Chemotherapie: Ja oder Nein? Nutzen, Risiken & Alternativen
Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Krebs / zuletzt aktualisiert: 14/08/2026
Kaum eine medizinische Entscheidung wird unter größerem Druck getroffen. Die Diagnose Krebs steht im Raum, die Angst sitzt mit am Tisch und häufig soll innerhalb weniger Tage über Operation, Bestrahlung und Chemotherapie entschieden werden.
Dabei ist bereits die Frage „Chemotherapie – ja oder nein?“ zu allgemein gestellt. Es gibt nicht die Chemotherapie und nicht den Krebs. Bei einigen Krebsarten kann eine Chemotherapie die Heilungschancen erheblich verbessern. Bei anderen soll sie lediglich das Rückfallrisiko etwas senken, das Tumorwachstum bremsen oder Beschwerden lindern. Und gelegentlich steht einem geringen statistischen Vorteil eine erhebliche Belastung gegenüber.
Wer hier pauschal urteilt, macht es sich zu einfach. Ein automatisches Ja ist ebenso wenig vernünftig wie eine grundsätzliche Ablehnung.
Entscheidend ist, welchen konkreten Nutzen die vorgeschlagene Behandlung im persönlichen Fall erwarten lässt. Patienten sollten sich daher nicht mit Aussagen wie „Das erhöht Ihre Chancen“ oder „Das ist jetzt Standard“ zufriedengeben. Standard ist keine Antwort auf eine individuelle Entscheidung.
Die entscheidenden Fragen lauten:
- Welches Ziel verfolgt die Chemotherapie: Heilung, Senkung des Rückfallrisikos, Lebensverlängerung oder Linderung von Beschwerden?
- Wie groß ist der Nutzen in absoluten Zahlen?
- Wie viele von 100 vergleichbaren Patienten leben durch diese Behandlung tatsächlich länger?
- Geht es um eine Verlängerung des Gesamtüberlebens oder lediglich darum, dass der Tumor vorübergehend langsamer wächst?
- Welche schweren und möglicherweise dauerhaften Schäden sind zu erwarten?
- Welche Alternativen bestehen?
- Was geschieht voraussichtlich, wenn ich auf diese Chemotherapie verzichte?
- Ist vor der Entscheidung eine unabhängige Zweitmeinung sinnvoll?
Gerade die absoluten Zahlen sind wichtig. Eine „Senkung des Rückfallrisikos um 25 Prozent“ klingt eindrucksvoll. Sinkt das Risiko jedoch lediglich von vier auf drei Prozent, beträgt der tatsächliche Vorteil einen Prozentpunkt. Solche Unterschiede müssen Patienten kennen, bevor sie einer belastenden Behandlung zustimmen.
In diesem Beitrag geht es deshalb weder um eine pauschale Verteufelung noch um einen Blankoscheck für die Onkologie. Es geht um Nutzen, Grenzen, Nebenwirkungen, statistische Tricks und um die Frage, die jeder Patient seinem Onkologen stellen sollte:
Werde ich durch genau diese Chemotherapie mit einer realistischen Wahrscheinlichkeit länger und besser leben? Und wie groß ist dieser Vorteil tatsächlich?
Eine informierte Entscheidung setzt voraus, dass Nutzen, Risiken und Unsicherheiten verständlich und möglichst in absoluten Zahlen dargestellt werden. Genau daran fehlt es im klinischen Alltag noch immer erstaunlich häufig.
Geschichte der Chemotherapie
Man könnte die Geschichte der Chemotherapie als eine Geschichte der Entwicklung aus der chemischen Kriegsführung bezeichnen.
Während die Antibiotika sozusagen die Panzer und Kampfflugzeuge der „modernen“ Medizin sind, so ist die Chemotherapie sicherlich die Atombombe, denn keine andere Krankheit wird einer derart massiven Kombination von Chemikalien ausgesetzt.
Dieser Vergleich mit Waffen und Kriegsführung wird oftmals angeführt, weil die Chemotherapie eine Folge der Forschung mit chemischen Kampfstoffen war. Man erkannte, dass Senfgas (welches im großen Stil im Ersten Weltkrieg als grausame Waffeeingesetzt wurde), die Fähigkeit besitzt, lebende Zellen zu zerstören, und zwar vor allem Zellen, die sich schnell teilen wie zum Beispiel Darmschleimhautzellen, Knochenmarkszellen oder solche des Lymphsystems.
Schnell war die Idee geboren, Krebszellen, die sich ebenfalls schnell teilen, mit Senfgas zu „vergiften“. Alle Chemotherapeutika, die heute auf dem Markt sind, sind mehr oder weniger enge Verwandte dieser Waffe aus dem Arsenal der chemischen Kriegsführung.
Aber genau dieser Vergleich von Krebs und Krieg könnte bereits der erste Teil des gigantischen Problemkreises Krebs sein, wie eine Studie der University of Michigan aus dem Jahr 2014 zeigt:
Die von Ärzten im Umgang mit Krebs verwendeten Metaphern wie „Krieg“ oder „Kampf“ verändern die Art und Weise, wie Patienten diese Krankheit betrachten, zu verhindern suchen oder behandeln. Weil Krebs im Allgemeinen als Kampf gegen einen feindlichen Aggressor gesehen wird, glauben die meisten Menschen nicht, ihm mit „sanften“ Methoden (wie beispielsweise dem Verzicht auf Zigaretten oder einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten) beikommen zu können. Stattdessen möchten sie den Tumor mit einer hochdosierten Chemotherapie oder Bestrahlungen „besiegen“.
An der Studie, die sich mit dem Einfluss von Metaphern im medizinischen Bereich beschäftigte, haben 313 Menschen teilgenommen. Deren Entscheidung für eine Behandlungsmethode hing zum großen Teil davon ab, mit welchen sprachlichen Bildern die Krankheit beschrieben wurde (Quelle: Personality and Social Psychology Bulletin, 2014; 41(1):66).
Und so wird die Chemotherapie mit Zytostatika heute in der Regel fast standardmäßig zur Behandlung von zahlreichen Krebsarten eingesetzt.
Grundlage dieser Therapieform ist der „Angriff“ durch medikamentöse Zellgifte auf Zellen, die im Körper entartet sind (maligne Tumorzellen). Der Angriffspunkt im Zellzyklus ist bei den verwendeten Substanzen unterschiedlich, allen gemeinsam ist jedoch, dass sie bei großen Tumoren schlechter wirken. Die Schulmedizin nennt das: Die Wirksamkeit ist umgekehrt proportional zur Tumormasse.
Deshalb werden große Tumoren häufig mit einer Operation und Strahlentherapie behandelt (Stahl und Strahl), während kleinere Tumoren und Tumormetastasen (Absiedlung bzw. Tochtergeschwulst) mit einer Chemotherapie behandelt werden.
Wenn Sie heute in der Presse über Krebstherapien lesen, lesen Sie vom „Durchbruch“, „neuen Wirkstoffgruppen“, „verbesserten Überlebensraten“ und auch von Heilung.
Die Wahrheit scheint zu sein:
- Krebs ist immer noch Todesursache Nummer zwei in Deutschland, obwohl seit Jahrzehnten Milliarden in die Forschung und die Therapie fließen! Und Krebs arbeitet sich weiter auf den ersten Platz vor.
- „In der onkologischen Therapie können wir nichts individualisieren. Was wir aber leisten können, ist eine individualisierte Betreuung. Dosierungen sind ein Konsens aus Studien, ohne dass wir wissen, dass dies die bestmögliche ist.“ (Dr. Sebastian Gallenberger, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und pneumologische Onkologie am Städtischen Klinikum München-Bogenhausen, in: Süddeutsche Zeitung, vom 4.10.2012, S.40).
- Bei den heute am meisten verbreiteten Krebsleiden mit über 90 % der Krebstoten gibt es keinerlei Beweise, dass die Chemotherapie überhaupt etwas nützt. Hierzu zählen: Brustkrebs, die meisten Lungenkrebsarten, Darmkrebs, Hautkrebs, Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs (vgl. Ralph Moss: Questioning Chemotherapy).
Viele Patienten stellen sich die Frage, ob man überhaupt eine Chemotherapie durchführen lassen sollte. Und ich halte diese Frage für mehr als berechtigt.
Ulrich Abel von der Uni Heidelberg und Mitglied im Deutschen Krebsforschungszentrum sieht das so: „Bei den meisten Organkrebsen existieren keinerlei Belege dafür, dass die Chemotherapie die Lebenserwartung verlängert oder die Lebensqualität verbessert.“ (vgl. Abel, Ulrich: Chemotherapie fortgeschrittener Karzinome)
Herr Abel bezieht seine Studien vor allem auf die epithelialen Krebsformen. Gutartige epitheliale Neubildungen werden Papillome (Plattenepithel, Übergangsepithel bzw. Urothel) oder Adenome (Zylinderepithel) genannt. Maligne (bösartige) epitheliale Tumoren sind Karzinome (Plattenepithelkarzinom, Urothelkarzinom, Adenokarzinom usw.).
Es wurden also Krebsarten betrachtet, bei denen vor allem Chemotherapeutika angewendet werden. Epithelialer Krebs ist “landläufig” also das, was man als “Krebs” bezeichnet. Auf heutige Nachfragen zu seinen damaligen mutigen Aussagen sagt Herr Abel, dass dies Aussagen seien, die in den 90er Jahren Gültigkeit hatten, und sich seitdem viel getan habe.
WIRKLICH?
Die Bilanz der Chemotherapie und der Krebstherapie ist mehr als ernüchternd!
Betrachtet man die 5-Jahres-Überlebensrate und die 10-Jahres-Überlebensrate seit den 70er Jahren genauer, so erkennt man, dass insgesamt KEIN nennenswerter Nutzen der bisherigen Anstrengungen in der Krebstherapie zu erkennen ist – mit nur wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel bei Hodenkrebs und den Leukämien, die uns (wieder einmal) als „medizinischer Durchbruch“ verkauft werden.
