Morbus Crohn

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Morbus Crohn - eine chronisch entzündlich verlaufende Darmerkrankung, die den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht. Nach Auffassung der Schulmedizin sind die genauen Ursachen noch umstritten. Ein neues Erklärungsmodell setzt an den spezifischen Merkmalen der Darmflora  an.  US-amerikanische Forscher fanden 2016 in der Darmflora bei Crohn-Patienten 3 Mikroorganismen, die im Mikrobiom der Kranken interagieren. Das Darmbakterien Escherichia coli fusioniert mit dem Pilz Candida tropicalis. Mit dem Bakterium Serratia marescens bilden die Pilze Zellbrücken aus. Diese Prozesse waren in der Darmflora bei gesunden Menschen kaum zu beobachten. Die Forscher vermuten, dass die Symbiosen zwischen dem Pilz und den Bakterien eine Hauptursache für die entzündliche Darmerkrankung liegt (Case Western Reverse University).

Morbus Crohn

Trotz der neuen Forschungsergebnisse ist eine komplette Heilung noch in weiter Ferne. Aber: aus Sicht der Naturheilkunde kann ich sagen: Auch bei Morbus Crohn ist eine Heilung absolut möglich. Der Weg dorthin ist aber meistens nicht einfach...

Was Morbus Crohn ist und wodurch er sich von einem recht ähnlichen Krankheitsbild, der Colitis ulcerosa, unterscheidet, das können Sie unter Morbus Crohn - Die Chronische Darmentzündung und Morbus Crohn - Darmentzündung, Schleim im Stuhl und mehr... nachlesen.

In diesem Artikel möchte ich einmal einen Blick auf die Therapie des Morbus Crohn werfen. Dabei geht es mir darum, die Therapiemöglichkeiten der Schulmedizin und die der alternativen Medizin zu betrachten. Vielleicht bekommen wir auch zum Schluss eine Vorstellung, warum man in der Schulmedizin den Morbus Crohn als unheilbar darstellt, in der Alternativmedizin dagegen die Sache deutlich optimistischer sieht.

Die Schulmedizin und der Morbus Crohn

Da die Entzündung ein Leitbild dieser Erkrankung ist, wäre es nur logisch, therapeutisch zu versuchen, diese Entzündungen zu bekämpfen. Aber wie es aussieht, gibt es hierzu in der Schulmedizin (mindestens) zwei Meinungen. Die einen vertreten den Standpunkt, dass das Ziel einer Therapie sein muss, dass die Patienten weitestgehend beschwerdefrei sind – also eine mehr symptomatisch ausgerichtete Therapie. Diese Praxis passt in das Dogma, dass der Morbus Crohn unheilbar ist und man daher nur seine Symptome eliminieren kann. Auf jeden Fall haben der Arzt und die Medikamentenhersteller hier einen Dauerkunden. Eine andere Richtung sieht eine mögliche Heilung durch eine therapeutische Eliminierung der Entzündungen, was sich „Mucosal Healing“ (MH) nennt (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19949430).

Diese Richtung tendiert schon eher zur alternativmedizinischen Auffassung, wie man eine solche Erkrankung nachhaltig therapieren kann. Und die Befürworter dieser Richtung sind der Überzeugung, dass die Beseitigung der Entzündungen nicht nur die Symptome mildert, sondern auch Folgeerkrankungen blockiert, wie zum Beispiel den Funktionsverlust von Teilen des Darms, die üblichen Schübe und möglicherweise auch Darmkrebs.

In der Schulmedizin wird für eine Therapie des Morbus Crohn grundsätzlich zwischen einer „Schubtherapie“ und einer „Remissionserhaltung“ unterschieden. Denn obwohl die Erkrankung permanent vorliegt, erfolgt der Verlauf in Schüben – mit den dementsprechenden Symptomen.

Akute Schübe

Akute Schübe werden je nach Schweregrad therapiert. In der Schulmedizin unterscheidet man zwischen leicht- bis mittelgradigen Schüben und mittelgradigen bis schweren Schüben. Da der gesamte Magen-Darm-Trakt befallen sein kann, spielt die Lokalisation der Erkrankung für die Therapie mit eine Rolle. Dies sind die Hauptoptionen, die die Schulmedizin bei einem akuten Schub zum Einsatz kommen lässt:

Um die Symptome während eines Schubs zu lindern, greift man auf eine eventuell parenterale Diät zurück. Bei einer oralen Diät liegt das Hauptaugenmerk auf einer voll resorbierbaren und ballaststoffarmen Flüssignahrung. Diese Maßnahmen machen oft den Einsatz von Glucocorticoiden überflüssig beziehungsweise reduzieren die eingesetzten Mengen. Nachteil ist die über die Nase eingeführte Ernährungssonde, die keine hohe Patientenkompliance genießt.

