Die Fähigkeit, sich auf etwas konzentrieren zu können, ist nicht von Geburt an vorhanden, sondern wird im Laufe der Entwicklung erlernt und gefestigt. Kinder sind weniger gut in der Lage, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, während dies bei einem gesunden Erwachsenen kein Problem darstellt.

Doch unter bestimmten Umständen kann auch bei Menschen, die mitten im Leben stehen, ein Problem mit der Konzentration auf die umfangreichen Alltagsangelegenheiten auftreten.

Die mangelnde Fähigkeit sich zu konzentrieren hängt neben verschiedenen Grund-Problemen immer auch von der Tagesform ab. Deswegen kommt es auch bei bestehenden Konzentrations-Problemen zu Phasen der Aufmerksamkeit, abgelöst von völliger Unkonzentriertheit, schneller Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, motorischen Störungen, Unruhe, plötzlicher Motivations- und Gemütsänderung, Sprachstörungen (abgebrochene Sätze, schnelles Sprechen) und dem Zurückziehen aus dem Alltag.

Unterschieden wird zwischen der Konzentrations-Störung und der Konzentrations-Schwäche. In der Praxis können diese beiden Erscheinungs-Formen der Erkrankung ineinander übergehen und sind daher oft schwer voneinander abzugrenzen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Ursache nicht eindeutig benannt werden kann. Daher werden die Begriffe “Störung” und “Schwäche” teils auch unpräzise verwendet.

Konzentrations-Störung

Eine Konzentrations-Störung liegt dann vor, wenn das Problem nur vorübergehender Natur ist. Auslöser sind dann oft Stress, bei Kindern speziell familiäre Schwierigkeiten, das Burnout-Syndrom, Unter- oder Überforderung im Alltag, Schlafmangel, Überreizung durch Medien wie TV und Telekommunikation, Konsum von toxischen Wirkstoffen (Alkohol, Kaffe, Nikotin, Drogen), Allergien und Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten.

So können einige Pharmaka den Blutdruck auf ein unverträgliches Maß absenken, aber auch eine Hypothonie aus anderen Ursachen muss in Betracht gezogen werden. Unterschätzt wird oft der Einfluss der Ernährung auf die geistige Leistungsfähigkeit. Insbesondere eine Unterversorgung mit den Vitaminen B1, B3 und B12 beeinträchtigt die Nerventätigkeit.

Konzentrations-Störungen zählen mehr zu den Akut-Erkrankungen und die Ursachen können oft abgestellt werden. Hinweise auf den Grund des Problems erhält der Arzt in der Anamnese und durch Blutuntersuchungen. Der Psychologe kann mit einem Aufmerksamkeit-Belastungstest die Diagnose sichern und den Schweregrad der Konzentrations-Störung bestimmen. Abhilfe schafft eine Umstellung des Lebensstils, wobei eventuell psychotherapeutische Unterstützung erforderlich ist.

Konzentrations-Schwäche

Ursache einer Konzentrations-Schwäche sind genetische oder chronifizierte, meist organische, neurologisch-psychiatrische Erkrankungen. Dazu zählen Depressionen, Magersucht, Arteriosklerose, Alzheimer und (andere) demenzielle Krankheiten, Schlaganfall und Schädel-Hirn-Traumata sowie Schilddrüsenüberfunktion. Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren können Aufschluss darüber liefern, welche Erkrankung vorliegt.

Schon im Kindesalter zeigt sich die ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung). Psychologische Tests können die Erkrankung offenbaren, leider verschreiben Schulmediziner allzu oft riskante Medikamente. Manchmal wird eine Konzentrations-Schwäche bei Kindern auch mit einer Einschränkung des Seh- oder Hörvermögens verwechselt.

Diese Probleme können wie zerebrale Beeinträchtigungen zu einer Lernschwäche führen. Dann kann auch eine Legasthenie die Ursache sein, die ja keine Konzentrations-Schwäche im eigentlichen Sinne ist.

Bei einer Konzentrations-Schwäche müssen die Grund-Erkrankungen behandelt werden, die dazu geführt haben. Nicht immer stehen hier Kausaltherapien zur Verfügung, dann bleibt nur eine allgemeine Unterstützung des Zentral-Nerven-Systems.

Können Nootropika helfen?

Nootropika sind Medikamente, die die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern sollen. Diese größtenteils verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen Ärzte bei schweren neurodegenerativen Erkrankungen. Das Spektrum der Pharmaka ist hinsichtlich ihres Chemismus sehr breit gefächert, weswegen der Terminus “Nootropikum” auch eher inoffiziell verwendet wird.