Graeme Morgan und seine Kollegen veröffentlichten im Jahr 2004 in der Fachzeitschrift Clinical Oncology einen Artikel (The contribution of cytotoxic chemotherapy to 5-year survival in adult malignancies), der niederschmetternd ist: So werteten die Wissenschaftler australische und US-amerikanische Untersuchungsergebnisse der vergangenen 20 Jahre aus, die sich mit Chemotherapien bei unterschiedlichen Krebsarten beschäftigten. Durch die Fülle der Studien lagen die Daten von insgesamt 72.964 Australiern und 154.971 US-Amerikanern vor, die mit einer Chemotherapie behandelt worden waren.
Heraus kam, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit hierdurch für die folgenden fünf Jahre um nur etwa 2,2 Prozent steigt (USA: 2,1 Prozent; Australien: 2,3 Prozent), wenn Krebs-Patienten eine Chemotherapie erhalten. Insgesamt liegt die fünfjährige Überlebensrate nach einer Krebsbehandlung in Australien hingegen bei rund 60 Prozent. Hierdurch lässt sich erkennen, wie wenig eine Chemotherapie zur Gesundung der Patienten beiträgt. Besonders erschreckend sind diese Ergebnisse, wenn man den Erfolg einzelner Krebsarten anschaut.
Die Aussicht auf Heilung ist demnach von 1985 bis 2004 bei folgenden Krebsarten durch eine Chemotherapie besonders gering erhöht worden:
- Blasenkrebs = 0 Prozent
- Eierstockkrebs = 0 Prozent
- Gehirntumore = 0 Prozent
- Pankreaskrebs = 0 Prozent
- Melanom = 0 Prozent
- Multiples Myelom = 0 Prozent
- Nierenkrebs = 0 Prozent
- Prostatakrebs = 0 Prozent
- Weichteil Sarkom = 0 Prozent
- Magenkrebs = 0,7 Prozent
- Darmkrebs = 1 Prozent
- Brustkrebs = 1,4 Prozent
Mehr Chancen auf Heilung versprechen Chemotherapien hingegen beispielsweise bei Hodenkrebs, Leukämie, dem Hodgkin- und Non-Hodking-Lymphom.
Trotzdem wird die Chemotherapie in der Öffentlichkeit als immer wirksameres Mittel zur Bekämpfung aller Krebsformen wahrgenommen. Denn mit Erfolgsmeldungen unter Berufung auf Statistiken wird nicht gespart. Dabei wird oft die Verlängerung der 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit für Krebs angeführt, die vor allem auf die verbesserten Chemotherapien zurückzuführen seien.
Ob das wirklich stimmt, hat der dänische Arzt Dr. Peter C. Gøtzsche anhand der 5-Jahres-Überlebensrate von Brustkrebs-Patientinnen untersucht (http://www.deadlymedicines.dk/wp-content/uploads/2019/10/Survival-book-chapter-10-about-cancer.pdf). Angeblich lebten nach der Diagnose-Stellung im Jahr 2016 noch 18 % der betroffenen Frauen, während es 1996 nur 12 % waren. Bei genauem Hinsehen auf diese Behauptung merkte Gøtzsche, dass diese Angabe vor allem auf statisitischen Effekten beruht.
Denn in den 20 Jahren der Vergleichsstudie war es zu einer immer früheren Diagnose der Ekrankung gekommen. Alleine dadurch verlängerte sich der Zeitraum von der Feststellung des Tumors bis hin zum Tod. Gøtzsche kritisiert auch das ständig ausgeweitete Brustkrebs-Screening (Mammographie), das bei vielen Frauen einen Tumor offenbart, der unbehandelt aber niemals schlimme Folgen gehabt und schon gar nicht zum Tod geführt hätte.
Diese leichten Fälle verbessern die Statistik, wodurch bessere Heilungs-Chancen nur vorgegaukelt werden. Ähnlich verschleiert auch die Statistik des schwarzen Hautkrebses die wahren Verhältnisse. Obwohl die Sterblichkeitsrate in den letzten Jahrzehnten praktisch gleich ist, täuscht die Zählung der aller Überlebenden einen Erfolg der Behandlung vor.
Denn durch die Patienten-Aufklärung lassen sich heute mehr Menschen verfärbte Hautstellen untersuchen. Dabei werden auch viele Tumore festgestellt, die überwiegend harmlos sind.
Sicherlich kann jedes durch Chemotherapie gerettete Menschenleben als Erfolg gerechnet werden. Doch vergleicht man die 2,2 Prozent aus der Morgan-Studie mit den immensen Summen an Forschungsgeldern, die jährlich in die Entwicklung neuer Medikamente für die Chemotherapie fließen, so stellt sich die Frage, ob dies wirklich der richtige Weg sein kann?
Für die Pharmaindustrie lohnt sich die Chemotherapie in jeden Fall. Denn die teuren Medikamente, die die wuchernden Zellen abtöten sollen, bringen ihnen eine Menge Geld ein. Deshalb wird den Betroffenen auch gerne eingeredet, eine Chemotherapie würde die Heilungschancen enorm erhöhen. Hierdurch schöpfen die Patienten eine (leider oftmals unbegründete) Hoffnung auf einige gesunde Lebensjahre. Doch stattdessen bekommen sie oft (in der wenigen Zeit, die ihnen noch bleibt), eine belastende Therapie mit teils enormen Nebenwirkungen.
Aber: Selbst wenn die Schulmedizin offiziell erklären würde, dass Chemotherapie Krebs nicht heilen kann, würde die Chemotherapie weiter als „linderndes Mittel“ verordnet werden.
Dabei ist es genau das, was die meisten Patienten durch die Chemotherapie erst einmal NICHT verspüren – im Gegenteil: Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Lungen- und Herzschäden, Nerven- oder Nierenschäden, Blutarmut usw. kann man wohl kaum als „Linderung“ bezeichnen.
Vor diesem Hintergrund alleine ist die Chemotherapie ein Irrweg und in Anbetracht der Gelder, die aufgewendet werden, und der „Erfolge“ eine glatte Bankrotterklärung der Schulmedizin.
Doch Studien zu Krebsbehandlungen werden weiterhin geschönt – und zwar nicht ausschließlich, wenn sie von Pharmaunternehmen finanziert werden. Eine kanadische Gruppe um den Wissenschaftler Francisco Vera-Badillo kritisiert in einem Fachartikel die Vorgehensweise seiner Kollegen, die die Ergebnisse eindeutig schönen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23303339).
Bei der Analyse von immerhin 164 Veröffentlichungen aus den Jahren 1995 bis 2011 zu Brustkrebsbehandlungen zeigte sich, dass die untersuchten Medikamente oftmals (jede dritte Studie) nicht das erhoffte Resultat zeigten. So hatten die Forscher meistens zu Beginn der Untersuchung als Therapieerfolg eine erhöhte Überlebensrate angegeben, was dann aber nicht eintrat. Dennoch stellten sie die Behandlung in ihren Fachartikeln als erfolgreich dar, da andere Kriterien, etwa ein langsameres Fortschreiten oder mehr Lebensqualität, in den Vordergrund gerückt wurden.
Auf der anderen Seite vergaßen die Onkologen aber zu erwähnen, welche schwerwiegenden Nebenwirkungen auftraten. Diese Darstellung des Sachverhalts kann, laut Vera-Badillo, in die Irre führen, sodass er klare Richtlinien dazu fordert, wie über klinische Studien berichtet werden soll.
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Neue Krebsmittel: Eine trügerische Hoffnung!
Die Hoffnung ist groß, wenn neue Mittel zur Krebstherapie vor der Zulassung stehen. Und diese werden dann gerne als weiterer „Durchbruch“ gefeiert. Diese Hoffnungm, die da geschürt wird, wird auch gerne durch Politiker zusätzlich befeuert.
Für die Todkranken dauert es oft zu lange, bis sie die als „Lebensretter“ verheißenen Medikamente erhalten. Grund genug für die pharmazeutische Industrie, den Zulassungs-Prozess zu beschleunigen. Die Pharma-Riesen verdienen ja auch gut daran.
Die Barmer schreibt z.B. in ihrem Arzneimittelreport 2017:
Die dargestellte Entwicklung der Behandlung des malignen Melanoms zeigt Trends, die für die Therapie vieler anderer onkologischer Erkrankungen ebenfalls gelten:
- Neue Arzneimittel führen nicht zu einer Heilung, sondern zu einer geringen Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um wenige Monate und nur selten zu einer signifikanten und noch seltener zu einer relevanten Verlängerung des Gesamtüberlebens.
- Die Therapiekosten für neue Onkologika liegen regelmäßig im Bereich von 100.000 Euro pro Patient und Jahr.
- Der Trend geht zur Kombination und zu konsekutivem Einsatz neuer Arzneimittel, wodurch Therapiekosten noch einmal erheblich erhöht werden.
Entscheidend sind hier die Sätze:
- „die für die Therapie vieler anderer onkologischer Erkrankungen ebenfalls gelten“
- „führen nicht zu einer Heilung, sondern zu einer geringen Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um wenige Monate „
Noch Fragen?
Die Behandlung mit mehreren Krebsmitteln: wirklich besser?
Statt neue Behandlungsmöglichkeiten zu erarbeiten, wurde irgendwann auf die Medikation mit mehreren Krebsmitteln gesetzt (Polychemotherapie). Auch diese Methode sollte angeblich die Heilungs-Chancen erheblich verbessern. Doch eine Brustkrebs-Studie ergab Zahlen, die praktisch im Bereich eines Messfehlers liegen.
Die 15-Jahres-Sterblichkeitrate liegt bei der Kombi-Medikation bei 47,4 % im Vergleich zu 50,4 % bei Patientinnen, die nur ein Medikament erhalten hatten (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15894097). Diese Kernaussage der Studie war nun keineswegs offen ersichtlich veröffentlicht. Gøtzsche musste einige Anstrengungen unternehmen, um an die Original-Daten heranzukommen, die sonst üblicherweise in Veröffentlichungen dargelegt werden.