Glucocorticoide – sie stellen die wichtigsten „Waffen“ der Schulmedizin gegen Morbus Crohn Schübe dar. In Ausnahmefällen kann das Cortison auch lokal appliziert werden. Dies ist aber nur möglich, wenn zum Beispiel nur der Mastdarm von der Erkrankung betroffen ist. Hier kann Cortisol als Klysma appliziert werden. Was aber eine systemische Dauergabe bewirken kann, das habe ich unter Die Leiden mit der Kortisonspritze oder: „killing me softly“ bei anderen Krankheitsbildern beschrieben. Auch wenn hier nur bei akuten Schüben Cortisol zu Linderung der Schubsymptome eingesetzt wird, was für den Patienten verständlich und berechtigt ist, muss man die potentiellen Nebenwirkungen des Cortisols im Auge behalten.

Salazosulfapyridin (Sulfasalazin) und Mesalazin (5-ASA) sind entzündungshemmende Substanzen, die bei leichten und mittelschweren Schüben gegeben werden. Leider gibt es keine Untersuchungen zur Wirksamkeit der Substanzen. Und die evidenzbasierte, medizinische Praxis spricht von einer „nur geringen Wirksamkeit“.

Damit steht die Tür einen Spalt breiter offen für die „schweren Geschütze“ - die TNF-Blocker. Infliximab und Adalimumab stehen hier an erster Stelle. Von der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e. V.) werden diese Substanzen als „hoch potente“ Medikamente bezeichnet. Aber es wird auch darauf hingewiesen, dass diese Hochpotenz durch gewaltige Nebenwirkungen erkauft wird und damit diese Substanzen eher Mittel der dritten Wahl sein sollten. Bemerkenswert auch der Nachsatz: „Über den Nutzen eines breiteren Einsatzes wird diskutiert.“

Es besteht auch die Möglichkeit, befallene Darmabschnitte operativ zu entfernen. Diese Option ist manchmal notwendig, wenn betroffene Areale durch die Entzündung so in Mitleidenschaft gezogen worden sind, dass sie funktionell ausfallen und die Gefahr einer Perforation, Stenose, Fistelbildung und so weiter besteht.

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Remissionserhaltung

Zur Zeit gibt es für die Schulmedizin kein Medikament, das in der Lage ist, Schübe zu verhindern. Nur gezielte Operationen zeigen eine gewisse schubunterdrückende Wirksamkeit. Patienten mit häufigen und schweren Schüben und bei denen, die Cortisol aus verschiedenen Gründen absetzen müssen, sollen eine remissionserhaltende Therapie bekommen. Und die sieht so aus:

Immunsuppressiva – diese Substanzen (Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Methotrexat) wirken ähnlich wie Cortisol. Sie verringern die Ansprechbarkeit und Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Da der Morbus Crohn als eine Autoimmunerkrankung gilt, versucht man hier, das Immunsystem mit „Handschellen“ an „bösen aber auch guten Taten“ zu hindern. Für die bösen Taten, das Attackieren von körpereigenen Zellen im Darm, mag das Konzept als genau richtig erscheinen. Aber das Immunsystem zeichnet sich primär durch gute Taten aus, und das ist der Schutz vor Krankheitserregern und Fremdstoffen, inklusive der Abwehr von ehemals körpereigenen Zellen, den Tumorzellen.

TNF-α-Blocker – dies sind im weitesten Sinne ebenfalls immunsuppressiv wirksame Substanzen. Von daher gilt, was auch für die zuvor erwähnten Immunsuppressiva gilt: Ein Immunsystem in „Handschellen“ ist nicht mehr in der Lage, effektiv Infektionen abzuwehren, so dass mit einem stark erhöhten Infektionsrisiko gerechnet werden muss. Hiervon sind praktisch alle Arten von Infektionen betroffen – Pilz-, Bakterien- und Vireninfektionen.

