Gürtelrose - Herpes Zoster

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Gürtelrose. Bei dieser Erkrankung sehe ich manchmal echte Dramen, die sich abspielen. Dabei sind meiner Erfahrung nach die allermeisten Gürtelrosen relativ einfach zu behandeln.

Einfache Behandlung?

Gibt es nicht die Fälle, in denen Patienten mit schwersten Schmerzen zu tun haben?

Oh ja, die gibt es. Aber bevor ich zur Therapie mittels Naturheilkunde und Naturheilmitteln komme, müssen wir zuvor einige Dinge der Physiologie und Pathologie klären...

Die Infektion

Die Gürtelrose ist eine Folge einer Virusinfektion mit dem Windpocken-Virus.

Diese Varizella-Zoster-Viren (VZV) sind mit den Herpes-Viren verwandt und verursachen nicht nur die bekannte Kinderkrankheit, bevor sie nach der akuten Infektion wieder verschwinden. Vielmehr nisten sich die Erreger in den Gliazellen (Stützzellen) der Spinalnerven (Rückenmarksnerven) und Hirnnerven ein. Dort verbleiben die Viren lebenslang. Das heißt: Die Viren kriegt man dort sowieso nicht mehr weg. Aber das macht nichts, denn in den Gliazellen richten die Viren keinen Schaden an...

Infolge Stress oder einem geschwächten Immun-System können die Viren wieder aktiv werden. Meistens ist das bei Menschen jenseits der Fünfziger der Fall.

Die Erreger „wandern“ entlang der Spinalnerven zur Haut und lösen dort zum Teil heftige Effloreszenzen aus, wie in der folgenden Abbildung (1) zu sehen:

Herpes Zoster - schwerer Befall

Sehr selten erkranken Kinder durch die VZV-Infektion nicht an Windpocken, sondern sofort an Gürtelrose. Auch eine Erstinfektion im Erwachsenenalter mit dem VZV kommt kaum vor.

90 % aller Menschen tragen das VZV in sich und waren demzufolge einmal an Windpocken erkrankt. Ein Viertel von ihnen wird im späteren Leben eine Gürtelrose durchleben.

Ansteckung und Verlauf  

Obwohl Windpocken und Gürtelrose vom gleichen Virus verursacht werden, sind die Ansteckungswege andere.

Windpocken werden durch Tröpfchen-Infektion übertragen, also durch Anhusten und Einatmen der Viren. Ähnlich wie bei einfachen Erkältungen, reicht schon normaler Sozialkontakt aus, um sich anzustecken.

Die Gürtelrose kann hingegen durch Schmier-Infektion übertragen werden. Hier ist eine Berührung mit den bereits offenen und leicht nässenden Hautbläschen notwendig, damit die Viren von Mensch zu Mensch überspringen können. Meistens allerdings ist der Ausbruch einer Gürtelrose auf die Aktivierung „schlafender“ Viren zurückzuführen - also die Aktivierung der Viren aus der Zeit von den Windpocken.       

Symptome

Meist macht sich die Gürtelrose in einem Vorstadium (das oft falsch interpretiert wird) durch starke, brennende Schmerzen im Brustbereich oder anderen Nervensegmenten, leichtes Fieber und plötzliche Müdigkeit, bemerkbar.

Drei Tage nach dem Auftreten dieser Symptome kommen bläschenartige Hautveränderungen im Bereich eines Dermatoms (Hautbezirk eines Spinalnerves) hinzu.

Typischerweise treten diese Exzeme in der Bauchgegend auf oder vom Rücken zur Mittellinie hin ziehend, wie in der folgenden Abbildung (2) zu sehen:

Weil die Krankheit hauptsächlich wie ein Gürtel um den Rumpf herum zieht, nennt der Volksmund es auch Gürtelrose.

Das Symptom kann aber ebenso gut im Bereich anderer Nervengebiete auftreten: am Hals, am Kopf, im Gesicht, am Oberschenkel, am Arm oder am Gesäß.

siehe auch: geschwollene Lymphknoten - Hautprobleme - Infektionen - Schmerzen

Diagnose und Therapie

Das makroskopische Bild und die Symptome der Gürtelrose sind meistens ausreichend, um eine Diagnose zu stellen. Zusätzlich kann der Arzt die Viren-DNA mit dem PCR-Test nachweisen.

Dazu muss Nervenwasser (Liquor) mit einer Lumbalpunktion entnommen werden, doch auch die Sekrete der Exantheme enthalten die Viren. Ein Blut-Antikörper-Test  liefert indirekte Hinweise auf das Infektions-Geschehen. Diese Labor-Untersuchungen sind aber nur begrenzt aussagefähig, weil das VZV ohnehin weit verbreitet ist und meistens "stillhält".