Dennoch: Medikamente sollen schneller zugelassen werden – Wozu eigentlich?
Im Jahr 2012 wurde in den USA ein Gesetz verabschiedet, das die Kooperation zwischen den Pharma-Herstellern und der Food and Drug Administration (FDA) verbessern und die Marktreife der Medikamente beschleunigen soll. Patienten bekommen ihre Chemotherapeutika dann zwar schneller, aber eine gründliche Risiko-Bewertung hat nicht stattgefunden. Welche zusätzlichen Qualen die Kranken dann erleiden müssen, ist ungewiss. Meistens ist auch eine vollständige Heilung nicht möglich.
In Anbetracht einer lebensbedrohenden Erkrankung scheint die Risiko-Abschätzung weniger wichtig. Lohnt es sich etwa nicht, schwere Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, wenn das Leben vielleicht doch noch gerettet werden kann?
Doch die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass diese Annahme meistens nicht begründet ist, denn die konventionelle Krebs-Therapie hat im Grundsatz versagt.
Drastisch ausgedrückt: Die moderne Krebs-Medizin hat mit den falschen Hoffnungen in die Chemotherapie eine Bankrott-Erklärung abgegeben.
Aber ich beginne mich zu wiederholen…
Eine entscheidende Frage für mich ist:
Hat nicht die Lebensqualität in der letzten Lebensphase einen hohen Stellenwert?
Krebs-Patienten leiden ohnehin schon genug und durch die Behandlung mit Zellgiften verschlimmert sich ihr Leiden zusätzlich. Und die durch eine (weitere) Chemotherapie gewonnenen Wochen sind oftmals sehr grausame Wochen.
Todkranke brauchen Kraft für letzte Aktivitäten, die ihnen am Herzen liegen: Die Verabschiedung von Verwandten und Freunden und manchmal auch bescheidene letzte Wünsche, die sie sich selber erfüllen möchten. Hier sei mir noch eine Anmerkung gestattet: Unterschätzen Sie niemals ihr eigenes Immunsystem und die Macht der Spontanheilung!
Ärzte sollten mit ihren Patienten gemeinsam die Vor- und Nachteile einer Chemotherapie abwägen. Und dazu fordere nicht nur ich auf, sondern ein Experte der es wissen muss: Richard Pazdur, Leiter der Zulassungsstelle für Chemotherapeutika in der FDA. Pazdur ist auch persönlich kompetent, wenn es um die Belange der Krebskranken geht: Er verlor seine Ehefrau durch Krebs.
Auch das noch: Krebs durch Chemotherapie?
Falls Sie zu den „Glücklichen“ gehören sollten, die durch eine Chemotherapie „geheilt“ wurden, haben Sie hohe Chancen, in späteren Jahren an einem noch schlimmeren Krebs zu erkranken.
Das New England Journal of Medicine berichtete 1996 von einer Studie, in der ein Drittel aller Frauen, die in Ihrer Kindheit wegen Morbus Hodkgin behandelt wurden, an Brustkrebs erkrankte.
Dieser furchtbare Zusammenhang wird durch eine weitere Studie gestützt, dass das Knochenkrebsrisiko deutlich erhöht ist bei Erwachsenen, die als Kinder einer Chemotherapie ausgesetzt waren (Journal of National Cancer Institut 1996, 88, S. 270ff.). Es ist kein Geheimnis, dass viele Chemotherapeutika selbst karzinogen, also Krebs erzeugend sind. Ich berichtete in meinem Artikel “Krebszellen schlagen zurück” darüber und auch im Beitrag: Wenn Krebsmittel Krebs erzeugen.
Hinzu kommt, dass die hochdosierten Chemotherapeutika auch das Immunsystem schwächen. Problematisch ist dies deswegen, weil die Körperabwehr die effektivste Waffe gegen entartete Zellen darstellt. Im besonderen Maße gilt diese Problematik für die „Polychemo“. Die Methode beruht auf der Medikation mit verschiedenen Zellgiften, weil auch Tumorzellen nicht genetisch einheitlich sind und auch nicht auf alle Medikamente gleich reagieren.
Dieser „geballte Schrotschuss“ beeinträchtigt nicht nur das Immunsystem stark, sondern führt auch zu einem Problem, das wir aus dem Bereich der Antibiotika kennen: diejenigen Zellen, die gegen ein Chemotherapeutikum resistent sind, erlangen einen Überlebensvorteil, weil die Zahl konkurrierender Zellen reduziert ist. Die besonders aggressiven Zellen bilden Metastasen, die kaum noch bekämpft werden können.
Andere Zelltypen des Tumors können durch die Chemotherapie ebenfalls nicht abgetötet werden: die erst vor wenigen Jahren entdeckten Krebsstammzellen. Auch Bestrahlungen können diesen Zellen kaum etwas anhaben. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Krebsstammzellen durch die Behandlung eher noch vitaler werden. Vermutlich sind es diese Zellen, die verstärkt Metastasen bilden und Rezidive verursachen. Ob alle Krebsformen aus den mutierten Stammzellen entstehen, ist bisher ungeklärt.
Nachgewiesen wurden sie in Brust-, Dickdarm-, Prostata-, Leber-, Bindegewebskrebs und Tumoren im Halsbereich sowie in Gehirn-Tumoren. Wahrscheinlich spielen sie bei allen Krebstypen eine Rolle. Zwar feierte die Fachpresse die Entdeckung der differenzierungs- und teilungsaktiven Zellen als Erfolg und hoffte auf neue Ansätze für die Therapie. Aber der überraschende Fortschritt der Grundlagenforschung konnte an diesem Punkt leider noch keine praktischen Ergebnisse erzielen (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=32938).
Vielversprechender sind Ansätze, die eine spezifische und damit gezielte Chemotherapie fordern. So können Ärzte mit Genexpressions-Analysen die Eigenschaften der Tumorzellen bestimmen und das Zytostatikum zielsicherer auswählen.
Dann sind niedrigere Dosierungen erforderlich, die den Körper weniger schädigen und die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhen. Diese, als „Low-Dose-Chemo“ bekannt gewordene Behandlung ist bereits bei Brustkrebs erprobt. Begleitet wird die Therapie mit den Methoden der ganzheitlichen Medizin.
Wichtig erscheint es vor allem, durch eine möglichst schonende Behandlung die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Dies geschieht beispielsweise auch bei der lokalen Chemotherapie, bei der durch Injektion in bestimmte Arterien der Tumor gezielt angegriffen wird. Möglich ist dies dann, wenn ein Tumor überwiegend durch bestimmbare Blutgefäße versorgt wird. So injizieren Ärzte bei Lebertumoren Zytostatika in die Leberpfortader. Diese Methode ist sowohl effektiver als auch schonender als systemische Behandlungen ( http://www.kliniken-essen-mitte.de/leistung/zentren-institute/regionale-tumortherapie/leistungen-und-angebote/regionaltherapie-leber/regionale-chemotherapie.html).
Die Fortschritte der Krebs-Therapie waren bisher nie spektakulär und betrafen immer nur Teilbereiche der Onkologie. Von einem Durchbruch scheinen wir noch meilenweit entfernt.
Und dennoch soll uns (der Bevölkerung) das Gefühl vermittelt werden, dass gegen Krebs etwas unternommen werden kann und unternommen wird.
Alleine aus diesem Grund wird die Chemotherapie weiter im Waffenarsenal der Medizin zu finden sein. Wie soll es sonst zu erklären sein, dass Mitte der 90er Jahre die amerikanische Arzneimittelbehörde das Einverständnis gegeben hat, dass neue Krebsmedikamente nur „zeigen“ müssen, dass diese die Fähigkeit besitzen, einen Tumor schrumpfen zu lassen. Es besteht noch nicht einmal mehr die Pflicht, zu zeigen, dass das Leben der Patienten VERLÄNGERT wird. Von Heilung wird sowieso nicht mehr gesprochen…
Wenn Sie das alles immer noch bezweifeln, lesen Sie doch bitte auch einmal die Artikel “ erfundene Arzneimittelstudien“ oder „Betrug bei Krebsmitteln“
Die entscheidende Frage, die Sie sich und Ihrem Onkologen stellen sollten, ist:
Werde ich aufgrund der Chemotherapie länger leben als ohne Chemotherapie?
Und fragen Sie Ihren Onkologen: Würden Sie diese Therapie bei sich oder Ihrem Lebenspartner machen lassen? Fragen Sie einmal die Assistenzärzte und die Schwestern in der Klinik… Sie werden über die Antworten staunen.
Denn in den meisten Fällen verlängert die Chemotherapie das Leben nicht.
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Nebenwirkungen der Chemotherapie
Mit Nebenwirkungen muss bei einer zytostatischen Chemotherapie immer gerechnet werden, da die Substanzen neben den Tumorzellen immer auch normale Zellen schädigen. Besonders betroffen sind hierbei Zellen, die eine hohe Teilungsrate haben.
Patienten unter Chemotherapie sind anfällig für Infektionen, weil die Immunzellzahl des Blutes sinkt. Durch die Schädigung von Darmzellen ist die Anfälligkeit für Infektionen der Darmschleimhaut erhöht. Auch Haarausfall ist bei vielen Präparaten ein Problem. Eizellen und Spermien leiden unter der Behandlung. Allgemeine Nebenwirkungen sind Übelkeit mit Erbrechen, Müdigkeit und manchmal Fieber.
Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere substanzspezifische Nebenwirkungen, die nur für bestimmte Präparate gelten und einzeln geklärt werden sollten.
Vor einigen Jahren wurde dann beobachtet, dass behandelte Patienten eine Art psychische Reaktion auf die Chemotherapie entwickelten, die man als Chemo Brain (Chemo-Hirn) oder Chemo Fog (Chemo-Nebel) bezeichnete.