Da aufgrund der unter Umständen möglichen Einschränkungen der Resorption von Nährstoffen eine Mangelernährung auftreten kann, benötigen eine Reihe von Patienten eine ergänzende Ernährung oder Spezialnahrung, die den Mangel an Eisen, Vitamin B12, Zink und so weiter ausgleichen hilft. Durch die langanhaltende Einnahme von Glucocorticoiden kann es zu Stoffwechselstörungen, Diabetes, Osteoporose etc. kommen, für die dann andere, zusätzliche Therapien in Angriff genommen werden müssen. Hier hätten wir das perfekte Beispiel, wie in der Schulmedizin durch die Therapie einer Krankheit neue Krankheiten erzeugt werden.

Die Schulmedizin akzeptiert zwar alternativ erscheinende Methoden, wie zum Beispiel die Psychotherapie und Entspannungstherapien (Verhaltenstherapie, Mind Body Therapie, progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Feldenkrais-Methode etc.).

Sie bezweifelt aber, dass diese Therapieformen das leisten können, was die Schulmedizin selbst nicht zu leisten im Stande ist, und zwar eine Heilung oder aber zumindest eine Verbesserung des Krankheitsbildes.
Denn das schulmedizinische Dogma für Morbus Crohn lautet (Zitat aus DCCV e. V.): „Eine Heilung der Erkrankung ist zwar nicht bekannt, doch viele Betroffene sind über lange Zeiten hinweg frei von spürbare[n] Zeichen der Erkrankung.“

Die Alternativmedizin – eine evidenzbasierte Alternative?

Eine nahezu „unglaubliche“ Therapie von Morbus Crohn stellt die Gabe von Eiern des Schweinepeitschenwurms dar. Noch unglaublicher ist die Tatsache, dass die DCCV darüber durchaus positiv berichtet: Studie mit TSO für Patientinnen und Patienten mit aktivem Morbus Crohn.(1)

Natürlich kommen sofort ein paar Sicherheitsbedenken, wenn man liest, dass hier Patienten mit möglichen Parasiten belastet werden. Aber der Mensch ist nicht der natürliche Wirt des Schweinepeitschenwurms, der sich nur kurze Zeit im Körper eines Menschen entwickeln kann und dann abstirbt und ausgeschieden wird. Eine Verabreichung der Wurmeier erzeugt also in keinem Fall eine Parasiteninfektion, für die dann wieder andere Maßnahmen angezeigt wären.

Der Wirkmechanismus, der hinter dieser Verabreichung der Eier liegt, wird wie folgt erklärt:

Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, deren Basis auf einem Ungleichgewicht des Th1-Th2-Systems (T-Helferzellen der Lymphozyten) beruht (siehe auch Die Th1 – Th2 Immunbalance – als Grundlage für die Therapie).

In der eben zitierten Quelle können Sie nachlesen, dass eine Dominanz der Th1-Reaktionen unter anderem zu Autoimmunerkrankungen führt, wie zum Beispiel zu Morbus Crohn. Die chronische Überaktivierung von Th1 führt somit zu einer chronischen Entzündung im Darm. Mit dem „Anschalten“ eines Prozesses, der die Th2-Schiene aktiviert, kommt es zu einer Dämpfung der Th1-Aktivitäten und damit zu einer Abnahme der chronischen Entzündungen. Mit der Th1-Dämpfung wird zum Beispiel genau das erreicht, was die Schulmedizin mit der Gabe von TNF-Blockern erreichen möchte: Eine Senkung der Aktivitäten des Tumor-Nekrose-Faktors und damit der Entzündungen. Der Unterschied hier ist, dass bei der Behandlung mit Wurmeiern der Organismus auf einen natürlichen, physiologischen Reiz reagiert, während ein TNF-α-Blocker eine nicht selektive beziehungsweise unkontrollierte Hemmung der Aktivitäten durchführt, was zu den vielen, schweren Nebenwirkungen führt.

Durch die Gabe der Wurmeier und der dadurch künstlich herbeigeführten „Wurminfektion“ kommt es zu einer Immunantwort, indem das Immunsystem seine Th2-Aktivitäten verstärkt und damit die Th1-Aktivitäten herabfährt. Leider untersuchte diese Studie, die 2003 veröffentlicht wurde, nur vier Patienten mit Morbus Crohn und drei mit Colitis ulcerosa. Bei beiden Erkrankungen ging es darum, die entzündlichen Prozesse zum Stoppen zu bringen, was auch bei sechs von sieben Patienten gelang. Diese Zahlen sind selbstredend für eine vernünftige Therapieempfehlung nicht zu gebrauchen. Diese Arbeit kann bestenfalls als Orientierung gelten, wo die Autoren in einem Kleinversuch einer Idee nachgegangen sind und hier eine vorläufige Bestätigung erfahren haben. Das, was sich jetzt anschließen sollte – eine klinische Studie mit großen Fallzahlen – ist nach meinen Kenntnissen nie erfolgt. Leider!

