Melatonin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Melatonin ist ein in der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziertes Hormon. Es wird aus Serotonin hergestellt und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des Organismus. Soweit die seit langem bekannte Funktion des Melatonins.

Aber Melatonin kann noch viel mehr als die Schulmedizin erlaubt. Melatonin gilt als Arzneimittel und muss daher vom Arzt verschrieben werden, während man die Substanz in den USA in jedem einigermaßen gut sortierten Supermarkt als Nahrungsergänzungsmittel bekommen kann. Das hindert die Substanz aber nicht daran, auf eine Reihe von physiologischen Ereignissen Einfluss zu nehmen.

Eine weniger feine Seite des Melatonins ist seine Wirkung während der Winterzeit. Hier scheint eine gesteigerte Synthese von Melatonin die Serotoninspeicher zu plündern und somit eine saisonal bedingte Depression zu fördern: Schluss mit Trübsal und düsteren Gedanken. Wie man gegen diese Depression erfolgreich und ohne großen Aufwand angehen kann, versuche ich in dem Beitrag ebenfalls zu erklären.

Melatonin und Schlafstörungen

Die Synthese von Melatonin wird durch Licht gehemmt. Durch Dunkelheit wird die Hemmung aufgehoben. Daraus folgt, dass je dunkler der Raum ist, in dem man schläft, desto ausgiebiger ist die Melatoninsynthese. Die Konzentrationen an Melatonin erhöhen sich um das Zwölffache während der Nacht. Bei älteren Menschen erfolgt die Erhöhung jedoch nur um das Dreifache, was ein Grund dafür sein kann, dass man als älterer Mensch nicht mehr so gut schläft wie in jungen Jahren.

Melatonin induziert die Tiefschlafphase. Diese wiederum führt zu einer vermehrten Synthese an Somatropin. Ein Mangel an Melatonin hat über die Störung der Tiefschlafphase eine verringerte Somatropinsynthese zur Folge, die wiederum ihre eigenen Symptome mit sich bringt. Denn zu wenig Somatropin geht einher mit einem erhöhten Anteil an Körperfett (Übergewicht durch Schlafmangel?), weniger Muskelmasse, reduzierte Knochendichte (Osteoporose), ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, weniger Lebensqualität, höhere Anfälligkeit für Infektionen und andere Erkrankungen.

Bei Jetlag und dem Versuch, seine innere Uhr mit Hilfe von Melatonin auf die neue Umgebung einzustellen, ist die Substanz schon seit längerem als hilfreich bekannt: Die besten Strategien und Tipps gegen Jetlag.

Während ein ausreichend hoher Spiegel an Melatonin für einen „gesunden“ Schlaf sorgt, kann man diesen nachhaltig stören. Ein solcher „Störenfried“ ist der Betablocker, der gerne gegen Bluthochdruck verschrieben wird. Man liest viel über eine Reihe von Nebenwirkungen von Betablockern. Und dass ich kein Fan der Betablocker bin und ich diese für eine "evidenzbasierte Katastrophe" halte, habe ich auch schon in einigen Beiträgen beschrieben, unter anderem in: "Betablocker für alle – Evidenzbasierte Katastrophen der Schulmedizin"

Aber über diese spezifische Störung von Betablockern in Bezug auf Melatonin liest man so gut wie nichts. Und dabei ist sie alles andere als „nebensächlich“, wie folgende Studie zeigte: Beta-blockade enhances adrenergic immunosuppression in rats via inhibition of melatonin release.

Dass Betablocker die Synthese von Melatonin ausschaltet, das scheint man schon also mindestens schon seit 1996 zu wissen, wie diese Studie preisgibt. Die Autoren behandelten Mäuse mit Melatonin und sahen, dass die Substanz eine adrenerg vermittelte Immunsuppression aufheben konnte. Das heißt, dass Stress das Immunsystem nicht nur über die vermehrte Ausschüttung von Cortison schwächt, sondern auch direkt über die konstant erhöhten Spiegel an Katecholaminen. Die Autoren berichten weiter, dass eine konstante Zufuhr von Licht die gleichen Effekte hatte wie die Gabe von Betablockern.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Melatonin einen Schutz vor Immunschwäche darstellt und dass Betablocker diesen Schutz unterlaufen, indem die nächtliche Melatoninproduktion blockiert wird.

2011 erschien eine Arbeit, die in einer inneren Abteilung eines Johannes Hospitals durchgeführt worden war, das nicht näher bezeichnet worden war, außer dass das Krankenhaus in Deutschland liegt: Night-time exogenous melatonin administration may be a beneficial treatment for sleeping disorders in beta blocker patients.

