Blutvergiftung - Irrtümer und Fakten
Unter der Bevölkerung herrscht verbreitet immer noch die irrtümliche Meinung, dass sich eine Blutvergiftung
durch zum Herzen hin ziehende, rote Striche auf der Haut (meist vom Unterarm ausgehend) bemerkbar macht.
Der sichtbare Strich ist in Wirklichkeit ein Indiz für eine Lymphangitis (Entzündung von Lymphbahnen,
hauptsächlich durch Bakterienbefall bei Hautverletzungen oder speziellen Erkrankungen verursacht), die unter
Umständen zu einer Blutvergiftung führen kann.
Bei einer "echten" Blutvergiftung (Sepsis) handelt es sich um eine sich auf dem Blutweg ausbreitende Infektion,
die Organe und Gewebe schädigen oder zerstören kann. Dabei kommt es zu einer Anhäufung von Mikroorganismen
(vorwiegend Bakterien). Mit einer Inzidenz von ca. 155.000 Blutvergiftungen kommt es bei durchschnittlich 30
Prozent der Betroffenen zu einem tödlichen Ausgang.
Neben den eindringenden Bakterien führen auch Viren, Pilze und Parasiten zu einer Vergiftung. Durch ein gestörtes Immunsystem kann
die Besiedelung nicht lokal bekämpft werden und erhält so die Möglichkeit, sich über die Blutbahnen auszubreiten.
Die häufigsten Auslöser neben einer Wundinfektion sind Lungenentzündungen, Infekte durch Katheterisierung, Infektionen nach einem chirurgischen Eingriff sowie eine über 48 Stunden andauernde
künstliche Beatmung.
Während der Begriff Sepsis eine weniger schwere Form der Blutvergiftung kennzeichnet, stehen die schwere Sepsis
sowie der septische Schock für lebensbedrohende Erkrankungen. Die auftretende Symptomatik ist eher allgemein und
lässt kaum eine gesicherte Diagnose zu. Es zeigen sich rasch ansteigendes Fieber,
Schüttelfrost, Schmerzen (teilweise im gesamten Körper), ein niedriger Blutdruck, Herzrasen und schnelle Atmung.
Zur Diagnostik werden verschiedene Ansätze gewählt. Es erfolgen der mikrobiologische Nachweis des Erregers sowie
die Funktionsprüfung der Organe (u.a. Niere, Blutuntersuchung, Lungenfunktion, Gehirnfunktion). Zusätzlich wird der
Betroffene auf SIRS-Kriterien (Severe Inflammatory Host Response) untersucht, wozu die Körpertemperatur
(> 38°C), die Atemfrequenz (> 20 / Minute), die Herzfrequenz (> 90 / Minute) sowie die Leukozytenanzahl im
Blut genutzt werden. Von einem septischen Schock spricht man, wenn außer einem isolierten Erreger sowie den
erfüllten SIRS-Kriterien u.a. der systolische Blutdruck länger als eine Stunde unterhalb 90 mmHg liegt.
Neben einer Behandlung mit Antibiotika werden Blutreinigungsverfahren (z.B. Dialyse) sowie die Gabe von Blutersatzstoffen zur
Therapie genutzt. Bei schweren Erkrankungen (Schock) erfolgen künstliche Beatmung, Infusionstherapie und
Schockbehandlung. Hier richtet sich das Vorgehen nach den betroffenen Organen (v.a. Herz, Niere, Lunge, Leber), um
ein vollständiges Versagen zu verhindern. Nicht immer erzielt eine Therapie Heilungserfolge. Daneben führt auch die
schlecht einzuordnende Symptomatik häufig zu einer verspäteten Diagnose mit der Gefahr eines tödlichen
Verlaufs.
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