Cannabis hat laut einer Beobachtungsstudie ebenfalls eine gute Wirkung bei Morbus Crohn. Aber auch hier sind die Fallzahlen zu dürftig (30 Patienten), um allgemeingültige Aussagen machen zu können. Aber solche Arbeiten zeigen, dass es neben den ebenfalls nicht sonderlich wirksamen, aber zugelassenen Substanzen der Schulmedizin noch andere Wege gibt, die ebenso vielversprechend sind, wenn nicht sogar besser. Denn immerhin ist das Spektrum an Nebenwirkungen bei den alternativen Verfahren bei weitem nicht so „mörderisch“ wie zum Beispiel bei den Immunsuppressiva.

Mastix ist kein Freund von Asterix und Obelix, sondern das Harz der Mastix-Pistazienbäume. Falls die beiden an Morbus Crohn leiden, dann könnte Mastix ihr Freund werden. Denn eine Studie (Chios mastic treatment of patients with active Crohn's disease) aus dem Jahr 2007 hat mit leider nur wenigen Teilnehmern (18 Patienten) zeigen können, dass die Entzündungsmarker bei Morbus Crohn Patienten unter Mastix signifikant reduziert werden konnten. Bei keinem der mit Mastix behandelten Patienten sind Nebenwirkungen beobachtet worden.

Für den Indischen Weihrauch gibt es zwei Studien, die sich widersprechen (Therapy of active Crohn disease with Boswellia serrata extract H 15 von 2001 und Randomized, placebo-controlled, double-blind trial of Boswellia serrata in maintaining remission of Crohn's disease: good safety profile but lack of efficacy von 2011). Während die Studie von 2001 die Pflanze mit Mesalazin verglich und einen ähnlich guten Effekt feststellte, bei weniger Nebenwirkungen, verglich die Studie von 2011 die Pflanze mit Plazebo. Die Autoren sahen keine bessere Wirkung als Plazebo. Der logische Schluss aus beiden Arbeiten wäre somit, dass der Indische Weihrauch wie ein Plazebo wirkt, Mesalazin so gut wie der Weihrauch und somit ein offiziell zugelassenes Plazebo in der evidenzbasierten Medizin ist. Zur näheren Charakterisierung von Boswellia bei Morbus Crohn siehe weiter unten im Therapiekasten unter „Phytotherapie“.

Die Akupunktur scheint ebenfalls bei Morbus Crohn wirksam zu sein. Acupuncture and moxibustion in the treatment of active Crohn's disease: a randomized controlled study ist eine Studie aus dem Jahr 2004 mit 51 Patienten. Die Autoren sahen zwar einen deutlichen Placeboeffekt, der aber von einem offensichtlichen therapeutischen Effekt übertroffen wurde. Ich selbst wende die Akupunktur zwar auch an, würde aber "Crohn-Patienten" keinesfalls nur mit Akupunktur behandeln.

Das bringt uns zu den weiteren "alternativen" Therapieoptionen, die eine Aussicht auf Erfolg versprechen:

Akupunktur Oft sehr gute Erfolge; Di 4, Ren 15, Ren 13, Ma 21, Ma 25, (Ma 39), Le 13, Gb 28.
Bach-Blütentherapie Eine langfristige Behandlung mit Honeysuckle ist erfolgversprechend.
Ernährungstherapie

Hierzu gibt es leider keine einheitlichen ernährungstherapeutischen Empfehlungen. Betroffenen, die sich bisher noch wenig mit Ernährung beschäftigt haben, sollten meinen Beitrag zur Schonkost lesen.