Eine andere Bezeichnung ist “Antidementivum”, womit die vorrangig beabsichtigte Wirkung bei Demenz zum Ausdruck kommt. Diese Mittel greifen auf verschiedenen Wegen in den Gehirnstoffwechsel ein. Die meisten Antidementiva hemmen Rezeptoren an den Nervenverbindungen (Synaptischer Spalt) oder den Abbau von Neurotransmittern, die Signale von einer Nervenzelle zur nächsten biochemisch übertragen.

Beispiele dafür sind Memantin, Donepezil und Alkaloide aus dem Mutterkorn, ein Getreidepilz, der früher massenhaften Vergiftungen verursachte. Die Wirkung anderer Nootropika setzt an einer verbesserten Gehirndurchblutung an, indem sie die zerebralen Gefäße erweitern.

Ob Nootropika und Antidementiva überhaupt einen nennenswerten Effekt entfalten, wird auch in der Schulmedizin kontrovers diskutiert. Dabei wird im Hinblick auf die Nebenwirkungen auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit aufgeworfen. Wenn beim Alzheimer-Mittel Memantin Verwirrtheit und Halluzinationen auftreten können, sind die Bedenken allerdings berechtigt.

Zu den Nootropika zählen auch einige pflanzliche Mittel wie Ginkgo und Ginseng. Bei diesen Präparaten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin ist mit weniger und nicht allzu starken Nebenwirkungen zu rechnen. Keine Nachteile haben homöopathische Nootropika.

Weil für Alzheimer und Demenz noch keine Kausaltherapien zur Verfügung stehen, können all diese Mittel höchstens leichte Besserungen erzielen, wenn überhaupt eine Wirkung eintritt. Doch bei niederschwelligen Konzentrations-Problemen können vor allem die naturheilkundlichen Maßnahmen durchaus sinnvoll sein. Das gilt auch für die sogenannten “Gehirn-Booster”.

Gehirn-Booster

Auf dem Markt für Nahrungsergänzungsmitteln ist eine unübersichtliche Zahl von Gehirn-Boostern zu finden. Viele dieser Präparate sind Mischungen aus Pflanzen-Extrakten und Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren. Einzelne Inhaltsstoffe mögen durchaus ihre Berechtigung haben, jedoch ist der indifferenzierte Schrotschuss etwas übertrieben. Hier lohnt es sich schon, genau festzustellen, woran es mangelt und was dann aufgestockt werden muss.

Die besten Gehirn-Booster sind Sport und ein gesunder Lebensstil ohne Genussgifte sowie eine ausgewogene Ernährung, die alle “Booster” liefert, die wir brauchen. Wer dann noch sein Gehirn mit geistigen Aktivitäten stimuliert, sorgt dafür, dass es nicht verkümmert. Lernen und sich mit Neuem auseinanderzusetzen fördert die Bildung neuer Nervenverknüpfungen.

Die Entdeckung neuronaler Stammzellen im Gehirn könnte sogar bedeuten, dass untergegangene Nervenzellen ersetzt werden können. Voraussetzung für regenerative Prozesse ist jedoch die ständige Forderung eines Organs. Wenn wir uns nicht bewegen, bilden sich schließlich auch die Muskeln zurück. Das gilt auch für das Gehirn.

Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei Konzentrations-Schwäche und Konzentrations-Störungen in Frage kommen.

Die nadelfreie Methode ist nach dem Prinzip der Akupunktur entwickelt worden und kann Nerven-Funktionen unterstützen.
Auch die Akupunktur kann bei Konzentrations-Problemen helfen.

Eine gesunde Ernährung ist das A und O in der Naturheilkunde. Wer sich vitalstoffarm ernährt, Fertiggerichte, Limonade, Cola, Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee und Süßigkeiten seine Freunde nennt, muss sich nicht wundern unter Konzentrations-Störungen zu leiden. Besonders fatal erscheint der Zucker, sowie die Zusatzstoffe in der Nahrung.

1. Zucker

Süßigkeiten, Eis und andere Naschis sind definitiv Dinge, mit man sich schadet. Wenn Sie EINEN vernünftigen Grund kennen, warum man Süßigkeiten braucht, schreiben Sie mir bitte - ich möchte diesen Grund veröffentlichen. Lesen Sie bitte auch einmal meinen Beitrag zur 
Zuckersucht.

