Gürtelrose [Herpes Zoster] behandeln: Was Naturheilkunde anders macht
Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Infektion
Die Gürtelrose. Bei dieser Erkrankung sehe ich manchmal echte Dramen, die sich abspielen. Dabei sind meiner Erfahrung nach die allermeisten Gürtelrosen relativ einfach zu behandeln.
Einfache Behandlung?
Gibt es nicht die Fälle, in denen Patienten mit schwersten Schmerzen zu tun haben?
Oh ja, die gibt es. Aber bevor ich zur Therapie mittels Naturheilkunde und Naturheilmitteln komme, müssen wir zuvor einige Dinge der Physiologie und Pathologie klären…
Die Infektion
Die Gürtelrose ist eine Folge einer Virusinfektion mit dem Windpocken-Virus.
Diese Varizella-Zoster-Viren (VZV) sind mit den Herpes-Viren verwandt und verursachen nicht nur die bekannte Kinderkrankheit, bevor sie nach der akuten Infektion wieder verschwinden. Vielmehr nisten sich die Erreger in den Gliazellen (Stützzellen) der Spinalnerven (Rückenmarksnerven) und Hirnnerven ein. Dort verbleiben die Viren lebenslang. Das heißt: Die Viren kriegt man dort sowieso nicht mehr weg. Aber das macht nichts, denn in den Gliazellen richten die Viren keinen Schaden an…
Infolge Stress oder einem geschwächten Immun-System können die Viren wieder aktiv werden. Meistens ist das bei Menschen jenseits der Fünfziger der Fall.
Die Erreger „wandern“ entlang der Spinalnerven zur Haut und lösen dort zum Teil heftige Effloreszenzen aus, wie in der folgenden Abbildung (1) zu sehen:
Sehr selten erkranken Kinder durch die VZV-Infektion nicht an Windpocken, sondern sofort an Gürtelrose. Auch eine Erstinfektion im Erwachsenenalter mit dem VZV kommt kaum vor.
90 % aller Menschen tragen das VZV in sich und waren demzufolge einmal an Windpocken erkrankt. Ein Viertel von ihnen wird im späteren Leben eine Gürtelrose durchleben.
Ansteckung und Verlauf
Obwohl Windpocken und Gürtelrose vom gleichen Virus verursacht werden, sind die Ansteckungswege andere.
Windpocken werden durch Tröpfchen-Infektion übertragen, also durch Anhusten und Einatmen der Viren. Ähnlich wie bei einfachen Erkältungen, reicht schon normaler Sozialkontakt aus, um sich anzustecken.
Die Gürtelrose kann hingegen durch Schmier-Infektion übertragen werden. Hier ist eine Berührung mit den bereits offenen und leicht nässenden Hautbläschen notwendig, damit die Viren von Mensch zu Mensch überspringen können. Meistens allerdings ist der Ausbruch einer Gürtelrose auf die Aktivierung „schlafender“ Viren zurückzuführen – also die Aktivierung der Viren aus der Zeit von den Windpocken.
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Symptome
Meist macht sich die Gürtelrose in einem Vorstadium (das oft falsch interpretiert wird) durch starke, brennende Schmerzen im Brustbereich oder anderen Nervensegmenten, leichtes Fieber und plötzliche Müdigkeit, bemerkbar.
Drei Tage nach dem Auftreten dieser Symptome kommen bläschenartige Hautveränderungen im Bereich eines Dermatoms (Hautbezirk eines Spinalnerves) hinzu.
Typischerweise treten diese Ekzem im Rumpfbereich auf, wie in der folgenden Abbildung (2) zu sehen:

Man könnte meinen, der Patient hätte sich irgendwo bei eiem Unfall die Haut „abgeschrubbt“. Aber die Bläschen und die Art der Beschwerden, bzw. des Auftretens sind leitgebend und sollten einen rasch zur Diagnose führen.
Weil die Krankheit hauptsächlich wie ein Gürtel um den Rumpf herum zieht, nennt der Volksmund es auch Gürtelrose.
Das Symptom kann aber ebenso gut im Bereich anderer Nervengebiete auftreten: am Hals, am Kopf, im Gesicht, am Oberschenkel, am Arm oder am Gesäß.
siehe auch: geschwollene Lymphknoten – Hautprobleme – Infektionen – Schmerzen
Diagnose und Therapie der Schulmedizin
In den meisten Fällen ist die Diagnose einer Gürtelrose keine große Detektivarbeit. Das typische Hautbild, der einseitige Verlauf und die oft brennenden Nervenschmerzen reichen meist aus, um die Sache einzuordnen.
