Moringa oleifera: Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Name Moringa steht für eine Pflanzenfamilie, die nur eine Gattung hat und 13 Arten – eine für Pflanzen ungewöhnlich kleine Familie. Im Mittelpunkt des Interesses steht vor allem Moringa oleifera oder „Meerrettichbaum“.

Herausstechend bei dieser Pflanze sind die hohen Nährstoffanteile. Moringa oleifera enthält dreimal so viel Vitamin A wie Karotten, siebenmal mehr Vitamin C als Orangen, dreieinhalb mal mehr Calcium als Kuhmilch, dreimal mehr Kalium als Bananen und das Doppelte an Proteinen im Vergleich zu Kuhmilch.

Die Pflanze/Baum kommt ursprünglich aus der Himalaya-Region im Nordwesten von Indien. Inzwischen wird die Pflanze in Afrika, Südostasien und auf den karibischen Inseln kultiviert. In Indien ist Moringa integraler Bestandteil der traditionellen Medizin. Sie dient als Blutdrucksenker, wird gegen Entzündungsprozesse eingesetzt, und die Wurzeln kommen als anti-rheumatische Medikation zum Einsatz. Die Wurzeln werden auch als natürliches Antibiotikum genommen.

Es steht natürlich zu erwarten, dass Moringa als Naturprodukt kein besonderes Ansehen bei der Schulmedizin genießt, was auch die Tatsache nicht ändert, dass die Pflanze ihr Können schon seit Jahrhunderten in der traditionellen Naturheilkunde unter Beweis hat stellen können. Daher gilt es, einmal einen Blick auf die etwas mehr „evidenzbasierte“ Wissenschaft zu werfen und zu schauen, ob die etwas Erhellendes zu Moringa zu bieten hat.

Moringa – „wissenschaftliche Studien“

Das Erste, was bei der Suche nach wissenschaftlichen Artikeln zu Moringa auffällt ist, dass es etliche Artikel gibt, die aus diesem oder letztem (2013) Jahr stammen. Insgesamt gibt es in PubMed 452 Artikel, wovon die meisten jüngeren Datums sind. Es gibt sogar schon eine Publikation, die die wesentlichen Merkmale der Pflanze zusammenfasst: Health Benefits of Moringa oleifera.

Dieser Artikel bringt zum Ausdruck, dass Moringa inzwischen weltweit in der alternativen Medizin zum Einsatz kommt. Grund dafür ist die inzwischen gewonnene Erkenntnis, dass Moringa zahlreiche medizinische Vorteile besitzt, die bis in die Ernährung hineinreichen. Moringa enthält essentielle Aminosäuren, Carotinoide in den Blättern und Substanzen mit nutrazeutischen Eigenschaften, was diese Pflanze zu einem idealen Nahrungsergänzungsmittel werden lässt. Moringa hat ein breites Spektrum an Antioxidantien, natürlich antibiotisch wirksamen Substanzen und Vitamine und Mineralien. Fast alle Bestandteile von Moringa können genutzt werden als Quelle von verschiedenen Nährstoffen.

Attenuation of lead-induced oxidative stress in rat brain, liver, kidney and blood of male wistar rats by moringa oleifera seed powder.

In dieser Arbeit wurde an Ratten das anti-oxidative Potential von Moringa untersucht. Es wurden vier Gruppen von Ratten gebildet, wovon die Gruppe 1 ein Plazebo bekam, Gruppe 2 mit einer Blei-Lösung belastet wurde, Gruppe 3 Blei-Lösung plus Moringa erhielt und Gruppe 4 Blei-Lösung plus DMSA, ein Mittel zur Schwermetallentgiftung, erhielt. Untersucht wurden eine Reihe von Organen der Tiere nach Beendigung der Beobachtungszeit: Gehirn, aufgeteilt in seine anatomischen Bestandteile, Leber, Nieren und Blut. In Gruppe 3, der „Blei-Gruppe“, zeigte sich ein hohes Maß an oxidativem Stress, Peroxidation von Lipiden in Zellmembranen und ein erhöhter Bleigehalt in den entsprechenden Geweben im Vergleich zur Plazebogruppe. Die Gruppe mit Moringa zeigte dagegen Werte, die denen der Plazebogruppe entsprachen und die besser ausfielen als die der DMSA-Gruppe.

Nächste Studie: Antibacterial activity of bark extracts of Moringa oleifera Lam. against some selected bacteria.

Bei dieser Arbeit wurde das anti-mikrobielle beziehungsweise anti-bakterielle Potential von Moringa untersucht. Die Autoren arbeiteten hier mit verschiedenen Extrakten aus der Rinde von Moringa. Untersucht wurden vier Bakterienarten, Staphylococcus aureus, Citrobacter freundii, Bacillus megaterium und Pseudomonas fluorescens. Als Kontrolle für die anti-bakterielle Wirkung wurde Erythromycin eingesetzt.

Moringa

Die Ergebnisse zeigten, dass alle Extrakte in verschiedenen Konzentrationen das Wachstum aller Test-Organismen in verschiedenen Ausmaßen hemmte. Der Ethylacetat-Extrakt zeigte die stärkste Aktivität gegen alle Bakterienstämme, gefolgt vom Chloroform-Extrakt, dann Methanol-Extrakt und als schwächster Extrakt der Wasser-Extrakt. Die Aktivität der Extrakte nahm mit der Abnahme der Konzentrationen auch ab. Staphylococcus aureus war der empfindlichste aller Bakterienarten in Bezug auf die verschiedenen Moringa-Extrakte. Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Moringa oleifera das Potential für ein natürliches Antibiotikum hat und sogar gegen resistente Stämme wirksam sein kann.

