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Heilverfahren, Klassische Naturheilkunde

Das Reibe-Sitz-Bad nach Louis Kuhne

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Heilverfahren, Klassische Naturheilkunde / zuletzt aktualisiert: 03/02/2026

Inhaltsverzeichnis Einblenden
Herkunft und Grundgedanke
Was dieses Bad nicht ist
Die praktische Durchführung
Vorbereitung
Sitzposition
Die Reib-Waschung
Dauer und Häufigkeit
Nach der Anwendung
Typische Reaktionen
Wofür wird es eingesetzt?
Abgrenzung zum Kneipp-Sitzbad
Wann Vorsicht geboten ist
Fazit
Rene Gräber:

Manchmal sind es merkwürdige Dinge, die man heute in alten Naturheilkunde Büchern findet, die kaum aber noch jemand praktisch beherrscht. Das Reibe-Sitz-Bad nach Louis Kuhne gehört dazu. Sieht merkwürdig aus… und was soll das bringen? Ein bischen Wasser…

Aber wie bei so vielen Dingen aus der Naturheilkunde: Es glaubt ja kaum noch jemand…

Herkunft und Grundgedanke

Louis Kuhne (1835–1901) war kein akademischer Theoretiker, sondern ein Praktiker der Naturheilkunde. Er ging davon aus, dass viele chronische Beschwerden weniger mit einzelnen Organen zu tun haben, sondern mit einer Überlastung des inneren Systems – besonders im Unterleib. Dort sah er ein zentrales Nervengebiet, eine Art Schaltzentrale für Verdauung, Stoffwechsel und vegetative Regulation.

Das Reibe-Sitz-Bad sollte genau hier ansetzen: nicht durch Reizüberflutung, sondern durch gezielte Kälte bei gleichzeitigem Warmhalten des übrigen Körpers. Ableiten statt unterdrücken. Regulieren statt bekämpfen.

Was dieses Bad nicht ist

Kein klassisches Sitzbad im Sinne von „im Wasser sitzen“. Kein Kneipp-Wechselbad. Und schon gar keine aggressive Kälteanwendung. Der Körper bleibt warm. Nur ein kleiner Bereich kommt gezielt mit kaltem Wasser in Kontakt – und auch dort ohne Scheuern, ohne Härte.

Die praktische Durchführung

So, wie sie sich über Generationen in der Naturheilkunde bewährt hat.

Vorbereitung

Der Raum muss warm sein. Keine Zugluft. Kein Frösteln vor Beginn. Wer friert, hat hier nichts gewonnen.

Du brauchst:

  • eine Wanne oder einen großen Eimer (10–20 Liter)
  • ein stabiles Sitzbrett oder einen niedrigen Hocker
  • ein grobes Leinen- oder Baumwolltuch
  • kaltes Wasser (10–15 °C, empfindliche Menschen auch 18–19 °C)

Der Wasserspiegel endet knapp unter der Sitzfläche. Du sitzt über dem Wasser, nicht darin. Oberkörper, Beine und Füße bleiben warm und trocken.

Sitzposition

Setz dich auf das Brett oder den Hocker. Die Beine liegen erhöht auf dem Wannenrand oder einem zweiten Hocker. Nur der Genitalbereich befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Wasser.

Die Reib-Waschung

Hier entscheidet sich, ob die Anwendung wirkt oder nur stresst.

Grundregel: viel Wasser, wenig Reibung.

  • Das Tuch ins kalte Wasser tauchen, möglichst viel Wasser aufnehmen.
  • Der Genitalbereich wird sanft gewaschen, nicht geschrubbt.
  • Das Tuch immer wieder eintauchen, frisches Wasser aufnehmen.

Bei Frauen:
Nur die äußeren Schamteile waschen. Keine inneren Bereiche, kein „Innenreinigen“. Die Bewegung bleibt ruhig, gleichmäßig, weich.

Hier eine zeitgenössische Darstellung wie dies zu früheren Zeiten bei Kuhne empfohlen wurde – ja auf einem Eimer. Es muss prakikabel sein – nicht bequem.

Frau die auf einem Eimer sitzt für ein Rumpfreibebad

Bei Männern:
Die Vorhaut wird vor der Eichel zusammengehalten. Gewaschen wird ausschließlich die äußerste Spitze der vorgezogenen Vorhaut – sanft, kontinuierlich, mit reichlich Wasser.

Auch hier wieder eine zeitgenössische Darstellung:

Dauer und Häufigkeit

  • 10 bis 15 Minuten, maximal 20 Minuten
  • Zu Beginn lieber kürzer
  • In klassischen Kuren täglich, teils auch zweimal täglich

Entscheidend ist nicht die Uhr, sondern das Körpergefühl. Sobald Frieren, Zittern oder Unwohlsein auftreten: abbrechen.

Nach der Anwendung

  • Genitalbereich nur abtupfen, nicht rubbeln
  • Sofort warm anziehen
  • Kurz bewegen, damit die Wärme zurückkehrt

Typische Reaktionen

Gerade in den ersten Tagen kann es zu Rötung oder leichtem Juckreiz kommen. In der Lehre Kuhnes galt das als Zeichen beginnender Ausscheidung. Aus heutiger Sicht: beobachten. Wird es stark, schmerzhaft oder anhaltend, gehört das abgeklärt.

Während der Menstruation pausiert man das Reibe-Sitz-Bad für etwa drei Tage.

Wofür wird es eingesetzt?

Naturheilkundlich wird das Reibe-Sitz-Bad weniger als „Therapie für X“ verstanden, sondern als regulierende Maßnahme bei:

  • allgemeiner Erschöpfung
  • träger Verdauung
  • nervöser Überreizung
  • chronischen Belastungszuständen

Es geht nicht um ein Symptom. Es geht um das Milieu.

Abgrenzung zum Kneipp-Sitzbad

Der Unterschied ist grundlegend:

  • Kuhne: aktiv waschen, kalt, Körper sonst warm, lange Dauer
  • Kneipp: stilles Sitzen im Wasser, warm oder wechselnd, kürzer

Beides hat seinen Platz. Aber es sind zwei völlig verschiedene Ansätze.

Wann Vorsicht geboten ist

Bei ausgeprägten Herz-Kreislauf-Problemen, schweren urologischen oder gynäkologischen Erkrankungen sowie in der Schwangerschaft gehört eine solche Anwendung in erfahrene Hände. Kälte ist ein Werkzeug. Kein Spielzeug.

Fazit

Das Reibe-Sitz-Bad ist kein Relikt aus einer skurrilen Vergangenheit. Es ist eine präzise Methode aus einer Zeit, in der man dem Körper noch zutraute, sich selbst zu regulieren – wenn man ihn lässt. Wer bereit ist, sich auf diese Ruhe einzulassen, entdeckt oft mehr Wirkung, als es die Schlichtheit vermuten lässt!

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Wer schreibt hier?

Mein Name ist René Gräber. Seit 1998 führe ich eine Naturheilpraxis und arbeite mit Patienten, die nach echten Alternativen suchen. Sie finden hier bewährte Naturheilverfahren, aber auch Methoden, die nicht zum schulmedizinischen Standard gehören. Einordnung und Quellen, wo verfügbar; manches bleibt natürlich „kontrovers“. Beachten Sie daher auch bitte den Disclaimer.

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