Lymphstau und Lymphödem

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Lymphstau und Lymphödem: Da leiden viel mehr Menschen darunter als man denkt. Die klasssiche Medizin hat da nicht viel anzubieten und die Patienten bekommen "nur" ein Rezept für Lymphdrainage oder Kompressionsstrümpe (oder Wickel), manchmal auch entwässernde Mittel (Diuretika). Dabei bietet die Naturheilkunde zahlreiche Optionen, zu denen ich weiter unten komme.

Bau und Funktion des Lymphsystems

Das Lymphsystem besteht wie das Blutgefäßsystem aus schlauchförmigen Leitungsbahnen, die den Körper mit kleinen Verästelungen bis in die peripheren Gewebe durchziehen. Lymphgefäße sind im Gegensatz zu Arterien und Venen allerdings stets dünnwandig. Dieses zweite Gefäßsystem des Körpers ist aber kein geschlossenes Gebilde wie es bei den Blutgefäßen der Fall ist.

Die Lymphbahnen sammeln das Gewebswasser, das aus den Blutkapillaren ausgetreten ist. Diese Flüssigkeit wird dem Blut wieder zugeführt. Dafür besteht eine Verbindung zwischen Blutgefäß- und Lymphsystem, das mit dem größten Lymphgefäß, dem Ductus thoracicus, in den Venenwinkel der Vena subclavia (Schlüsselbeinvene) mündet. Dort strömt das Gewebswasser als Lymphe in den Blutkreislauf ein. An einigen Stellen sind die Lymphgefäße verdickt und von einer Muskelschicht umschlossen. Diese Lymphherzchen oder Lymphangione pumpen die Lymphe dem Ductus thoracicus entgegen (Lymphangiome sind gutartige Tumore).

Ventilklappen, die den Herzklappen ähnlich sind, verhindern dabei einen allzu großen Rückstau. Die Bewegungen der umliegenden Muskulatur unterstützt die Beförderung der Lymphe, etwa beim Gehen oder Laufen. Das Lymphsystem entwässert den Körper und leitet gleichzeitig Schlackenstoffe in den Kreislauf, von wo aus sie in die Leber und die Niere gelangen und ausgeschieden werden. Vorher ist die Lymphe in den Lymphknoten gefiltert worden. Die 2 bis 20 mm dicken Organe aktivieren und modulieren auch weiße Blutkörperchen, die sich im Lymphstrom bewegen. Darin äußert sich die zweite Funktion des Lymphsystems, das eine wichtige Säule der Körperabwehr darstellt. Rund 600 Lymphknoten sind vor allem im Fett- und Bindegewebe eingebettet und besonders zahlreich in der Halsregion, den Achselhöhlen und den Ellenboden angesiedelt. Bei Entzündungen können die Lymphknoten erheblich anschwellen, weil sie intensiv arbeiten.

Die lebenswichtigen Aufgaben des Lymphsystems sind bei einem Lymphstau eingeschränkt, weswegen dem Symptom große Beachtung geschenkt werden sollte.

Definition des Lymphstaus

Unter einem Lymphödem versteht man die sichtbare Schwellung eines Körperteils durch einen Lymphstau. Die Lymphgefäße können nicht mehr ausreichend Gewebsflüssigkeit absaugen und es sammelt sich im Gewebe an.

Durch einen Lymphstau (auch Lymphostase genannt) kommt es zur Schwellung mit Flüssigkeitseinlagerung, dem sog. Lymphödem. Symptome zeigen sich am ganzen Körper und der Allgemeinbefindlichkeit. Die Patienten sind erschöpft, haben Verdauungs-Probleme wie Blähungen und eine ausgetrocknete Haut, die stark juckt. Hände und Füße sind eiskalt.

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Besonders häufig zeigt sich die Störung in Armen und Beinen, z.B. nach Lymphknotenexstirpation (Entfernung).

Dabei werden häufig Lymphgefäße versehentlich durchtrennt, wonach weniger Flüssigkeitsvolumen transportiert werden kann.

Man unterscheidet primäre und sekundäre Lymphödeme. Auslösende Faktoren können Gendefekte, Organerkrankungen oder auch Lymphbahnverschlüsse durch Gefäßveränderungen sein.

Ein Lymphödem ist meist schmerzlos. Der Verlauf in vier Stadien geht von einer leichten zu einer starken, teigigen Schwellung, weiter zu einer Fibrose (Bindegewebsvermehrung) mit Verhärtungen bis hin zu einer nicht mehr reversiblen Schwellung mit Flüssigkeitsaustritt und Verdickung der Haut.

