Im makroskopischen Bild stellt sich Darmwand fast spiegelglatt dar. Ausstülpungen sind stets unerwünschte Erscheinungen, die manchmal unbedenklich sind, aber auch schwere Krankheiten zur Folge haben können.

Während es sich bei Polypen um Auswuchtungen ins Darminnere handelt, wölben sich die sogenannten “Divertikel” nach außen. Diese bläschenartigen Ausstülpungen bergen zwar nicht die Gefahr von Darmkrebs in sich, wie dies bei Polypen der Fall ist. Doch die Darm-Divertikel können sich entzünden, mit teils gravierenden Konsequenzen.

Gefährdet ist besonders der Dickdarm

Divertikel können sich nicht nur am Darm bilden, sondern auch an Harnleitern und der Blase. Am häufigsten betroffen ist jedoch der Gastrointestinal-Trakt, einschließlich der Speiseröhre.

Im Darm wiederum liegt der Fokus der Divertikel-Bildung im Dickdarm und dort besonders im Sigmoid (S-Darm, Sigma, Colon sigmoideum), dem vorletzten Abschnitt, der in den Enddarm mündet. Aufgrund dieser Verortung sind die häufigsten Beschwerden durch Divertikel Schmerzen im linken Unterbauch.

Die Ausstülpungen sind Vorfälle an den schwächsten Stellen des Darmes. Das sind die Eintrittsstellen der Blutgefäße, wo die Muskulatur Öffnungen aufweist. Bei vereinzeltem Auftreten verursachen Divertikel kaum Beschwerden, doch zu viele dieser Ausstülpungen zeitigen deutliche Symptome.

Dann spricht der Arzt von einer “Divertikulose”. Wenn sich die Vorwölbungen entzünden, dann ist eine “Divertikulitis” entstanden. In den kleinen Säckchen hatte sich Stuhl angesammelt, in dem sich Bakterien vermehren konnten, weil die Abfälle nicht mehr entsorgt wurden.

Die Symptome der Divertikulitis

Die linkslastigen heftigen Unterbauchschmerzen sind das Leit-Symptom der Divertikulitis. Meistens funktioniert auch die Verdauung nur noch unzureichend, was sich durch Obstipation oder Durchfälle bemerkbar macht.

Oft ist den Patienten übel, sodass sie sich manchmal erbrechen müssen. Hinzu treten Darmblutungen sowie Fieber und die Bauchdecke ist verspannt und verhärtet. Es ist klar, dass diese Beschwerden die Kranken erheblich beeinträchtigen, sodass sie ständig müde und abgeschlagen sind.

Diagnose der Divertikulitis

Anhand der Anamnese und der Beschwerden wird der Arzt zunächst den Bauch abtasten. Eine Darmspiegelung könnte den Verdacht auf Divertikulitis zu Gewissheit machen, doch ist dieser Eingriff im akuten Stadium nicht sinnvoll, weil die Darmreizung damit verstärkt werden kann.

Schonender ist eine Sonographie oder das CT. Auch die Entzündungswerte im Blut (CRP) können die Diagnose stützen.

Mögliche Ursachen

Chronische Verstopfung, Infektionen des Magen-Darm-Traktes und Spannungszustände (auch seelische) fördern die Divertikulose und damit auch die Divertikulitis. Der gesamte Lebensstil scheint bei der Entstehung dieser Darmerkrankungen die Hauptrolle zu spielen.

Ballaststoffarme Ernährung braucht für die Darmpassage erheblich mehr Zeit und mehr Innendruck als pflanzliche Nahrung, wodurch die Aussackungen entstehen können. Auch Diäten bei Abmagerungs-Kuren begünstigen Darmdivertikel.

Daneben leiden Menschen, die rauchen, viel Alkohol trinken oder übergewichtig sind,  verstärkt an den Darm-Divertikeln. Auch ein exzessiver Fleischverzehr gilt als Risikofaktor.

Zu wenig Bewegung begünstigt die Erkrankung ebenso wie Schwangerschaften und der Geburtsvorgang. Doch auch die anlagebedingte Konstitution der Darmmuskulatur zählt sicher zu den Ursachen oder den fördernden Einflüssen.

Die schulmedizinische Therapie der Divertikulitis

In leichten Fällen ist zunächst die Einhaltung von Schonkost angezeigt, die am besten aus rein flüssiger Kost besteht. Ist die Divertikulitis gravierender, kann auch eine vollständige Nahrungs-Karenz über mehrere Tage hinweg nötig sein.

Der Patient wird während dieser Zeit künstlich, das heißt über Infusionen, ernährt. Zusätzlich verordnet der Arzt Antibiotika und Entzündungshemmer.

Eine Operation wird erst unternommen, wenn eine akute Divertikulitis zum zweiten Mal wiederholt. Bei dem Eingriff wird das Sigmoid als der Teil des Dickdarms entfernt, der am stärksten entzündet ist. Heute wird dazu minimalinvasiv vorgegangen. Trotzdem kann ein temporärer künstlicher Darmausgang erforderlich sein.

Mögliche Komplikationen bei Divertikulitis

Durch die chronischen Entzündungen können sich Abszesse bilden, die ihrerseits zu Fisteln führen, die oft zur Blase hin auswachsen. Dann sind die Blase oder auch die Harnwege mit entzündet.
Eine weitere Folge der Divertikulitis ist ein Darmverschluss. Auch können die entzündeten Divertrikel in die Bauchöhle durchbrechen, sodass eine Bauchfellentzündung mit einer Blutvergiftung droht. Spätestens dann besteht Lebensgefahr.