Der Schulmediziner verordnet fast immer sofort Virostatika: Mittel wie Aciclovir und Brivudin hemmen das Virus-Wachstum und stehen als Tabletten oder Infusionen zur Verfügung.

Die äußerliche Behandlung der Hautausschläge mit antiseptischen Salben und Umschlägen ist lindernd und soll Sekundär-Infektionen (wie oben beschrieben) verhindern.

Zusätzlich werden die starken Schmerzen mit Analgetika bekämpft. Das soll dem Patienten nicht nur im akuten Stadium helfen, sondern soll die Gefahr von postzosterischen Neuralgien verhindern. Dafür setzen viele Mediziner sogar Antidepressiva ein. Die teils erheblichen Nebenwirkungen dieser Pharmaka sollten mit dem Nutzen sorgfältig abgewogen werden.

Komplikationen

Manifestiert sich der Herpes Zoster im Augenbereich (Zoster ophtalmicus) ist Vorsicht geboten, weil das Virus den Nervus befallen kann.

Zusätzlich können die Regenbogen- und die Hornhaut durch das Virus geschädigt werden. Sehbehinderungen bis hin zur völligen Blindheit können die Folge sein.

Vorsicht ist auch beim Zoster oticus geboten, bei dem das Virus den Hörnerv beschädigen und eine einseitige Schwerhörigkeit verursachen kann. Diese den Kopf betreffenden Infektionen beinhalten auch die Gefahr, dass sich Lähmungen der Gesichtsmuskulatur einstellen und bestehen bleiben.

Selten entstehen aus dem Zoster oticus und ophthalmicus sogar Entzündungen der Hirnhäute (Zosterenzephalitis, Zostermeningitis).

Bei einer Superinfektion mit dem VZV greift die Erkrankung auf die gesamte Hautfläche über. Der Fall ist das beim nekrotisierenden Zoster (Zoster gangraenosus), bei dem Hautzellen absterben, wodurch im weiteren Verlauf Narben entstehen. Diese (seltene) gefährliche Ausprägung der Krankheit kann sogar innere Organe befallen. Das Risiko ist besonders dann  gegeben, wenn das Immun-System durch Krankheit oder zum Besipiel durch eine Chemotherapie geschädigt oder beeinträchtigt ist. Eine derartige Komplikation ist lebensgefährlich. VZV-Infektionen schwangerer Frauen sind für die Leibesfrucht ungefährlich, weil die Viren nicht die Plazenta durchdringen können. 

Bei Infektionen am Kopf und Hals bleiben oft die sehr unangenehmen postzosterischen Neuralgien zurück. Die heftigen Schmerzzustände sind schwer zu behandeln. Die Wahrscheinlichkeit dieser Spätfolge wächst mit dem Lebensalter. Aber darauf gehe ich weiter unten noch ein...  

Prophylaxe  

Die Impfung gegen Windpocken gilt als Schutz gegen Gürtelrose. Unumstritten ist die Impfung nicht, denn Windpocken verlaufen in der Regel harmlos, wohingegen die Impfung auch schwere Nebenwirkungen haben können. Dazu gehören unter anderem ein anaphylaktischer Schock, Hirnhautentzündung und Rückenmarksentzündung. Seit 2013 gibt es auf dem europäischen Markt für Erwachsene eine spezielle Immunisierung gegen Gürtelrose. Empfohlen wird sie aber nur für Risiko-Patienten. Etwa 60 % aller Infektionen mit dem VZV soll das Präparat Zostovax verhindern können.

Aber wirkliche und natürliche Prophylaxe sieht für mich völlig anders aus: Eine Stärkung des Immun-Systems trägt zur Vorbeugung gegen Gürtelrose bei. Hier ist die Lebensweise besonders wichtig. Eine vollwertige Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist und die nur wenig Zucker und Fett beinhaltet, fördert die körpereigene Abwehr. Sport und jede Bewegung an frischer Luft ist in dieser Hinsicht ebenfalls empfehlenswert. Die Vermeidung von Toxinen jeder Art ist ohnehin sinnvoll.

Das Immun-System reagiert auch auf psychische Schwankungen. Gerade im Ausbruch einer Gürtelrose kommt dies zum Ausdruck, wenn Schock-Erlebnisse oder länger andauernde Lebenskrisen die Krankheit mit auslösen. Strategien zur Stress-Bewältigung erlernen Sie am besten, bevor eine Krise eintritt, weil Sie dann bereits gewappnet sind. Meditation, Yoga und andere Entspannungs-Techniken sind auch für die Stärkung der Körperabwehr ein hervorragendes Instrument. 

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Naturheilkunde und Naturheilverfahren

In der Praxis sehe ich leider viel zu oft Patienten, die bereits mit starken (chemischen) Medikamenten behandelt wurden, inklusive Kortison.

