Autoimmunerkrankungen: Informationen aus der Naturheilpraxis

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Autoimmunkrankheiten (auch Autoaggressionskrankheiten) sind Erkrankungen des körpereigenen Abwehrsystems, bei denen Antikörper gegen eigene Strukturen gebildet werden. Diese greifen den Organismus an und führen im Verlauf zu einer Schädigung oder Zerstörung der befallenen Regionen.

Frauen neigen eher zu Autoimmunkrankheiten, als Männer. Warum das so ist, gilt bisher als nicht geklärt. Man vermutet, dass Frauen von Geburt an immunologisch robuster sind. Doch während sie sich besser gegen Krankheitskeime schützen können, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem auch den eigenen Körper angreift, ebenfalls erhöht.

Einige Experten machen für das unterschiedlich ausgeprägte Immunsystem zum Beispiel die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone verantwortlich, aber auch die unterschiedliche Ausstattung mit Geschlechtschromosomen. Frauen besitzen 2 X-Chromosome (XX), die neben den geschlechtsbestimmenden Genen noch weitere wichtige Stoffwechsel-Gene tragen. Hat ein X-Chromosom einen Defekt, wird dies durch das zweite ausgeglichen. Bei Männern ist das nicht möglich, weil sie nur ein X-Chromosom haben (XY). Beides, Chromosomen-Konfiguration und hormonelle Konstitution und  ist ja durch die Geburt festgelegt sind.

Weil wir gerade bei der Geburt sind: Der Mensch besitzt von Geburt an eine Resistenz gegen viele Mikroorganismen und ist daneben in der Lage, während seines Lebens eine adaptive (erworbene) Immunität gegen viele pathogene Organismen auszubilden. Hierzu stehen T- und B-Lymphozyten zur Verfügung, die in Knochenmark und Thymus (= primäre lymphatische Organe) heranreifen und der speziellen Abwehr dienen. Zusätzliche Schutzfunktionen bieten die Haut, die Schleimhaut, lymphatische Gewebe im Magen-Darm-Trakt und im Bronchialsystem sowie die Lymphknoten und die Milz (= sekundäre lymphatische Organe).

Ein gesundes Immunsystem reagiert bei Angriff von außen (z.B. durch Bakterien oder Viren) mit einer Immunantwort. Die "Angreifer" (Antigene) führen im Organismus zu der Ausbildung von Antikörpern, die sich mit den Eindringlingen zu einem Antigen-Antikörper-Komplex vereinigen. Hierdurch wird das Antigen unschädlich gemacht und beseitigt. In vielen Fällen reagiert der Körper dann mit lokalen Symptomen wie z.B. Entzündungsprozessen oder Fieber. Kommt es zu einem erneuten Kontakt, hat der Organismus diesen bereits als pathogen gespeichert. Zum Teil erfolgt die Bekämpfung und Ausschaltung dann ohne sichtbare Anzeichen.

Bei einer Autoimmunerkrankung ist dieser Prozess gestört, körpereigenes Gewebe wird als Antigen identifiziert und bekämpft. Die Ursachen für diesen Angriff sind in der Schulmedizin noch nicht geklärt, man vermutet unter anderem genetische und psychosomatische Einflüsse, sowie Infektionen mit der Zellstruktur des Menschen ähnelnden.

Interessanterweise hat eine international tätige Forschergruppe an Mäusen ein bisher nur vermutetes Phänomen entdeckt: Sie ließen eine speziell für die Diabetes-Forschung gezüchtete Mauslinie unter sterilen Bedingungen aufwachsen. Während normalerweise die Weibchen viel stärker zum Typ-1-Diabetes neigen als die Männchen, zeigte sich dieser Unterschied bei den keimfrei gehaltenen Tieren nicht.

Übertrugen die Wissenschaftler die Darmbakterien männlicher Mäuse auf die völlig keimfreien Weibchen, so waren diese weitgehend vor der Autoimmunerkrankung geschützt. Dies spricht dafür, dass die Darmflora einen entscheidenden Anteil an der Entstehung beziehungsweise dem Schutz vor Autoimmunerkrankungen hat.

