Bruxismus: Das Zähneknirschen - Alternative Therapien und Übungen

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Fast jeder fünfte Deutsche kennt das Gefühl, morgens mit Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen, Knacken in den Ohren oder sogar Schmerzen im Gesicht aufzuwachen. Man fühlt sich wie gerädert und ist: zerknirscht.

Und dass, nachdem schon das Kopfkissen ausgewechselt, das Nackenteil des Lattenrostes verstellt und auch sonst jede Möglichkeit ergriffen wurde, den Schmerzen entgegenzuwirken. Diese ganzen Maßnahmen laufen jedoch ins Leere, wenn sich die Schmerzen auf einen Bruxismus zurückführen lassen. Und viele Patienten haben schon eine Odyssee zu verschiedenen Ärzten verschiedenster Fachrichtungen hinter sich, wenn sie endlich die erlösende Frage "Knirschen Sie eigentlich mit den Zähnen?"

Bei einer Patientin stellte sich die Diagnose, nachdem sie zunächst wegen Ohrgeräuschen bei ihrem Hausarzt gewesen war. Dieser verschrieb ihr Nasenspray und wies sie an, mehrfach am Tag einen Druckausgleich auf den Ohren durch Nase-Zuhalten und kräftiges Pusten durchzuführen.

Diese Maßnahmen brachten jedoch keine Linderung, bei nahezu jedem Schlucken knackte es weiterhin teilweise schmerzhaft in den Ohren. Nach zwei Wochen suchte die Patientin einen Hals-Nasen-Ohrenarzt auf. Dieser betrachtete die Ohren genau, konnte jedoch, außer einem einzelnen kleinen Haar auf einem Trommelfell, nichts feststellen. Er entfernte das Haar und riet der Patientin, zum Zahnarzt zu gehen. Das Ergebnis beim Zahnarzt: Starker Bruxismus, der schon die Zahnoberflächen angegriffen hatte.

Ursachen

Als Ursachen für das Zähneknirschen gilt Stress: vor allem das Wälzen von Problemen im Schlaf. Bis heute ist der Bruxismus jedoch ein medizinisch wenig beachtetes Phänomen; es ist nicht einmal klar, ob es sich dabei um eine Erkrankung handelt.

Bekannt ist nur, dass unter Angstzuständen oder Stress das Zähneknirschen vermehrt auftritt, in manchen Fällen sogar tagsüber. Der Bruxismus wird heute nicht mehr (wie es noch vor ein paar Jahren der Fall war) auf schlecht angepasste Kronen, Brücken oder Füllungen zurückgeführt. Belastungen und Konflikte führen nachweislich zu den nächtlichen "Beißorgien".

Dabei kommt teilweise ein Druck von mehreren hundert Kilogramm zum Tragen - weitaus mehr, als beim Essen. Besonders betroffen vom Bruxismus sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren.

Diagnose und Symptome

Durch den Zahnarzt ist der Bruxismus leicht festzustellen. Entweder kommt der Patient in die Sprechstunde und teilt mit, sein Partner habe sich über die nächtlichen Geräusche beschwert. Oder aber der Zahnarzt bemerkt bei einer Routinekontrolle den ungewöhnlich hohen Abrieb an der Oberfläche der Zähne, Schmelzrisse oder Zahnbettentzündungen.

Meist führt der Gang der Betroffenen jedoch zunächst zum Hausarzt, da die Beschwerden nicht gleich mit dem Kauapparat in Verbindung gebracht werden können. Die Beschwerden, die dort vorgetragen werden, sind mannigfaltig: Kopfschmerzen und Nackenschmerzen, Verspannungen im HWS-Bereich, Schmerzen im Kiefergelenk, Ohrknacken oder Ohrenpfeifen bis hin zum Tinnitus, Schwindel, Sehstörungen und Übelkeit. Besonders tückisch am Bruxismus ist, dass er erst bemerkt wird, wenn Schäden an den Zähnen oder die oben genannten Schmerzen und Beschwerden auftreten.

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Therapie

Zur Behandlung von Bruxismus können unterschiedliche Therapien verschiedener ärztlicher Fachrichtungen miteinander verknüpft werden.

Um den Zahnabrieb und somit weitere Folgeschäden am Kauapparat einzudämmen, wird der Zahnarzt wahrscheinlich zum Tragen einer Aufbissschiene raten. Diese Schienen aus Kunststoff wird über die Zähne gesetzt (meist im Unterkiefer, da sie dort besser hält) und schützt diese so vor den "Beißattacken". Der Widerstand hemmt die Kieferbewegung und verringert den Druck auf die Zahnleiste. Zwar kann so das Knirschen nicht unterbunden werden, aber Zahnschäden werden verhindert.

Die meisten Patienten tragen ein günstiges Kassenmodell ohne Zuzahlung. Man kann sich eine Schiene auch individuell anpassen lassen - dies kostet jedoch bis zu 250 EUR, da die notwendige Kieferuntersuchung nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

Die Schiene ist für mich allenfalls eine "Notlösung" um die Zähne zu schonen, bis geeignete Maßnahmen greifen.

