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Heilverfahren, Klassische Naturheilkunde

Nasenreflextherapie: Wie Reize im Nasenraum vegetative Prozesse beeinflussen können

Nasenreflextherapie: anatomische Darstellung der Nasenhöhle und therapeutische Anwendung mit Nasenwatteträger durch medizinisches Fachpersonal

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Heilverfahren, Klassische Naturheilkunde

Inhaltsverzeichnis Einblenden
Studien zur Nasenreflextherapie
Vier reflektorische Funktionsbereiche im Nasenraum
Beckenzugeordneter Funktionsbereich
Solarplexusnaher Funktionsbereich
Kopfnaher Funktionsbereich
Respiratorischer Funktionsbereich
Durchführung der nasalen Reflextherapie
Rene Gräber:

Dass Reize im Nasenraum den Kreislauf beeinflussen, den Atem verändern oder vegetative Reaktionen auslösen können, ist physiologisch unstrittig. Kaum bekannt ist jedoch, dass diese Zusammenhänge über Jahrzehnte therapeutisch genutzt wurden – gezielt, manuell, reflektorisch. Die Nasenreflextherapie gehört zu diesen Verfahren. Sie taucht in alten Fachpublikationen auf, wird in der klassischen Medizin kaum erwähnt und lebt heute fast ausschließlich in der Erfahrungsmedizin weiter.

Ich habe im Laufe der Jahre viele Therapien kommen und gehen sehen. Manche verschwinden, weil sie nicht tragen. Andere, weil sie nicht ins System passen. Die Nasenreflextherapie gehört eher zur zweiten Kategorie. Sie arbeitet nicht mit Medikamenten, nicht mit Apparaten, sondern mit Reizen, Nervenbahnen, dem vegetativen Nervensystem – und mit einem Verständnis von Körperzusammenhängen, das in der modernen Medizin selten geworden ist.

In diesem Beitrag geht es genau darum: um nasale Reflexe, ihre möglichen Wirkmechanismen, die Zuordnung bestimmter Zonen, die praktische Anwendung mit Ölen und Dämpfen – und um eine nüchterne Einordnung dessen, was dieses Verfahren leisten kann. Ohne Mystik. Ohne Heilsversprechen. Aber auch ohne vorschnelles Abwinken.

Studien zur Nasenreflextherapie

Es gibt einige wenige wissenschaftliche Arbeiten zu dieser Therapieform, die in PubMed veröffentlicht worden sind.

Die in Französisch und Russisch veröffentlichten Artikel aus den 1950er und 60er Jahren sind leider nicht einsehbar, da sie, wie für fast alle Veröffentlichungen aus diesem Zeitraum üblich, ohne Abstract in PubMed gezeigt werden.

Eine Arbeit aus dem Jahr 2008 (Nasal Reflexes: Implications for Exercise, Breathing, and Sex) untersucht die Reflexmechanismen im nasalen Bereich und ihre Auswirkungen auf beziehungsweise bei bestimmten Situationen (Zahnarztbehandlung, Heuschnupfen, Alkoholkonsum, Reflexweiterleitung zu den Bronchien etc.).

In der abschließenden Beurteilung des Artikels bestätigen die Autoren, dass die Nase eine zentrale Rolle spielt als Sender und Empfänger von Stimuli zu und von einer Reihe von Teilen des menschlichen Körpers.

Es zeigt sich, dass die nasale Reflex-Therapie nicht nur in der Nase oder bestenfalls im Rachenraum wirksam ist. Aufgrund der übergreifenden Reflex-Wirkung beeinflusst der Therapeut andere Regionen des Organismus, bis hin zu Sexualorganen (was auch im eben erwähnten Artikel diskutiert wird), Magen-Darm-Trakt etc.

Die Nase zeigt in Bezug auf Reflexzonen einen ähnlich „bunten“ Aufbau auf wie wir es bereits von den Fußsohlen kennen. Der Unterschied liegt nur darin, dass die Reflexzonen der Fußsohlen wesentlich populärer sind als die des Naseninneren.

Den „Fachleuten“ dagegen ist dies nicht unbekannt. Wie bei den Fußsohlen stehen bestimmte Zonen der Nasenschleimhaut mit unterschiedlichen Organen in einem reflektorischen Kontakt.

Werden diese Zonen gereizt oder stillgelegt, dann hat das einen entsprechenden Einfluss auf das angeschlossene Organ. Auch hier sind die Parallelen zur Fußsohlenreflexologie nicht zu übersehen.

Meine Suche nach Literatur zu den verschiedenen Zonen und deren mögliche Beeinflussung war leider nur von eingeschränktem Erfolg gekrönt.

Obwohl schon Freud und ein befreundeter Hals-Nasen-Ohren-Spezialist von der nasalen Reflex-Therapie wussten, scheint man sich in der Wissenschaft so gut wie gar nicht um dieses Phänomen gekümmert zu haben. Dementsprechend dünn ist die Literatur zu dieser Therapieform.

Heute geht man von vier unterschiedlichen Zonen aus, die in einer engen Beziehung zu bekannten Reflexpunkten stehen. Diese Zonen scheinen wiederum mit den großen vegetativen Nervenzentren des Organismus reflektorisch verknüpft zu sein.

Zumindest deutet ein breites Wirkspektrum der nasalen Reflex-Therapie auf einen solchen Zusammenhang hin.