Im Folgenden möchte ich Ihnen noch eine kleine Übersicht zu weiteren

Akutstadium

  • bei abgemagerten Patienten eine ballaststoffarmen oder -freie Formeldiät über 2-3 Wochen
  • bei weniger dramatischen Fällen hilft eine Nahrungskarenz über wenige Tage, eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr über Gemüsebrühen oder Tee, dann ein vorsichtiger Kostaufbau mit frischen Säften, Obst, Gemüse und Kartoffeln.
  • Gärung und Fäulnisprozesse im Darm sollten unbedingt vermieden werden, zum Beispiel durch die Vermeidung von den Kombinationen Obst und Getreide und Obst und Gemüse usw. Langsamer Zusatz von natürlichen Fetten und leicht verdaulichen Eiweißen (auf Nahrungsmittelallergien achten).
  • Sicherung der Vitaminversorgung besonders der fettlöslichen Vitamine.

Im beschwerdefreien Intervall könnte über folgende "Konzepte" nachgedacht werden:

Heilfasten

Das Fasten entlastet den Gastrointestinaltrakt und übt eine anti-phlogistische Wirkung aus, die einer Verbesserung der Symptome bewirken können.

Ein vorsichtiges Fastenbrechen und Aufbautage resultiert in der Vermeidung von unverträglichen Nahrungsmitteln.

Homöopathie

Die klassische Homöopathie ist immer eine gute Option, vor allem wenn bestimmte Ursachen auszumachen sind (Causa, §5 Organon).

Im Folgenden eine kurze Übersicht wie verschieden die Mittel bei einem "Crohn-Patienten" sein können: 

  • Aethiops antimonalis D 3, D 4: empirisch bei Colica mucosa, Colitis ulcerosa und bei empfindlicher Reaktionslage in D 12.
  • Aloe vera D 3, D 4: morgendlicher Durchfall, Stuhlinkontinenz, dünner, schleimiger Stuhl mit vielen Blähungen, Brennen im After, Pflockgefühl im After, große Schwäche nach Durchfall.
  • Arsenicum album D 4, D 6, D 12, (D 30): Ekel vor Essen und Essensgeruch, berührungsempfindlicher Bauch, brennende Bauchschmerzen, häufige, kleine, übelriechende Stuhlgänge, Brennen im After wie Feuer, Erschöpfung nach Stuhlgang, große Angst, Übergenauigkeit, Unruhe, Durst auf kleine Mengen kalten Wassers, Verschlechterung um Mitternacht, Verbesserung durch Wärme.
  • Graphies D 4, D 6, D 12, (D 30): Heißhunger, krampfartiger Magenschmerz, reichliche, übelriechende Winde, schleimiger Durchfall, Brennen im After, wunde Gesäßfurche, Frostigkeit, rissige Haut, Traurigkeit und Verlangsamung.
  • Lycopodium D 3, D 4, D 6, (D 30): aufgetriebener Leib, beengende Kleidung wird nicht vertragen, Koliken von 16 bis 20 Uhr, dünne, übelriechende Stühle oder Verstopfungen mit dem Gefühl, als ob viel zurück bleibt, Afterkrämpfe, Heißhunger, aber satt nach wenigen Bissen, Menschenscheu, Misstrauen und Reizbarkeit.
  • Mercurius solubilis D 4, D 6, D 12: Foetor ex ore (Halitosis, Mundgeruch), Speichelfluss, belegte Zunge mit Zahneindrücken, schleimiger, blutiger Stuhlgang, viele, kleine Stühle, das Gefühl, als ob noch etwas nachkommt, Frösteln nach Stuhlgang, scharfer, wundmachender Stuhl, klebriger Nachtschweiß, kalte Luft und Bettwärme verschlimmern den Zustand.
  • Natrium muriaticum D 4, D 6, D 12, (D 30): Abmagerung trotz Heißhunger, dünner, wässriger Stuhl besonders morgens und um 11 Uhr, auch Verstopfungen, großer Durst, Verlangen nach Salz, Brot, viel Kummer, Redefaulheit.
  • Silicea D 12: dies hat sich bei der Bildung von Fisteln gut bewährt.
  • Sulfur D 4, D 6, D 12, (D 30): Heißhunger, isst aber nur wenig auf einmal, vormittags mit Leeregefühl im Bauch, Aufstoßen wie von faulen Eiern, reichliche, übelriechende Blähungen, schleimiger Durchfall, der morgens aus dem Bett treibt, starkes Brennen am After, Verlangen nach Süßigkeiten und Alkohol, was aber nicht vertragen wird.

Sie sehen: es gibt nicht "das" homöopathische Mittel gegen Morbus Crohn.