Primäre Formen (Primäres Lymphödem) weisen eine aufsteigende (aszendierende) Ausbreitung aus (z.B. bei der unteren Extremität vom Fuß zum Unterschenkel, später zum Oberschenkel).

Das sekundäre Lymphödem breitet sich absteigend (deszendierend) aus (z.B. bei der oberen Extremität von der Achsel über den Oberarm zum Unterarm).

Unbehandelt kann es zu gereizter, roter Haut, Bläschenbildung, Verkrustung, Ekzem und Ulkus (Geschwür) kommen.

Mit einem Verhältnis von 9 zu 1 leiden wesentlich mehr Frauen als Männer an einem Lymphstau

Abgrenzung zum Lipödem

Dem Lymphödem ähnlich (aber seltener) ist das Lipödem, bei dem es zu einer Fettzellvermehrung (Hyperplasie) infolge einer Extremitäten-Lipohypertrophie kommt.

Unterschied zum Lymphödem ist, dass sich die Schwellung beim Lipödem zwar an Beinen und Armen, nicht aber an Händen oder Füßen zeigt.

Zudem gilt die Entstehung eines Lipödems gemäß gängiger Lehre als nicht reversibel:es kommt zu einer unproportionalen Fettverteilung, bei der der Rumpf im Verhältnis zu den Extremitäten schlank ist. Das Gewebe wird durch vom Fett eingeklemmte Gefäße unterversorgt und kann Schaden nehmen. Zudem haben Lipödem-Patienten fast immer auch mit Schmerzen zu tun.

Verwandte Themen: Augenringe - Entschlackung - geschwollene Augen - Lymphatismus bei Kindern - Lymphknotenschwellung - Ödeme - Schaufensterkrankheit

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Naturheilkunde und Naturheilverfahren

Im folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die das Lymphsystem anregen.

AKUPUNKT-MASSAGE
nach Penzel

Diese Therapieform ist geeignet, Energien wieder zum Fließen zu bringen. Sie basiert auf der Akupunktur-Lehre, wird aber ohne Nadeln durchgeführt. Ganz besonders die Meridian-Arbeit bringt die Lymphe zum Fließen.

Aromatherapie

Orale Einnahmen von Aroma-Essenzen sollten von erfahrenen Therapeuten begleitet werden: Fichte, Gewürznelke, Knoblauch, Rosmarin, Salbei, Zwiebel

Ernährung

Die Ernährung spielt eine sehr wichtige Rolle bei allen Arten von Lymphabflussstörungen!

Was Sie stark einschränken sollten: Zucker und alle Süßigkeiten, Eier und Milch. Ebenso Schweinefleisch in jeglicher Form und fette Esswaren. Halten Sie sich eher an vegetarische Lebensmittel und Vollwertkost. Ein Glas Selleriesaft vor jeder Mahlzeit ist ratsam.

Wichtig zur Unterstützung des Immunsystems ist aber, dass Sie bei geschwollenen Lymphknoten auf jeden Fall Schweinefleisch in jeder Form meiden.

Gluten, Soja und die Früchte der Nachtschattengewächse (Paprika, Tomaten, Auberginen) können als Allergene wirken - ich rate daher ebenfalls zur Vermeidung.

Verzehren Sie Fette mit den entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Fische wie Wildlachs liefern die ungesättigten Fettsäuren, aber auch diese Art Fisch ist häufig schon belastet. Verwenden Sie gutes Olivenöl, Kokosöl, Hanföl und Leinöl und meiden Sie Maiskeimöl, Sonnenblumenöl und Rapsöl. Diese Öle enthalten ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren, die Entzündungen fördern können.

Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Mindestens 8 Gläser Wasser pro Tag müssen sein! Auf gar keinen Fall sollten Sie gezuckerte Limos oder Cola trinken. Gemüsesuppen und gepresste Säfte sind die bessere Alternative.

Entzündungshemmend wirken daneben Kurkuma, Knoblauch und Ingwer.

Aktivkohle und Verdauungs-Enzyme verbessern die gestörte Entgiftung.

Frischpflanzen
(Urtinkturen)

Folgende Mischung kann angezeigt sein:
Je 20 ml Faulbaum, Ginkgo; je 15 ml Erdrauch, Fenchel; je 10 ml Löwenzahn, Tausendgüldenkraut und Mariendistel.

Heilpflanzen 

Frisch, als Tee oder in Pulverform können viele Heilpflanzen bei Lymph-Stau helfen. Dazu gehören Rotklee, Echinacea, Stechwurzel und Stechwinde, Klettenwurzel, Spargelwurzel, Süßholzwurzel, Königskerze, Pfefferminze, Schisandra-Beeren, Ulme, Bockshornklee, Olivenblätter, Mariendistel, Oregano, Weihrauch, Myrrhe, Zypressenöl und Zitrone. Eine Kur mit den Heilpflanzen darf die Dauer von 10 Tagen nicht überschreiten. 

