Was tun bei Unterzuckerung? Bevor ich da konkreter werde, vorab vielleicht ein paar Dinge zum allgemeinen Verständnis…

Insulin dockt an Rezeptoren von Zellmembranen an und ermöglicht so den Transport des Traubenzuckers (Glucose) vom Blut in die Zellen hinein. Der Zucker kann dann von Muskel-, Nerven- und anderen Geweben genutzt werden.

Das Peptid-Hormon kontrolliert daher den Blutzucker und verhindert einen zu starken Anstieg nach dem Essen. Der Nüchternblutzucker beträgt beim Gesunden bis zu 90 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in der moderneren Einheit ausgedrückt, 5 Millimol pro Liter (mmol/l).

Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit steigt der Glucose-Spiegel auf bis 140 mg/l (7,8 mmol/l). Daraufhin wird Insulin ausgeschüttet, sodass der Zucker in die Zellen einströmt und der Blutwert sinkt. Bei Diabetikern ist das Zusammenspiel von Insulin und Blutzucker gestört.

Diabetes Typ 1

Beim Diabetes Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin. Das Hormon muss dann durch Injektionen künstlich zugeführt werden. Die Dosierung muss auf den individuellen Bedarf, die Aufnahme von Kohlenhydraten und körperliche Aktivität abgestimmt sein.

Die Therapie kann das sensible Gleichgewicht der physiologischen Reaktionen aber niemals vollständig imitieren, weswegen es beim Typ-1-Diabetiker immer wieder zu Überdosierungen von Insulin kommen kann. Dies führt dann zu Hypoglykämien, weil die Zellen zu viel Glucose aus dem Blut aufnehmen.

Typ1-Diabetiker müssen daher ihren Blutzucker mehrmals täglich überwachen. Bester Zeitpunkt dafür ist eine halbe Stunde vor jeder Mahlzeit. Die aktuelle Insulin-Dosis richtet sich nach der für den Verzehr beabsichtigten Kohlenhydrat-Menge.

Dabei kann es immer wieder zu Fehleinschätzungen und unvorhersehbaren physiologischen Abweichungen kommen, die zu den gefährlichen Unterzuckerungen führen. So beeinflusst auch körperliche Aktivität den Blutzucker, doch inwieweit des in einer aktuellen Situation der Fall ist, kann nur schwer eingeschätzt werden.

Die Ursache des Diabetes Typ 1 sind genetische Faktoren oder Autoimmunkrankheiten, bei denen die Insulin-produzierenden Zellen von der körpereigenen Abwehr zerstört werden.

Diabetes Typ 2

Beim Diabetes Typ 2 produziert die Bauchspeicheldrüse zwar genügend Insulin, aber die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber dem Hormon hat nachgelassen. Der Reiz zur Aufnahme von Glucose wird also kaum noch gegistriert. Daher akkumuliert sich der Zucker im Blut, wodurch der Glucose-Wert steigt.

Doch es kann beim Diabetes Typ 2 auch zu Hypoglykämien kommen. Am Beginn der Erkrankung versucht der Körper, die mangelhafte Insulin-Wirkung durch verstärkte Abgabe des Hormons auszugleichen. Deswegen können die Insulin-Spitzen gelegentlich Unterzuckerungen auslösen.

Diabetes Typ 2 wird im Anfangsstadium mit Medikamenten behandelt, die eine zusätzliche Glucose-Abgabe aus den Speicher-Reserven der Leber senken. Überdosierungen der Präparate können so eine Hypoglykämie verursachen.

Im Spätstadium des Diabetes Typ 2 kann der Körper nicht mehr genug Insulin produzieren. Das hormonelle System hatte vorher auf den hohen Blutzucker mit erhöhter Insulin-Sezernierung reagiert. Dadurch wurde die Bauchspeicheldrüse überfordert, sodass die Insulin-produzierenden Zellen in den Langerhansschen Inseln des Organs erschöpft sind.

Dann sind auch beim Diabetes Typ 2 Injektionen mit dem Stoffwechsel-Hormon erforderlich. Nun besteht auch hier das Risiko einer Hypoglykämie durch Überdosierungen des Insulins.

Ursache des Diabetes Typ 2 ist jahrzehntelang betriebene zu üppige Ernährung. Haupt-Fakor ist dabei eine zu zucker- und kohlenhydratreiche Kost.

Symptome

Während das Körpergewebe bei Glukosemangel andere Quellen zur Energielieferung heranzieht, ist das Gehirn auf Glukosezufuhr angewiesen. Deshalb sind die meisten der Symptome auf Hirnfunktionen bezogen.

