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Nebennierenschwäche – wenn der Körper ausbrennt

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Krankheiten/Beschwerden, Stoffwechselstörungen

Die meisten Menschen merken es erst, wenn der Akku leer ist – wirklich leer. Nicht nur müde, sondern leer in einem Ausmaß, das selbst ein Wochenende im Wald oder drei Wochen Urlaub nicht mehr auffangen können. Der Körper streikt, die Nerven liegen blank, der Schlaf bringt keine Erholung mehr. Und dabei ist die Ursache oft unscheinbar klein: zwei daumengroße Drüsen über den Nieren, die unter Dauerfeuer stehen – und irgendwann schlicht nicht mehr liefern.

Seit über zwei Jahrzehnten sehe ich es immer wieder: Menschen mit Erschöpfung, Schlafstörungen, innerer Unruhe, Infektanfälligkeit oder Hormonproblemen – und in der Klinik heißt es dann oft: „Alles in Ordnung.“ Nein, ist es nicht. Wer die Nebenniere übersieht, übersieht die zentrale Stressachse des Körpers.

In diesem Beitrag zeige ich, woran man eine funktionelle Nebennierenschwäche erkennt – auch wenn Blutwerte noch „normal“ sind. Ich erkläre, wie Cortisol, DHEA und der Blutzucker miteinander verknüpft sind, warum sich viele Symptome falsch einordnen lassen – und was naturheilkundlich wirklich hilft: von adaptogenen Heilpflanzen wie Ashwagandha und Rhodiola über Mikronährstoffe und Vagusaktivierung bis hin zu manuellen Therapien und gezielter Ernährung. Wer das ernst nimmt, kann wieder Kraft gewinnen – von innen.

Beginnen wir mit der Frage:

Was machen die Nebennieren eigentlich?

Die Nebennieren produzieren lebenswichtige Hormone. Im Nebennierenmark entstehen die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Die Nebennierenrinde wiederum bildet Steroidhormone wie Cortisol, Aldosteron sowie Vorstufen von Sexualhormonen.

Diese Hormone regulieren Blutdruck, Blutzucker, Immunabwehr, Entzündungsprozesse, Wasser-Elektrolyt-Haushalt – kurz: die zentrale Stress- und Überlebensachse des Körpers.

Die HPA-Achse – Steuerzentrale für Cortisol & Co.

Gesteuert wird die Nebennierenfunktion über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA):

  • Der Hypothalamus schüttet CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) aus,
  • Die Hypophyse reagiert mit ACTH (Adrenocorticotropes Hormon),
  • Dieses stimuliert die Nebennierenrinde zur Cortisolproduktion.

Das Ganze läuft in fein abgestimmten Rückkopplungsschleifen. Gerät diese Achse aus dem Gleichgewicht, können tiefgreifende Störungen auftreten – körperlich wie psychisch.

Nebennierenschwäche: funktionell oder pathologisch?

In der Schulmedizin wird zwischen verschiedenen Formen der Nebenniereninsuffizienz (NNI) unterschieden:

  • Primäre NNI: Die Nebennieren selbst versagen – meist infolge autoimmuner Zerstörung (Morbus Addison).
  • Sekundäre NNI: Die Hypophyse produziert zu wenig ACTH.
  • Tertiäre NNI: Der Hypothalamus schüttet zu wenig CRH aus.

In der Naturheilkunde wird zusätzlich eine funktionelle Nebennierenschwäche diskutiert – eine Regulationsstörung infolge chronischer Belastung, ohne dass Organstrukturen irreversibel geschädigt sind.

Typische Symptome einer Nebennierenschwäche

Die Beschwerden sind unspezifisch, aber in ihrer Kombination auffällig:

  • Chronische Müdigkeit, Leistungsknick, „Durchhänger“ am späten Vormittag und Nachmittag
  • Niedriger Blutdruck, Schwindel beim Aufstehen
  • Salzverlangen, Hypoglykämie, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen
  • Schlafstörungen, v. a. nächtliches Aufwachen um 2–4 Uhr
  • Erhöhte Infektanfälligkeit, Muskelschwäche, Verdauungsprobleme
  • Frauen: Zyklusstörungen, Libidoverlust

Je länger die Schwäche anhält, desto schwerer wird die Regeneration – besonders wenn gleichzeitig Mitochondrien und Schilddrüse mitbetroffen sind.

Diagnostik: Wie lässt sich eine Nebennierenschwäche erkennen?

Die klassische Schulmedizin testet meist nur Serum-Cortisol – oft zu wenig für eine funktionelle Beurteilung. Besser geeignet:

  • Cortisol-Tagesprofil im Speichel (4 Messungen über den Tag)
  • DHEA als Gegenspieler zu Cortisol
  • ACTH und CRH bei Verdacht auf echte Insuffizienz
  • Orthostatischer Test (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
  • Natrium/Kalium-Quotient, 24h-Cortisol im Urin, ggf. Neurostress-Profile

Wichtig: Auch chronische Infekte, toxische Belastungen oder oxidativer Stress können die Nebenniere belasten – sie gehören in die Differentialdiagnose.

Therapie aus Sicht der Schulmedizin

Bei ausgeprägter Insuffizienz kommen synthetische Glukokortikoide (z. B. Hydrocortison) und Mineralokortikoide zum Einsatz. Für Stressphasen gibt es Bedarfsmedikation – z. B. bei Infekten, Operationen oder seelischer Belastung.