Viele Heilpflanzen und Heilpilze zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen positiven Einfluss auf Diabetes zu haben scheinen. Die indische Naturheilkunde setzt auch Moringa bei Diabetes ein. Daher entschlossen sich die Autoren dieser Arbeit, Wasser-Extrakte aus Moringa-Blättern bei diabetischen Ratten zu testen: Moringa oleifera leaf extract ameliorates alloxan-induced diabetes in rats by regeneration of β cells and reduction of pyruvate carboxylase expression.

Es zeigte sich, dass es bei den so behandelten Ratten zu einer Normalisierung des Blutzuckerspiegels kam, begleitet von einer Normalisierung von Cholesterin, Triglyceriden, Malondialdehyd (ein Marker für oxidativem Stress) und einer normalisierten Aktivität der mRNA für Pyruvatcarboxylase, einem Enzym, das in der Leber die Gluconeogenese einleitet. Die Autoren stellten bei den Ratten eine Zunahme des Körpergewichts fest und eine Normalisierung der reduzierten mRNA-Aktivität für die Fettsäure-Synthase in der Leber der Tiere. Zudem bewirkte die Gabe von Moringa-Extrakt eine Restaurierung von Pankreas- und Lebergewebe, das durch die Gabe von Alloxan geschädigt worden war.

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Moringa als Entgifter?

Und weiter geht´s: Protective effects of Moringa oleifera Lam. leaves against arsenic-induced toxicity in mice.

Arsen war ein „beliebtes“ und potentes Gift für Giftmörder und Hitchcock-Thriller. Heute sind Grundwasserareale in den USA, China, Argentinien, Mongolei, Thailand, Indien, Bangladesh und so weiter mit erhöhten Arsenwerten belastet. Teile der Reisproduktion in Asien erfolgt auf Feldern, deren Wasser erhöhte Werte hat und damit auch den erzeugten Reis belastet. Es wird vermutet, dass diese Belastung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, wenn die Aufnahme dauerhaft ist. Eine mögliche Folge sind Krebserkrankungen.

Bei dieser Arbeit sollte in Erfahrung gebracht werden, inwieweit Moringa in der Lage ist, die toxischen Effekte von Arsen zu neutralisieren. Dazu wurden vier Gruppen von Mäusen gebildet. Die erste Gruppe blieb unbehandelt und diente als Kontrollgruppe. Gruppe 2 wurde mit Moringa-Blättern (50 mg/kg Körpergewicht pro Tag) behandelt. Gruppe 3 bekam Arsen, 10 mg/kg Körpergewicht, und Gruppe 4 bekam Moringa-Blätter und Arsen. Analysiert wurden die Funktionen von Herz, Leber und Nieren, um den protektiven Effekt von Moringa zu evaluieren.

Es zeigte sich, dass der Einsatz von Moringa die durch Arsen induzierte Erhöhung von Triglyceriden, Glukose, Harnstoff und Aktivitäten der alkalischen Phosphatase, Aspartat-Aminotransferase und Alanin-Aminotransferase im Serum rückgängig machte. Es zeigte sich weiter, dass unter der Gabe von Moringa Störungen des Cholesterin- und Lipoproteinhaushalts verhindert wurden.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass die Blätter von Moringa oleifera Nutzen bringen bei der Beseitigung und Verhinderung von toxischen Effekten einer Arsenvergiftung.

Moringa in der Krebstherapie?

Es gibt bei der Frage von Krebs und Behandlung von Krebserkrankungen eine Reihe von Heilpflanzen und -pilzen, die potente Wirkung haben zeigen können. Moringa scheint hier keine Ausnahme machen zu wollen: Moringa Oleifera aqueous leaf extract down-regulates nuclear factor-kappaB and increases cytotoxic effect of chemotherapy in pancreatic cancer cells.

In dieser Arbeit wurden Extrakte von Moringa-Blättern alleine oder in Kombination mit Cisplatin bei malignen Pankreaszellen eingesetzt. Dabei zeigte sich, dass der Moringa-Extrakt das Wachstum bei verschiedenen malignen Zellkulturen hemmte. Die kombinierte Gabe zeigte einen synergistischen Effekt mit dem Chemotherapeutikum.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Blätter-Extrakt von Moringa anti-proliferative Effekte auf Pankreaskrebszellen hat und die Wirkung eines Zytostatikums, wie Cisplatin, synergistisch unterstützt.

Fazit

Moringa hat alle Voraussetzungen, bei verschiedenen Erkrankungen viel Gutes zu tun. Leider gibt es in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Heilpflanze, wie bei den meisten anderen auch, keine Untersuchungen darüber, wie potent ein dauerhafter Verzehr der Pflanze entsprechend Krankheiten verhindern kann.

Aber, über den Daumen gepeilt, lässt sich vermuten, dass eine Heilpflanze, die Erkrankungen lindern oder heilen kann, auch in der Lage ist, diese per Prophylaxe zu verhindern. Von daher empfiehlt sich Moringa oleifera als eine weitere Zutat auf dem Speisezettel für einen vermehrten Konsum.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 2.12.2016 aktualisiert