Muskelverhärtungen: Ein häufiges Problem in der Praxis. Die Therapie: Ursache finden, Verhärtung auflösen. Ganz einfach.

Einfach ist es schon, aber für die Patienten nicht immer leicht. Viele Patienten (und auch Sportler) befinden sich mit ihrem Bewegungsapparat in einem teilweise oder völlig desolatem Zustand. Bevor ich zu den möglichen Lösungen komme, zuerst einmal etwas zu den möglichen Ursachen.

Ursachen

Muskelverhärtungen können überall im Körper auftreten. Oftmals finden sich bohnengroße, tastbare und relativ klar zu fühlende Veränderungen der Muskulatur im Bereich des Hals-Nackens, der Schultern oder der Beine, sie können aber auch überall sonst vorkommen.

Bei punktuellen Muskelverhärtungen spricht man von einer Myogelose. Die Myogelosen reagieren in den Regel auf Druck mit mittlerem bis starkem Schmerzempfinden. Ist der Bereich, der von der Muskelverhärtung betroffen ist, großflächiger, wird auch von einem “Muskelhartspann” oder im allgemeinen nur von “Verspannungen” gesprochen.

In der Regel werden Muskelverhärtungen durch eine ständige Beanspruchung der Muskulatur oder eine „Überbeanspruchung“ derselben verursacht. Dabei gehen wir derzeit von der Vorstellung aus, dass wenn Muskeln zu lange oder zu stark beansprucht werden, die Gefäße zusammengepresst (Gefäßkompression) werden. Dies führt zu einer Unterversorgung der Muskeln mit Blut (Sauerstoff, Nährstoffe).

Bei Überbeanspruchung denkt wahrscheinlich jeder an Sport oder schwere (einseitige) Arbeit. Weit gefehlt! Ich sage immer: “Sie trainieren 24 Stunden am Tag!”. Und wenn Sie gerade sitzen (was wahrscheinlich ist, wenn Sie das hier lesen), dann trainieren Sie gerade sitzen. Ihre Strukturen passen sich dem Sitzen an.

Auch können bei schlechter Durchblutung der Muskulatur die Stoffwechselprodukte nur verlangsamt abgebaut werden. Diese Stoffwechselstörung innerhalb der Muskelzellen lassen die Muskeln “anschwellen”, die Muskelspannung der Fasern erhöht sich und der Muskel und das Bindegewebe verhärtet zunehmend.

Zu einem Muskelhartspann kann es kommen, wenn die Muskulatur bestimmter Körperbereiche einem immer wieder kehrenden Reiz ausgesetzt wird. So kann eine Erhöhung der Spannung der Bauchmuskulatur bei Magenerkrankungen oder Darmerkrankungen einen Muskelhartspann auslösen; aber auch Verletzungen oder Fehlhaltungen führen oft zum reflexartigen Muskelhartspann. In manchen Fällen können auch Entzündungen oder psychische Einflüsse (Stress) zu einer Myogelose führen.

Symptome

Bei einer Myogelose kann man eine wulstige oder knötchenförmige Verhärtung ertasten, die auf Druck mittlere bis starke Schmerzen auslöst. In einem Anamnesegespräch berichtet der Betroffene meist von einer Erhöhung des Spannungsgefühl in einer bestimmten Körperregion und von Kraftverlust in der betroffenen Region.

Wie schon angesprochen, sind in der Regel Muskelpartien betroffen, die gegen die Schwerkraft arbeiten müssen und den Körper aufrecht halten – wie die Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur.

Bei sportlich aktiven Menschen tritt eine Muskelverhärtung oft nach großen Anstrengungen auf. Tritt eine Muskelverhärtung an einer Körperregion vermehrt auf, ist dieser Bereich für eine Zerrung oder einem Muskelfaserriss prädestiniert.

Ein Muskelhartspann äußert sich in Symptomen wie einem drückenden, dumpfen, lange andauernden Muskelschmerz, der sich meist durch bestimmte Haltungen oder Bewegungen verstärkt.

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Therapie

Es gibt verschiedene wirksame Therapien bei einer Muskelverhärtung. Dabei sollte immer die Wiederherstellung von der schmerzfreien Mobilität und Funktion Ziel der Maßnahmen sein.

Zunächst jedoch sollte differentialdiagnostisch festgestellt werden, welche Ursache der Myogelose zugrunde liegen. Denn bei einer entzündlich bedingten Myogelose sind einige therapeutische Maßnahmen zur Heilung nicht geeignet.

Entzündungen

Entzündungen sollten natürlich ausgeschlossen sein. Wurde eine Entzündung als Ursache der Myogelose / Muskelverspannung diagnostiziert, wäre ich vorsichtiger. Entzündungen werden mir generell etwas zu häufig diagnostiziert und in der Folge mit Entzündungshemmern (z.B. Diclofenac u.a.) oder auch mit sog. Muskelrelaxantien behandelt; beide Medikamentengruppen halte ich für alles andere als optimal. Wenn es sich tatsächlich um Entzündungen handelt, finden Sie in meinem Beitrag zu Entzündungen weitere Informationen und Lösungen.