Wer es ganz genau wissen will, kann das Varizella Zoster Virus zusätzlich per PCR nachweisen lassen. In der Praxis genügt dafür in der Regel ein Abstrich oder etwas Bläscheninhalt. Eine Untersuchung des Nervenwassers per Lumbalpunktion ist nur dann sinnvoll, wenn der Verdacht besteht, dass das Nervensystem mitbetroffen ist.
Ein Bluttest auf Antikörper liefert dagegen nur begrenzt neue Erkenntnisse. Das Virus ist weit verbreitet, viele Menschen tragen Antikörper in sich, und das sagt im akuten Fall oft weniger aus, als man sich erhofft.
Therapeutisch setzt die Schulmedizin fast immer frühzeitig auf Virostatika. Wirkstoffe wie Aciclovir oder Brivudin sollen die Virusvermehrung bremsen und werden je nach Situation als Tablette oder Infusion gegeben.
Parallel dazu wird die Haut behandelt: antiseptische Salben oder Umschläge können die Beschwerden lindern und helfen, bakterielle Sekundärinfektionen zu vermeiden.
Und dann ist da noch das eigentliche Problem: der Schmerz. Denn Gürtelrose ist nicht nur ein Ausschlag, sondern oft ein Nerventhema mit Ansage. Analgetika gehören deshalb zur Standardtherapie der Schulmedizin. Bei ausgeprägten Nervenschmerzen kommen zusätzlich Medikamente zum Einsatz, die man sonst eher aus der Behandlung neuropathischer Schmerzen kennt, etwa Gabapentin oder niedrig dosierte Antidepressiva. Das kann sinnvoll sein, ist aber nicht nebenwirkungsfrei – und genau deshalb sollte man Nutzen und Risiko sauber gegeneinander abwägen.
Komplikationen
In den meisten Fällen bleibt die Gürtelrose lokal begrenzt und heilt ohne Drama ab. Es gibt aber zwei Regionen, bei denen man nicht lange diskutiert, sondern schnell handeln sollte: Auge und Ohr.
Zoster ophthalmicus, also ein Befall im Bereich des Auges, ist kein kosmetisches Problem, sondern ein neurologisches. Das Virus sitzt im Nerven, und wenn es in diesem Gebiet aktiv wird, kann es auch Strukturen des Auges mitreißen – etwa Hornhaut oder Regenbogenhaut. Unbehandelt drohen bleibende Sehschäden, im Extremfall sogar eine Erblindung.
Ähnlich kritisch ist der Zoster oticus. Hier kann das Virus den Hörnerv angreifen und eine einseitige Schwerhörigkeit auslösen. Und weil in dieser Region viele Nerven eng beieinander liegen, kann auch der Gesichtsnerv betroffen sein: Dann kommt es zu Lähmungen der Gesichtsmuskulatur, die nicht immer vollständig verschwinden.
Selten kann es in solchen Fällen auch zu einer Beteiligung des zentralen Nervensystems kommen – etwa zu einer Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns. Das ist nicht die Regel, aber es ist der Grund, warum Zoster am Kopf medizinisch anders bewertet wird als „nur“ am Rumpf.
Eine weitere, zum Glück seltene, aber gefährliche Entwicklung ist der disseminierte Zoster: Dann bleibt die Erkrankung nicht auf ein Hautareal beschränkt, sondern breitet sich großflächig aus. Bei schweren Verlaufsformen können Hautbereiche sogar absterben (nekrotisierender Zoster), was Narben hinterlassen kann. In ausgeprägten Fällen kann die Infektion auch innere Organe betreffen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem – etwa durch schwere Grunderkrankungen oder eine Chemotherapie. Dann wird aus einer „Gürtelrose“ schnell eine ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche Situation.
Auch in der Schwangerschaft lohnt ein genauer Blick: Eine Gürtelrose ist meist weniger problematisch als eine frische Windpockeninfektion – trotzdem sollte sie sauber abgeklärt und begleitet werden, weil Zeitpunkt und individuelle Situation eine Rolle spielen.