Die Patienten erfuhren eine Art mentaler Vernebelung, die sich in der Abnahme von kognitiven Fähigkeiten ausdrückte. Es traten vermehrt Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Probleme bei der Wahl der gesprochenen Worte, Probleme bei der räumlichen Orientierung usw. auf. Letzteres führte dazu, dass sich Patienten schneller verliefen als dies zu therapielosen Zeiten der Fall war.
Allerdings gibt es kein einheitliches Muster in der Verteilung dieser Nebenwirkung. Einige Patienten tolerieren die Chemotherapie besser als andere, die dann deutlich mehr von den eben aufgezählten Phänomenen zeigen. Heute scheinen diese Beobachtungen abgesichert zu sein. Denn in einer neuen, in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlichten Arbeit wurde die Einflussnahme von Zytostatika auf das Gehirn nachgewiesen.
Eine weitere wichtige Frage ist, ob die Chemotherapie nur für den Patienten „gefährlich“ ist oder auch für Angehörige, Partner oder gar Schwangere? Gibt es etwas wie „Passiv-Chemotherapie“? Dieser Frage gehe ich in meinem Beitrag: Chemotherapie – Gefährlich für Angehörige, Partner und Schwangere? nach.
Um das Maß vollzumachen, kann auch der vorzeitige Tod eine Nebenwirkung der Chemotherapie sein. Zu dem Ergebnis kommt eine britische Studie über das Schicksal von über 23.000 Krebspatienten. Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer litt an Brustkrebs, die andere Hälfte an malignen Tumoren der Lunge. Die Forscher untersuchten die Überlebenswahrscheinlichkeit während der ersten 30 Tage der Chemotherapie. 8,4 % der Menschen mit Lungenkrebs starben bereits im ersten Monat, also unmittelbar zu Beginn der Behandlung.
In der Gruppe der Brustkrebspatientinnen waren es 2,4 %. Ursache war bei vielen Studienteilnehmern eine neutropenische Sepsis-Infektion. Diese Form der Blutvergiftung resultiert aus einer verminderten Zahl der neutrophilen Granulozyten (Sciencedirect). Diese weißen Blutkörperchen sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Die Chemotherapie bewirkt eine unterdrückte Neubildung der Leukoyzyten und schwächt so die Körperabwehr. Mehr dazu auch in meinem Beitrag: Chemotherapie mit Rückschlagwirkung: Viele Patienten erliegen der Chemo innerhalb von 30 Tagen.
Chemotherapie wirkt nur bei absterbenden Krebszellen?
Und noch etwas gibt es zu berichten, das die Chemotherapie endgültig vom Sockel des einzig wahren Krebsheilmittels stoßen dürfte: Wie verschiedene Studien feststellten, wirken die Chemotherapeutika besonders gut bei Krebszellen, die sowieso kurz vorm natürlichen Zelltod stehen. Das bedeutet: Auch ohne die giftigen Medikamente wären diese Zellen in kurzer Zeit von selbst abgestorben. Krebszellen, die von diesem Stadium noch weit entfernt sind, reagieren deutlich schlechter auf die „Therapie“.
Böse ausgedrückt könnte man sagen: In vielen Fällen, in denen die Chemotherapie hilft, verschwindet der Tumor trotz und nicht wegen der Medikamente. Möglicherweise mit einem kleinen Zeitvorteil: Die Chemotherapie könnte den Zelltod beschleunigen. Aber ob das in einem sinnvollen Gleichgewicht zu den massiven Nebenwirkungen steht, wage ich stark zu bezweifeln.
Tatsächlich gibt es mehrere Studien, die zeigen, dass Krebs auch von selbst verschwinden kann. Unter welchen Voraussetzungen dies geschieht, ist noch weitgehend unbekannt, aber es passiert wohl deutlich häufiger als landläufig angenommen.
Diskutieren Sie mit und hinterlassen Sie Ihre Erfahrungen und Meinungen im Blog zu folgenden Themen:
- 25 Jahre ohne Fortschritt bei fortgeschrittenen Krebsleiden
“Was das Überleben bei metastasierten Karzinomen in Darm, Brust, Lunge und Prostata angeht, hat es in den vergangenen 25 Jahren keinen Fortschritt gegeben.” - Krebszellen schlagen zurück
Immer wieder kommt es vor, dass Chemotherapien bei einer Krebserkrankung zunächst sehr erfolgsversprechend anschlagen, es aber plötzlich bei den Patienten zu einem unerwartet heftigen Rückfall kommt. Forscher der Universität Heidelberg deckten nun einen Rückkopplungsmechanismus auf, der für dieses Phänomen bei der Diagnose Krebs verantwortlich sein könnte. - Mit Zahlen jonglieren: Beispiel Brustkrebs
Man geht in bestimmten Studien davon aus, dass das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, durch eine Früherkennung um 30% sinkt. Das hört sich auf den ersten Blick gut an. Stimmt aber so nicht ganz… - Naturheilmittel gegen Nebenwirkungen der Chemotherapie
Anhand von Studien mit an Brustkrebs erkrankten Frauen sucht die Universitäts-Frauenklinik Heidelberg nach Beweisen, dass Naturheilmittel tatsächlich die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern können. - Vorsicht vor dem Verzehr bitterer Aprikosenkerne
In seinem Magazin WISO setzt das ZDF regelmäßig “Fernsehdetektiv Sommer” auf Fälle von Verbrauchertäuschung an. Im Beitrag vom 23. März 2009 ging es um eine Krebspatientin, die nach dem Verzehr von bitteren Aprikosenkernen unter Atemnot litt und den Verdacht hatte, an Vergiftungserscheinungen zu leiden. - Bekanntes Krebsmedikament: Mehr Schaden als Nutzen?
Verschiedende Arten von Krebs werden oft mit der sogenannten Chemotherapie behandelt. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) bestätigte, dass eines der bekanntesten Chemotherapeutika, das Medikament Avastin, bei metastasierendem Brustkrebs nicht mehr verwendet werden soll. - Zytotoxische Effekte von ultraverdünnten Arzneimitteln auf Brustkrebszellen
Eine interessante Studie zum Thema Krebs erreicht uns aus den Forschungslabors der Universität von Texas, USA. Hier untersuchten Wissenschaftler homöopathische Formulierungen in ultra-verdünnter Form und deren Einfluss auf Krebszellkulturen in vitro, also außerhalb des menschlichen Körpers, in der Petrischale.
Alternativen zur Chemotherapie
Die Entscheidung für oder gegen eine „Chemotherapie“ ist für die Patienten zusätzlich zur Diagnose Krebs eine weitere Belastung. Das ist mir vollkommen klar.
Sich in solch einer Situation dann auch noch mit Alternativen oder naturheilkundlichen Verfahren auseinandersetzen zu wollen überfordert zahlreiche Patienten.
Dazu kommen leider noch Kollegen, die alternative Krebstherapien anbieten, die:
a) bei Krebsvarianten angeboten werden, bei denen ich es tatsächlich als fahrlässig erachten würde, diesen Patienten NICHT die Chemotherapie zu empfehlen (z.B. Hodenkrebs, Hodkin-Lymphom). Aber auch in diesen Fällen würde ich immer parallel „alternativ“ arbeiten, um die Nebenwirkungen zu minimieren und das körpereigene Immunsystem zu unterstützen…
b) ein einzelnes Verfahren als alleiniges, gut wirksames Heilmittel darstellen.
Es tut mir leid dies hier sagen zu müssen: Aber ich kenne keinen Patienten, der mit nur einem „alternativen“ Heilverfahren geheilt wurde. Klar: Es gibt die Spontanremissionen bei Krebs.
Patienten die eine gute bis deutliche Besserung erzielen konnten, haben (nach meinem Wissen) immer eine Kombination mehrerer Verfahren erhalten.
Die Folgende Übersicht ist mehr als unvollständig. Viele Verfahren, Medikamente etc. habe ich noch nicht einmal stichwortartig erwähnt. Ich mache dennoch einen Versuch:
Enzymtherapie
Von der Enzymtherapie halte ich grundsätzlich viel. Allerdings müssen wir sauber unterscheiden: Enzyme können im Rahmen einer Krebsbehandlung als unterstützende Maßnahme eingesetzt werden. Daraus folgt noch lange nicht, dass sie einen Tumor eigenständig beseitigen oder eine notwendige onkologische Behandlung ersetzen könnten.
In der komplementären Onkologie werden vor allem eiweißspaltende, sogenannte proteolytische Enzyme verwendet. Dazu gehören Bromelain, Papain, Trypsin und Chymotrypsin. Interessant sind vor allem zwei Anwendungsbereiche:
Begleitbehandlung bei Operation, Bestrahlung und Chemotherapie
Enzympräparate werden eingesetzt, um überschießende Entzündungsreaktionen, Schwellungen und bestimmte Beschwerden während oder nach einer konventionellen Krebsbehandlung zu vermindern.
Einzelne Untersuchungen und klinische Beobachtungen berichten unter anderem über eine mögliche Besserung von:
- Schwellungen und Ödemen nach Operationen,
- Übelkeit und Verdauungsbeschwerden,
- Müdigkeit und allgemeiner Erschöpfung,
- Schleimhaut- und Hautreaktionen nach Bestrahlung,
- Gewichtsverlust und Ruhelosigkeit sowie
- der allgemeinen Lebensqualität.
Das klingt vielversprechend. Die Studienlage ist allerdings keineswegs so eindeutig, wie es manche Herstellerbroschüre erscheinen lässt. Nicht jede Untersuchung konnte einen Nutzen bestätigen. Eine neuere systematische Auswertung kam zu dem Ergebnis, dass sich aufgrund der methodischen Schwächen der vorhandenen Studien bislang kein eindeutiger therapeutischer Vorteil belegen lässt.
