Die Mandeln gehören wie die Schleimhäute von Gaumen und Rachen zu den lymphatischen Organen. Sie produzieren wichtige Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger, die durch Mund und Nase eindringen können.

Der Mensch besitzt 4 große Tonsillen, die für Mund und Rachen einen Abwehrring bilden: die paarigen Gaumenmandeln, die unpaarigen Rachenmandeln, die Zungenmandeln und der Seitenstrang an der Rachenwand.

Die Funktion der lymphatischen Organe ist nach Ablauf der ersten 3 Lebensjahre erschöpft. Bis dahin haben die Tonsillen die Körperabwehr dabei unterstützt, die Unterscheidung zwischen körpereigenen Strukturen und eingedrungenen Krankheitserregern und Fremdstoffen zu erlernen.

Eine Mandelentzündung (auch Tonsillitis oder Angina tonsillaris genannt) ist meist eine akute Entzündung vor allem der Gaumenmandeln (Gewebe der Körperabwehr als Teile des lymphatischen Rachenrings). Bei einem über drei Monate andauernden Leiden spricht man von der chronischen Form (Tonsillitis chronica).

Mögliche Ursachen

Als häufigste Ursache einer Mandelentzündung gilt in der Schulmedizin die Streptokokkeninfektion. Diese “Mandelinfektion” wird ausgelöst und “übertragen” durch Tröpfcheninfektion (z.B. durch Husten oder Niesen). In selteneren Fällen wird die Angina tonsillaris durch Pneumokokken, Staphylokokken oder Viren verursacht.

Die Erreger sind jedoch nur als zweite Ursache anzusehen. Das Grund-Problem des Geschehens ist eine Abwehrschwäche. Denn ein gesunder Organismus wir mit diesen Erregern “eigentlich” fertig.

Symptome

Leitsymptome sind starke Schmerzen beim Schlucken (die bis in die Ohren ausstrahlen können) und ein vermehrter Speichelfluss. Die Mandeln (Tonsillen) zeigen sich gerötet und geschwollen, im Verlauf kann man gelbliche Beläge auf ihnen erkennen. Eine Mandelentzündung hat meist einen sehr akuten Beginn mit bis zu 40 °C.

Fieber und Schüttelfrost, KopfschmerzenHalsschmerzen und einem schweren Krankheitsgefühl. Typisch sind auch Geschwollene Lymphknoten am Hals, eine belegte Zunge sowie starker und übler Mundgeruch. Als frühe Komplikationen können z.B. eine Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung oder ein Abszess) auftreten. Dies ist jedoch bei einer konsequenten Therapie selten.

Die Zahl der weißen Blutkörperchen ist bei einer Mandelentzündung nur leicht erhöht und die Blutsenkung vollzieht sich nur wenig schneller als beim Gesunden. Sicherer ist die Diagnose durch mikrobiologischen Tests auf Streptokokken durchführbar. Oft lässt sich im Blut auch Antistreptolysin nachweisen. Diese Antikörper hat das Immunsystem als Antwort auf die Infektion gebildet. Auch die Toxine der Bakterien können im Blut der Erkrankten nachgewiesen werden.

Der Eiter aus den Mandeln tritt  nur zutage, wenn die Mandeln von unten beginnend nach oben streichend ausgedrückt werden. Mit einer davon abweichenden Technik lässt sich das Sekret nicht entdecken.

Siehe auch: Infektionen – Rekonvaleszenz

Ähnliche Beschwerden wie bei der Angina tonsillaris können bei einer Scharlach-Angina, der Rachen-Diphtherie (grauen, schmutzigen Belag der Mandeln, mit eitrigen, süßlichem Geruch), der Herpangina, bei der infektiösen Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder der Plaut-Vincent-Angina auftreten.

Sprache der Symptome

Haben Sie das Gefühl, nicht länger etwas Belastendes schlucken zu können? Oder wollten Sie schon lange jemandem etwas sagen, schlucken es aber laufend wieder? Haben Sie das Gefühl von einem Kloß im Hals?

Die Mandeln sind wie ein Filter, der das “Falsche” absorbiert – dieser Filter ist im Falle der Entzündung nun voll. Voll von Sachen, die man als falsch bewertet und nun zum Ausdruck kommen.