Vier reflektorische Funktionsbereiche im Nasenraum

In der nasalen Reflextherapie wird der Naseninnenraum nicht als isolierte Schleimhaut betrachtet, sondern als sensibel innerviertes Kontaktfeld zum vegetativen Nervensystem. In einigen naturheilkundlichen Konzepten werden dabei vier funktionelle Bereiche unterschieden. Diese Einteilung ist kein anatomisch gesichertes Zonenmodell, sondern eine arbeitspraktische Orientierung, die sich aus Beobachtungen und therapeutischer Erfahrung entwickelt hat.

Beckenzugeordneter Funktionsbereich

Im vorderen Abschnitt der unteren Nasenmuschel wird ein Bereich beschrieben, der reflektorisch mit vegetativen Regelkreisen des Beckenraums in Verbindung gebracht wird. In der Erfahrungsmedizin wird dieser Abschnitt bei funktionellen Beschwerden des Urogenitaltraktes berücksichtigt, etwa bei Menstruationsstörungen, Reizzuständen der Blase, Prostatabeschwerden, Hämorrhoiden oder sexuellen Funktionsstörungen. Gemeint sind dabei keine strukturellen Erkrankungen, sondern vegetativ mitbedingte Symptome.

Solarplexusnaher Funktionsbereich

Der mittlere Abschnitt der unteren Nasenmuschel wird in einigen Konzepten dem Bereich des Solarplexus zugeordnet. Er steht damit funktionell für Verdauungsorgane wie Magen und Darm sowie für Leber, Galle und Pankreas. In der Praxis wird dieser Bereich vor allem im Zusammenhang mit funktionellen Verdauungsstörungen, vegetativen Dysbalancen, Neigung zu Verkrampfungen oder träger Verdauung berücksichtigt. Aussagen zur Behandlung organischer Entzündungen sind hier mit Zurückhaltung zu betrachten und bleiben dem Bereich der Erfahrungsmedizin zugeordnet.

Kopfnaher Funktionsbereich

Am hinteren inneren Ende der unteren Nasenmuschel wird ein Bereich beschrieben, der reflektorisch mit Strukturen des Kopfes und der Sinnesorgane in Verbindung gebracht wird. In der naturheilkundlichen Praxis wird er vor allem bei funktionellen Beschwerden wie Druckgefühlen, Nebenhöhlenproblemen, Ohrdruck, Gleichgewichtsstörungen oder bestimmten Formen von Kopfschmerz berücksichtigt. Migräne als komplexes neurologisches Geschehen wird in diesen Konzepten in der Regel nicht als primäre Indikation gesehen. Dagegen gelten entzündlich bedingte Stirnhöhlenbeschwerden als typisches Anwendungsfeld.

Respiratorischer Funktionsbereich

Im Bereich der mittleren Nasenmuschel wird ein reflektorischer Bezug zu den unteren Atemwegen beschrieben. Dieser Abschnitt spielt in der Erfahrungsmedizin eine Rolle bei funktionellen Atemstörungen, chronischem Husten, spastischer Bronchitis oder asthmatischen Beschwerden. Der therapeutische Ansatz zielt hier nicht auf eine kausale Behandlung struktureller Lungenerkrankungen, sondern auf eine vegetative Entlastung und Atemregulation. Einzelne Berichte erwähnen auch unterstützende Effekte im Rahmen einer Raucherentwöhnung, belastbare Daten liegen hierzu jedoch nicht vor.

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Durchführung der nasalen Reflextherapie

Die nasale Reflextherapie wird nicht beiläufig und schon gar nicht mit haushaltsüblichen Hilfsmitteln durchgeführt. Sie gehört in die Hand eines erfahrenen Therapeuten, der mit der Anatomie des Naseninnenraums vertraut ist.

Die Anwendung erfolgt in der Regel lokal und gezielt, nicht flächig oder unspezifisch. Zum Einsatz kommen dafür lange, stabile Nasenwatteträger beziehungsweise medizinische Wattestäbchen mit verlängertem Schaft (auch als Nasentupfer oder Nasenapplikatoren bezeichnet). Diese ermöglichen ein sicheres, kontrolliertes Arbeiten im vorderen und mittleren Nasenraum, ohne die Schleimhaut unnötig zu reizen oder zu verletzen.

Als Wirkstoffe werden in der Erfahrungsmedizin meist milde Öl- oder Balsamzubereitungen verwendet. Ätherische Öle kommen – wenn überhaupt – nur stark verdünnt und mit großer Zurückhaltung zum Einsatz. Ziel ist keine Schleimhautreizung, sondern eine gezielte reflektorische Stimulation.

Einige therapeutische Konzepte arbeiten mit einer stufenweisen Vorgehensweise, bei der die Intensität und Art der Anwendung langsam gesteigert wird. Diese Einteilung dient weniger einem festen Schema als vielmehr der Anpassung an die individuelle Reaktionslage des Patienten. Die Behandlungsdauer orientiert sich daher nicht an starren Zeitvorgaben, sondern an Verträglichkeit, Beschwerdebild und vegetativer Reaktion.

Charakteristisch für die nasale Reflextherapie ist, dass Reaktionen oft rasch einsetzen. Dazu zählen ein freieres Atemgefühl, eine veränderte Nasenpassage, gelegentlich Tränenfluss oder ein kühlendes Empfinden im Augen- oder Stirnbereich. Diese Effekte sind Ausdruck vegetativer Reflexantworten und keine unerwünschten Nebenwirkungen im eigentlichen Sinne. Vorübergehend kann es zu einer leicht nasalen Sprachfärbung kommen, die sich in der Regel rasch zurückbildet.

Eine eigenständige Selbstbehandlung ohne entsprechende Ausbildung ist nicht vorgesehen. Die Nasenschleimhaut ist ein hochsensibles Organ – präzises Arbeiten, Zurückhaltung und Erfahrung sind hier entscheidend.

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Rene Gräber:

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