Diagnose Reizdarm

Patienten rate ich bei akuter Divertikulitis generell erst einmal zu einer Schonkost, die mindestens 7 - 10 Tage eingehalten werden soll. Wie diese aussehen kann, beschreibe ich im Beitrag zur Schonkost.

Sinnvoll sind Hafer- und Gemüsebreie (Kartoffeln, Möhren) oder gedünstete, ungewürzte Feldfrüchte wie Fenchel, Zucchini und Schwarzwurzeln. Auch Reis ist zuträglich, in Form von Waffeln oder in Suppen.

Vollkorn-Produkte sollten nur dann weggelassen werden, wenn man sie nicht gewohnt ist. Reichlich Flüssigkeit  wie Wasser, Tee, Säfte (aus Obst, Gemüse) ist ein Muss.   

Ist die akute Divertikulitis überstanden, bleibt die Divertikulose (also die Aussackungen) trotzdem bestehen. Um künftige Darmentzündungen zu vermeiden, ist eine langfristige Ernährungsumstellung zu empfehlen:

Ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse, Salate, Obst, Kartoffeln muss eingehalten werden. Hierbei spielt die sogenannte "Resistente Stärke" eine Rolle.

Vermeiden Sie aber starke Abführmittel, die wiederum zu Entzündungen führen können. Besser sind gedörrte, eingeweichte Zwetschgen mehrmals täglich oder Feigensirup, Milchzucker und Kleie.

Scharfe Gewürze und Kochsalz sollten Sie meiden, würzen Sie mit Fenchelsamen, Dill, Oregano, Kümmel und Majoran. Meiden Sie auch blähendes Gemüse.

Körner- und Nussfrüchte fördern die Verdauung durch ihren hohen Ballaststoffanteil. Allerdings sind diese Lebensmittel im akuten Stadium des entzündeten Darmes kontraproduktiv.

Manche Patienten mit Divertikulose reagieren empfindlich auf Milch- und Milch-Produkte. Daher sollten diese gemieden oder eine persönlich abgestimmte Auswahl unternommen werden.

Rotes Fleisch (Rind, Schwein) erhöht die Entzündungs-Tendenz und wirkt stopfend. Zudem beeinträchtigen die Produkte das darmeigene Mikrobiom. Bei Divertikulose sollte dieses Fleisch nur sparsam verzehrt oder ganz weggelassen werden.

Dies betrifft übrigens sowohl unverarbeitete Produkte als auch die industriell veränderten Lebensmittel (Wurst).

Der Konsum von Alkohol und Nikotin ist gänzlich zu unterlassen.

Lassen Sie sich aus folgenden Urtinkturen eine Mischung herstellen:
Je 20 ml Fenchel, Kamille, Ringelblume, Wallwurz, Faulbaum.

Patienten mit Darmdivertikeln leiden meist auch einem gewissen Vitalstoffmangel. Folgende Vitalstoffe "korrigieren" nicht die Divertikel, können aber aber im Rahmen der Gesamtsymptomatik helfen. Empfohlene Tagesdosis:

Vitamin C2 - 3 g
Zieht Wasser in den Darm und macht den Stuhl weich. Beginnen Sie mit 500 mg pro Tag und erhöhen Sie bis Sie bei der Dosis angelangt sind, wo der Stuhl weich wird. Dies ist Ihr täglicher Bedarf.


Vitamin B-Komplex
Sollte 0,4 - 0,8 mg Folsäure enthalten. Folsäure-Mangel kann Verstopfung verursachen.

Pantothensäure: 250 mg
Kann die Darmtätigkeit anregen.

Magnesium: 400 mg
Kann die Darmtätigkeit anregen.

 
Ballaststoffe: 30 - 40 g

Wenn Ihr Stuhl mit obigen Massnahmen weich geworden ist, fangen Sie an, vermehrt faserreiche Kost zu essen. Bis sich der Körper daran gewöhnt hat, können Blähungen und Bauchbeschwerden auftreten, gehen Sie also behutsam vor. 

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.

Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Auch Amalgam-Füllungen sind gefährlich. Sie sollten sie durch einen in diesen Sachen erfahrenen Zahnarzt sanieren lassen.

Sonstiges

Eine Colon-Hydro-Therapie ist hier sehr angezeigt.

Eine homöopathische Entgiftungskur der Firma PHÖNIX Laboratorien GmbH, D-71149 Bondorf, würde ich Ihnen dringend raten. Die Kur ist in der Apotheke erhältlich und setzt sich aus 4 Komponenten zusammen.

Zum Aufbau und Stabilisierung der Darmflora gibt es verschiedene Probiotika, die eine gute Wirkung zeigen.

Zu achten ist die Aufnahme von reichlich Flüssigkeit. Bereits zum Frühstück sollte stets ein großes Glas Wasser gehören.

Körperliche Bewegung wirkt auf vielen Wegen positiv. Sport bekämpft Übergewicht als Risiko-Faktor für entzündliche Darmerkrankungen. Durch körperliche Aktivität sinken Entzündungswerte und die Verdauung wird angeregt.

Gründliches, längeres Kauen, als es heute oft üblich ist, kann die Verdauung verbessern. Therapeutisch gelenkte Kauübungen optimieren dieses zuträgliche Essverhalten und können eine Divertikulitis bei bestehender Divertikulose verhindern helfen.

Beitragsbild: fotolia.com – Tonpor Kasa

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 27.11.2020 aktualisiert.

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