Das bedeutet nicht, dass Enzyme grundsätzlich wirkungslos wären. Es bedeutet zunächst, dass eine Wirkung nicht bei jedem Patienten, jedem Präparat und jeder Behandlungsform vorausgesetzt werden darf. Genau diese Differenzierung fehlt mir in der Werbung für Enzympräparate häufig.
Ausführlicher gehe ich darauf in meinen Beiträgen zur Enzymtherapie und zu Wobenzym ein. Gerade bei fertigen Enzymmischungen sollte man genauer hinsehen: Welche Enzyme sind tatsächlich enthalten, in welcher Menge – und welche der versprochenen Wirkungen sind mehr als geschicktes Marketing?
Enzyme, Immunsystem und die „Tarnung“ der Krebszellen
Für proteolytische Enzyme werden außerdem entzündungsregulierende und immunmodulierende Wirkungen diskutiert. In Labor- und Tierversuchen zeigten sich Einflüsse auf Entzündungsbotenstoffe, Zelladhäsion, Tumorwachstum und Metastasenbildung.
Aus solchen Befunden entstand die Vorstellung, proteolytische Enzyme könnten bestimmte Schutz- und Tarnmechanismen der Krebszellen beeinträchtigen und die entarteten Zellen dadurch für das Immunsystem besser erkennbar machen.
Diese Hypothese ist biologisch interessant. Als gesicherte Wirkung beim Menschen darf sie bislang jedoch nicht dargestellt werden. Laborergebnisse sind noch keine erfolgreiche Krebstherapie. Zwischen einer Wirkung in der Zellkultur und einer verlängerten Überlebenszeit beim Patienten liegt bekanntlich ein ziemlich weiter Weg.
Für frei verkäufliche Enzympräparate gibt es derzeit keinen belastbaren Nachweis, dass sie allein einen Tumor beseitigen, Metastasen verhindern oder die Lebenserwartung von Krebspatienten zuverlässig verlängern. Besonders deutlich wurde dies bei einer Untersuchung zu Bauchspeicheldrüsenkrebs: Patienten, die eine alternative Behandlung mit hochdosierten Pankreasenzymen, Ernährungsumstellung und sogenannten Entgiftungsmaßnahmen erhielten, lebten im Durchschnitt deutlich kürzer als die Vergleichsgruppe unter einer Gemcitabin-basierten Chemotherapie.
Enzyme kommen deshalb aus meiner Sicht vor allem als Bestandteil eines durchdachten Begleitkonzepts infrage. Ihr möglicher Wert liegt derzeit eher in der Unterstützung des Patienten und der Beeinflussung bestimmter Begleitbeschwerden als in einer eigenständigen Bekämpfung des Tumors.
Was bei der Einnahme zu beachten ist
Auch Naturstoffe sind keine Smarties. Präparat, Dosierung und Einnahmezeitpunkt sollten bei einer Krebserkrankung mit dem behandelnden Arzt oder einem entsprechend erfahrenen Therapeuten abgestimmt werden.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- der Einnahme von Blutverdünnern oder Thrombozytenaggregationshemmern,
- Gerinnungsstörungen,
- bevorstehenden Operationen,
- Allergien gegen Ananas, Papaya oder Bestandteile des Präparates sowie
- gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, deren Aufnahme oder Wirkung beeinflusst werden könnte.
Mein Fazit: Die Enzymtherapie bleibt für mich ein interessanter Teil der komplementären Krebsbegleitung. Sie sollte gezielt, fachkundig und mit realistischen Erwartungen eingesetzt werden. Als Unterstützung kann sie sinnvoll sein. Als vermeintlicher Ersatz für jede andere Krebstherapie wird aus einer interessanten Methode allerdings sehr schnell ein gefährliches Versprechen.
Weiterführende Studien:
- Systematische Übersichtsarbeit zur proteolytischen Enzymtherapie in der komplementären Onkologie
- Vergleich von Pankreasenzymtherapie und Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Randomisierte Studie zu Enzymen bei strahlentherapiebedingten Beschwerden
Ernährung
Mittlerweile gibt es zahlreiche Erkenntnisse auch in unserer sogenannten Wissenschaft bezüglich einer „Krebs-Ernährung“. Mehr dazu lesen sie unter: Ernährung bei Krebs.
Weitere Artikel dazu:
In den letzten Jahren bekannter wurde vor allem die sogenannte Ketogene Diät. Und es ist es sicher wert, sich mit dieser einmal genauer zu beschäftigen. Mehr dazu in meinem Beitrag: Die ketogene Diät – Hilfe bei Tumorerkrankungen?
Fasten & Heilfasten
Wer bei Krebserkrankungen das Wort „Fasten“ auch nur erwähnte, wurde noch in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends mehr als schief angesehen. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Erfahrungen wie die des Kollegen Rudolf Breuss (siehe mein Beitrag: Die Breuss-Kur) wurden als gefährlich eingestuft und Breuss als Scharlatan beschimpft.
Seit den Arbeiten von Dr. Longo und seinem Team wissen wir heute mehr! In meinem Artikel: Fasten bei Krebs – Erstaunliche Erkenntnisse, finden Sie hochinteressante Informationen dazu.
Homöopathie
Kritiker sprechen der Homöopathie sowieso jede Wirkung ab. Erstaunlicherweise wurden aber gerade mit homöopathischen Mitteln Effekte bei Brustkrebszellen im Labor beobachtet. Und in meinem Beitrag: Homöopathie bei Krebs, wird es ebenfalls richtig spannend!
Orthomolekular-Medizin
Die orthomolekulare Therapie halte ich bei allen Krebsvarianten für unerlässlich. Eine wesentliche Rolle spielen unter anderem Zink und Selen, Gluthation und weitere Antioxidantien. Hierzu sollte Sie aber jemand beraten, der sich mit den einzelnen Krebsarten auskennt. Hin und wieder ist zu lesen, dass Antioxidantien selbst Krebs auslösen würden und die Effekte einer Chemotherapie negativ beeinflussen sollen. Dazu gibt es keinen Hinweis, wie ich auch im Journal „Cancer Treatment Reviews“ bestätigt fand. Im Gegenteil, Antioxidantien scheinen die Überlebensraten, den therapeutischen Effekt auf den Tumor und das Tolerieren der Therapie zu verbessern.
Ein weiteres hochinteressantes „Mittel“ in der Krebstherapie ist meiner Ansicht nach Modifiziertes Citruspektin (MCP). Die Wirkung von modifiziertem Citruspektin auf den Körper wurde bereits in zahlreichen Studien untersucht und scheint einige bemerkenswerte Effekte zu haben. Dabei hat MCP seine krebshemmende Wirkung bislang bei den unterschiedlichsten Krebsarten gezeigt, darunter Prostatakrebs, Darmkrebs, Leberkrebs, Brustkrebs und Hautkrebs.
Heilpflanzen und Heilpilze
Heilpflanzen und Heilpilze können bei Krebserkrankungen auf sehr unterschiedlichen Ebenen eingesetzt werden. Manche dienen vor allem der Begleitung: gegen Übelkeit, Erschöpfung, Entzündungen, Appetitverlust oder Verdauungsbeschwerden. Andere beeinflussen Durchblutung, Immunregulation oder bestimmte Stoffwechselwege. Wieder andere zeigen im Labor direkte Effekte auf Krebszellen.
Diese Ebenen dürfen nicht verwechselt werden. Ein Pflanzenstoff, der in der Petrischale Krebszellen abtötet, ist noch lange kein bewiesenes Krebsmedikament. Umgekehrt kann eine Pflanze für einen geschwächten Patienten wertvoll sein, auch wenn sie den Tumor selbst nicht verkleinert.
Heilpilze: In der Krebsbegleitung kaum wegzudenken
Heilpilze gehören für mich in diesen Abschnitt unbedingt hinein. Sie enthalten unter anderem Beta-Glucane, Polysaccharide, Triterpene und weitere biologisch aktive Substanzen. Diese können Entzündungs- und Immunreaktionen beeinflussen. Dabei geht es weniger um ein grobes „Ankurbeln“ des Immunsystems als um eine mögliche Modulation verschiedener Abwehrvorgänge.
Eine systematische Auswertung klinischer Studien fand bei verschiedenen Pilzpräparaten Hinweise auf eine bessere Lebensqualität, geringere Nebenwirkungen der Chemotherapie und Veränderungen bestimmter Immunparameter. Die untersuchten Produkte, Dosierungen und Krebsarten waren allerdings sehr unterschiedlich.
- Coriolus versicolor beziehungsweise Schmetterlingstramete: Aus diesem Pilz werden die Polysaccharide PSK und PSP gewonnen. Besonders aus Japan liegen ältere klinische Studien vor, in denen standardisiertes PSK zusätzlich zur konventionellen Behandlung von Magen- und Darmkrebs eingesetzt wurde. Coriolus gehört damit zu den klinisch interessantesten Heilpilzen der Onkologie.
- Reishi beziehungsweise Ganoderma lucidum: Reishi enthält Polysaccharide und Triterpene. Diskutiert werden immunmodulierende, entzündungshemmende und leberschützende Wirkungen. Klinische Belege für eine eigenständige Tumorbehandlung fehlen. Bei Blutverdünnern und vor Operationen ist wegen möglicher Auswirkungen auf die Blutgerinnung Vorsicht geboten.
- Maitake: Besonders untersucht werden die Beta-Glucan-Fraktionen des Pilzes. Kleine Studien und Laborarbeiten zeigen interessante Immunreaktionen. Ob sich daraus ein Überlebensvorteil ergibt, ist nicht geklärt.
- Shiitake: Aus Shiitake stammt Lentinan, das in Japan als standardisiertes Präparat in der Krebsbegleitung untersucht und teilweise medizinisch eingesetzt wurde. Das ist nicht mit dem gelegentlichen Verzehr von Shiitakepilzen gleichzusetzen.
- Agaricus blazei: Für den Mandelpilz existieren kleine Untersuchungen zu Lebensqualität und Verträglichkeit einer Chemotherapie. Seltene Berichte über Leberschäden mahnen bei hoch dosierten Präparaten zur Vorsicht.
