Tai Chi Chuan, kurz Tai Chi, ist eine Kampf- und Selbstverteidigungs-Technik, die gleichzeitig eine Form der Meditation wie auch der körperlichen Ertüchtigung ist. In China ist das “Schattenboxen“ genannte Training ein beliebter Volkssport, der in allen Parks des Landes von Jung und Alt eifrig ausgeübt wird. Die Schreibweise der Begriffe rund um das Tai Chi in unseren lateinischen Lettern ist recht unterschiedlich, weil die Übertragung vom Chinesischen in westliche Sprachen nicht einheitlich gehandhabt wird.  

Die ganzheitliche Methode wurzelt in Laotses Weisheitslehre des Taoismus´. “Chi“ (oder “Qi“) bedeutet “Lebenskraft“, die es zu stärken und bewusst einzusetzen gilt. Der Begriff “Tai Chi“ benennt den kosmischen Urgeist, der von den konträren aber komplementären Elementen Yin und Yan geprägt ist. “Chuan“ heißt “Faust“, worin die ursprünglich waffenfrei ausgeführte Technik zum Ausdruck kommt, auch wenn im Laufe der Zeit Waffen wie Schwerter, Speere und Stöcke hinzukamen.

Im philosophischen Ansatz des Tai Chi Chuan geht es nicht darum, einen Feind körperlich zu besiegen, sondern für das Tai Chi als positiven Weltgeist zu streiten.

Die Entstehung des Tai Chi Chuan

Der Erzählung nach gilt der Mönch Zhang Sanfeng als Gründervater des Tai Chi Chuan. Vor 4.500 Jahren beobachtete er in den Wudang-Bergen den Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich. Obwohl der Kranich viel stärker war, konnte ihn die Schlange mit ihren geschmeidigen Bewegungen so lange ausmanövrieren, bis der Vogel erschöpft zusammenbrach.

Das brachte den Mönch auf die Idee, eine Form des waffenlosen Verteidigungskampfes zu schaffen, bei dem ein schwächerer Kämpfer einen stärkeren Gegner besiegt, weil er wendiger agiert. Kaiser Huang Ti sorgte schon bald nach dem Aufkommen des Tai Chi Chuan für die Verbreitung der Methode im ganzen Reich. Der Herrscher hatte den Wert des Kampfsportes nicht nur für militärische Zwecke, sondern auch für die Gesunderhaltung seines Volkes erkannt.

Die heutige, weltweite Verbreitung des Tai Chi Chuan hat modernisierte Varianten des Trainings hervorgebracht. Dabei sind andere Sportarten und Methoden in die ursprünglichen Übungen eingeflossen. So ist der Indian Balance eine Verknüpfung von Tai Chi und dem Sonnentanz der amerikanischen Erstbesiedler sowie dem Yoga. Die indische Meditationstechnik in Verbindung mit Ballett und dem Tai Chi ist als “Soulflow“ bekannt geworden. Tennis ist eine Ergänzung des Tai Chi im Tai-Chi-Ball.

Die technischen Grundsätze des Tai Chi Chuan

Um bestehen zu können muss zu ein physisch nicht allzu starker Kämpfer andere Vorzüge aufweisen. Er muss seine Bewegungen gezielt und berechnet einsetzen, indem die aggressive Kraft des Gegners umgelenkt und gegen ihn gerichtet wird. Das erfordert nicht nur die Konzentration auf den Gegner, sondern vor allem Konzentration (Meditation) auf den eigenen Körper.

Tai Chi geht daher von einer hervorragenden Selbstwahrnehmung aus, die genauso geübt werden muss wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Körperbeherrschung spiegelt daher geistige Disziplin, die zugleich Ruhe und Gelassenheit bedeutet. Die beiden grundlegenden physischen Instrumente des Tai Chi sind die Nutzung von Muskelspannung und Bauchatmung.

Die Bewegungen der Übungen sind nie schnell und abrupt, sondern eher bedächtig und geschmeidig, weil der Kämpfer seinen Gegner in Ruhe “kommen lassen“ soll und seine Aktionen immer vorausahnt.

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Tai Chi besteht aus mehr als 100 Übungen

Tai Chi umfasst verschiedene Stil-Richtungen, die nach den historischen Lehrmeistern benannt sind. Die bekanntesten und am meisten praktizierten Formen sind  Hao, Sun, Wu, Yang (auch “Peking“) und Chen. Entsprechend variieren die insgesamt über 100 Übungen des Tai Chi je nach ausgeübtem Stil. Vor allem die Dauer einer Übungseinheit ist in den diversen Ausprägungen unterschiedlich. Trotz der Unterschiede gibt es im Tai Chi Grundregeln, die allen Schulen zu eigen sind:

  • Kopf entspannt aufrecht halten
  • Rücken gerade halten und die Brust leicht einziehen
  • Hüften locker halten
  • Körpergewicht um den Schwerpunkt halten
  • Ellenbogen und Schultern hängen lassen
  • Konzentration ist wichtiger als Körperkraft
  • Bewegung wird vom Kopf ausgehend zu den Füßen gesteuert
  • Gleichklang zwischen Innen- und Außenwelt
  • Immer in fließender Bewegung bleiben
  • In Aktion muss innere Ruhe herrschen

Die fundamentalen Übungen im Tai Chi Chuan

Der Neuling beginnt mit der grundlegenden Übung “Stehende Säule“ (Zanzuan). Aus dem entspannten Stand heraus geht man mit leicht gebeugten Knien langsam in eine breitbeinige Stellung über.

