Chronische Erkrankungen und Chronische Krankheiten
Was als chronische Erkrankung gilt ist eine Frage der Definition. Und das sehen Patienten und
Betroffene manchmal ganz anders. Zeit für einen Blick auf die Millionen chronisch Erkrankter - und die werden immer
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von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Krankheiten können gefährlich, unbedenklich, leicht, schlimm usw. sein.
Für einen ordentlichen Schulmediziner sind dies aber kaum ernstzunehmende Kriterien. Hier werden ganz andere
Maßstäbe angesetzt, die ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit folgen. Denn hier spricht man von akuten oder chronischen
Krankheitsverläufen, wobei der interessierte Laie aber immer noch nicht weiß, ob die Krankheit für ihn jetzt
schlimm oder leicht ausfällt.
Aber vielen schwant jetzt an dieser Stelle, dass die chronische Variante doch vielleicht die Form ist, die in
die Kategorie "schlimm, gefährlich, bösartig usw." fällt. Es müssen also Definitionen her.
Definition "chronisch"
Aber das Verständnis von akut und chronisch richtet sich erst einmal nach dem zeitlichen Verlauf einer
Erkrankung. Eine rasch zum Ausbruch kommende Erkrankung mit einer "kurzen" Dauer von maximal 14 Tagen wird der
Schulmediziner als "akut" bezeichnen. Die Übergänge zur Definition von "chronisch" sind dagegen eher als fließend
zu bezeichnen. Man hat sich deshalb darauf geeinigt, dass "chronisch" mit einem langsam sich entwickelnden und lang
andauernden Krankheitsverlauf zusammenhängt.
"Lang andauernd" wird dabei in Deutschland als 4 Wochen und länger definiert. Andere Quellen aus dem
englischsprachigen Bereich gehen dabei von einer Mindestdauer von 3 Monaten aus.
Andere Krankheitsverläufe zeichnen sich durch Anfälle, auch Schübe genannt, aus, die über einen längeren
Zeitraum immer wieder auftreten. Auch diese Form wird als „chronisch“ bezeichnet. Diese Unterschiede in der
Auffassung, was "chronisch" und was nur "akut" ist, zeigen wieder einmal deutlich, wie willkürlich Definitionen oft
sein können. Die wissenschaftliche Attitüde solcher Definitionen verhüllt nur ihren willkürlichen Charakter.
Und da wir gerade so nett beim Definieren sind, es gibt da noch andere Dinge in der Welt der chronischen
Definitionen. "Subchronisch" wird definiert als eine chronische Erkrankung, die sich durch eine schwache
Symptomatik auszeichnet. Dann haben wir noch im Angebot das "chronisch-progredient", dass eine lang anhaltende
Krankheit bezeichnet, deren Symptome sich von schwach zu fulminant entwickeln, bzw. wo die Zahl der Symptome
zunimmt.
Um den Definitionenkatalog abzuschließen, seinen noch die Worte "prolongiert" und "transitorisch" genannt.
"Prolongiert" bezeichnet eine außergewöhnlich lange Krankheitsgeschichte. "Transitorisch" dagegen bezeichnet
vorübergehende gesundheitliche Probleme, die aber selten einen chronischen Charakter haben. Natürlich ist damit der
"echte" schulmedizinische Definitionskatalog noch lange nicht ausgeschöpft.
Aber diese Definitionen bringen nicht sehr viel für das Verständnis von chronischen Erkrankungen, sondern sind
lediglich der Fachjargon des Schulmediziners, was ein gewisses Verständnis für den Sachverhalt voraussetzt.
Schauen wir uns einmal einige der chronischen Krankheiten näher an.
Die Chronischen Krankheiten
Die WHO ist eine Organisation, die sich der Gesundheit der Weltbevölkerung verschrieben hat. Dementsprechend
werden die einzelnen Erkrankungen weltweit beobachtet und beurteilt. Für die WHO zählt die chronische Erkrankung zu
den "NCDs", was „noncommunicable disease“ heißt oder „nichtansteckende Erkrankung“.
Laut WHO starben weltweit im Jahr 2008 57 Millionen Menschen, davon 63 Prozent an NCDs, die sich hauptsächlich
aus Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und chronischen Atemwegserkrankungen zusammensetzten.
Die WHO vermeldet auch einen „dramatischen Anstieg“ gerade dieser Erkrankungen, der besonders ausgeprägt ist in
Regionen dieser Welt, die ein mittelmäßiges bis niedriges Einkommen aufweisen (http://whqlibdoc.who.int/publications/2011/9789240686458_eng.pdf).
Das ist insofern überraschend, da man diese Erkrankungen oft als „Zivilisationskrankheiten“ bezeichnet. Und
Zivilisationskrankheiten kommen halt gehäuft in der Zivilisation und nicht in „3. Weltländern“ vor.
Aber die Statistik der WHO belegt, dass die überwiegende Zahl der Todesopfer aufgrund von chronischen
Krankheiten zu 80 Prozent in den armen und mittel-armen Ländern dieser Erde auftreten. Afrika nimmt in diesem
Zahlenspiel eine Ausnahmestellung ein. Aber auch hier wird von der WHO bescheinigt, dass die ersten alarmierenden
Anzeichen für einen dramatischen Anstieg chronischer Erkrankungen zu sehen sind. Soll wird erwartet, dass im Jahr
2030 in Afrika die chronischen Krankheiten die Zahl der ansteckenden Erkrankungen, ernährungsbedingten Erkrankungen
und Kindersterblichkeit überholt haben wird.