2. Zusatzstoffe in der Nahrung

Konservierungsstoffe, Farbstoffe und viele andere Dinge, die ihr Körper mit Sicherheit nicht braucht und die ihm schaden.

Auch an Glutenunverträglichkeiten sollte gedacht werden. Ein im New England Journal der Medizin erschienener Beitrag zählt 55 Erkrankungen auf, bei denen Gluten eine Rolle spielt. Dazu gehört für mich auch die Konzentrations-Schwäche und 
Gedächtnisschwäche. Mehr zum "Glutenproblem" finden Sie in meinem Beitrag zur Zöliakie und zur Glutenintoleranz.

Eine gesunde Ernährung ist auch stets maßvoll und verhindert Übergewicht und das metabolische Syndrom, dass Arteriosklerose und Diabetes nach sich zieht. Beide Zivilisations-Erkrankungen wirken sich besonders negativ auf das Gehirn aus.

Ginkgo und Ginseng wirken sich positiv auf den zerebralen Stoffwechsel aus. Geeignet sind auch Pflanzen, die Stress-Symptome lindern wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel, Passionsblume und Minze. Extrakte der Pflanzen sind auch als Urtinkturen erhältlich.

Die Aroma-Therapie ist hervorragend für die Herstellung eines psychischen Ausgleichs geeignet. Empfehlenswert sind die Ätherischen Öle von Citrusfrüchten, Galbanum, Melisse, Sandelholz, Minze und Ysop.

Die Aminosäuren L-Tyrosin, L-Tryptophan, Glutaminsäure und Glutamin können im Mangel vorliegen und Konzentrations-Probleme hervorrufen.

Die B-Vitamine sind "Nerven-Vitamine": hervorzuheben sind hier die Vitamine B1, B3, B5, B9 und B12.

Mineralien müssen in optimalen Mengen aufgenommen werden: Weit verbreitet ist ein Mangel an Kalium und Magnesium, die für die Nerven-Funktionen unbedingt gebraucht werden. Auch Spurenelemente sind für sämtliche Enzym-Funktionen wichtig, das betrifft auch den Nervenstoffwechsel. Zu achten ist speziell auf Zink, Iod und Eisen.

Eisen (steht zwischen den Mengen- und Spurenelementen) hat mit seiner physiologischen Funktion beim Sauerstoff-Transport für das empfindliche Gehirn eminente Bedeutung. Bei Konzentrations-Problemen sollte daher auch ein Eisenmangel geprüft und eventuell behoben werden.

Nervenzellen haben aufgrund ihrer großen Membran-Fläche und der sie umhüllenden Myelinscheiden einen hohen Bedarf an membranbildenden Verbindungen. Dazu zählen Phospholipide wie Phosphatidylcholine (Lecithin), die immer auch Fettsäuren als einen Bestandteil tragen. Bei heute üblicher Ernährung droht insbesondere ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren.

Die Antioxidans Alpha-Liponsäure steht im Ruf, die Nervenleitgeschwindigkeit zu erhöhen.

Einige homöopathische Präparate helfen bei Burn-Out und geistiger Leistungsminderung: Aalcium phosphoricum, Ambra, Carbo vegetabilis, Gelsemium, Phosphorus und Selenium.

Bei Konzentrations-Problemen helfen die Schüßler-Salze Ferrum phosphoricum D12, Kalium phosphoricum D6, Kalium bromatum D6 und Manganum sulfuricum D6

Zahnstörfelder wie Amalgam-Füllungen und verschleppte Entzündungen können alle Organe mit beeinträchtigen. Vor allem die Neurone sind dabei gefährdet, sodass die Krankheitsherde beseitigt werden sollten.

Säure-Basen-Haushalt

Von einem ausgeglichenen Säure-Base-Haushalt profitieren auch die Nervenzellen.

Entspannungs-Übungen

Ganz klar: Entspannungsübungen dienen der besseren Stress-Bewältigung. Ratsam sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training nach Prof. Schultz oder auch Meditationen.

Allgemeine Lebensführung

Hilfreich bei Konzentrations-Problemen ist eine Minimierung von Stress.

Sehr gut sind auch alle Maßnahmen, die den Kreislauf und die Durchblutung fördern. Dazu gehört gute Ernährung (siehe oben), ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und vor allen Dingen regelmäßiger Sport. Studien belegen den positiven Nutzen körperlicher Bewegung für die Psyche. Wahrscheinlich bewirkt die physische Beanspruchung eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin und Dopamin.


Beitragsbild: 123rf.com – ian allenden

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 23.8.2012 aktualisiert.

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