Die Mandeln entzünden sich auch, wenn man sich unverstanden fühlt und dazu nichts sagt, weil’s ja ohnehin keinen Sinn hat. Unsere Aufgabe ist es, unser “Sosein” zum Ausdruck zu bringen. Die Mandelentzündung als Hinweis darauf ist dann nicht mehr nötig.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter “Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.” dazu an:

Mögliche Folgen der Mandelentzündung

Die Krankheitserreger setzen sich In den Mandel-Krypten fest, wodurch dort Gewebe abstirbt und sich als „Zellmüll“ (Detritus) ansammelt. Hinzu kommen die Bakterientoxine, die den Prozess zusätzlich beschleunigen. Es bilden sich Löcher im Gewebe, aus denen der Eiter nur schwer abfließt. Die Mandeln verkleinern oder vergrößern sich und verwachsen mit dem umliegenden Gewebe, sodass sie der HNO nicht mehr mit Instrumenten verschieben kann.

Wenn die Mandeln auf diese Weise degeneriert sind, ist ein Entzündungsherd entstanden, der an vielen Stellen des Körpers Schaden anrichten kann. Bei einigen Patienten kann dies durch genetische Prädisposition dazu führen, dass Autoimmunkrankheiten entstehen.

Zu diesen, sogenannten Streptokokken-Nachkrankheiten der Angina tonsillaris  sind Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis), der Gelenke (rheumatisches Fieber, Polyarthritis), der Nieren (Nephritis, Glomerulonephritis) und des Zentral-Nerven-Systems.  Auch droht eine Entzündung aller Herzstrukturen, einschließlich des Herzbeutels (Pankarditis) sowie Störungen der Motilität mit unkontrollierten Zuckungen (Chorea minor). Deshalb sollte eine Mandelentzündung immer frühzeitig behandelt werden. Auslöser all dieser Erkrankungen sind  ß-hämolysierenden Streptokokken aus der A-Gruppe nach Lancefield.

Da heutzutage aber alle Arten einer Infektion fast immer mit Antibiotika behandelt werden, sieht man diese Komplikationen nicht mehr. Als ungünstig hat sich Penicillin erwiesen, weil es die Zellmembranen der tonsillären Epithelzellen nicht durchdringen kann. Da Streptokokken in die Zellen einwandern können, sind sie der Therapie entzogen.  Antibiotika wie Azithromycin und Erythromycin dringen in diese Zellen der Mandeln ein und sind daher zur Bekämpfung der Streptokokken besser geeignet.

Bei Gelenkentzündungen stelle ich aber immer noch regelmäßig die Frage, ob der Patient in den letzten Wochen eine Halsentzündung, bzw. Mandelentzündung hatte.

Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei einer Mandelentzündung in Frage kommen können.

Die Therapie einer Mandelentzündung “nur” mit Naturheilmitteln gilt als umstritten. Zahlreiche klassische Mediziner halten das für unverantwortlich und sehen keine Alternative zu einer Antibiotika-Therapie.

Ich selbst sage dazu nur so viel, dass es immer auf den einzelnen Fall drauf ankommt. Es kommt auch auf den Therapeuten an, in wie weit er oder sie über Erfahrungswerte bei hoch akuten Erkrankungen mit Naturheilmitteln hat.

Sicher ist auch eine operative Entfernung der Mandeln sinnvoll, zumal sie ab dem dritten Lebensjahr überflüssig geworden sind. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass sich Psoriasis bei vielen Menschen durch die Tonsillektomie günstig beeinflussen lässt

Akupunktur

Als bewährte Punkte gelten: Lu 11, Lu 10, Di 4, Di 11, Dü 17, Ma 36, 3E17 und Ren22 

Wenn dann meist Star of Bethlehem 

im Kieferwinkel oder auch im Nacken

Zur Stärkung des Immunsystems sollte die Darmflora mit einer Darmsanierung optimiert werden.

Wenn der Patient keinen Appetit hat, zwingen sie ihn nicht zum Essen! Meiden Sie Zucker, Weißmehl und Schweinefleisch, aber vor allem alle Milchprodukte! Beachten Sie, dass Obstsäfte wegen des Säuregehalts schmerzhaft sein können. Geben Sie lieber nur Wasser oder Kräutertees (siehe unten). Eventuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten mit Tests identifiziert werden. Die Kost ist bei positiven Ergebnissen entsprechend umzustellen. 

