Betrug bei Krebsmitteln für Chemotherapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Krebsmittel werden immer öfter zum Objekt krimineller Machenschaften, wie es der Millionenbetrug mit Krebsmitteln in NRW aus dem Jahre 2017 zeigt. Dabei ist der Profit des Zytostatika-Geschäftes schon ohne illegale Praktiken völlig übertrieben. Daran hat sich bis ins Jahr 2016 nichts geändert. 

Minderwertige Grundstoffe in Krebsmitteln

In Deutschland dürfen nur knapp über 300 Apotheken Krebsmittel produzieren, die im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt werden. Dies soll eine hohe Qualität der Präparate sicherstellen. Jedoch stehen eben diese Produzenten nun unter dem Verdacht, die Grundstoffe für die Medikamente aus dem Ausland billig bezogen und so große Gewinne erwirtschaftet zu haben.

Um auf dieses Komplott überhaupt aufmerksam zu werden, war der Tipp eines Informanten nötig. Eben dieser veranlasste die Polizei zu einer bundesweiten Durchsuchungsaktion, welche in einigen Apotheken Beweismaterial hervorbrachte.

Diese Tat stellt allerdings mehr als nur einen reinen finanziellen Betrug dar. So kann davon ausgegangen werden, dass die Medikamente, welche teils aus Südamerika stammen, nicht den hohen qualitativen Standards Deutschlands genügen.

So befürchtet Stefan Derix, Mitarbeiter der deutschen Apothekerkammer, dass diese Präparate vielleicht sogar verunreinigt sein könnten und unter Umständen zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen beim Patienten führen könnten.

Die zentrale Problematik dieses Themenkomplexes ist die Tatsache, dass niemand erkennen kann, was sich denn nun wirklich in einer Infusionsflasche befindet.

Ein unwirksames Medikament ist höchstens am Ergebnis beim Patienten erkennbar, also erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Deshalb sollte man nur zum Apotheker seines Vertrauens gehen und notfalls schlicht fragen, ob diese Apotheke durchsucht wurde.

Dass die Apotheker davon wussten, dass diese Stoffe nicht nur billiger sind, sondern auch minderwertiger, davon ist laut Derix nicht auszugehen.

Dennoch hätte der billige Preis diese eigentlich stutzig machen müssen, da dieser mit einem deutschen Gütesiegel kaum zu vereinbaren ist. Insgesamt ist dies dennoch ein Vorfall, bei welchen Derix betont, dass keine Entschuldigung genüge.

Betrug ist Betrug, und einer mit Medikamenten ist besonders verwerflich. Hierbei ist es schon fast egal, ob es sich nur um einen finanziellen Betrug oder um eine wirkliche Gefährdung der Patienten handelte.

Apotheken im Verdacht der Bestechlichkeit

Doch es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall. Jörn Graue, der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins erklärt, wie Apotheken von Pharmafirmen geschmiert werden, damit sie deren Produkte bevorzugen:

Eine Hamburger Pharmafirma, die Krebsmittel herstellt, hat zum Beispiel mit 65 Apotheken „Beraterverträge“ abgeschlossen. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen nicht um eine echte Beratungstätigkeit. Stattdessen ist das ein beliebtes Mittel, um an die Apotheker Rückvergütungen auszubezahlen. So bestellt der Apotheker das Medikament zwar, wie es das Gesetz vorschreibt, zum Listenpreis, bekommt aber über Umwege einen guten Teil des Geldes (teilweise über 50% des Preises) zurück, was natürlich seinen Profit beträchtlich erhöht. Diese Rückvergütungen sind also Provisionen dafür, dass die Apotheker ihre Mittel von dieser Firma beziehen. Und genau das scheint gerade im Bereich der Chemotherapie weit verbreitet zu sein. Zwischen 1000 und 3000 Euro „Beratungshonorar“ sollen die Apotheker kassiert haben, damit sie die Krebsmittel dieser Pharmafirma bevorzugen. Dass dabei in vielen Fällen nicht mehr nach medizinischen Gesichtspunkten entschieden wird, kann sich jeder denken. Die Patienten bekommen also im Zweifel nicht das Medikament, das ihnen die höchsten Heilungschancen bietet, sondern das dem Apotheker den höchsten Profit beschert.

Auch an Ärzte fließt reichlich Schmiergeld, damit sie das „richtige“ Medikament auf ihre Rezepte setzen. Jörn Graue spricht von „mafiösem Verhalten“ der Pharmafirmen, die versuchen, ihre Medikamente in die Apotheken und damit zum Patienten zu bringen.

Natürlich beteiligen sich längst nicht alle Apotheker und Ärzte an solchen Machenschaften. Aber für den Patienten ist es kaum zu erkennen, ob und in welcher Form Gelder geflossen sind. Das Misstrauen gegenüber der ganzen Branche und die Unsicherheit der Patienten wächst.

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Pharma-Hersteller diktieren den Preis

Der Onkologe Wolf-Dieter Ludwig bemängelt generell, dass die Preisbildung für neu zugelassene Medikamente in Deutschland nicht den Marktgesetzen unterliegt. Das habe einen enormen Kostendruck für das Gesundheits-System zur Folge. Gerade bei Zytostatika-Preisen sei dies besonders drastisch, so der Krebs-Mediziner ( http://www.focus.de/finanzen/news/profit-der-pharmakonzerne-teurer-kampf-gegen-den-krebs-medikament-kostet-bis-zu-70-000-euro_id_5622308.html).

