Die traditionelle Heilpflanze Spitzwegerich (Plantago lanceolata) gehört zur Pflanzenfamilie der Plantaginaceae, den Wegerichgewächsen. Zur selben Familie gehört der ebenfalls als Heilpflanze genutzte Breitwegerich (Plantago major).

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Spitzwegerich kommt in ganz Deutschland wild vor und wird zudem kultiviert. Wegerich bedeutet im Althochdeutschen soviel wie „König des Weges“ und steht für die starke Verbreitung der Wegeriche an Feldwegen und andernorts. Die Blütezeit umfasst Mai bis September oder Oktober. Spitzwegerichblüten sind eher klein und unauffällig und stehen an ährenförmigen Blütenständen.

Das Kraut kann bis zu 50 Zentimeter hoch wachsen, während seine ausgeprägten Wurzeln bis zu 60 Zentimeter in die Tiefe reichen können. Die Laubblätter der Pflanze sind lanzettförmig, spitz zulaufend und schmal. Sie verleihen der Heilpflanze ihren Namen.

Die Anwendung von Spitzwegerich in der Heilkunde hat eine lange Tradition. Die Germanen wussten das Heilblatt, Läkeblad, ebenso zu nutzen wie die Menschen der Antike. Dioscurides, Plinius, Hildegard von Bingen und andere schrieben über Spitzwegerich als Heilpflanze und seine Anwendungen. Da die Pflanze für jeden leicht verfügbar ist, wurde sie vielfach als Hausmittel gegen allerlei Krankheiten eingesetzt.

Viele Anwendungen sind noch immer aktuell und wurden teilweise wissenschaftlich belegt. Andere entstammen eher dem Reich der Mythen und wurden aufgegeben, wie der Einsatz in der Magie und als vorbeugender Schutz gegen jede Art von Gift. In Zeiten des Mangels, wie beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, wurde Spitzwegerich als Salat oder Gemüse verzehrt.

Die alternative Bezeichnung des Spitzwegerichs als Lungenblattl deutet auf seine Heilwirkung auf Lungenleiden hin. Tatsächlich ist dies eine der wichtigsten traditionellen Anwendungen der Pflanze. Ein Tee aus getrockneten Spitzwegerichblättern oder Spitzwegerichsaft wird bei Erkrankungen der Lunge oder Atemwege verabreicht.

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Dabei soll Spitzwegerich die Durchblutung der Schleimhäute anregen und Hustenreiz stillen, ohne das Abhusten zu unterdrücken. Obwohl kaum klinische Studien vorliegen, hat sich Spitzwegerich im Reagenzglas bereits bewährt und wird aufgrund des günstigen Risiko-Nutzen-Verhältnisses von Medizinern als Naturheilmittel bei Infektionen der oberen Atemwegsorgane insbesondere für Kinder empfohlen. (1)

In vitro wurden die entzündungshemmenden Eigenschaften von Spitzwegerich-Extrakt 2005 von spanischen Forschern der Universität Santiago de Compostela nachgewiesen (2) und 2010 von einer serbischen Studie bestätigt. (3)

Auch in vivo bei Mäusen erwiesen sich Spitzwegerich-Wirkstoffe als entzündungshemmend bei chemisch induzierten Ohrödemen. (4)

Wegen seiner entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften werden Wirkstoffe des Spitzwegerich von Forschern der Universität Regensburg als Arzneimittel gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen vorgeschlagen. Die Wissenschaftler hatten an Mäusen mit Dickdarmentzündung einen deutlichen, lindernden Effekt der Wirkstoffe nachgewiesen. (5)

Tatsächlich wurden bereits zahlreiche antioxidative Wirkstoffe im Spitzwegerich nachgewiesen (6), wie beispielsweise seine Polysaccharide. (7)

In vitro zeigte sich der Methanolextrakt aus Spitzwegerich antioxidativ und hemmend auf die Lipidperoxidase. (8)