Zeichen einer Hypoglykämie sind Angstgefühle, Reizbarkeit, Erschöpfung, Muskelschwäche, Müdigkeit, geistige Verwirrung, Herzklopfen, kalter Schweiß, Kopfschmerzen, Migräne, Ohnmacht, Schwindel, Persönlichkeitsveränderungen, Hyperaktivität, Schlaflosigkeit (nächtliches Erwachen), Schwäche, starker Hunger, Lust nach Süßigkeiten, Stimmungsschwankungen, Übelkeit, Verhaltensstörungen.
Bei dafür anfälligen Personen kann eine Hypoglykämie epileptische Anfälle auslösen.

Die Symptome treten meist 2-5 Stunden nach den Mahlzeiten auf.

Mögliche Folgen

Eine schwere und lang anhaltende Unterzuckerung kann zum diabetischen Koma führen. Dann besteht akute Lebensgefahr. Treten Hypoglykämien über Jahre hinweg zu oft auf, drohen Nervenschäden, Herzerkrankungen und Demenz sowie Tod durch funktionelles Hirnversagen.

Überwachung der Zuckerwerte

Diabetiker sollten ihre Blut-Glucose-Werte überwachen, um einer Hypoglykämie vorzubeugen oder zu beseitigen. Geschulte Patienten können die Insulin-Dosis und den Konsum von Kohlenhydraten auf ihren aktuellen Zuckerwert abstimmen.

Bei einer akuten Hypoglykämie ist zunächst die Aufnahme von Glucose erforderlich und Insulin-Injektionen sind dann strikt zu unterlassen. In einer solchen Situation muss der Blutzucker in kurzen Abständen gemessen werden.

Viele Diabetiker nutzen dafür einen handlichen elektronischen Taschen-Glucometer. Für die Messung wird ein Tröpfchen Blut auf einen Teststreifen aufgetragen, der in das Gerät eingeführt wird, das das Ergebnis anzeigt. Diabetiker messen den Blutzucker mindestens dreimal täglich oder bei Bedarf.

Eine kontinuierliche Überwachung des Blutzuckers ist mit dem Dexcom-Monitor möglich. Diese Geräte funktionieren mit einem Glucose-Sensor, der in der Haut inseriert wird und bei modernen Geräten die Werte drahtlos an das Anzeige-Modul überträgt. Gemessen wird bei dieser Methode der Gewebe-Glucosespiegel. Bei einer Hypoglykämie (und auch bei Überzuckerung) warnt das Gerät den Patienten mit einem Alarmton.

Ein Blutzucker-Tagesprofil wird im Krankenhaus erstellt. Dabei wird der Blutzucker mehrfach täglich anhand einer Blutentnahme ermittelt. Diese Werte sind präziser als die ambulanten Methoden. Das Tagesprofil dient der Einstellung des Blutzuckers mit Insulin und diätetischen Maßnahmen. Der so ermittelte Tagesplan soll extreme Abweichungen des Blutzuckers wie die Unterzuckerung vermeiden.

Beim HbA1c-Test wir die an Hämoglobin gebundene Glucose gemessen. Dieser „Langzeitblutzucker“ ermöglicht die Einschätzung der Plasma-Glucose im Verlauf der vorangegangen 3 Monate.

Der orale Glucose-Toleranztest dient ausschließlich der Früherkennung von Diabetes. Dabei wird der Nüchternblutzuckerwert anhand einer Blutprobe ermittelt. Dann nimmt der Patient Glucose zu sich und der Test wird nach 2 Stunden wiederholt. Beim Gesunden ist der Glucose-Wert dann auf Normal-Niveau gesunken, während er bei Menschen mit Diabetes-Risiko darüber liegt.

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Die Überwachung der Ketone

Ketone sind Verbindungen, die sich bei Zuckermangel in den Geweben und im Blut akkumulieren können. Ursache ist die Umschaltung vom Zucker- zum Fettabbau in den Zellen. Dabei entstehen Fettsäuren und Ketone wie Aceton und Hydroxybutyrat, die ähnlich wie Glucose verstoffwechselt werden können.

Dieser Zustand des Stoffwechsels wird „Ketose“ oder „Ketazidose“ genannt. Im gesunden Stoffwechsel beträgt die Konzentration der Ketone 0,1 mmol/l. Die Ketose beginnt ab einem Wert von 1 mmol/l und kann Werte bis 25 mmol/l annehmen. Einen Ketose-Test kann jeder mit Ketometer anhand eines Bluttropfens durchführen.

