Ingwer - Wirkung, Anwendung und Nutzen
Ingwer ist bekannt unter vielen Namen wie Imber, Ingber, Immerwurzel, Ingwerwurzel oder seinem
lateinischen Namen Zingiber officinale.
Eine weitere Bezeichnung wird von der medizinisch-pharmakologischen Nomenklatur verwandt, wo die „Ingwer-Droge“
Rhizoma zingiberis genannt wird.
Ingwer gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse), die einkeimblättrige Pflanzen
sind.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Für die praktische Verwendung kommt im Wesentlichen nur die Ingwer-Wurzel in Frage, was morphologisch richtiger
dem unterirdischen Hauptspross, dem Rhizom, entspricht. Dieses Rhizom, dass in der Tat in Form und Farbe an eine
knollige Wurzel erinnert, ist Ausgangsprodukt für den Gebrauch von Ingwer als Küchengewürz oder als Arznei.
Ingwer hat einen angenehmen aromatischen Geruch, der an eine Zitrone erinnert. Im Geschmack allerdings kann
er sehr scharf und würzig sein. Seine wesentlichen Bestandteile dafür sind ätherische Öle, wie die Gingerole
(das eine scharf aromatische Substanz ist), Shoagole, Gingerdiole, Diarylheptanoide.
Von Ernährungsseite her interessant ist der Gehalt an Magnesium, Vitamin C, Eisen, Calcium, Natrium, Kalium und Phosphor.
Wofür und Wie wird Ingwer eingesetzt?
Für einen gezielten Einsatz von Ingwer bei körperlichen Beschwerden empfiehlt es sich, auf einen Ingwer-Extrakt
zurückzugreifen.
Der enthält die ingwertypischen Wirksubstanzen in konzentrierter Form, so dass man nicht genötigt ist, große
Mengen an frischem Ingwer zu verzehren, um relevante Mengen an Ingwer zu sich zu nehmen.
Ingwer hat eine Reihe von medizinischen Effekten und Nutzen.
Es konnte gezeigt werden, dass er in der Behandlung von Übelkeit und Reisekrankheit teilweise effektiver ist als die
gängigen Medikamente.
Ingwer kann gastrointestinale Reizungen (Reizmagen,
Reizdarm)verbessern, einschließlich
schwangerschaftsbedingter Übelkeit. Die Kommission E
empfiehlt dennoch keine Einnahme während der Schwangerschaft, obwohl bisher keine nachteiligen Wirkungen für den Fötus bekannt sind.
Neuer Studien haben den Hinweis ergeben, das Ingwer in der Lage ist, den Cholesterinspiegel zu senken und die Koagulationsneigung
(Blutgerinnung) zu reduzieren. Dies ist wahrscheinlich, da Gingerol eine biochemische
Struktur besitzt, die der des Aspirins ähnelt, einem bekannten synthetischen Antikoagulans. Dies mag auch
erklären, warum beide Substanzgruppen einen vergleichbaren Effekt auf die Prostaglandinsynthese ausüben.
Daraus folgt eine gute Wirksamkeit gegen Entzündungen und Thrombozyten-Aggregation, was einen positiven Einfluss auf
den Herz-Kreislauf-Gesundheitsstatus und entzündliche Prozesse hat.
Ähnlich wie bei Aspirin, vermuten Wissenschaftler, dass ingwerspezifische Substanzen, Gingerol und andere, in
der Lage sind, die Cyclooxygenase (COX) zu hemmen. Dieses Enzym ist hauptverantwortlich für die Synthese von Prostaglandin, einem Entzündungsmediator.
Durch die reduzierte Prostaglandinproduktion kommt es zu einer antientzündlichen Wirkung, die gleichzeitig
Schmerzen lindert und die oben diskutierten Effekte auf die Blutgerinnung zeitigt. Genaueres zum
Schmerzgeschehen lesen Sie in meinem Beitrag Ursachen für Schmerzen.
Untersuchungen über Schmerzen und
Gelenkbeweglichkeit haben gezeigt, dass Ingwer nicht nur die Schmerzen lindert, sondern die Gelenkbeweglichkeit
erhöht, Gelenkschwellungen reduziert und einen positiven Einfluss auf die „Morgensteifigkeit“ der Gelenke bei
rheumatoider Arthritis hat. Daneben scheint Ingwer
auch ein gewisses antibiotisches (Antibiotika) und
antioxidatives Potential zu besitzen.
Ingwer hat zudem fiebersenkende und hustenlindernde Eigenschaften demonstriert. Er stimuliert die periphere
Blutzirkulation. Einige seiner Substanzen, wie Shogaol und Galanolacton, scheinen einen Einfluss auf
Serotonin-Rezeptoren zu haben. Galanolacton scheint primär auf 5-HAT3 Rezeptoren im Dünndarm zu wirken. Diese
Rezeptoren werden auch von brechreizlindernden Medikamenten, wie Ondansetron, beeinflusst.