- Cordyceps: Cordyceps ist wegen seiner Polysaccharide und des Cordycepins interessant. Labor- und Tierstudien zeigen Einflüsse auf Entzündung, Apoptose, Tumorwachstum und Metastasierung. Beim Menschen ist Cordyceps bisher eher zur Unterstützung bei Erschöpfung, Leistungsabfall und bestimmten Nierenproblemen interessant als als bewiesenes Krebsmittel.
- Hericium: Hericium ist vor allem für den Magen-Darm-Trakt, Schleimhäute und das Nervensystem interessant. Das kann bei Krebspatienten mit Verdauungsbeschwerden oder gereizten Schleimhäuten nützlich sein. Für eine direkte Wirkung gegen Krebs beim Menschen fehlen überzeugende Daten.
Bei Heilpilzen kommt es entscheidend auf die Qualität an. Billiges Pilzpulver besteht gelegentlich überwiegend aus dem verwendeten Getreidesubstrat. Sinnvoll sind kontrollierte Produkte mit klarer Angabe von Pilzart, verwendetem Pflanzenteil beziehungsweise Myzel oder Fruchtkörper, Extraktionsverfahren und Beta-Glucan-Gehalt. Ebenso wichtig sind Untersuchungen auf Schwermetalle, Pestizide und mikrobielle Verunreinigungen.
Misteltherapie
Die Misteltherapie gehört zu den bekanntesten Verfahren der komplementären Onkologie. Am besten untersucht ist ihr möglicher Einfluss auf Fatigue, Übelkeit, Appetit, Schlaf und allgemeine Lebensqualität. Ein zuverlässiger Nachweis, dass Mistelpräparate den Tumor beseitigen oder die Überlebenszeit verlängern, steht weiterhin aus.
Mistellektine gehören zu den pharmakologisch interessanten Bestandteilen. Die Auswahl eines Präparates sollte jedoch nicht ausschließlich nach einem möglichst hohen Mistellektingehalt oder einem Markennamen erfolgen. Auch Gesamtextrakt, Wirtsbaum, Herstellungsverfahren, Dosierung, Krebsart und individuelle Reaktion spielen eine Rolle. Die Misteltherapie gehört in erfahrene Hände.
Eberraute und Herba-Abrotani-Tee
Herba-Abrotani-Tee wird aus der Eberraute (Artemisia abrotanum L.) hergestellt. Die Pflanze enthält Bitterstoffe, ätherische Öle und Polyphenole wie Rutin, Quercetin und Ferulasäure.
In einer kleinen Untersuchung mit gesunden Sportlern wurde eine veränderte Aktivität von natürlichen Killerzellen, T-Lymphozyten und Makrophagen beschrieben. Das ist ein interessanter Hinweis auf immunmodulierende Effekte. Untersucht wurden allerdings keine Krebspatienten. Ob Eberraute das Tumorwachstum oder die Überlebenszeit beeinflusst, ist nicht bekannt.
Rotwurzel-Salbei – Danshen
Der chinesische Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza), auch Danshen genannt, ist eine zentrale Arzneipflanze der Traditionellen Chinesischen Medizin. Er ist nicht mit unserem gewöhnlichen Küchensalbei zu verwechseln.
Rotwurzel-Salbei wird traditionell bei sogenannten Blutstauungen und Durchblutungsstörungen eingesetzt. Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind Tanshinone und Salvianolsäuren. In Labor- und Tierstudien zeigten sich Einflüsse auf Entzündungswege, Gefäßneubildung, Zellteilung, Apoptose und die Empfindlichkeit bestimmter Krebszellen gegenüber Medikamenten.
Die klinische Krebsforschung steht jedoch noch am Anfang. Als eigenständige Krebstherapie ist Danshen nicht belegt. Zudem kann die Pflanze die Blutgerinnung deutlich beeinflussen. Besonders bei Marcumar, direkten oralen Antikoagulanzien, Thrombozytenhemmern, niedrigen Blutplättchen oder vor einer Operation darf sie nicht unkritisch eingesetzt werden.
Padma 28
Padma 28 ist keine Einzelpflanze, sondern eine komplexe Rezeptur aus der tibetischen Medizin. Von diesem Präparat halte ich besonders bei Durchblutungsstörungen viel. Klinische Untersuchungen liegen vor allem zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und zur Verbesserung der Gehstrecke vor.
Für die Krebsbegleitung ist Padma 28 wegen seiner möglichen Effekte auf Mikrozirkulation, Entzündungsregulation und oxidativen Stress interessant. Im Labor wurden außerdem Einflüsse auf Zellteilung und programmierten Zelltod beobachtet. Ein klinischer Nachweis, dass Padma 28 bei Krebspatienten Tumore verkleinert oder das Überleben verlängert, fehlt jedoch.
Ich würde Padma 28 deshalb als mögliches Begleitmittel bei gestörter Durchblutung und eingeschränkter Mikrozirkulation betrachten. Wegen der zahlreichen Inhaltsstoffe müssen mögliche Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten und Blutverdünnern geprüft werden.
Neem
Neem (Azadirachta indica) besitzt in der ayurvedischen Medizin eine lange Tradition. Inhaltsstoffe wie Nimbolid und Azadirachtin zeigen in Labor- und Tierstudien entzündungshemmende, immunmodulierende und wachstumshemmende Wirkungen auf verschiedene Krebszellarten.
Für eine wirksame Krebsbehandlung beim Menschen fehlen bisher überzeugende klinische Studien. Hoch dosierte Neemprodukte und insbesondere Neemöl sind zudem keineswegs harmlos. Möglich sind Leber- und Nierenschäden sowie schwere Vergiftungen. In der Schwangerschaft ist Neem wegen möglicher fruchtschädigender und abortiver Wirkungen tabu.
Neem ist damit eine pharmakologisch interessante Pflanze, aber kein Mittel für hoch dosierte Selbstversuche.
Weizengras
Weizengras liefert Chlorophyll, Mineralstoffe, Enzyme und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. In einer kleinen Pilotstudie mit Brustkrebspatientinnen verringerte Weizengrassaft während einer FAC-Chemotherapie möglicherweise die Schädigung der Blutbildung und den Bedarf an unterstützenden Wachstumsfaktoren. Bei einigen Teilnehmerinnen verstärkte der Saft allerdings die Übelkeit.
Diese Ergebnisse sind interessant, wurden aber bislang nicht durch große Studien bestätigt. Weizengras ist deshalb eher als nährstoffreiches Lebensmittel und mögliches Begleitmittel zu betrachten.
Während einer ausgeprägten Neutropenie würde ich von hygienisch unsicherem, rohem Weizengrassaft abraten. Frische Säfte können mit Bakterien, Schimmelpilzen oder Hefen belastet sein – für einen gesunden Menschen meist kein Drama, für einen stark immungeschwächten Patienten möglicherweise schon.
Kurkuma, Kardamom, Ingwer und schwarzer Pfeffer
Diese Gewürzkombination halte ich im Rahmen einer vernünftigen Ernährung für besonders interessant:
- Kurkuma liefert Curcumin und weitere Curcuminoide. Untersucht werden Einflüsse auf NF-κB, Entzündungswege, Zellteilung, Apoptose und Angiogenese.
- Ingwer enthält Gingerole und Shogaole. Praktisch interessant ist Ingwer vor allem bei Übelkeit und Verdauungsbeschwerden. Auch zur chemotherapiebedingten Übelkeit liegen klinische Untersuchungen vor.
- Kardamom liefert ätherische Öle und Polyphenole. Die direkten Krebsdaten stammen überwiegend aus Labor- und Tierstudien. Als Gewürz fördert Kardamom zudem die Verdauung und macht entsprechende Mischungen bekömmlicher.
- Schwarzer Pfeffer enthält Piperin. Piperin kann die Aufnahme von Curcumin deutlich erhöhen, indem es bestimmte Abbau- und Transportwege hemmt.
Genau der letzte Punkt ist Vorteil und Risiko zugleich. Piperin unterscheidet nicht zwischen Curcumin und einem Krebsmedikament. Es kann theoretisch auch Aufnahme, Abbau und Blutspiegel verschiedener Arzneimittel verändern.
Als Küchengewürze oder Bestandteil einer Mahlzeit ist die Kombination in der Regel etwas anderes als ein hoch dosierter Extrakt. Curcumin-Kapseln mit großen Mengen Piperin würde ich während einer Chemotherapie, Immuntherapie oder Behandlung mit zielgerichteten Medikamenten nur nach Prüfung der möglichen Wechselwirkungen einsetzen.
Vorsicht ist außerdem bei Gallenwegsverschlüssen, Gallensteinen, Blutverdünnern, niedrigen Blutplättchen und vor Operationen geboten.
Weitere interessante Pflanzen und Zubereitungen
- Ginseng: kann möglicherweise Fatigue und Erschöpfung lindern. Wechselwirkungen mit Blutverdünnern, Diabetesmitteln und anderen Medikamenten sind möglich.
- Taigawurzel: wird als Adaptogen bei Schwäche und Erschöpfung eingesetzt. Eine krebshemmende Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.
- Grüner Tee: enthält Catechine wie EGCG. Tee als Getränk ist von hoch dosierten Extrakten zu unterscheiden, die die Leber belasten und mit einzelnen Krebsmedikamenten wechselwirken können.
- Weihrauch: ist vor allem wegen seiner entzündungsregulierenden Wirkung interessant. Kleine Studien weisen auf mögliche Vorteile bei bestimmten Ödemen hin.
- Cannabis und Cannabinoide: können bei therapieresistenter Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlafproblemen und Appetitverlust nützlich sein. Eine krebsheilende Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.
- Madagaskar-Immergrün: Aus dieser giftigen Pflanze stammen Vincristin und Vinblastin – hochwirksame Zytostatika. Sie eignet sich keinesfalls als Tee oder zur Selbstbehandlung. „Pflanzlich“ bedeutet eben nicht automatisch sanft.