An Dünndarm und Luftröhre von Meerschweinchen konnten Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigen, dass ein Ethanolextrakt aus Spitzwegerich krampflösend wirkt, was den wohltuenden Effekt bei spasmischem Husten erklärt. (9)

Spitzwegerich-Tee wirkt traditionell als Magentee eingesetzt. Forscher aus Äthiopien zeigten 2011, dass wässriger Spitzwegerich-Extrak Ratten und Mäuse vor Geschwüren im Magen-Darm-Trakt schützt und vorhandene Geschwüre heilen kann. Der Extrakt wirkte dosisabhängig. (Maximal eingesetzte Dosis: 400 mg/kg). Dabei wirkt Spitzwegerich gegen übermäßige Schleimsekretion und schützt die Schleimhautzellen. Er konnte in der Untersuchung die Standardmedikamente Ranitidin und Misoprostol an Schutzfunktion sogar übertreffen. (10)

In der Türkei ist Spitzwegerich ebenfalls eine vielfach verwendete Heilpflanze. Forscher fanden bei einem Screening unter traditionell angewendeten Pflanzen der türkischen Volksmedizin heraus, dass ein Methanolextrakt aus Spitzwegerich aktiv gegen die Hefepilze Candida albicans und C. tropicans wirkt. (11)

Spitzwegerichextrakte könnten in Zukunft auch als natürliches und für Menschen ungiftiges Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Forscher aus den Niederlanden konnten zeigen, dass Spitzwegerichextrakt Pflanzen vor pflanzenfressenden Insekten und Pilzbefall schützen kann. (12)

Auch gegen Nematoden ist Spitzwegerich toxisch wirksam und verhindert das Schlüpfen der Würmer. (13) Unter den Fadenwürmern sind viele Pflanzenschädlinge und zudem einige humanpathogene Arten.

Frisch zerriebene Spitzwegerichblätter werden auf Schnittverletzungen oder Hautabschürfungen gegeben und wirken der Entzündung der Wunde entgegen. Auch bei Wespenstichen soll Spitzwegerich lindernd wirken. Beim Verzehr von Spitzwegerich oder einer äußeren Anwendung auf der Haut ist jedoch Vorsicht geboten. Die Pflanze kann laut einer aktuellen Fallstudie eine phototoxische Hautreaktion hervorrufen. (14)

Dabei wird die Haut ultrasensibel gegen UV-Licht, entzündet sich im Sonnenlicht und zeigt Symptome eines schweren Sonnenbrands. Die Hautreaktion kann einige Tage lang anhalten, muss aber nicht unbedingt behandelt werden. Solange sie anhält, muss Sonnenlicht strikt gemieden werden. Auch Pollenallergiker sollten vorsichtig mit Spitzwegerich sein. Jeder dritte von ihnen reagiert allergisch auf die Pollen der Heilpflanze.

Klinische Daten zum Spitzwegerich fehlen noch weitgehend und die traditionelle Heilpflanze ist erst wenig erforscht. Einige überlieferte Anwendungen werden jedoch inzwischen von den Forschungsergebnissen bestätigt, auch wenn viele Daten erst noch durch weitere Studien untermauert werden müssen.
Spitzwegerich kann praktisch überall in Deutschland gesammelt und getrocknet werden.

Alternativ erhält man getrocknete Spitzwegerichblätter für drei bis vier Euro je 100 Gramm in Reformhäusern, Online-Shops oder Apotheken. Für eine Tasse Tee (250 ml) werden 2 Teelöffel Spitzwegerichblätter überbrüht und 10 Minuten ziehen gelassen. Neben Blättern gibt es Spitzwegerich als fertige Teebeutel. Es wird zudem Spitzwegerich-Saft angeboten, der innerlich wie äußerlich angewendet werden kann. Daneben gibt es Spitzwegerichsirup, Tinktur und Bonbons. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sowie der Atemwegsorgane.

Beitragsbild: 123rf.com – Alexander-Raths

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