Lateinamerikanern die Gene, die für die Haarfarbe und deren Struktur verantwortlich sind. Dabei stellte sich heraus, dass eine frühe Ergrauung der Haare mit dem Gen für blondes Haar im Zusammenhang steht. Bei etwa 30 % der grauhaarigen Teilnehmer war es in den Haaren nachweisbar. Die Variante des Gens IRF4 steuert die Melanin-Synthese und lässt in seiner Aktivität bei blonden Menschen offensichtlich früher nach als bei Menschen mit dunkleren Haarfarben. Bei grauhaarigen Menschen, die dieses Gen nicht hatten, vermuteten die Forscher Umwelteinflüsse.

Doch selten sind genetische Prozesse nur durch einen Erbfaktor bestimmt.  Wissenschaftler am New Yorker Langone Medical Center beispielsweise isolierten das Wnt-Protein. Mäuse, bei denen dieses Agens gehemmt wurde, ergrauten. Wnt ist ein Protein, das auch bei der Embryogenese eine Rolle spielt und die Melanozyten-Stammzellen aktivieren könnte.

Grundsätzlich halte ich es aber auch für empfehlenswert (egal in welchem Alter) mit "Würde" und durchaus auch Freude zu ergrauen. Graue Haar können bei richtiger Pflege sehr schön und mit dem richtigen Schnitt recht pfiffig aussehen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 26.06.2018 aktualisiert.