Um jedoch die Ursachen des Zähneknirschens zu behandeln, sollte eine der folgenden Methoden (zusätzlich zur Aufbeißschiene) genutzt werden:

Psychotherapeutische Behandlung

Da es sich beim Zähneknirschen aus Stress- und Konfliktgründen um eine psychosomatische Erkrankung handelt, sollte auch die Psyche mitbehandelt werden. In einer Gesprächstherapie können die stressauslösenden Umstände herausgearbeitet und alternative Modelle zum Umgang mit diesen erarbeitet werden. Die "Psycho-Option" wird vielen Patienten empfohlen. Da ist auch etwas dran. Aber ich sehe auch eine mechanische Komponente, denn bei vielen Patienten sind die Kaumuskeln so verspannt, dass es zu diesem knirschen kommt um die Spannung in der Muskulatur abzubauen.

Deshalb rate ich eher zu einer:

Entspannung und Funktionstherapie

Bewährt haben sich Entspannungstechniken wie beispielsweise das Autogene Training oder die progressive Muskelentspannung. Vom autogenen Training halte ich sowieso sehr viel, vor allem wenn es "richtig" nach Dr. Schultz ausgebildet wird. Studien zeigten, dass in Bezug auf die progressive Muskelrelaxation, dass, sobald die Übungen nicht mehr durchgeführt wurden, der Bruxismus unverändert erneut auftrat.

Um noch bessereErgebnisse zu erzielen, rate ich zu einer sog. Funktionstherapie, bei der das Tragen der Aufbeißschienen mit speziellen physiotherapeutischen "Lockerungsübungen", Massage und Dehnübungen verbunden wird. Diese Methode eignet sich für Patienten bei denen die psychosomatische Komponente des Bruxismus nicht symptombestimmend ist. Ein Programm zur gezielten "Beübung" der Muskulatur in diesem Zusammenhang bin ich dabei zusammenzustellen und als Buch (oder evtl. auch DVD) anzubieten. Wenn Sie so etwas interessiert, sollten Sie auf jeden Fall meinen kostenlosen Gesundheits-Newsletter anfordern.

Biofeedback

Auch gute Ergebnisse lassen sich durch das Biofeedback erzielen. Diese neuere Richtung der Behandlung zielt darauf ab, dass unbewußte Abläufe im Körper bewusst gemacht werden und damit kontrollierbar werden sollen. Bei Bruxismus wird hierzu eine Sonde am Kaumuskel befestigt, die bei einer Muskelspannung ein akustisches Signal abgibt. Am Ende der Behandlung soll die unwillkürliche Kaubewegung dann auch ohne akustisches Signal ausgemacht und unterbunden werden können.

Akupunktur

Mit der Akupunktur werden nach meiner Erfahrung ebenfalls gute Ergebnisse erzielt. Sowohl was das Zähneknirschen angeht, als auch bezüglich "Entspannung". Oftmals finden sich bei Patienten sogenannte Triggerpunkte, bei denen die Akupunktur, aber auch eine Neuraltherapie, rasche Linderung bringen. Ich rate aber generell fast immer zu den Eigenübungen für den Kiefer und die Halswirbelsäule um das Problem auch dauerhaft selbst "wegtrainieren" zu können.

Homöopathie

Eine klassische homöopathische Behandlung ist meines Erachtens in vielen Fällen sehr erfolgreich. Vor allem in Fällen, in denen ein "Grund" auszumachen ist. Beispiel: Die Beschwerden einer Patientin begannen erst, als ihr Vater gestorben ist. In solchen Fällen ist die Wahl eines homöopathischen Mittels relativ einfach - und die Therapie ist in solchen Fällen absolut überzeugend und geradezu "elegant". Und dies übrigens auch bei Kindern und Säuglingen, bei denen dieses Phänomen übrigens auch schon auftritt.

In verworrenen Fällen, wird bei Erwachsenen gerne das Zincum valerianicum gegeben. Hierbei sah ich aber kaum Besserungen. Meines Erachtens sollte das wirklich passende Mittel gesucht werden. Dabei sollte man u.a. an Tuberculinum, Belladonna oder auch Cina denken. Diese Mittel haben als Leitsymptom vor allem das Zähneknirschen bei Nacht.

Prognose

Der Bruxismus ist in der Medizin noch ein recht unerforschtes Gebiet. Jeder Patienten, der unter dem (nächtlichen) Zähneknirschen leidet, sollte den für sich besten Weg aus dem Teufelskreis von Stress und "Zähne zusammenbeißen" finden. Dazu wird es meist nötig sein, verschiedene Methoden "auszuprobieren" und sich ein eigenes Therapiekonzept zusammenzustellen. Ob ein "Knirscher" wieder ganz symptomlos werden kann, kann nur die Zeit zeigen. Eine Garantie gibt es heute noch nicht.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 20.1.2015 aktualisiert.

 

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