Und noch etwas fiel auf: Unterdrückte man bei den Tieren die Testosteronaktivität, so waren sie hingegen anfälliger für Diabetes. Testosteron ist ein Sexualhormon, dass zwar in beiden Geschlechtern produziert wird, aber von männlichen Mäusen (und von Männern) in viel höherer Konzentration.

Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Darmbakterien an der Regulation der Sexualhormone beteiligt sind und diese wiederum das Immunsystem beeinflussen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23328391).

Doch es gibt beim Menschen noch weitere Zusammenhänge zwischen Darmflora und Autoimmunerkrankungen. Studienergebnisse stützen die Beteiligung eines ungünstigen Mikrobioms an der Entstehung des Typ-1-Diabetes. Untersuchungen in Finnland und Russland zeigten eine Veränderung der kindlichen Darmflora, kurz bevor sich das Krankheitsbild manifestierte: Die Artenvielfalt im Mikrobiom nahm ab, allerdings wuchs dabei die Zahl der entzündungsrelevanten Bakterien (NCBI). Dieselbe Arbeitsgruppe verglich daraufhin die Diabetes-Häufigkeit finnischer und baltischer Kinder mit der russischer Altersgenossen. Deren Anfälligkeit, an der insulinpflichtigen Stoffwechselstörung zu erkranken, war auffällig gering. Gleichzeitig wies die Darmflora der russischen Kinder eine deutlich höhere Artenzahl auf. Insbesondere die Gattungen Bifidobacterium und Escherichia waren zahlreich vertreten. Bei baltischen und finnischen Kindern herrschte die Gattung Bacteroides vor. Der Leiter der Arbeitsgruppe, Dr. R.J. Xavier, hat dafür auch eine Erklärung: Die Bakterien produzieren unterschiedliche Endotoxine. Diese Lipopolysaccharide beeinflussen das Immunsystem. Das Agens der Bacteroides-Arten hemmt die Entwicklung der Körperabwehr, was offensichtlich auch Autoimmunreaktionen fördert. Die „russischen“ Bifidobakterien und Escherichia-Arten unterstützen die Ausprägung eines gesunden Immunsystems. Eine prophylaktische Medikation mit Probiotika könnte schon heute die Zahl der Neuerkrankungen mit Typ-1-Diabetes senken.

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit, deren Entstehung durch Vitamin-D-Mangel mit verursacht sein soll, aber auch durch die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Entsprechende Impfungen und eine Vitamin-D-Supplementierung könnte demnach eine Vorsorgemaßnahme gegen Multiple Sklerose  darstellen. Zudem gilt für die neurodegenerative Erkrankung ein ganzes Spektrum von Risikofaktoren wie Adipositas, Genussmittelabusus und Umwelteinflüsse durch Chemikalien. Alle ökologischen Bedingungen scheinen hier mit epigenetischen Prozessen zusammenzuspielen. So konnten in einer Studie 4 Gene identifiziert werden, die Multiple Sklerose verursachen oder mit verursachen. Die betreffenden DNA-Abschnitte enthalten Regulator-Gene des Immunsystems. Sie kodieren Faktoren, die über eine Methylierung einzelner Gene die Körperabwehr steuern. In dem komplexen Vorgang könnten auch Umweltgifte interagieren (ScienceAdvances).            

Autoimmunerkrankungen lassen sich in drei Gruppen unterteilen

Bei den organspezifischen Autoimmunerkrankungen richten sich körpereigene Abwehrzellen ausschließlich gegen Antigene von Organen. Hierzu zählen z.B. Morbus Addison (Nebennierenerkrankung), die Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenerkrankung), die perniziöse Anämie (Erkrankung des Magens) oder auch der juvenile Diabetes mellitus (Erkrankung der Bauspeicheldrüse).