Mikrobiologische Therapie

Sie ist primär als eine unterstützende Maßnahme anzusehen. Besonders gute Wirksamkeit ist bekannt von Präparaten mit Escherichia coli (oftmals nur kurz als E. coli bezeichnet). Präparate wären u.a. z.B. Colibiogen oder Mutaflor.

Besonders bei "Darmpatienten" ist auf den Zustand der Darmmikroökologie achten. Eine Untersuchung des Stuhls ergibt hier wichtige Hinweise durch Stuhlflora, Schleimhautparameter und so weiter.

Lactoferrin, Calprotectin und PMN-Elastase im Stuhl können als Verlaufsparameter für Entzündungen besser genutzt werden als BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) oder CRP (C-reaktives Protein).

Neuraltherapie

Das Wichtigste bei Morbus Crohn ist die Störfeldsuche.

Bewährt hat sich der sog. „Bauchkranz nach Hopfer“ und das Quaddeln über den Schmerzen am Bauch. Durch die Quaddeln wären auch eine präperitoneale Injektionen möglich.

Ordnungstherapie

Patienten mit Darmentzündungen wird oftmals "angehängt", dass diese keine "reife Beziehung zu ihrer Umwelt“ aufbauen könnten. Passivität, Konfliktvermeidung, Aggressionshemmung, Zwanghaftigkeit seien oft anzutreffen.

Bei Konflikten oder in Stresssituationen wird oft ein neuer Schub ausgelöst – das ist nichts Neues, denn Stress schwächt das Immunsystem. Patienten mit Darmentzündungen neigen bei nachlassender Entzündungsaktivität auch zu verminderter Compliance. Sie sollten unbedingt auf die prophylaktische Wirkung zahlreicher Naturheilverfahren aufmerksam gemacht werden. Die sind aber nur dann erfolgversprechend, wenn sie konsequent über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Patienten mit Morbus Crohn profitieren nachgewiesenermaßen übrigens davon, wenn sie aufhören zu Rauchen!

Orthomolekulare Medizin

Zu beachten ist, dass eine ausführliche Nährstoffanalyse (bei Mineralien mit Vollblut). Als Ergänzungsmittel können in Frage kommen:

Omega-3-Fettsäuren: täglich 1-2 Gramm (z. B. 4-8 Gramm Fischöl) oder 1-2 Esslöffel Leinöl vermindern die Rezidivhäufigkeit um die Hälfte.

Die Vitamine A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K (fettlösliche Vitamine): besonders im akuten Stadium mit vielen Durchfällen und dadurch bedingten Vitaminverlusten.

Vitamin B12 : 1000 Mikrogramm intramuskulär alle 3 Monate.

Folsäure: 5 Milligramm täglich (Azulfidine ist ein Folsäuregegenspieler!).

Vitamin E: 400 IE täglich.

Eisen: 10-20 Milligramm (bei Anämie, ein verträgliches Präparat sollte gefunden werden).

Zink: 20-50 Milligramm täglich.

Pantothensäure: 100-1000 Milligramm fördern die Abheilung von Schleimhautläsionen.

Physikalische Therapien /
Krankengymnastik / Massage /
Sport

Hydrotherapie: ansteigende Sitzbäder 2 mal pro Woche, Leibwickel 2 mal täglich. Später feuchte heiße Kompressen: Heublumensäcke, Schlamm-Fango-Umschläge.

Bewegungstherapie: in der akuten Phase empfehle ich mit intensivem Sport zu pausieren. Nach Abklingen von Entzündungszeichen empfehle ich Gymnastik, vorzugsweise nach einer Methode, die ich für alle Schmerzpatienten lehre. Mehr dazu auf meiner Seite: www.schmerztherapiezentrum.com

Mit Ausdauertraining würde ich „moderat“ wieder anfangen wenn akute Beschwerden abgeklungen sind. Die individuelle Trainingsintensität würde ich anhand der Ergebnisse der Spiroergometrie beziehungsweise der anaeroben Schwelle (Test, evtl. Karvonen-Formel) bestimmen.

Massagen: Reflexzonenmassage, Bindegewebsmassage: Segmente Th 9 bis L 1

Phototherapie: UV-Ganzkörperbestrahlungen.

Heilpflanzen

Zur Remissionserhaltung und –erhaltung:
Der Indische Weihrauch beziehungsweise sein Gummiharz eignen sich zur Remissionsbehandlung bei Morbus Crohn (und Colitis ulcerosa). Die Säuren von Boswellia wirken anti-phlogistisch durch die Hemmung von Prostaglandin- und Leukotriensynthese, analgetisch, anti-mikrobiell und immunsuppressiv.