Die Geräte funktionieren wie die Glucometer. Daneben gibt es Urin-Teststreifen und Geräte, die Ketone in der Atemluft messen, ähnlich einem Alkotest.

Eine Ketose weist auf den Bedarf an Kohlenhydraten hin und ist meistens mit einer Hypoglykämie verbunden. Die Überwachung des Keton-Status ist sinnvoll für alle Diabetiker, die eine ketogene Diät oder das intermittierende Fasten praktizieren.

Beim intermittierenden Fasten wird 12 bis 18 Stunden am Tag keine Nahrung aufgenommen. Die ketogene Diät besteht fast nur aus Proteinen und gesunden Fetten. Die Kohlenhydratmenge beträgt höchstens 20 g pro Tag.

Menschen mit Diabetes Typ 2 können ihre Erkrankung bis zu einem gewissen Grad mit diätetischen Maßnahmen rückgängig machen. Besonders ein geringer Zuckerverzehr kann die Sensibilität der Zellen gegenüber dem Insulin wieder herstellen.

Bei Diabetikern mit dem Hang zu Hypoglykämien ist beim intermittierenden Fasten allerdings Vorsicht angebracht, weil ein plötzlicher Kohlenhydrat-Mangel Unterzuckerungen provozieren kann. Deswegen ist bei einer solchen Ernährungsumstellung immer eine engmaschige Kontrolle des Blutzuckers und der Ketone angezeigt.

Noch größer ist die Gefahr einer Hypoglykämie im Zuge einer ketogenen Diät. Zwar kann auch diese Kost die Insulin-Sensibilität steigern, doch ist der vollständige Entzug von Kohlenhydraten nicht unbedenklich. Diabetiker, die sich ketogen ernähren, müssen ihren Keton-Status und ihren Blutzucker penibel überwachen, um bei Unterzuckerungen schnell intervenieren zu können.

Naturheilkunde und Alternativmedizin

Im folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei Unterzuckerung in Frage kommen.

Bei Diabetes Typ 1 muss der Ernährungsplan mit bilanzierten Kohlenhydraten strikt eingehalten werden. Parallel ist eine Blutzuckerüberwachung erforderlich.

Bei Diabetes Typ 2 muss die Kohelnhydratmenge begrenzt werden.

Beide Diabetes-Formen sprechen positiv auf den Verzehr gesunder Fette an. So wird der Körper schrittweise von der fast ausschließlichen Verstoffwechselung von Glucose entwöhnt.

Sinnvoll ist eine Ernährung mit ungesättigten Fettsäuren, die enthalten sind in Olivenöl, Kokosnüssen, Kürbiskernen, Sesam, Macadamia- und Pekanüssen und Kreuzkümmel. Günstig auf Diabetes wirkt sich auch MCT-Öl mit mittelkettigen Fettsäuren aus.
Zu meiden sind mehrfach gesättigte Fettsäuren, insbesondere die künstlich gehärteten Transfette. 

Empfohlene Tagesdosis:

Vitamin C:
1-2 g
Kann die Blutzuckerregulation verbessern.


Vitamin-B-Komplex
Muss mind. 50 mg Thiamin (B1), Niacin und Vitamin B6 enthalten. Vitamine des B-Komplexes sind unabdingbar für den Glukoseabbau.


Chrom
200 µg oder 20 g Bierhefe
Bierhefe enthält einen natürlichen Glukosetoleranzfaktor, Chrom ist ein wichtiger Bestandteil davon.


Magnesium
400-600 mg
Verbessert die Blutzuckerkontrolle durch Erhöhung der Insulin-Sensibilität.

Multimineral-
Supplement
Reich an ZinkMangan, Magnesium und Kalium.

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und
chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.

Beim siebenten Brustwirbel (Th 7) verlassen die Nerven, die die Bauchspeicheldrüse versorgen, den Wirbelkanal. Es wäre sinnvoll, die Stellung dieses Wirbels zu kontrollieren.

Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Auch Amalgam-Füllungen sind gefährlich. Sie sollten sie durch einen in diesen Sachen erfahrenen Zahnarzt sanieren lassen.

Sonstiges

Sport kann Diabetes nicht nur vorbeugen helfen, sondern bei einem Diabetes Typ 2 auch zur Sensibilitäts-Steigerung von Insulin beitragen. Besonders wirksam ist eine kurzzeitige maximale Auslastung bis in den anaeroben Bereich. Empfehlenswert ist hier das hochintensives Intervalltraining (HIIT) beitragen. 

Beitragsbild: 123rf.com – kerdkanno

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.4.2020 aktualisiert.

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