Man mag an diesen formalen Mängeln schon sehen, dass solche Veröffentlichungen nur wenig mit Wissenschaftlichkeit zu tun haben. Inhaltlich aber ist es interessant zu sehen, dass die Schulmedizin hier öffentlich zugibt, dass Betablocker Schlafstörungen verursachen, die alles andere als Seltenheitswert haben. In diesem Zusammenhang wird die Blockierung der Melatoninproduktion durch eine Blockade von Beta-1-Rezeptoren benannt, die durch den Betablocker erfolgt. Melatonin als Supplementierung vor dem Schlafengehen konnte die Schlafstörungen eindämmen.

Auch die fehlende Angabe von Zahlen und der Verdacht, dass es sich hier nicht um eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie handelt, zeigen dass es sich hier kaum um eine wissenschaftlich ernstzunehmende Arbeit handelt, sondern eher um einen Erfahrungsbericht.

Auf der anderen Seite steht dieser Erfahrungsbericht in Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über Melatonin und die negativen Wirkungen von Betablockern auf die nächtliche Produktion der Substanz.

Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie zu diesem Thema wurde 2012 veröffentlicht, allerdings mit nur 16 Hypertonikern, die auf Betablocker als Antihypertensivum eingestellt waren: Repeated melatonin supplementation improves sleep in hypertensive patients treated with beta-blockers: a randomized controlled trial.

Bei der Anzahl an Hypertonikern, die weltweit oder auch nur landesweit auf Betablocker eingestellt sind, erscheinen diese 16 Probanden als schulmedizinische „Witzfiguren“. Aber im Reich der Blinden ist der Einäugige der König...

Ob 8 Probanden in jeder Gruppe (Placebo- und Verumgruppe) hier wirklich statistisch signifikante Ergebnisse zeitigen, das wage ich zu bezweifeln. Dennoch sprechen die Autoren von einem signifikanten Ergebnis, das eine Verbesserung der Schlafqualität in der Verumgruppe zu zeigen glaubte.

Mein Fazit: Es ist zu vermuten, dass die vorliegenden Ergebnisse auch unter soliden Studienbedingungen reproduziert werden können. Dazu ist der zugrunde liegende Mechanismus zu eindeutig, als dass hier noch Zweifel angebracht wären. Auf der anderen Seite sind die letzten beiden Veröffentlichungen in einer anderen Hinsicht signifikant: Sie zeigen mehr als deutlich, was die Schulmedizin unter wissenschaftlicher Veröffentlichung versteht.

Für mich sind diese „Veröffentlichungen“ nichts als hilflose Versuche der Autoren, sich auch als Wissenschaftler zu etablieren, indem man einfach ein paar weitere Arbeiten in seine Liste der Veröffentlichungen hinein schmuggelt. Leider bieten solche „Studien“ ausreichend große Angriffsfläche für Attacken seitens der Schulmedizin gegen alternative Substanzen und Konzepte, obwohl, wie in diesem Fall, die Schulmedizin selbst diese Nachlässigkeit zu verantworten hat. Aber das ist (mal wieder) ein ganz anderes Problem.

Kommen wir mal weg von dem Problem Schlafstörungen, hin zu einem ganz anderen Problem:

Melatonin und Krebserkrankungen

Es gibt inzwischen eine Reihe von Hinweisen bei Ratten und Mäusen, dass das Fehlen von Dunkelheit mit einem erhöhen Risiko für Krebserkrankungen verbunden ist. Der Grund für diesen Zusammenhang ist das Fehlen von Melatonin, das nur bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse produziert wird: Light pollution, reproductive function and cancer risk.

Dies ist eine russische Studie mit Ratten, die zu ähnlichen Ergebnissen kam und zugleich zeigte, dass die Lebenserwartung der Tiere unter Melatoninmangel ebenfalls um rund 25 Prozent abnahm: Effect of light regimens and melatonin on the homeostasis, life span and development of spontaneous tumors in female rats.

Auch die folgende Studie beobachtete, dass ein Lichteinfluss während der Nacht die Entwicklung und Wachstum von Tumoren begünstigt: Exposure to light-at-night increases the growth of DMBA-induced mammary adenocarcinomas in rats.

Die Überlebensraten waren in der „Lichtgruppe“ deutlich niedriger als in der Gruppe, die unter natürlichen Bedingungen die Nächte verbrachte. Das Gleiche galt für Melatonin.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass eine Unterbrechung des circadianen Rhythmus mit einer Störung des Hormonhaushalts verbunden ist und dieser wiederum die Entwicklung von malignen Störungen begünstigt.