Bei den meisten Patienten sind die Hautsymptome bereits verschwunden, aber die zum Teil sehr heftigen Schmerzen bestehen weiter und sind auch mit starken Schmerzmitteln kaum in den Griff zu bekommen.

Nach den Regeln der Naturheilkunde ist das auch klar: Viele Infektionserkrankungen enden mit einem Hautausschlag. Dieser Ausschlag (hier die Bläschen) ist nicht zu unterdrücken, sondern die natürliche Abheilung über das Immunsystem zu unterstützen.

Beginne ich die Symptome einfach nur "niederzuknüppeln" da beeinträchtige ich die natürliche Ausheilung und es kann zu der Komplikation kommen, dass es zu diesen unerträglichen Schmerzen kommt.

Sollte es soweit gekommen sein, kommen ebenfalls zu den hier unten aufgeführten Methoden auch noch Verfahren der Schmerztherapie infrage, die ich im Beitrag zu den akuten und chronischen Schmerzen aufgeführt habe.

Im folgenden finden Sie Hilfe und Hausmittel aus der Naturheilkunde und der Alternativmedizin, die bei einer Gürtelrose in Frage kommen können.

Akupunktur 

Die klassische Akupunktur kommt vor allem infrage, wenn wir es mit Schmerzen zu tun haben. Wer keine klassische Akupunktur möchte, sollte eine Low-Level-Lasertherapie in Betracht ziehen.
 

Ernährung

Allgemein empfehle ich die Ernährungsratschläge wie bei Infektionen bzw. bei Abwehrschwäche zu befolgen. Meiden Sie unbedingt vor allem denaturierte Nahrungsmittel (weißen Zucker, Weißmehl) und Schweinefleisch in jeder Form. Auch die Milch muss weg.

Enzymtherapie

 

Die Enzymtherapie unterstützt die Heilung gut. Das Problem ist eher: welches Enzympräparat und in welcher Dosierung? Über verschiedene Enzympräparate habe ich bereits berichtet, u.a.: Wobenzym, Karazym, Interzym und Astrozym. Vielleicht interessiert sie auch mein Beitrag: Enzympräparate im Test.

Frischpflanzen (Urtinkturen)

Folgenden Urtinkturen können hilfreich sein: je 20 ml Silberweide, Goldrute, Brennnessel, Johanniskraut und Sonnenhut.

Heilpflanzen 

Honig (speziell neuseeländischer Manuka-Honig) ist von Natur aus antiseptisch und kann als „Salbe“ dienen wie auch die äußerliche Behandlung mit Lactoferrin.

Phytomedizinische Anwendungen mit Knoblauch, Zitronenmelisse, Aloe vera sind ebenfalls entzündungshemmend.
 

Homöopathie

Die Homöopathie halte ich bei der Gürtelrose für sehr hilfreich!

Mögliche Mittel:
zu Beginn: Mezereum D4 Tabl. täglich drei mal drei Tabletten.

wenn Mezereum nicht innerhalb von zwei Tagen eine deutlich Besserung zeigt: Arsenicum Album D6

bei starkem Juckreiz: Rhus toxicodendron D12

Orthomolekular-Medizin

Multivitamin-Präparat zur Stärkung des Immunsystems, das vor allem die Vitamine A, B-Komplex, Vitamin C und Vitamin E enthält.

Die Aminosäure Lysin ist ebenfalls eine interessante Option, ebenso Omega-3-Fettsäuren.

Sanum Therapie

Leitmittel sind: Grifokehl und Sanukehl Serra.

Schüssler-Salze

Der Bereich der Schüssler-Salze kann unterstützend wirken, ist für mich aber nie die erste Wahl bei Gürtelrose.

Am Anfang können häufige Gaben von: Magnesium phosphoricum hilfreich sein, danach Kalium phosphoricum.

Wickel 

Eine lokale Behandlung macht natürlich Sinn, weil es die Symptome am Ort des Geschehens lindert.

Die befallenen Stellen mit Quark oder mit einem Kohlwickel behandeln. Der Weißkohl enthält entzündungshemmende Wirkstoffe, kühlt und beruhigt die betroffenen Hautstellen. Ein Umschlag aus zerquetschten Weißkohlblättern reduziert die Schmerzen und wirkt sich günstig auf das Entzündungsgeschehen aus. Nach dem Kohlwickel mit verdünntem Essigwasser oder Johannisöl leicht einreiben.
 


Wirbelsäule

Was auch sein könnte: Eine Gürtelrose kann durch eine Fehlstellungen der Wirbel "unterhalten" werden. Lassen Sie Ihre Wirbelsäule auf die "korrekte Stellung" der Wirbelkörper untersuchen. Das Virus setzt sich am Ort der grössten "Wirbelsäulen-Verbiegung" bzw. der größten Schwachstelle fest.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.7.2017 aktualisiert.

Quelle Bilder:

(1) fotolia, kollsabuy

(2) fotolia, anafsu