Die leicht zu erlernenden Seidenübungen (Kansigong) sind die zweiten, wichtigen Übungen im Tai Chi. Die zu vollführenden Bewegungen sind auch für den Anfänger einfach zu praktizieren. Dies sind beispielsweise Drehungen des Rumpfes und der Gliedmaßen und Gewichtsverlagerungen von einem Bein zum anderen.

Dann folgen die Handformen (Taolu), die sich ihrerseits aus sogenannten “Bildern“ zusammensetzen. Diese Bewegungen sind schon recht kompliziert, sodass spätestens hier ein Lehrmeister mit seiner Anleitung eingreifen muss. Die Taolu sind diejenigen Übungen, die zum Begriff des “Schattenboxens“ geführt haben.

Die Übungen “Schiebende Hände“ (Tuischu) werden zu zweit ausgeübt. Die Partner legen die flachen Hände gegenseitig aufeinander und versuchen, die Kraft des anderen abzuschätzen.

Mit den sogenannten “Anwendungen“ (Fangschengschu) soll versucht werden, die gegnerischen Aktionen im Voraus zu berechnen und ihn dadurch kraft geistiger Überlegenheit zu beherrschen. Die Übungen umfassen Schläge, Tritte und Würfe.

Die “6 Waffen“ (Wukwi) sind ein intensives Kraft-Training. Ziel ist das Erlernen der Selbstverteidigung bei gleichzeitiger Zügelung der erworbenen Stärke (Disziplin durch Weisheit). Die traditionellen  Waffen-Typen sind Schwert (Chian), Langstab (Gun), Säbel (Tao), Speer (Quiang) und Hellebarde (Ta Tao). Die zahlreichen weiteren Waffen mit all ihren speziellen Ausformungen sind wohl dadurch entstanden, weil sich mit dem Verkauf viel Geld verdienen lässt.

Alle Übungen sollen möglichst oft praktiziert werden. Die Wiederholungen stellen nicht nur ein effektives Training dar, sondern auch eine Art Meditation – ähnlich wie in der buddhistischen Meditation Verse und Losungen (Mantras) teils stundenlang aufgesagt werden.

Anerkannte medizinische Wirkungen des Tai Chi Chuan

Regelmäßige praktiziertes Tai Chi Chuan sorgt für seelische Ausgeglichenheit und körperliche Stärke. Entspannung einerseits und Konzentration andererseits verbessern die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Gerade Menschen über 65 profitieren durch eine Verbesserung des Gleichgewichtsempfindens und der Koordination. Die Gelenke werden beweglicher und die Wirbelsäule wird entlastet. Belegt ist auch, dass die Muskulatur des Rumpfes kräftiger wird und die Knochendichte zunimmt.

Anerkannt ist auch der physiologische Nutzen des Trainings. Der Fettstoffwechsel harmonisiert sich, sodass Arteriosklerose bekämpft wird und mithin das Infarktrisiko sinkt. Synergistisch wirkt hier die blutdrucksenkende und Blutzucker-stabilisierende Wirkung des Tai Chi.

Indikationen für Tai Chi Chuan

Viele Krankheiten werden durch Tai Chi gelindert oder rücken gar der Heilung ein Stück näher. Diese besonderen Indikationen sind:

  • Chronische Schmerzen, besonders bei Migräne, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen bei Arthrose und Arthritis
  • Osteoporose
  • Muskelverspannungen
  • Multiple Sklerose
  • Fibromyalgie
  • Übergewicht und metabolisches Syndrom mit Diabetes
  • Herz- und Kreislauferkrankungen wie Angina pectoris und stattgehabter Herzinfarkt
  • Tinnitus
  • Depressionen
  • Schlafstörungen

Viele gesetzliche und private Krankenkassen übernehmen ganz oder teilweise die Kursgebühren im Rahmen der gesundheitlichen Prävention. Ein vorheriger Antrag ist sinnvoll, weil der Tai-Chi-Lehrer eine Anerkennung bei der Kasse hinterlegt haben muss. In vielen Kurkliniken gehört Tai Chi zum Kursangebot für Rehabilitanden.


Beitragsbild: 123rf.com – kerdkanno

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.10.2021 aktualisiert.

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