Die Jahresbehandlungskosten können bei den Krebsmitteln leicht bei 40.000 € liegen, wie beim Wirkstoff Imatinib. Das Chemotherapeutikum wird speziell bei Blutkrebs eingesetzt. Trotz mehrerer Konkurrenz-Produkte sank der Preis nicht. Einige  Zytostatika kosten die Krankenkassen sogar  bis zu 100.000 € pro Patient und Jahr ( http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/13/chemotherapie-milliarden-geschaeft-fuer-die-pharmaindustrie/). In den USA liegen die Kosten teilweise noch höher: Bis zu 35.000 Dollar pro Monat kann eine Krebsbehandlung mit Zytostatika dort kosten.

Die finanziellen Aufwendungen für Krebs-Medikamente waren 2007 im Vergleich zu den fünf Jahren vorher um 258 % gestiegen (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/medizin/157620/index.html).

Kritik beantworten die Pharma-Produzenten schon reflexartig mit dem Hinweis auf die hohen Entwicklungskosten neuer Medikamente. So behauptete die Lobby 2014, dass die Kosten für die Neuentwicklung eines Präparates bis zur Marktreife 2,6 Milliarden Dollar betrügen (https://www.pharma-fakten.de/news/details/71-entwicklungskosten-verdoppeln-sich/).

Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ bestritt das sofort. Nach Schätzung der unabhängigen Vereinigung belaufen sich die Entwicklungskosten nur auf rund 150 Millionen € (https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/forschung-und-entwicklung-kosten).                

Die Umsätze im Bereich der Krebsbekämpfung sind gigantisch: Über 100 Milliarden Dollar pro Jahr erwirtschaftet die Pharmaindustrie in diesem Bereich.               

Für die Patienten ist diese Situation desaströs. Chemotherapeutika sind für viele die letzte Hoffnung, den Krebs zu überleben. Dass diese Hoffnung in den meisten Fällen nicht begründet ist, weil die Erfolgschancen viel geringer sind als üblicherweise angenommen, das ist ein anderes Thema. Aber wenn die Medikamente helfen sollen und auch die Nebenwirkungen in einem erträglichen Maß bleiben sollen, müssen sie zumindest sehr gut an den Patienten und seine Erkrankung angepasst sein. So sind Sensitivitäts-Tests an Tumor-Proben vor der Chemotherapie zwar möglich, aber eben keine Kassenleistung ( http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/13/chemotherapie-milliarden-geschaeft-fuer-die-pharmaindustrie/). 

Seit einigen Jahren werden in der Krebs-Therapie zunehmend (und zusätzlich) Biopharmazeutika (Biologika) eingesetzt. Die biotechnologisch hergestellten Präparate bestehen aus Proteinen oder Nukleinsäuren (Erbsubstanz), die auf biologische Weise in physiologische Prozesse eingreifen. Inzwischen ist der Patent-Schutz vieler Biologika abgelaufen, sodass es sie mittlerweile auch als Generika gibt, die als „Biosimilars“ bezeichnet werden. Diese Nachahmer-Präparate sind rund ein Drittel kostengünstiger als die jeweiligen Originale.

In Qualität und Zusammensetzung dürfen sich beide laut Gesetz nicht unterscheiden. In der Tat hat es bisher keine negativen Auffälligkeiten gegeben und es kam zu keiner einzigen Markt-Rücknahme. Trotzdem bevorzugen Ärzte die Originale. Der Anteil der Biosimilars betrug 2016 nur 1,9 % des Umsatzes aller Biopharmazeutika. Bei konsequenter Nutzung der günstigeren Alternative könnten im Gesundheits-System 526 Millionen € eingespart werden. Das ergab eine Studie der Techniker Krankenkasse. Nach Ansicht der der Studien-Leiter hätten die Mediziner zu den Biosimilars kein Vertrauen. Sie befürchteten eine geringere Qualität und stärkere Nebenwirkungen als bei den Originalen. Ob dies stimmt, oder ob hier auch „Beraterverträge“ eine Rolle spielen, bleibt vorerst ungewiss. Fest steht jedoch, dass der Gesamtumsatz der Biologika und der Biosimlilars mit 5,9 Milliarden € ein einträgliches Geschäft ist (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krebsmittel-aerzte-verschmaehen-billigere-medikamente-a-1168463.html).

Das alles zeigt, wie sehr wirtschaftliche Überlegungen hier im Vordergrund stehen. So wird nicht nur mit den Krebsmitteln geschachert, sondern auch mit dem Leben unzähliger Patienten gespielt. Und da, wo bedenkenlos gespart werden könnte, wird das Geld der Versicherten geradezu verschwendet.

Eine Verbesserung ist hier nicht in Sicht: Die Krebsfälle werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch deutlich ansteigen, und damit auch die Kosten für die Behandlung. Für die Pharmaindustrie werden sich also die Möglichkeiten zum Profit noch weiter erhöhen, und das wird sie ganz sicher auch nutzen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 16.10.2017 aktualisiert