Heilpflanzen und Krebsmedikamente: Die Wechselwirkungen entscheiden
Ein Naturstoff, der stark genug ist, einen biologischen Vorgang zu verändern, ist grundsätzlich auch stark genug, mit Medikamenten zu wechselwirken. Besonders relevant sind Einflüsse auf:
- Leberenzyme des Cytochrom-P450-Systems,
- Transportproteine wie P-Glykoprotein,
- Blutgerinnung und Blutplättchen,
- Blutzucker und Blutdruck,
- Leber- und Nierenfunktion sowie
- Immunreaktionen unter Antikörper- oder Immuntherapie.
Deshalb sollten alle Pilzextrakte, Kräutermischungen, Tinkturen und Nahrungsergänzungsmittel offengelegt werden. Das gilt besonders für Rotwurzel-Salbei, Padma 28, hoch dosiertes Curcumin mit Piperin, Reishi, Ginseng und Cannabisprodukte.
Mein Fazit: Heilpflanzen und Heilpilze können in einem durchdachten Begleitkonzept viel leisten. Sie wahllos miteinander zu kombinieren, weil jede einzelne Substanz irgendwo im Labor einmal Krebszellen gehemmt hat, ist dagegen keine ganzheitliche Therapie. Es ist eine Kräuterapotheke ohne Arzneimittelprüfung.
Weitere Informationen finden Sie in meinen Beiträgen:
- Heilpflanzen gegen Krebs
- Krebsleiden und naturheilkundliche Begleittherapie
- Cordyceps: Studien zu Krebs, Leistungsfähigkeit und Nieren
- Hericium: Wirkung und wissenschaftliche Studien
- Kurkuma und Curcumin
- Padma 28 aus der tibetischen Medizin
Weiterführende Literatur:
- Systematische Auswertung zu Heilpilzen in der Krebsbegleitung
- Klinische Daten zu medizinischen Pilzen und PSK
- Pilotstudie zu Weizengrassaft während einer Chemotherapie
- Rotwurzel-Salbei als mögliche Begleitung in der Onkologie
- Klinische Daten zu Curcumin bei Krebs
Sauerstoff-Ozon-Therapie
Von der medizinischen Sauerstoff-Ozon-Therapie halte ich grundsätzlich viel. Auch bei Krebspatienten kann sie aus meiner Sicht als begleitende Maßnahme interessant sein. Allerdings muss zunächst geklärt werden, welches Verfahren gemeint ist. Denn unter dem Begriff „Ozontherapie“ werden sehr unterschiedliche Anwendungen angeboten — seriöse ebenso wie ausgesprochen riskante.
Die große Sauerstoff-Ozon-Eigenblutbehandlung
In der komplementären Onkologie kommt vor allem die sogenannte große Sauerstoff-Ozon-Eigenblutbehandlung infrage. Dabei wird eine bestimmte Menge Blut entnommen, außerhalb des Körpers mit einem genau dosierten Gemisch aus medizinischem Sauerstoff und Ozon behandelt und anschließend wieder zurückgeführt.
Das Ozon gelangt dabei nicht einfach als Gas in den Körper. Es reagiert bereits außerhalb des Körpers innerhalb kurzer Zeit mit Bestandteilen des Blutes. Dabei entstehen verschiedene Boten- und Reaktionsprodukte, die anschließend biologische Anpassungsprozesse anstoßen können.
Diskutiert werden unter anderem folgende Wirkungen:
- Aktivierung körpereigener antioxidativer Schutzsysteme,
- Beeinflussung von Entzündungsbotenstoffen,
- Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes und der Mikrozirkulation,
- günstigere Sauerstoffabgabe im Gewebe,
- Beeinflussung der mitochondrialen Energiegewinnung sowie
- modulierende Effekte auf bestimmte Immunreaktionen.
Vereinfacht wird gelegentlich behauptet, durch die Behandlung werde das Blut mit besonders viel Sauerstoff „aufgeladen“. Das trifft den Vorgang nur unzureichend. Der Sauerstoffgehalt des Blutes ist normalerweise bereits weitgehend durch das Hämoglobin bestimmt. Interessanter sind mögliche Veränderungen der Sauerstoffabgabe im Gewebe, der Mikrozirkulation und der zellulären Reaktion auf einen kontrollierten oxidativen Reiz.
Was könnte die Ozontherapie bei Krebspatienten leisten?
In der Krebsbegleitung interessiert mich die Sauerstoff-Ozon-Therapie vor allem bei ausgeprägter Erschöpfung, schlechter Belastbarkeit, Durchblutungsstörungen und verzögerter Erholung nach Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie.
In einer kleinen Untersuchung erhielten 50 Krebspatienten mit ausgeprägter Fatigue eine Sauerstoff-Ozon-Eigenblutbehandlung. Rund 70 Prozent berichteten über eine deutliche Besserung ihrer Erschöpfung. Das ist ein interessantes Signal. Die Untersuchung besaß allerdings keine unbehandelte Kontrollgruppe. Damit lässt sich nicht sicher feststellen, welcher Anteil der Besserung tatsächlich auf die Ozonbehandlung zurückzuführen war.
Auch bei chemotherapiebedingten Nervenschäden, Schmerzen und chronischen Entzündungsreaktionen gibt es erste positive Beobachtungen. Die klinischen Daten sind jedoch noch dünn und stammen überwiegend aus kleinen Studien oder Fallserien.
Ozon gegen den Tumor?
Tumore bilden häufig schlecht durchblutete und sauerstoffarme Bereiche. Eine solche Hypoxie kann dazu beitragen, dass Krebszellen aggressiver werden und schlechter auf Bestrahlung oder bestimmte Medikamente reagieren. Daraus entstand die Idee, durch eine verbesserte Durchblutung und Sauerstoffversorgung auch die Wirksamkeit einer Krebstherapie zu unterstützen.
Biologisch ist dieser Gedanke nachvollziehbar. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, eine Ozon-Eigenblutbehandlung könne den Tumor mit Sauerstoff fluten und dadurch abtöten. So funktioniert das Verfahren nicht.
Für eine zuverlässige Verkleinerung von Tumoren, die Verhinderung von Metastasen oder eine Verlängerung der Überlebenszeit durch die Sauerstoff-Ozon-Therapie fehlt bislang der klinische Nachweis. Die Methode gehört deshalb für mich in den Bereich der begleitenden und stabilisierenden Behandlung. Sie ist keine bewiesene alleinige Krebstherapie.
Ozon darf niemals eingeatmet werden
Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel. Gerade deshalb kann es biologische Reaktionen auslösen – und gerade deshalb muss es fachgerecht angewendet werden.
Ozon darf nicht eingeatmet werden, weil es die Atemwege und das Lungengewebe schädigen kann. Ebenso lehne ich die direkte intravenöse Injektion eines Sauerstoff-Ozon-Gasgemisches ab. Gas gehört nicht direkt in eine Vene. Hier drohen unter anderem Gasembolien und schwere Kreislaufkomplikationen.
Die große Eigenblutbehandlung ist davon klar zu unterscheiden: Das Blut wird außerhalb des Körpers mit einer genau festgelegten Ozonkonzentration behandelt und anschließend ohne freie Gasblasen zurückgeführt.
Wann besondere Vorsicht erforderlich ist
Vor einer Sauerstoff-Ozon-Eigenblutbehandlung sollten Gesundheitszustand, Blutbild, Gerinnung und laufende Medikamente berücksichtigt werden. Als wichtige Gegenanzeige gilt ein ausgeprägter Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, auch Favismus genannt, weil die roten Blutkörperchen den oxidativen Reiz dann möglicherweise nicht ausreichend abfangen können.
Besondere Vorsicht ist außerdem erforderlich bei:
- schwerer Blutarmut,
- ausgeprägten Gerinnungsstörungen oder sehr niedrigen Blutplättchen,
- akuten Blutungen,
- instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- unkontrollierter Schilddrüsenüberfunktion sowie
- Schwangerschaft.
Die Behandlung gehört ausschließlich in die Hände eines Arztes oder erfahrenen Therapeuten, der mit medizinischem Ozon, sterilen Einmalsystemen, den richtigen Konzentrationen und möglichen Komplikationen vertraut ist.
Mein Fazit: Die große Sauerstoff-Ozon-Eigenblutbehandlung kann bei ausgewählten Krebspatienten einen Versuch wert sein – besonders zur Unterstützung bei Fatigue, eingeschränkter Belastbarkeit und bestimmten Folgen einer belastenden Krebstherapie. Die bisherigen Ergebnisse sind interessant, reichen aber nicht für das Versprechen, Ozon könne Krebs heilen. Wer genau das behauptet, verlässt den Boden einer seriösen komplementären Onkologie.
Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Verfahren finden Sie in meinem Beitrag: Die Ozontherapie – Anwendung, Wirkung und Nutzen.
Weiterführende Studien:
- Sauerstoff-Ozon-Therapie bei Fatigue von Krebspatienten
- Ozontherapie als begleitendes Verfahren in der Krebsbehandlung
- Ozontherapie bei Nebenwirkungen einer Chemotherapie – Übersicht von 2025
Säure-Basen-Haushalt
Erkenntnisse zur Bedeutung des Säure-Basen-Haushalts bei Krebspatienten:
-
Tumorzellen zeigen sich relativ unempfindlich gegen pH-Absenkungen
-
Das Wachstumsoptimum von Tumorzellen ist in Richtung eines niedrigen pH-Wertes verschoben. Tumorzellen können sogar unter pH 6,0 wachsen.
-
Krebszellen verlieren unter Azidose und Hypoxie das p53 Gen und damit ein Apoptosesignal (Selbstzerstörung).
-
Ein niedriger pH-Wert verschlechtert die Wirkung der Chemotherapie sowie Strahlentherapie.
(Quelle: Michael Martin vom Labor GANZIMMUN AG in Mainz)
Mehr zum Thema auch im Beitrag: Wie wichtig ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt?
Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema „Übersäuerung„können bei vielen akuten und
chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.
Zahnstörfelder und andere chronische Entzündungsherde
Die Frage nach Störfeldern gehört für mich zu einer umfassenden Begleitbehandlung bei Krebs dazu. Dabei denke ich zuerst an chronische Entzündungsherde im Zahn-, Kiefer- und Rachenraum. Sie verursachen häufig keine starken Schmerzen und können den Organismus dennoch fortlaufend mit Bakterien, Entzündungsstoffen und Immunreizen belasten.
Der Mundraum ist schließlich kein hygienisch abgetrennter Nebenraum des Körpers. Er ist stark durchblutet, bakteriell dicht besiedelt und über Blutgefäße, Lymphbahnen, Nerven und das Immunsystem mit dem gesamten Organismus verbunden.
Was ist überhaupt ein Zahnstörfeld?
Der Begriff „Zahnstörfeld“ wird sehr weit verwendet. Deshalb lohnt sich eine Unterscheidung:
Nachweisbare Entzündungsherde sind beispielsweise:
- eine ausgeprägte Parodontitis mit tiefen Zahnfleischtaschen,
- eine Entzündung an der Wurzelspitze,
- ein abgestorbener und bakteriell infizierter Zahn,
- eine unvollständige oder undichte Wurzelfüllung,
- Zysten und Granulome im Kiefer,
- eine chronische Kieferknochenentzündung,
- entzündete Implantate beziehungsweise Periimplantitis sowie
- schlecht verheilte oder chronisch entzündete Extraktionsstellen.
Daneben kennt die Regulationsmedizin den weiter gefassten Störfeldbegriff. Hier wird angenommen, dass ein chronisch veränderter Bereich über das vegetative Nervensystem, Immunreaktionen oder andere Regulationswege Beschwerden an entfernten Körperregionen unterhalten kann.
Diese Zusammenhänge lassen sich nicht immer mit einem einzelnen Laborwert oder Röntgenbild erfassen. Sie dürfen allerdings auch nicht zum Freibrief für jede beliebige Behauptung werden. Ein Störfeld sollte nach Möglichkeit durch Anamnese, klinische Untersuchung, bildgebende Diagnostik und nachvollziehbare Befunde gestützt werden.
Warum der Zahnstatus bei einer Krebstherapie besonders wichtig ist
Was in der Naturheilkunde seit Jahrzehnten unter „Herdsanierung“ diskutiert wird, ist inzwischen auch in der Onkologie ein praktisches Thema. Vor einer Chemotherapie, Stammzellbehandlung, Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder bestimmten knochenwirksamen Medikamenten wird eine zahnärztliche Untersuchung empfohlen.
Der Grund ist handfest: Sinkt unter einer Chemotherapie die Zahl der weißen Blutkörperchen, kann aus einer zunächst begrenzten Entzündung im Mundraum eine gefährliche Infektionsquelle werden. Bakterien aus entzündeten Zahnfleischtaschen, Wurzelspitzen oder Schleimhautverletzungen können leichter in die Blutbahn gelangen.
Eine sorgfältige Sanierung vor Behandlungsbeginn kann das Risiko für:
- lokale und systemische Infektionen,
- Abszesse und Wundheilungsstörungen,
- Behandlungsunterbrechungen,
- schwere Schleimhautprobleme sowie
- Kieferknochennekrosen bei bestimmten Medikamenten oder Bestrahlungen
verringern.
Damit wird aus dem angeblich etwas „esoterischen“ Thema Zahnstörfeld plötzlich ein Bestandteil vernünftiger onkologischer Vorsorge. Man nennt es lediglich anders.
Wurzelbehandelte und „tote“ Zähne
Wurzelbehandelte Zähne sehe ich weiterhin kritisch. Durch die feinen Seitenkanäle und Dentinkanälchen kann ein vollständig abgestorbener Zahn niemals wieder zu einem lebenden Gewebe werden. Bakterielle Rückstände und Entzündungen an der Wurzelspitze sind möglich und bleiben gelegentlich lange unbemerkt.
Trotzdem würde ich heute nicht mehr schreiben, jeder wurzelbehandelte Zahn störe zwangsläufig den gesamten Organismus und müsse grundsätzlich gezogen werden. Entscheidend ist der konkrete Befund.
Besonders kritisch zu prüfen sind wurzelbehandelte Zähne bei:
- wiederkehrenden Schmerzen oder Druckempfindlichkeit,
- Schwellungen, Fistelgängen oder auffälligem Geschmack,
- sichtbaren Veränderungen an der Wurzelspitze,
- wiederholt erhöhten Entzündungswerten ohne erkennbare Ursache,
- einer undichten oder unvollständigen Wurzelfüllung sowie
- chronischen Beschwerden, die auf andere Maßnahmen nicht reagieren.
Je nach Befund kommen eine erneute Wurzelbehandlung, eine Wurzelspitzenresektion oder die Entfernung des Zahnes infrage. Ein Zahn sollte jedoch nicht allein deshalb gezogen werden, weil ein Patient Krebs hat oder ein energetischer Test angeschlagen hat.
NICO und schlecht verheilte Extraktionsstellen
In der biologischen Zahnmedizin wird häufig von NICO gesprochen. Gemeint sind chronisch veränderte, fettig-degenerative oder entzündliche Bereiche im Kieferknochen, oft an früheren Extraktionsstellen oder im Bereich ehemaliger Weisheitszähne.
Das Thema wird kontrovers diskutiert. Herkömmliche Röntgenbilder können solche Veränderungen übersehen. Eine digitale Volumentomographie kann bei begründetem Verdacht zusätzliche Informationen liefern, sollte wegen der Strahlenbelastung aber nicht wahllos angefertigt werden.
Auch hier gilt: Ein auffälliges Bild allein beweist noch nicht, dass genau dieser Kieferbereich für allgemeine Beschwerden verantwortlich ist. Vor einem chirurgischen Eingriff braucht es eine nachvollziehbare Kombination aus Beschwerden, klinischem Befund und Bildgebung. Entferntes Gewebe sollte möglichst histologisch untersucht werden.
Parodontitis: der offensichtliche Störherd
Während über NICO erbittert gestritten wird, liegt der häufigste Entzündungsherd häufig gut sichtbar direkt am Zahnfleischrand: die Parodontitis.
Chronisch entzündete Zahnfleischtaschen können dauerhaft Bakterien und Entzündungsbotenstoffe freisetzen. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Parodontitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und bestimmten Krebsarten. Solche Beobachtungen beweisen nicht automatisch, dass Parodontitis Krebs verursacht. Sie zeigen aber, dass eine chronische Entzündung im Mund keineswegs nur ein örtliches Problem ist.
Eine professionelle Parodontalbehandlung, sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen gehören deshalb für mich zu jeder ernsthaften Herdsanierung.
Amalgam und unterschiedliche Metalle im Mund
Auch Amalgamfüllungen und verschiedene Metalllegierungen können bei empfindlichen Patienten eine zusätzliche Belastung darstellen. Eine pauschale Amalgamentfernung mitten in einer laufenden Chemotherapie halte ich jedoch für unvernünftig. Durch Bohren, Aerosole, Stress und mögliche Schleimhautverletzungen kann zunächst eine zusätzliche Belastung entstehen.
Wenn eine Entfernung notwendig erscheint, sollte sie geplant, fachgerecht und unter geeigneten Schutzmaßnahmen erfolgen. Zeitpunkt, Blutbild, Gerinnung, Wundheilung und der allgemeine Zustand des Patienten müssen dabei berücksichtigt werden.
Andere mögliche Störfelder
Der Blick sollte nicht am Kiefer enden. Weitere chronische Entzündungs- oder Reizherde können sein:
- chronisch entzündete Mandeln,
- wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen,
- chronisch entzündete Narben,
- Fisteln, schlecht heilende Wunden und Druckgeschwüre,
- infizierte Implantate oder Fremdkörper sowie
- chronische Entzündungen im Darm- und Urogenitalbereich.
Bei Narben oder vermeintlich „energetischen“ Störfeldern ist die wissenschaftliche Datenlage wesentlich dünner als bei nachweisbaren Infektionen. Solche Bereiche können in ein regulationsmedizinisches Konzept einbezogen werden. Eine auffällige Testreaktion ersetzt aber keine saubere Diagnostik.
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend
Größere zahnärztliche Eingriffe sollten möglichst vor Beginn einer immunsuppressiven Krebsbehandlung erfolgen, damit Wunden ausreichend heilen können. Während einer Chemotherapie müssen Eingriffe mit dem Onkologen abgestimmt werden. Entscheidend sind vor allem die Zahl der neutrophilen Granulozyten, die Blutplättchen, die Gerinnung und der zeitliche Abstand zum nächsten Therapiezyklus.
Mein Fazit: Chronische Entzündungsherde im Mund-, Zahn- und Kieferbereich gehören gesucht und behandelt. Das ist keine alternative Krebstherapie und heilt keinen Tumor. Es kann aber den Organismus entlasten, Infektionsrisiken verringern und verhindern, dass eine notwendige Behandlung durch vermeidbare Zahnprobleme erschwert wird.
Weitere Informationen finden Sie in meinen Beiträgen:
- Was sind Zahnstörfelder?
- Zahnprobleme: Karies, Parodontitis und Zahnfehlstellungen
- Wurzelbehandelte Zähne: Ursachen und mögliche Probleme
- Chronische Entzündungen im Körper
Weiterführende Literatur:
- Zahnärztliche Untersuchung vor einer onkologischen Behandlung
- Zahnmedizinische Aspekte vor und während einer Krebstherapie
- Wurzelentzündungen, Wurzelbehandlungen und systemische Gesundheit
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Beitragsbild: 123rf.com – Kateryna-Kon
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.8.2026 aktualisiert – allerdings nur im Alternativmedizinischen Anteil. Der Hauptbeitrag oben ist unverändert.
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