Die Gabe von Melatonin bei Krebs kann zu einem Stillstand des Wachstums von Krebszellen führen, was auf eine direkte Wirkung des Melatonins auf das Krebsgeschehen schließen lässt. Leider sind dies Ergebnisse, die aus dem Reagenzglas stammen, wo Krebszellen mit Melatonin behandelt worden waren und danach zugrunde gingen. Ob damit Melatonin auch eine Zukunft als Therapeutikum hat, diese Frage bleibt momentan noch offen. Aber eine ausreichende Produktion an Melatonin während der Nacht scheint einen soliden Beitrag bei der Verhinderung von Krebserkrankungen zu leisten. Bei solchen Versuchen und Ergebnissen aus dem Reagenzglas, frage ich mich immer sofort, warum nicht mehr dazu geforscht wird? In die "Krebsforschung" fließen Milliarden. Da werden doch mal ein paar Millionen übrig sein, um das Melatonin diesbezüglich zu erforschen? Oder wird das vielleicht nicht gemacht, weil sich diese Substanz nicht patentieren lässt und damit kein Geld zu verdienen sein würde? Oder noch schlimmer: Die Umsätze der etablierten Chemo-Mittel würde einbrechen?

Was ich von der klassischen Chemotherapie halte, habe ich bereits in meinem Beiträgen:

Chemotherapie - Ja oder Nein? und

Chemotherapie - eine Therapie, die keine ist?

dargelegt.

Fazit: Man kann in Bezug zu Krebs suchen wie man will. Ich stoße auf wesentlich mehr Fragen, als auf Antworten. In Anbetracht des Leids der Patienten und der "klassischen Therapie" mittels Chemo, Stahl und Strahl ist es für mich ein Skandal, dass man die Forschung im Wesentlichen der Pharmaindustrie überlässt.

Melatonin bei neurologischen Störungen

Es gibt Hinweise (leider noch keine Beweise), dass Melatonin bei einer Reihe von neurologischen Störungen eine Rolle spielt – genauer gesagt, das Fehlen von Melatonin.

Melatonin scheint die Mitochondrien und Nervenzellen zu schützen. Grund dafür scheint zu sein, dass Melatonin eine potente anti-oxidative Substanz ist, die Zellen und ihre Strukturen vor oxidativem Stress schützen kann. Gleiches gilt für Blutvergiftung (Sepsis) und Strahlenschäden. Auch hier spielt ein enormes Ausmaß an freien Radikalen eine wichtige Rolle bei der Zerstörung von biologischen Strukturen, die letztlich zu ernsten gesundheitlichen Einschränkungen oder sogar zum Tod führen (Melatonin-mitochondria interplay in health and disease).

Hier zeigt sich, dass Melatonin eine Art „universeller Schutzstoff mit anti-oxidativen Eigenschaften“ ist. Denn Melatonin ist aus Sicht der Entwicklungsgeschichte ein eher „alter“ Stoff, der sehr früh auftauchte. Denn nicht nur Menschen sind in der Lage, die Substanz zu synthetisieren. Tiere, Pilze, Pflanzen und sogar Bakterien besitzen diese Fähigkeit. Für Bakterien, Pilze und Pflanzen ist jedoch zu vermuten, dass das Hormon nichts mit Schlaf und Schlafqualität zu tun hat. Hier stehen andere Funktionen der Substanz im Vordergrund, die auch beim Menschen zum Tragen kommen, leider aber noch nicht ausreichend gut untersucht worden sind. Der Schutz vor UV-Strahlung zum Beispiel ist eines dieser Aspekte, die auch für Pflanzen und Bakterien von Bedeutung sind.

Fazit

Melatonin ist eine gut untersuchte Substanz, wenn es um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Schlaf, Schlafdauer und Schlafqualität geht. Die unter Umständen viel spannendere Frage ist, warum Melatonin bei Bakterien, Pflanzen und anderen Lebewesen vorkommen, deren Verwandtschaftsgrad zum Menschen weit entfernt ist. Hier muss Melatonin eine andere Bedeutung/Wirksamkeit ausüben, die aber nicht notwendigerweise für den Menschen irrelevant sein muss. Und genau hier gibt es zur Zeit noch eine gewaltige Wissenslücke, deren Schließung unter Umständen mit Erkenntnissen verbunden sein kann, die nicht im Einklang mit den Interessen der Pharmaindustrie und Schulmedizin stehen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 10.01.2016 aktualisiert

 

 

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