Was ich in der Praxis am häufigsten sehe, ist allerdings keine dramatische Akutkomplikation, sondern etwas viel Zermürbenderes: postzosterische Neuralgien. Der Ausschlag ist längst verschwunden, die Haut sieht wieder normal aus – aber der Schmerz bleibt. Manchmal als Brennen, manchmal wie Stromschläge, manchmal als tiefer Nervenschmerz, der den Schlaf raubt. Diese Spätfolge nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu, und sie ist selbst mit schulmedizinischen Mitteln nicht immer leicht in den Griff zu bekommen. Darauf gehe ich weiter unten noch genauer ein.
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Prophylaxe
Wer Gürtelrose vorbeugen will, landet früher oder später beim Thema Impfung. Die Windpocken Impfung wird oft als indirekter Schutz genannt, weil sie die Infektion mit dem Varizella Zoster Virus überhaupt erst verhindert. Praktisch ist das aber kein Freifahrtschein: Das Virus und das Immunsystem führen bei vielen Menschen über Jahrzehnte eine Art Waffenstillstand – und genau dieser „Waffenstillstand“ kann im Alter oder bei Belastung kippen.
Für Erwachsene gibt es seit einigen Jahren eine gezielte Impfung gegen Gürtelrose. Heute wird dafür vor allem der Totimpfstoff Shingrix eingesetzt, der als wirksamer gilt als der frühere Lebendimpfstoff (Zostovax). Empfohlen wird die Impfung seitens der Schulmedizin in der Regel ab einem höheren Lebensalter und bei bestimmten Risikokonstellationen. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Vorgeschichte, Immunsituation und persönlicher Risikoabwägung ab. Neben den häufigen, eher harmlosen Impfreaktionen sind auch ernstere Nebenwirkungen möglich – selten, aber eben nicht ausgeschlossen. Wer impft, sollte das nicht aus Gewohnheit tun, sondern bewusst entscheiden.
Meine Vorstellung von Prophylaxe beginnt allerdings an einer anderen Stelle. Denn die eigentliche Frage lautet: Warum hält das Virus bei manchen Menschen still – und warum bricht es bei anderen aus?
Hier spielt das Immunsystem die Hauptrolle. Und das Immunsystem reagiert nicht nur auf Viren, sondern auf den gesamten Lebensstil: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Stresslevel, Entzündungsbelastung.
Eine vollwertige Ernährung mit guter Mikronährstoffdichte, wenig Zucker und möglichst wenig industriell verarbeiteten Lebensmitteln ist dabei keine „Wellness Idee“, sondern Biologie. Regelmäßige Bewegung – am besten draußen – unterstützt Immunregulation, Stoffwechsel und Nervenstabilität. Und wer dauerhaft Toxine stapelt, darf sich nicht wundern, wenn der Körper irgendwann mit Abwehrstress reagiert.
Was viele unterschätzen: Das Immunsystem ist auch ein Seismograph für psychische Belastung. Gerade bei Gürtelrose sieht man das immer wieder. Nicht selten steht am Anfang ein Schock, eine längere Krise, ein Dauerstress, der irgendwann das Fass zum Überlaufen bringt. Stressregulation ist deshalb nicht nur ein netter Zusatz, sondern Teil der Prävention.
Damit wären wir bei den Verfahren der Naturheilkunde.
In der Praxis sehe ich leider viel zu oft Patienten, die bereits mit starken (chemischen) Medikamenten behandelt wurden, inklusive Kortison. Bei den meisten Patienten sind die Hautsymptome bereits verschwunden, aber die zum Teil sehr heftigen Schmerzen bestehen weiter und sind auch mit starken Schmerzmitteln kaum in den Griff zu bekommen.
Nach den Regeln der Naturheilkunde ist das auch klar: Viele Infektionserkrankungen enden mit einem Hautausschlag. Dieser Ausschlag (hier die Bläschen) ist nicht zu unterdrücken, sondern die natürliche Abheilung über das Immunsystem zu unterstützen.
Beginne ich die Symptome einfach nur „niederzuknüppeln“ beeinträchtige ich die natürliche Ausheilung und es kann zu Komplikationen kommen: unerträgliche Schmerzen.
Sollte es soweit gekommen sein, kommen ebenfalls zu den hier unten aufgeführten Methoden auch noch Verfahren der Schmerztherapie infrage, die ich im Beitrag zu den akuten und chronischen Schmerzen aufgeführt habe.
Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel
In meiner Praxis sehe ich bei Gürtelrose grob zwei Patientengruppen. Die einen kommen früh, sind noch relativ jung, haben keine schweren Grunderkrankungen und nehmen kaum Medikamente. In diesen Fällen reicht oft schon ein gut gewähltes homöopathisches Mittel, ergänzt durch Sanum Präparate, dazu ein paar gezielte Vitalstoffe und klare Ernährungsregeln. Das ist kein großes Theater, sondern meist eine saubere, ruhige Regulation, die den Körper wieder in die Spur bringt.
Und dann gibt es die schweren Verläufe: Patienten, bei denen schulmedizinisch bereits „alles versucht“ wurde, ohne dass es wirklich vorangeht. Oder Fälle, in denen die Situation sogar bedrohlich wird, weil Schmerzen eskalieren, die Entzündung nicht abklingt oder die Erschöpfung den ganzen Organismus mit nach unten zieht. Hier ist Herumdoktern fehl am Platz. Dann braucht es ein konsequentes, abgestimmtes Konzept: Vitalstoffe prüfen und gezielt einsetzen, eine strikte Diät einhalten, Sanum und Homöopathie konsequent kombinieren, Heilpflanzen sofort dazunehmen. In ausgeprägten Fällen auch mit Injektionen im betroffenen Bereich und, wenn passend, ergänzend mit Eigenbluttherapie. Entscheidend ist nicht die Menge der Mittel, sondern die richtige Auswahl und Kombination zur richtigen Zeit.
Im folgenden beschreibe ich einige Verfahren, die infrage kommen.
Akupunktur
Akupunktur setze ich bei Gürtelrose nicht als Standardmaßnahme ein, sondern gezielt bei Schmerzzuständen – vor allem dann, wenn der akute Ausschlag bereits abgeklungen ist oder nach Cortison kaum noch sichtbar ist, der Patient aber weiterhin diese typischen Nervenschmerzen hat: Brennen, Stechen, Überempfindlichkeit, manchmal wie Stromschläge. Genau in dieser Phase kann Akupunktur sehr hilfreich sein, weil sie nicht „die Bläschen behandelt“, sondern das überreizte Nervensystem herunterreguliert. In der Praxis arbeite ich dann meist mit 1 bis 2 Sitzungen pro Woche über 2 bis 4 Wochen. Wenn nach drei bis vier Terminen keine klare Entlastung spürbar ist, muss man die Strategie ändern. Zusätzlich wende ich in diesem Fällen immer noch andere verfahren an, wie die Homöopathie, Heilpflanzen, als auch bestimmte Vitamine, Fettsäuren, usw. Dazu unten mehr.
Ernährung
Bei Gürtelrose geht es ernährungstherapeutisch nicht um „Virus wegessen“, sondern um drei Ziele: Entzündung runter, Abwehr stabilisieren, Regeneration unterstützen.
Meiden Sie konsequent:
- denaturierte Lebensmittel: vor allem weißen Zucker, Weißmehl, Süßkram, Softdrinks
- Schweinefleisch in jeder Form
- Milch und klassische Milchprodukte (zumindest für die Akutphase)
Setzen Sie stattdessen auf:
- viel Gemüse (gedünstet oder als Suppe, wenn der Appetit gering ist)
- gute Fette (Olivenöl, Leinöl, Nüsse)
- leicht verdauliche Kost, warm und einfach
Sonderfall: Eiweiß reduzieren oder Fasten
Bei manchen Patienten lasse ich Eiweiß für einige Tage bewusst weg oder empfehle sogar ein paar Fastentage. Das passt vor allem dann, wenn der Darm ein Thema ist: Blähungen, Unverträglichkeiten, chronische Reizung, Infektanfälligkeit – kurz: Abwehrschwäche aus dem Bauch heraus. Dann bringt Entlastung oft mehr als „noch mehr Nährstoffe“.
Enzymtherapie
Die Enzymtherapie unterstützt die Heilung gut. Das Problem ist eher: welches Enzympräparat und in welcher Dosierung?
Heilpflanzen
Bei Gürtelrose können Heilpflanzen die Beschwerden spürbar lindern, vor allem Brennen, Juckreiz und die gereizte Haut. Entscheidend ist, dass man nicht wild herumprobiert, sondern gezielt mit wenigen, gut verträglichen und möglichst standardisierten Präparaten arbeitet. Heilpflanzen ersetzen keine notwendige antivirale Therapie, können aber den Verlauf erleichtern und die Hautregeneration unterstützen.