Stündlich 1-2 Stösse Johannisbeer-Knospenmazerat in den Mund sprayen.

Gurgeln mit Salbeitee zum lindern der Beschwerden und Halsschmerzen.

Eine erstaunlich gute Akut-Wirkung im Kindesalter erzielt man mit Umckaloabo Tropfen (ISO-Arzneimittel). Ich sehe dadurch weniger chronische Verläufe, keine Resistenzen und eine sehr gute Verträglichkeit. Das Mittel kann generell bb einem Jahr gegeben werden. Kleinkinder im Alter von 1-5 Jahren: 3 x täglich 10 Tropfen, Kinder im Alter von 6-11 Jahren:  3 x täglich 20 Tropfen, Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren:  3 x täglich 30 Tropfen

Die Einnahme sollte nach Abklingen der Symptome noch 3-4 Tage fortgeführt werden, um Rückfälle zu vermeiden.
Das Mittel löst zähen Schleim, hemmt Bakterienwachstum, verhindert die Festsetzung von Viren an Schleimhautzellen, wirkt immunmodulierend und ist auch durch Studien gut belegt.  

zu Beginn: Aconitum D30

im Verlauf (klopfende, pulsierende Schmerzen, Fieber): Belladonna D30

Kälte und kalte Getränke bessern: Apis mellifica D30

Seitenstranangina: Phyolacca D4 oder
Lachesis D12

beginnende Eiterung: Belladonna D30 und Mercurius solubilis Hahnemanni D6 alle 2 Std. im Wechsel

Ausheilung: Silicea D6

Abszeß: Myristica sebifera D4 stündl. 5 Tropfen

Aus dem Bereich der Mittel der Firma Sanum-Kehlbeck:

- Notakehl D5 (bakteriell)
- Quentakehl D5 (viral)
- Utilin „S“ D6 Tropfen als „Reaktionsmittel“ (vor allem bei chronischen Fällen).

Spenglersan Kolloid G (alle Entzündungserscheinungen und zur Vorbeugung und Behandlung grippaler Infekte; Etwa dreimal die Woche reibt der Patient je zwanzig Tropfen davon ein, im Akutfall bis zu sechsmal täglich zehn bis zwanzig Tropfen. Kolloid G schafft u. a. auch Erleichterung bei: Herpes,  Akne, Zahnfleischentzündung, Bronchitis und Ohrenentzündungen)

Bei einer akuten Mandelentzündung: 1000 mg Vitamin C, alle ein bis zwei Stunden mit 10mg Zink, später dann nur noch drei Mal täglich alle 8 Stunden.

Urtinktur (Frischpflanzentropfen)

Eine Mischung aus folgenden Urtinkturen kann hilfreich sein:
30 ml Sonnenhut (Echinacea), je 20 ml Salbei, Thymian, Pappel und 10 ml Arnika.

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen.

Ich würde eine Mandelentzündung nicht "nur" mit Schüssler Salzen behandeln. Es kommen auch hier übrigens unterschiedlich Mittel in Frage, je nachdem welches Stadium der Erkrankung vorliegt.

Aus dem Bereich der Schüssler Salze sind es in den Anfangsstadien meist Ferrum phosphoricum Nr. 3 und Kalium chloratum Nr. 4 in häufigen Gaben. Beides jeweils in der D6.

Zur Ausheilung und wenn es schon im eitrigen Stadium ist: Silicea Nr. 11

Bei einer chronischen Mandelentzündung sollte man an Störfelder denken. Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Auch Amalgam-Füllungen können problematisch sein. Sie sollten sie durch einen in diesen Sachen erfahrenen Zahnarzt sanieren lassen.

Sonstiges

Kalter Wickel um den Hals, um die Hitze abzuleiten und Schmerzen der Mandelentzündung zu lindern. Eventuell auch Wadenwickel oder Brustwickel. Es kommt da auf die Konstitution und die schwere des Falls an.

Bei einem drohenden Mandelabszess: Eis-Krawatte.

Mit Holunderblütentee und Lindenblütentee das Schwitzen fördern.


Beitragsbild: 123rf.com – Katarzyna Bialasiewicz

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 28.06.2021 aktualisiert.

Bitte teilen Sie diesen Beitrag

Das könnte Sie auch interessieren: