Faktu akut: Warum Bufexamac vom Markt verschwand
Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Medikamente / zuletzt aktualisiert: 22/05/2026
Faktu akut war früher eines jener Mittel, zu denen viele griffen, wenn es im Analbereich brannte, juckte oder schmerzte. Hämorrhoiden, Afterjucken, Analfissuren, Brennen nach dem Stuhlgang: Für solche Beschwerden wurde das Präparat lange eingesetzt.
Die damalige Kombination klang auf den ersten Blick plausibel: Bismutgallat, Bufexamac, Lidocain und Titandioxid. Ein Wirkstoff sollte entzündungshemmend wirken, einer örtlich betäuben, einer die Haut schützen, einer die Wundheilung unterstützen. Genau so werden solche Präparate gerne erklärt. Sauber sortiert, angenehm beruhigend, pharmazeutisch ordentlich verpackt.
Nur hat die Geschichte einen Haken: Das alte Faktu akut mit Bufexamac ist heute keine aktuelle Empfehlung mehr. Der entscheidende Wirkstoff Bufexamac wurde in der Europäischen Union wegen eines ungünstigen Nutzen Risiko Verhältnisses vom Markt genommen. Das BfArM informierte bereits 2010 über den Widerruf der Zulassungen Bufexamac haltiger Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung.
Das Problem hieß Bufexamac
Bufexamac sollte entzündungshemmend wirken. Genau deshalb wurde es früher bei entzündlichen Hautveränderungen und auch bei Beschwerden im Analbereich eingesetzt. Der Gedanke war naheliegend: Wo die Haut gereizt ist, soll die Entzündung gebremst werden.
Doch in der Praxis zeigte sich ein anderes Bild. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA sah ein hohes Risiko teils schwerer Kontaktallergien. Besonders unangenehm: Diese allergischen Reaktionen konnten den Beschwerden ähneln, gegen die Bufexamac eigentlich angewendet wurde. Juckreiz, Brennen, Rötung, Nässen, Ekzem. Wer also glaubte, die Erkrankung werde schlimmer, behandelte unter Umständen weiter mit genau dem Mittel, das die Reaktion auslöste. Medizinisch ist das ungefähr so elegant wie Benzin auf Glut, nur mit Beipackzettel.
Die EMA bewertete zudem die Wirksamkeitsdaten als begrenzt. Das ist der Punkt, an dem ein Arzneimittel kippt: Wenn der Nutzen nicht überzeugend genug ist, das Risiko aber real bleibt, wird aus einem scheinbar harmlosen Mittel ein Problem.
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Was war in Faktu akut enthalten?
Das frühere Faktu akut war ein Kombinationspräparat. Enthalten waren:
- Bismutgallat: sollte zusammenziehend, schützend und leicht blutstillend wirken.
- Bufexamac: sollte Entzündungen hemmen.
- Lidocain: wirkt örtlich betäubend und kann Schmerzen sowie Brennen kurzfristig lindern.
- Titandioxid: wurde als schützender Bestandteil eingesetzt.
Auf dem Papier klingt diese Kombination durchaus schlüssig. Vor allem Lidocain erklärt, warum viele Anwender rasch eine Linderung bemerkten. Ein örtliches Betäubungsmittel kann Juckreiz und Schmerz dämpfen. Das ist keine Heilung, aber es kann kurzfristig entlasten.
Ältere Studien beschrieben ebenfalls eine Besserung von Beschwerden wie Brennen, Juckreiz und Schmerzen bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades. Solche Daten muss man heute aber anders einordnen als früher. Eine kurzfristige Symptomlinderung ist das eine. Ein ungünstiges Sicherheitsprofil ist das andere. Und genau dieses andere war bei Bufexamac der Knackpunkt.
Hämorrhoiden sind nicht immer das Problem
Ein weiterer Punkt wird in solchen Produkttexten gerne übergangen: Nicht jedes Brennen am After ist automatisch ein Hämorrhoidalleiden.
Hämorrhoiden selbst sind zunächst normale Gefäßpolster. Problematisch werden sie erst, wenn sie sich vergrößern, vorfallen, bluten oder Beschwerden machen. Juckreiz, Nässen, Brennen oder ein Druckgefühl können dazugehören. Sie können aber auch andere Ursachen haben: Analfissuren, Ekzeme, Pilzinfektionen, Unverträglichkeiten, falsche Analhygiene, chronische Verstopfung, Durchfall, eine Analvenenthrombose oder entzündliche Darmerkrankungen.
Und bei Blut gilt: Nicht vorschnell in die Schublade „Hämorrhoiden“ werfen. Die Fachinformation von Faktu lind weist ausdrücklich darauf hin, dass Blut im Stuhl beziehungsweise Blutungen aus dem Darm After Bereich grundsätzlich abgeklärt werden müssen. Auch die Hämorrhoiden Leitlinie betont, dass andere proktologische Erkrankungen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden sollten.
Das klingt banal, ist aber wichtig. Viele Patienten behandeln jahrelang „ihre Hämorrhoiden“, obwohl der eigentliche Auslöser ganz woanders sitzt.
Was ist heute mit Faktu?
Unter dem Namen Faktu gibt es heute nicht mehr die alte Bufexamac Kombination. Aktuell erhältlich ist unter anderem Faktu lind Hämorrhoidensalbe. Diese enthält kein Bufexamac, sondern ein Hamamelis Destillat. Zugelassen ist sie zur Besserung der Beschwerden bei Hämorrhoiden Grad I und II.