Innerliche Anwendung
Propolis: Propolis wirkt antimikrobiell, entzündungsmodulierend und zeigt in Studien auch antivirale Effekte, besonders bei Herpes-Viren. Bewährt haben sich standardisierte Extrakte mit 500 bis 1.000 mg täglich, aufgeteilt auf zwei Gaben, über 10 bis 21 Tage. Propolis ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Abwehr insgesamt angeschlagen ist oder die Haut stark reagiert. Nicht anwenden bei bekannter Bienenprodukt Allergie.
Galgant (Hildegard von Bingen): Galgant ist ein altes Hildegard Mittel, das traditionell innerlich und äußerlich eingesetzt wird, vor allem bei brennenden, nervigen Schmerzen. Innerlich hat sich Galgant Pulver bewährt: 1 Messerspitze in warmem Wasser oder Tee, ein bis zweimal täglich, über 3 bis 7 Tage. Wenn sich Schmerz und Brennen in dieser Zeit nicht klar bessern, sollte man das Mittel wieder streichen. Galgant ist scharf, deshalb nicht überdosieren und bei empfindlichem Magen vorsichtig einschleichen.
Äußerliche Anwendung bei Haut und Nervenbrennen
Propolis (Creme oder Salbe): Lokal angewendet ist Propolis bei Herpes Beschwerden besonders interessant, weil es gleichzeitig beruhigt, schützt und die Abheilung unterstützen kann. Propolis Creme oder Salbe wird dünn aufgetragen, drei bis fünfmal täglich, über 7 bis 14 Tage. Bei sehr empfindlicher Haut lieber mit zweimal täglich beginnen und steigern. Tinkturen sind möglich, können aber brennen und reizen, deshalb eher zurückhaltend.
Zitronenmelisse (Melissa officinalis): Zitronenmelisse gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen bei Herpes-Viren. Als Creme oder Gel kann sie Juckreiz, Brennen und Spannungsgefühl reduzieren. Anwendung: drei bis fünfmal täglich dünn, über 5 bis 10 Tage, bei Bedarf länger. Sie eignet sich besonders in der frühen Phase, wenn die Haut noch „unruhig“ ist.
Ringelblume (Calendula officinalis): Calendula ist keine antivirale Keule, aber ein sehr zuverlässiges Mittel für gereizte, entzündete Haut und die Abheilphase. Salbe oder Creme ein bis zweimal täglich dünn, über 7 bis 14 Tage. Sinnvoll vor allem dann, wenn die Haut bereits empfindlich ist und man sie nicht weiter stressen will.
Aloe vera Gel: Aloe wirkt kühlend und hautberuhigend. Das ist bei Gürtelrose oft genau das, was fehlt, weil die Haut „brennt“, ohne dass man sie überhaupt berührt. Anwendung: zwei bis viermal täglich, je nach Bedarf, über 7 bis 14 Tage. Wichtig ist ein Produkt ohne Duftstoffe und ohne aggressive Zusätze.
Medizinischer Honig (Wundhonig): Medizinischer Honig kann die lokale Wundheilung unterstützen und wirkt antimikrobiell. Anwendung nur dann, wenn es zur Hautsituation passt: ein bis zweimal täglich sehr dünn, über 3 bis 7 Tage, am besten als fertige medizinische Auflage. Küchenhonig ist hierfür nicht geeignet, und bei stark nässenden Stellen sollte man eher vorsichtig sein, damit es nicht „zugeklebt“ wird.
Achtung / Vorsicht
Auf stark reizende Hausmittel wird bewusst verzichtet. Dazu gehören Knoblauch direkt auf der Haut, aggressive ätherische Öle oder wild gemischte Tinkturen. Bei Gürtelrose ist die Haut oft überempfindlich, und was theoretisch „antiviral“ klingt, macht praktisch manchmal nur mehr Schmerz. Besser sind zwei bis drei Mittel, konsequent angewendet, und nach 48 Stunden sollte eine erste Entlastung spürbar sein.
Homöopathie
Die Homöopathie halte ich bei der Gürtelrose für sehr hilfreich und ist für mich auch immer mit die erste Wahl. Es kommt aber auch darauf ob der Fall bereits mittels Schulmedizin behandelt wurde.
Mögliche Mittel:
- zu Beginn: Mezereum D4 Tabl. täglich drei mal drei Tabletten.