Naturheilkundliche Therapie – sanft, aber wirksam

Die Naturheilkunde setzt auf Wiederherstellung der Regulationsfähigkeit durch:

Atemtherapie und Vagusnerv-Aktivierung

Chronisch überforderte Nebennieren sind oft das Resultat eines sympathikotonen Dauerzustands. Ziel: Parasympathikus stärken.

  • Tiefes Zwerchfellatmen (z. B. 4-7-8-Methode)
  • Summen, Singen, Gurgeln – aktiviert den Vagus
  • Kalte Gesichtsgüsse oder Wechselbäder nach Kneipp
  • Herz-Kohärenz-Training (z. B. mit HRV-Biofeedback)

Ernährung & Blutzuckerregulation

Ein stabiler Blutzucker entlastet die Nebenniere. Empfehlenswert sind:

  • regelmäßige Mahlzeiten (kein „Intervallfasten“ in der akuten Erschöpfung!)
  • gute Fette (z. B. Kokosöl, Avocado, Butter)
  • langsam verdauliche Kohlenhydrate (z. B. Quinoa, Buchweizen, Hirse)
  • ausreichend Eiweiß – v. a. morgens

Wichtig: Zucker, Weißmehl, Kaffee und Alkohol sollten gemieden werden – sie treiben den Cortisolbedarf in die Höhe! Also weg damit!

Leber entlasten – Nebennieren schützen

Ich will diesen Punkt mal explizit erwähnen, denn Cortisol wird in der Leber verstoffwechselt. Eine überlastete Leber kann zu erhöhtem Cortisolabbau und Folgeerkrankungen führen. Und wir haben in Deutschland alleine ca. 20 Millionen Menschen mit einer Fettleber. Ein Spruch der Naturheilkunde lautet: Müdigkeit ist der Schmerz der Leber. Was helfen kann:

  • Mariendistel, Artischocke, Löwenzahn
  • Leberwickel abends (klassisch nach Kneipp)
  • Bitterstoffe vor dem Essen
  • ggf. Begleitung mit orthomolekularer Ausleitung (Glutathion, Alpha-Liponsäure)

Heilpflanzen

Ashwagandha (Withania somnifera): Wirkt regulierend auf Cortisol, Schilddrüse, Insulin und Sexualhormone. Unterstützt GABA-Rezeptoren, fördert Schlaf und Resilienz.

Tulsi (Ocimum sanctum): Auch als Königsbasilikum bekannt. Verbessert Stressanpassung, schützt vor oxidativem Stress, unterstützt Blutzuckerregulation und Immunfunktion.

Ginseng (Panax): Asiatischer Ginseng eher anregend und stoffwechselaktivierend; Amerikanischer Ginseng wirkt beruhigend. Beide fördern Leistungsfähigkeit und hormonelle Balance.

Sibirischer Ginseng (Eleutherococcus): Kein „echter“ Ginseng, aber wirksames Adaptogen mit Fokus auf Neuroprotektion, besonders bei Burnout, Schlafstörungen und Immunproblemen.

Rosenwurz (Rhodiola rosea): Stärkt Nerven, verbessert die Stimmung durch Hemmung der Monoaminoxidase (MAO) und steigert die Verfügbarkeit von Serotonin. Besonders bewährt bei Stress, mentaler Erschöpfung und depressiven Verstimmungen. Die enthaltenen Glykoside wie Rosavin und Salidrosid verbessern die Anpassungsfähigkeit des Organismus an körperliche und seelische Belastungen – ein klassischer Einsatzbereich ist das Burnout-Syndrom.

Homöopathie & Schüßler-Salze

Phosphoricum acidum D6: Erschöpfung nach geistiger Überlastung

Sepia D12: hormonelle Dysregulation bei Frauen

Natrium muriaticum D6: stille Erschöpfung nach seelischer Belastung

Schüßler-Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) und Nr. 5 (Kalium phosphoricum) zur Tonisierung

Komplexmittel wie z. B. Regenaplex 20a (Nebenniere) oder 28c (Hormonachse)

Orthomolekulare Medizin

Vitamin C: hohe Konzentration in der Nebenniere selbst

Vitamin B5, B6, B12, Folsäure

Magnesium, Zink, Selen, Omega-3-Fettsäuren

Cofaktoren für ATP-Synthese: Q10, NADH, Alpha-Liponsäure

Sonstiges: Licht, Schlaf, Rhythmus

Das Cortisol folgt einem zirkadianen Rhythmus – dieser lässt sich über Umweltreize (Zeitgeber) beeinflussen. Ich rate zu Folgendem:

  • Tageslicht morgens, möglichst direkt nach dem Aufstehen
  • Blaulichtreduktion abends (z. B. durch Filterbrille oder „Night Shift“)
  • Schlaf vor Mitternacht – der regenerative Cortisol-Abfall beginnt gegen 21 Uhr
  • Verdunkelung, Ruhe, Temperaturabsenkung fördern Melatonin

Fazit: Auf die Nebenniere achten – bevor sie aufgibt

Die Nebenniere ist keine Nebensache. Sie ist überlebenswichtig – vor allem in einer Zeit, in der Dauerstress, Reizüberflutung, Schlafmangel und chronische Entzündungen zur neuen Normalität geworden sind.

Eine funktionelle Nebennierenschwäche wird in der Standardmedizin oft übersehen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig hinzuschauen: bei Energieverlust, Infektanfälligkeit, hormonellen Schwankungen und Schlafstörungen. Die gute Nachricht: Mit gezielter Diagnostik und naturheilkundlicher Unterstützung lässt sich viel erreichen – bevor es zum Zusammenbruch kommt.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 22.7.2025 komplett überarbeitet.

 

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