Homöopathie

Aus der Komplex-Homöopathie sehr bewährte Mittel sind Lymphdiaral (Pascoe), das Lymphomyosot (Heel) und das Regenaplex 6 (Regena).

Aus dem Bereich der Einzelmittel-Homöopathie kann man auch an folgende Mittel denken: Mercurius solubilis, Natrium muriaticum, Kali muriaticum, Rhus toxicodendron, Silicea, Brom, Jod, Pulsatilla, Schwefel und Nux vomica.

Medizinische Massagen

Für ein gut funktionierendes Lymphsystem ist eine Manuelle Lymphdrainage geeignet.

Mit einer Lymphbürstung bringen Sie Ihr System wieder in Gang: Nehmen Sie eine nicht zu harte Stiel-Bürste aus Naturborsten. Beginnen Sie am rechten Fuß und machen Sie, mit nur sehr leichtem Druck, einen Strich Richtung Bauch. Daneben den Zweiten. Pro Bahn immer nur einen Strich ziehen. Dann das linke Bein, den rechten Arm, dann den linken. Nun sind Sie froh über die Stiel-Bürste, weil Sie auch den Rücken von den Schultern bis zur Lendenwirbelsäule (die Rückseite vom Bauch) streichen. Dann die Körpervorderseite, immer nur einen Strich. Das Zentrum dieser Art Bürstung ist nicht das Herz, sondern der Bauch. Nach einigen Tagen werden Sie merken, wie Ihr Stuhl plötzlich schleimig wird. Dies ist alte, verschlammte Lymphflüssigkeit die Sie nun auszuscheiden beginnen. Nach der Lymphdrainage ist eine Kompression (Strümpfe, Bandagen) erforderlich sowie eine entzündungshemmende Hautcreme. Die Trias „Drainage – Kompression – Hautpflege“ wird als „komplexe physikalische Entstauungs-Therapie“ bezeichnet. Die Anwendungen sollten dreimal wöchentlich erfolgen.

Säure-Basen-Haushalt

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen, auch beim Lymphproblemen sehe ich oftmals eine Übersäuerung. Diese sollte geprüft und abgestellt werden.

Schüssler-Salze

Aus dem Bereich der Schüssler Salze kommen folgende Mittel in Betracht: Calcium phosphoricum Nr. 2, Kalium chloratumNr. 4, Magnesium phosphoricum Nr. 7, Natrium phosphoricum Nr. 9

Spagyrik

Ringelblume, Wasserelement (Komplex)

Bewegung / Fitness

Auch wenn es Ihnen schwer fällt: bewegen Sie sich! Waldlauf, Gehen mit zügigem Schritt (auf Neudeutsch: Powerwalking), Schwimmen, Radfahren. Auch ein moderates Training im Fitnessstudio kann hilfreich sein. Das Trampolin bringt auch die Lymphe zum Abfluss. Achtung: Auf die Dosis kommt es an. Beginnen Sie moderat und lassen Sie sich von einem Therapeuten beraten, der sich damit auskennt. Wenn Sie Schmerzen bei den Übungen haben ist das nicht ratsam. Ich rate generell zuerst die Schmerzen anzugehen - und zwar auch mit der "richtigen" Bewegung.  Mehr dazu auch auf meiner Webseite: Schmerztherapiezentrum.com

Yoga

Viele Yoga-Übungen fördern den Lymph-Strom. Beim Kopf- und Handstand wie auch beim Hochlegen der Beine an einer Wand wird einfach die Schwerkraft genutzt. Eine Torsion der Bauchgegend bringt den Fluss ebenfalls in Gang. Beim tiefen Einatmen, eventuell mit kurzen Luftanhalten, ändert sich die Druckverteilung zwischen Brust- und Bauchraum, wodurch die Lymphe aus den Beinen hochgepumpt wird. 
 

hilfreiche Links

Frau Monica Boersch-Eberding hat auf Ihrer Webseite viele hilfreiche Informationen zusammengetragen: http://lymphfantastic.com/ 
Sonstiges  Verwenden Sie keine hautschädigenden Kosmetika mit Aluminium oder Parabenen. Diese Mittel beeinträchtigen die Haut-Funktion und damit die Ausscheidung und Entgiftung über die Schweißporen. Ein Saunabad hilft bei der Hautentgiftung.   

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.10.2018 aktualisiert.

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