Die empfohlene Dosierung: 1-3 mal täglich 400 Milligramm stand. Weihrauch-Trockenextrakt.

Zu Weihrauch wurde keine Monographie der Kommission E oder ESCOP erstellt. Für Fertigarzneimittel existiert in Deutschland keine Zulassung nach dem 2. AMG, individuelle Verordnungen und Einzelimporte aus anderen Ländern (z. B. Schweiz, Indien usw.) sind möglich. Ein qualitativ empfehlenswertes Produkt ist „Ayurmedia H15“.

In akuten Fällen bietet sich eine symptomorientierte Therapie an:
Als symptomatische Therapie zur Krampflösung und Schmerzlinderung eignen sich als Antiphlogistika beziehungsweise Spasmolytika bei leichten Spasmen Kamillenblüten (Matricariae flos) und bei stärkeren Spasmen und kolikartigen Schmerzen im Bereich des Gastrointestinaltrakts und der Gallenwege Tollkirschenblätter und -wurzel (Belladonnae folium und - radix) sowie Glockenbilsenkrautwurzelstock (Scopoliae rhizoma).


Kamillenblüten (Matricariae flos), als Tee oder stand. ethanolischer Extrakt mit hohem Gehalt an α-Bisabolol, zum Beispiel Kamillosan® Konzentrat Lösung, Kamillenöl Konzentrat Robugen® Lösung, Matmille® Fluidextrakt.

Tollkirschenblätter oder -wurzel (Belladonnae folium oder – radix): nur als eingestellte, stand. Extrakte mit genauer Dosierung (Belladonnaextrakt DAB max. Tagesdosis von 0,15 Gramm entsprechend 2,2 Milligramm Gesamtalkaloide berechnet als Hyoscyamin)
Glockenbilsenkrautwurzelstock (Scopoliae rhizoma): nur als eingestellte, stand. Extrakte mit genauer Dosierung (max. Tagesdosis entsprechend 3 Gramm Gesamtalkaloide berechnet als Hyoscyamin): Die Verwendung der Monodroge ist obsolet, Kombinationen mit anderen Spasmolytika sind möglich.

Fußreflexmassage Die Fußreflexmassage kann ich nur allen Patienten empfehlen, es damit einmal zu versuchen. Die Ergebnisse können sehr gut sein!

Hinweise für Therapeuten bezüglich der Refelxzonen:

Hauptzone ist natürlich der Dünndarm.

Weitere Reflexzonen: Diaphragma, Sphinktermuskulatur, Leber, Pankreas, mittlere und untere Wirbelsäule, Solarplexus.

Dosierung: nach Verlauf: in der Regel 2-3 mal pro Woche 20-25 Minuten, 6-12 Sitzungen, gegebenenfalls mehrere Zyklen.

Sauerstoff und Ozon

Ozon: Darm-Insufflation mit circa 200 Milliliter beginnen. Nach drei Behandlungen jeweils um 50 Milliliter steigern. Endvolumen circa 700-800 Milliliter. Ozon-Konzentrationen: mit 20 Mikrogramm O3 pro Milliliter beginnen und bis auf 30-40 Mikrogramm pro Milliliter steigern. Anfangs durchaus täglich; nach einer Woche ca. 2-5 mal pro Woche, je nach Symptomatik. Später bei Besserung 2 mal pro Woche. Circa 10-15 Sitzungen.

Zentramin Ampullen i.v. beziehungsweise Inzolen E Infusionen zur vegetativen Stabilisierung.

Fazit

Die Palette der natürlichen Heilmethoden ist mehr als umfassend und bietet daher neben einer bloßen Behandlung von Symptomen während einer Akutphase auch gesteigerte Chancen zur Heilung oder zumindest zu einer signifikanten Verlängerung der Remissionsphasen.

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter von Heilpraktiker René Gräber

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 01.11.2016 aktualisiert.

Quellen:

(1) Vgl.: dccv.de/crohn-colitis/forschung/studien/studienaufrufe/aktiv/studie-mit-tso-fuer-patientinnen-und-patienten-mit-aktivem-morbus-crohn/). Den Abstract der Originalarbeit finden Sie hier: Trichuris suis seems to be safe and possibly effective in the treatment of inflammatory bowel disease.