Es gibt erste Hinweise, dass Ingwer hypoglykämische (blutzuckersenkend), hypotensiv (blutdrucksenkend) aber
hypertensiv (blutdrucksteigernd) wirken kann.
Ferner wird der Frage nachgegangen, ob Ingwer vorteilhafte Wirkungen haben könnte bei:
Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Was in der klassischen Pharmakologie nicht zutrifft, gilt für Ingwer im weitesten Sinne: „Viel hilft viel“.
Bei möglichen Unverträglichkeiten, die auch bei natürlichen Produkten, die sonst als vorteilhaft eingestuft
werden, auftreten können, sollte die Dosis verringert werden.
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Blähungen, Sodbrennen und Übelkeit. Diese Nebenwirkungen sind aber fast ausschließlich
bei Ingwerpulver beobachtet worden, so dass hier mögliche Verunreinigungen für die Wirkung nicht ausgeschlossen
werden kann.
Im Falle eines Arztbesuchs sollten auf jeden Fall Angaben über den Ingwerkonsum in Quantität und Qualität dem
Arzt gegenüber gemacht werden.
Immerhin ist es denkbar, dass eine zusätzliche blutverdünnende Medikation zusammen mit Ingwer zu Komplikationen
führt.
Quellen:
- Micklefield GH, Redeker Y, Meister V, et al. Effects of ginger on gastroduodenal motility. Int J Clin
Pharmacol Ther 1999;37(7):341-6.
- Phillips S, Ruggier R, Hutchinson SE. Zingiber officinale (ginger)-an antiemetic for day case surgery.
Anaesthesia 1993;48(8):715-7.
- Blumenthal M, editor. The Complete German Commission E Monographs: Therapeutic Guide to Herbal Medicines.
Trans. S. Klein. Boston, MA: American Botanical Council, 1998.
- Newall CA, Anderson LA, Philpson JD. Herbal Medicine: A Guide for Healthcare Professionals. London, UK: The
Pharmaceutical Press, 1996.
- Foster S, Tyler VE. Tyler's Honest Herbal: A Sensible Guide to the Use of Herbs and Related Remedies. 3rd
ed., Binghamton, NY: Haworth Herbal Press, 1993.
- The Review of Natural Products by Facts and Comparisons. St. Louis, MO: Wolters Kluwer Co., 1999.
- Leung AY, Foster S. Encyclopedia of Common Natural Ingredients Used in Food, Drugs and Cosmetics. 2nd ed.
New York, NY: John Wiley & Sons, 1996.
- McGuffin M, et al, ed. American Herbal Products Association's Botanical Safety Handbook. Boca Raton, FL:
CRC Press, 1997.
- Gruenwald J, et al. PDR for Herbal Medicines. 1st ed. Montvale, NJ: Medical Economics Company, Inc.,
1998.
- Schechter JO. Treatment of disequilibrium and nausea in the SRI discontinuation syndrome. J Clin Psychiatry
1998;59(8):431-2.
- Fischer-Rasmussen W, Kjaer SK, Dahl C, Asping U. Ginger treatment of hyperemesis gravidarum. Eur J Obstet
Gynecol Reprod Biol 1991;38(1):19-24.
- Visalyaputra S, Petchpaisit N, Somcharoen K, Choavaratana R. The efficacy of ginger root in the prevention
of postoperative nausea and vomiting after outpatient gynaecological laparoscopy. Anaesthesia
1998;53(5):506-10.
- Bone ME, et al. Ginger root-a new antiemetic. The effect of ginger root on postoperative nausea and
vomiting after major gynaecological surgery. Anaesthesia 1990;45(8):669-71.
- Ernst E, Pittler MH. Efficacy of ginger for nausea and vomiting: a systematic review of randomized clinical
trials. Br J Anaesth 2000;84:367-71.
- Anon. Case problem: presenting conventional and complementary approaches for relieving nausea in a breast
cancer patient undergoing chemotherapy. J Am Diet Assoc 2000;100(2):257-9.
- Wilkinson JM. What do we know about herbal morning sickness treatments? A literature survey. Midwifery
2000;16(3):224-8.
- Jewell D, Young G. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev
2000;(2):CD000145.
- Lumb AB. Mechanism of antiemetic effect of ginger. Anaesthesia 1993;48(12):1118.
- Arfeen Z, Owen H, Plummer JL, et al. A double-blind randomized controlled trial of ginger for the
prevention of postoperative nausea and vomiting. Anaesth Intensive Care 1995;23(4):449-52.
- Brinker F. Herb Contraindications and Drug Interactions. 2nd ed. Sandy, OR: Eclectic Medical Publications,
1998.
- Therkleson T. Ginger compress therapy for adults with osteoarthritis. J Adv Nurs. 2010 Jul 2.
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.08.2012 aktualisiert

|