Die nicht-organspezifischen Autoimmunerkrankungen führen zur Ausbildung von Antikörpern gegen verschiedene Gewebe. Sie werden als Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zusammengefasst und zeichnen sich durch rheumatoide Erkrankungen oder Ablagerungen von neu gebildeten Strukturen (z.B. an Gelenken) ab. Beispiele nicht-organspezifischer Erkrankungen sind der systemische Lupus erythematodes, die rheumatische Arthritis oder die Sklerodermie (Verhärtungen der Haut).

Die dritte Form der Autoimmunerkrankungen kombiniert die beiden anderen Typen. Hierzu zählende Erkrankungen sind unter anderem das Goodpasture-Syndrom (seltene Erkrankung von Niere und Lunge), die Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung), das Sjögren-Syndrom (spezielle Kollagenose), die chronisch-aggressive Hepatitis (führt zu einer zunehmenden Funktionsminderung der Leber), Morbus Werlhof (Thrombozytopenie, Zerstörung der Blutplättchen) und in gewissem Masse auch die Multiple Sklerose (Entmarkung an zentralen Nerven).

Während bei einem gesunden Immunsystem ein einmal erfolgter Angriff zu einem Lernprozess im Organismus führt, kommt es bei Autoimmunerkrankungen zu einer chronischen Ausbildung mit wiederkehrenden Schüben.

Die Diagnose erfolgt über die Auswertung des Blutbildes (Blutwerte) mit Nachweis spezifischer Antikörper. Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild und ist rein symptomatisch. Eine Heilung gilt derzeit als nicht möglich. Seit 2016 stehen jedoch bei einigen Autoimmunkrankheiten prophylaktische Maßnahmen zur Diskussion. So soll der Aufbau und die Erhaltung einer vielfältigen Darmflora sowie eine Vitamin-Supplementierung und eine allgemein gesunde Lebensweise Multiple Sklerose und Typ-1-Diabetes verhindern können. 

Die schulmedizinische medikamentöse Behandlung einer schon manifesten Erkrankung nutzt antiphlogistische (entzündungshemmende), antirheumatische oder immunsuppressive (Immunsystem unterdrückende) Präparate.

In einigen Fällen, zumBeispiel um lebensbedrohliche Situationen zu vermeiden, kommt es zu operativen Eingriffen mit Organtransplantationen, einem Gelenkersatz oder der Exzision (Entfernung) des befallenen Gewebes.

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Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei Autoimmunerkrankungen in Frage kommen.

Ernährung

Nach meiner Erfahrung spielt die Ernährung eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Auf jeden Fall zu meiden sind aus meiner Sicht: Schweinefleisch, Milch, Nüsse und Eier, sowie Süßigkeiten, Zucker und zuckerhaltige Getränke wie Cola.
Rindfleisch und Hühnerfleisch aus biologischer Erzeugung sind zu bevorzugen.

Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass auch ein erhöhter Konsum von Kochsalz die Entstehung von Autoimmunerkrankungen fördern kann. (Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23467095) Vor allem in Fast Food und Fertigprodukten ist häufig viel mehr Salz enthalten als in selbst gekochtem Essen. Nicht nur aus diesem Grund sollten Sie auf Fertigprodukte lieber verzichten.

Stellen Sie Ihre Ernährung stattdessen auf "gesund" um. Ansätze dazu wie man das machen kann, habe ich u.a. in meinem Interview zur "gesunden und richtigen Ernährung" beschrieben.

Orthomolekular-Medizin

Es hat sich gezeigt, dass Betroffene einen Mangan-Mangel aufweisen können. Deshalb ist in Betracht zu ziehen, Mangan in hohen Dosen zu nehmen. Eine Haarmineralanalyse könnte darüber Auskunft geben.

Transferfaktoren bieten eine sehr interessante Therapieoption.

Säure-Basen-Haushalt

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" können bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.

Zahnstörfeld Lassen Sie sich von einem dafür ausgebildeten Zahnarzt auf Infektionen an Zähnen, tote Zähne (Zähne mit Wurzelfüllungen), sowie auf Zahnherde (Granulome und Zysten) untersuchen.
Auch Amalgam - Füllungen können problematisch sein.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.09.2016 aktualisiert.