Hamamelis, die Zaubernuss, ist eine alte Heilpflanze mit zusammenziehenden Eigenschaften. In der Naturheilkunde wird sie traditionell bei nässenden, gereizten, entzündlichen Haut und Schleimhautprozessen eingesetzt. Das passt durchaus zum Beschwerdebild bei leichten Hämorrhoiden. Wunder sollte man davon nicht erwarten. Aber bei frühen, leichten Beschwerden kann das eine vernünftige, vergleichsweise milde Option sein.
Bei stärkeren Schmerzen oder massivem Brennen werden häufig Präparate mit Lidocain eingesetzt. Lidocain betäubt lokal und kann kurzfristig entlasten. Das löst aber nicht die Ursache. Wer immer wieder Betäubung braucht, hat kein Salbenproblem, sondern ein Ursachenproblem.
Was bei Hämorrhoiden wirklich zählt
Bei Hämorrhoiden wird viel geschmiert und wenig gefragt. Das ist typisch. Der Patient will Erleichterung, die Apotheke hat eine Salbe, und alle sind erst einmal zufrieden.
Nur entstehen Hämorrhoidalbeschwerden selten aus dem Nichts. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen: zu starkes Pressen, harter Stuhl, Bewegungsmangel, langes Sitzen, Übergewicht, Bindegewebsschwäche, chronische Verstopfung, Schwangerschaft, aber auch wiederholte Durchfälle.
Deshalb beginnt die sinnvolle Behandlung nicht bei der Tube, sondern beim Stuhlgang. Der sollte weich, geformt und ohne Pressen möglich sein. Wer jeden Morgen auf der Toilette einen kleinen Kraftdreikampf absolviert, wird mit Salben auf Dauer wenig gewinnen.
Praktisch heißt das: ausreichend trinken, Ballaststoffe langsam erhöhen, Flohsamenschalen sinnvoll dosieren, Bewegung in den Alltag bringen und das Toilettenverhalten ändern. Nicht ewig sitzen. Nicht pressen.
Auch die Analhygiene spielt eine Rolle. Zu viel Seife, Feuchttücher mit Duftstoffen oder aggressives Reiben können die Haut zusätzlich reizen. Warmes Wasser reicht in vielen Fällen völlig aus. Danach vorsichtig trocknen.
Naturheilkundliche Möglichkeiten
Aus naturheilkundlicher Sicht interessieren mich bei Hämorrhoiden immer drei Dinge: Stuhlregulation, Schleimhautmilieu und venöse Stauung.
Flohsamenschalen können hilfreich sein, wenn der Stuhl zu hart ist oder der Darm unregelmäßig arbeitet. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Sonst wird aus der guten Absicht ein Korken mit Naturkostetikett.
Hamamelis kann äußerlich bei leichten Beschwerden sinnvoll sein, besonders wenn Nässen, Brennen und gereizte Haut im Vordergrund stehen. Sitzbäder mit Eichenrinde oder Kamille werden ebenfalls traditionell eingesetzt. Eichenrinde wirkt durch ihren Gerbstoffgehalt zusammenziehend, Kamille eher beruhigend. Bei empfindlicher Haut sollte man aber vorsichtig testen, denn auch Heilpflanzen können reizen.
Venentonisierende Pflanzenstoffe wie Rosskastanie oder Mäusedorn werden eher bei venösen Beschwerden eingesetzt. Bei Hämorrhoiden können sie begleitend eine Überlegung sein, vor allem wenn gleichzeitig Krampfadern, schwere Beine oder eine allgemeine Venenschwäche bestehen.
Entscheidend bleibt aber: Wenn die mechanische Belastung täglich weiterläuft, kann keine Salbe der Welt dauerhaft sauber arbeiten.
Wann man nicht herumprobieren sollte
Bei gelegentlichem Jucken oder Brennen nach hartem Stuhl kann man zunächst konservativ ansetzen. Anders sieht es aus bei Blutungen, starken Schmerzen, tastbaren Knoten, Fieber, Eiter, unklarer Gewichtsabnahme, veränderter Stuhlform oder Beschwerden, die trotz Behandlung nicht besser werden.
Dann gehört das ordentlich abgeklärt. Gerade Blut am Toilettenpapier wird gerne verharmlost. Meist steckt tatsächlich etwas Gutartiges dahinter. Aber „meist“ ist kein richtiger Befund. Also einmal anschauen lassen.
Fazit
Faktu akut mit Bufexamac ist ein gutes Beispiel dafür, warum man alte Medikamentenartikel regelmäßig überprüfen muss. Was vor Jahren noch als gängige Empfehlung durchging, kann heute fachlich überholt sein.
Die alte Aussage „Bismutgallat, Bufexamac, Lidocain und Titandioxid sorgen für Linderung“ ist historisch erklärbar, aber heute so nicht mehr tragfähig. Ja, einzelne Bestandteile konnten Beschwerden lindern. Ja, ältere Studien beschrieben positive Effekte. Aber Bufexamac wurde wegen relevanter Sicherheitsbedenken vom Markt genommen. Damit ist die alte Bewertung erledigt.
Für Betroffene bleibt die wichtigste Botschaft: Beschwerden im Analbereich sind häufig, unangenehm und meist gut behandelbar. Aber die Lösung liegt selten nur in einer Salbe. Sinnvoll ist die Kombination aus kurzfristiger Linderung, genauer Ursachenklärung und konsequenter Stuhlregulation.
Oder etwas direkter gesagt: Wer bei Hämorrhoiden nur schmiert, aber weiter presst, sitzt das Problem im wahrsten Sinne des Wortes aus.
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Beitragsbild: 123rf.com – subbotina
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