Physikalische Therapien

Konnte eine Entzündung als (grobe) Ursache ausgeschlossen werden, kann mit den physikalischen Therapien wie beispielsweise besonderen Massagetechniken, Dehnungen, Elektrotherapie, Hydrotherapie oder Wärmetherapien (Fango, Sauna, Rotlicht) begonnen werden. So können ggf. die betroffenen Muskelfasern gelockert werden. Es ist davon auszugehen, dass die Muskelverhärtung selbst keine Erkrankung, sondern immer ein Symptom einer funktionellen Störung ist, wie es so schön heißt. Dabei ist die eigentlich Ursache: falsche Ernährung, mangelhafte (auch bei Sportlern!) oder fehlende Bewegung, sowie einige Umwelgifte und letztliche auch Stress / psychosoziale Faktoren.

Triggerpunkttherapie

Häufig wird bei der Therapie einer Myogelose eine Triggerpunktbehandlung angewandt. Diese kann sowohl prophylaktisch bei nichtphysiologisch belasteten Muskeln, als auch zur “Deaktivierung” ständig beanspruchter Muskeln eingesetzt werden. Man behandelt bei dieser Therapie den Muskel punktuell an einer Stelle. Bekannter sind Triggerpunktbehandlungen mit Akupunktur oder Stoßwellentherapie. Besonders in der TCM (traditionellen chinesischen Medizin) finden sich verschiedenste Arten der Triggerpunktbehandlung bei Verhärtungen der Muskulatur.

Faszientherapie

Faszientherapie. Seit ca. 2014 hat auch der letzte Therapeut etwas von Faszientherapie gehört. Na gut. In meinem Beitrag: Faszientraining – Bedeutung in Schmerztherapie und Training, gehe ich genauer darauf ein.

Heute wird ja alles irgendwie als Faszien-Dings verkauft: Faszienrolle, Faszien-Yoga, Faszien-Massage, usw. Und vor allem wie viele Experten wir auf einmal dazu haben!

Klar: an der richtigen Faszientherapie ist was dran! Ich stelle in der Praxis leider immer wieder fest, dass die meisten Therapeuten leider doch keine Erfahrung damit haben. Wie ich übrigens vorgehe, beschreibe ich auf dieser Seite: http://www.schmerztherapiezentrum.com/

 

Und ja, ich arbeite auch mit Rollen und Bällen. Es kommt aber darauf an, WO man rollt und WIE:

  • Bleibt man auf Schmerzpunkten?
  • Wie schnell soll gerollt werden?
  • Mit welcher Rolle? (Tipp: die meisten Rollen sind für Schmerzpatienten viel zu hart!)
  • Wie lange soll gerollt werden?
  • Wie oft?

Es gibt also eine Menge Dinge zu beachten und zu bedenken!

Weitere Therapiemöglichkeiten finden Sie unter den Stichworten: Verspannungen – Muskelschmerzen – Muskelschmerzen nach Sport – Wadenkrämpfe – Akute und chronische Schmerzen

Prävention und Selbsthilfe

Um Muskelverhärtungen vorzubeugen, sollte man Zwangshaltungen verhindern und sich immer wieder einmal auch bei der Schreibtischarbeit bewegen. Das haben Sie sicher schon mal gehört. Die Frage ist nur: Wie? Es gibt unzählige Angebote…

Das Ziel jeglicher Therapie sollte eine sogenannte Tensegrale Haltung sein:

Abb.: Wenn der Körper im Lot steht, treten keine Verspannungen oder Muskelverhärtungen auf. Bild: fotolia.com – vit kitamin

Es gibt eine hocheffektive Trainingsform (mit Übungen für zu Hause), die ich zusammengestellt habe und seit mehreren Jahren Patienten sehr erfolgreich zeige und auch in Gruppen unterrichte. Ich bereite dazu gerade ein Buch / Video vor. Wenn Sie das interessiert, sollten Sie unbedingt meinen kostenlosen Newsletter anfordern.

Noch ein Tipp

Sportler sollten darauf achten, dem Training der Beweglichkeit ausreichend Beachtung zu schenken. Mehr dazu habe ich im Beitrag: Beweglichkeit und Stretching – Die völlig unterschätzte Trainingskomponente beschrieben. Denn: Jedes Gelenk sollte jeden Tag mindestens einmal über den vollen Bewegungsradius bewegt werden. Da wir heute immer mehr sitzen, passiert das kaum noch.

Und gerade bei älteren Menschen wird das immer schlimmer. Diese steifen fortlaufend ein, bauen Muskeln ab und Bindegewebe an, welches immer mehr “zu macht”. Ein Teufelskreis, bei dem Medikamente sicher nicht wirklich helfen.

Sollte Stress oder andere psychische Faktoren zu einer Verhärtung der Muskulatur geführt haben, sollten diese Ursache ggf. mit therapeutischer Hilfe bearbeitet und abgestellt werden.

Beitragsbilder:

(1) Fotolia.com – vit_kitamin

(2) 123rf.com – Alexander-Raths

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