- Wenn Mezereum nicht innerhalb von zwei Tagen eine deutlich Besserung zeigt: Arsenicum Album D6
- Bei starkem Juckreiz: Rhus toxicodendron D12
Ich rate dazu einen versierten Homöopathen aufzusuchen. Meist hilft es die Mittel in höheren Potenzen zu geben – aber das sollte ein Therapeut bestimmen.
Alternativ stehen aber auch gute Komplex-Mittel aus der Homöopathie zur Verfügung, die wirksame Mittel vereinen, zum Beispiel:
- Herpes-Gastreu R68 von Dr. Reckeweg: Croton tiglium D6, Mezereum D4, Natrium chloratum D6, Rhus toxicodendron D4
Neuraltherapie
Die Neuraltherapie setze ich bei Gürtelrose vor allem bei hartnäckigen Nervenschmerzen ein, besonders wenn der Ausschlag schon abgeheilt ist, der Schmerz aber bleibt. Behandelt wird segmental über kleine Injektionen (Quaddeln) im betroffenen Hautareal und entlang der zugehörigen Wirbelsäulenabschnitte, um das überreizte Nervensystem zu beruhigen.
Meist arbeite ich dabei mit Procain, oft kombiniert mit einem der bereits genannten Sanum Mittel und oder einem homöopathischen Mittel. In der Regel reichen 1 bis 2 Sitzungen pro Woche über 2 bis 4 Wochen, wenn es gut anspricht oft deutlich schneller.
Orthomolekulare Medizin
Orthomolekulare Maßnahmen ersetzen bei Gürtelrose keine antivirale Therapie, können aber das Immunsystem stabilisieren, Entzündungsprozesse abpuffern und vor allem die Nervenregeneration unterstützen. Entscheidend ist eine sinnvolle Auswahl: wenige Bausteine, ausreichend dosiert, zeitlich begrenzt. Ziel ist nicht „alles nehmen“, sondern die typischen Schwachstellen bei Zoster zu adressieren: Immunantwort, oxidativer Stress, Nervenschmerz und Erschöpfung. Ich gebe fast immer einige der folgenden Substanzen in Abhängigkeit davon wo die Defizite des Patienten liegen.
„Basisversorgung“ für Immunsystem und Heilung
Vitamin D3: Ein niedriger Vitamin D Spiegel ist bei vielen Patienten die Regel, nicht die Ausnahme. Für die Akutphase haben sich hohe Dosierungen von ca. 5.000 bis 8.000 IE täglich bewährt, über 2 bis 4 Wochen, danach je nach Blutwert anpassen. Wer bereits einen Mangel hat, braucht meist konsequenter und länger Vitamin D. Vitamin D ist kein „Zoster Mittel“, aber eine schlechte Basis bremst jede Regeneration.
Vitamin C: Vitamin C unterstützt Immunfunktionen und wirkt antioxidativ. In der Praxis sind 1.000 bis 3.000 mg täglich sinnvoll, verteilt auf zwei bis drei Gaben, über 10 bis 21 Tage. Manchmal sogar noch mehr. Bei empfindlichem Darm lieber gepuffertes Vitamin C oder niedrig starten und steigern.
Zink: Zink ist ein klassischer Faktor für antivirale Abwehr und Schleimhaut und Hautregeneration. Bewährt haben sich 15 bis 30 mg täglich (elementares Zink), über 10 bis 14 Tage. Höhere Dosen sollten zeitlich begrenzt bleiben. Bei längerer Einnahme an Kupfer denken.
Nerven und Schmerzmodulation
Vitamin B12 (Methylcobalamin): Bei Gürtelrose geht es häufig um die Nerven, nicht nur um die Haut. B12 ist hier einer der wichtigsten Bausteine. Üblich sind 1.000 µg täglich, über 4 bis 8 Wochen. Bei ausgeprägten Nervenschmerzen kann auch eine höhere Anfangsphase sinnvoll sein, danach reduzieren.
B Komplex: Wenn B12 gegeben wird, macht ein B Komplex oft Sinn, um das System insgesamt zu stützen. Eine Kapsel täglich über 4 bis 8 Wochen ist in der Regel ausreichend.
Magnesium: Magnesium ist kein antivirales Mittel, aber bei Stress, Schlafproblemen und Nervensystem Übererregung oft ein Schlüssel. Bewährt haben sich 200 bis 400 mg täglich, bevorzugt abends, über 2 bis 4 Wochen. Bei empfindlichem Darm Magnesiumglycinat oder Magnesiumcitrat niedrig starten.
Ergänzend, wenn Schmerz und Entzündung dominieren
Omega 3 (EPA/DHA): Omega 3 Fettsäuren wirken entzündungsmodulierend und können den Verlauf indirekt verbessern, vor allem wenn systemische Entzündung und Stress dominieren. Üblich sind 1.000 bis 2.000 mg EPA/DHA täglich, über 4 bis 8 Wochen.
N Acetylcystein (NAC): NAC unterstützt die Glutathionbildung und wirkt antioxidativ. In der Praxis sind 600 mg ein bis zweimal täglich über 10 bis 21 Tage eine sinnvolle Option, besonders bei starker Erschöpfung und oxidativem Stress.
Praxisregel
Wenn orthomolekulare Maßnahmen helfen, merkt man das nicht daran, dass „die Bläschen verschwinden“, sondern daran, dass der Körper stabiler wird: weniger Brennen, besserer Schlaf, weniger Nervendruck, schnellere Erholung. Spätestens nach 7 bis 10 Tagen sollte eine spürbare Entlastung eintreten. Wenn nicht, war es entweder zu wenig, das falsche Mittel – oder der Fall braucht eine andere Strategie.
Sanum Therapie
Leitmittel sind: Grifokehl und das Quentakehl. Es können aber je nach Blutbefund aus der Dunkelfeldmikroskopie andere Mittel zusätzlich angezeigt sein. Die meisten „Sanum-Therapeuten“ arbeiten ja mit der Dunkelfeldmikroskopie. Dazu hatte ich hier mehr geschrieben: Dunkelfeldtherapie – Was ist das? und auch in diesem Video: Dunkelfeldmikroskopie: Entzündungen, Ghosts & deformierte Blutkörperchen erklärt
Ausführlich zur Sanum Therapie schreibe ich hier: Die „Sanum-Therapie“ – Wirkungsweise und Einsatzgebiete der Sanum Mitte
Leitmittel (oral, Tropfen)
- Form: Tropfen, oral
- Dosierung (leicht): 5 Tropfen morgens
- Dosierung (mittel bis schwer): 5 Tropfen 2 bis 3× täglich, im Wechsel mit Grifokehl
- Dauer: meist 2 bis 4 Wochen, bei Bedarf länger
Grifokehl D5
- Form: Tropfen, oral
- Dosierung (leicht): 5 Tropfen abends
- Dosierung (mittel bis schwer): 5 Tropfen 2 bis 3× täglich, im Wechsel mit Quentakehl
- Dauer: meist 2 bis 4 Wochen, bei Bedarf länger
Praxisregel: In leichten Fällen reicht oft die einfache Aufteilung: Quentakehl morgens, Grifokehl abends.
Je schwerer der Verlauf, desto eher wird mehrmals täglich im Wechsel gearbeitet, jeweils 5 Tropfen pro Gabe.
Zusatzmittel bei schweren Fällen
Recarcin D6
- Form: je nach Präparat (häufig Ampullen)
- Anwendung: 1× pro Woche zusätzlich
- Dauer: meist 2 bis 4 Wochen, abhängig vom Verlauf
Lokale Anwendung und Injektion (bei Bedarf)
Zusätzlich können Quentakehl D5 und Grifokehl D5 auch lokal im betroffenen Bereich aufgetupft werden, vor allem zu Beginn, wenn Brennen und Hautschmerz dominieren. Bei schweren Fällen kann es sinnvoll sein, die Mittel in der Anfangsphase zusätzlich als Injektion zu geben, um schneller einen Regulationsimpuls zu setzen.
Schüssler-Salze
Der Bereich der Schüssler-Salze kann unterstützend wirken, ist für mich aber nie die erste Wahl bei Gürtelrose.
Am Anfang können häufige Gaben von: Magnesium phosphoricum hilfreich sein, danach Kalium phosphoricum.
Wickel
Eine lokale Behandlung macht natürlich Sinn, weil es die Symptome am Ort des Geschehens lindert.
Die befallenen Stellen mit Quark oder mit einem Kohlwickel behandeln. Der Weißkohl enthält entzündungshemmende Wirkstoffe, kühlt und beruhigt die betroffenen Hautstellen. Ein Umschlag aus zerquetschten Weißkohlblättern reduziert die Schmerzen und wirkt sich günstig auf das Entzündungsgeschehen aus. Nach dem Kohlwickel mit verdünntem Essigwasser oder Johannisöl leicht einreiben.
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