Aber Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen sind nicht die einzigen chronischen
Erkrankungen, wenn auch die häufigsten und wichtigsten. Andere chronische Krankheiten sind z.B.: Akne, Allergien, Arthritis,
Autoimmunerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Lupus erythematodes, Morbus Crohn usw., Blindheit, chronisches Fatigue-Syndrom, chronische
Graft-versus-Host-Reaktion, chronische Hepatitis, Taubheit und Hörprobleme, Epilepsie, Osteoporose, Sichelzellanämie und Störungen im
Hämoglobinhaushalt etc. Alle genetisch bedingten Erkrankungen gehören laut oben erklärter Definition in die
Kategorie der „chronischen Erkrankung“, denn sie bestehen seit der Geburt des Betroffenen und enden mit seinem
Tod.
Damit ist auch schon ausgesagt, dass es für viele chronische Erkrankungen keine Heilung gibt. Dies soll aber
keine Entschuldigung für die Schulmedizin sein, dass diese im Prinzip diesen Erkrankungen gegenüber ohnmächtig
wäre.
Aber Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck
sind bisher nicht zufriedenstellend in den Griff zu bekommen. Die Ursachen für den Hochdruck und seine
Entstehung liegen in Bereichen, die bei der Behandlung durch die Schulmedizin leider zu wenig
betrachtet werden. Und was für den Hochdruck gilt, gilt auch für fast alle anderen chronischen Krankheiten,
mit Ausnahme der genetischen Erkrankungen.
Wenn ich mich weigere, die Ursachen für das Ungemach zu beseitigen, dann kann ich auch keine Heilung erwarten.
Ich kann dann nur versuchen, die Symptome so gut nur eben möglich kurz zu halten.
Kommen wir einmal zu einzelnen ausgewählten Erkrankungsbildern.
Chronisch 1 – Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Laut WHO fordert der Bluthochdruck jährlich weltweit 7,5 Millionen Todesopfer,
was ungefähr 12,8 Prozent der jährlichen weltweiten Gesamtsterblichkeit entspricht. Da aber ein Bluthochdruck an
sich kein Problem darstellt und zudem auch nicht weh tut, gibt es eine große Grauzone an Betroffenen, die
möglicherweise noch nichts von ihrem „Unglück“ wissen.
Denn: Der Hochdruck schädigt das Gefäßsystem im gesamten Körper. Davon sind besonders betroffen die
Herzkranzgefäße, das Gehirn, die Nieren und die Blutbahnen, speziell die Arterien. Ein unbehandelter Hochdruck ist
damit nicht selten die Ursache für Folgeschäden, wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankungen, Niereninsuffizienz,
Augenleiden usw. Und das Risiko, an einer dieser Erkrankungen zu erkranken, steigt um
das Doppelte wenn sich der Blutdruck um 20/10 mmHg erhöht.
2008 hatten 40 Prozent der Weltbevölkerung über 25 Jahre einen erhöhten Blutdruck. Laut WHO fiel die Prozentzahl
der Erkrankten von 1980 bis 2008 leicht, aber aufgrund des Bevölkerungszuwachses und Alterung stiegen die
Gesamtzahlen von 600 Millionen in 1980 auf 1 Milliarde in 2008. In Europa liegt die Zahl der Betroffenen bei 40
Prozent für beide Geschlechter kombiniert.
Auch wenn uns die Statisten (äh Verzeihung...) die Statistiker glauben machen wollen, dass das Problem mit dem
Bluthochdruck im Allgemeinen und den Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Speziellen kurz vor der Lösung zu stehen
scheint (da ja die Prozentzahlen eindeutig eine Abnahme verkünden), dann verkünden die eben erwähnten gestiegenen
Gesamtzahlen eine andere Mär.
Die ist auch als möglicher Grund dafür anzusehen, dass z.B. die Zahl der Schlaganfälle in den USA zwischen 1995 und 2008 von 15- bis 44-Jährigen um 37
Prozent angestiegen ist. Die Ursache für einen Schlaganfall muss nicht unbedingt und ausschließlich in einem
Hochdruck liegen. Aber laut Analysen litt jeder dritte 15- bis 34-Jährige, der einen Schlaganfall erlitt, auch an Hochdruck. Bei den etwas Älteren (35- bis 44-Jährige) war es
schon jeder Zweite, der einen Hochdruck aufwies.
Eine weitere chronische Erkrankung, die einen Schlaganfall begünstigt, ist der Diabetes. Jeder Vierte der bis zu
44-Jährigen mit Schlaganfall war auch Zuckerkrank. Damit zeichnet sich nicht nur ein Trend nach „mehr“, sondern auch ein
qualitativer Trend in Richtung „mehr und jünger“ ab. Es ist anzunehmen, dass das mit dem konstanten Auftreten
von Bluthochdruck alleine nicht erklärt werden kann. Andere Risikofaktoren und Begleiterkrankungen werden bei
der Pathogenese (Krankheitsentwicklung) eine bedeutende Rolle spielen müssen, wie z.B. Diabetes.
Chronisch 2 – Diabetes
Eine aus den Bahnen geworfene Glukosetoleranz und entgleiste Blutzuckerwerte sind laut WHO die entscheidenden Risikofaktoren für die Entwicklung von
Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bestimmte Altersgruppen haben als
Diabetiker ein doppelt so hohes Schlaganfallrisiko. Und Diabetes ist vor allem
die wichtigste Ursache für die Entstehung von Nierenversagen.
Andere Diabetes-assoziierte Probleme sind Gefäßerkrankungen, die möglicherweise in einer Amputation von Gliedmaßen enden.
Unterschenkelamputationen sind 10 mal so häufig bei Diabetiker als bei Gesunden. Aber nicht nur die Extremitäten
werden vom Diabetes ungünstig beeinflusst. Gleiches erfolgt auch mit den Augen. Auch hier ist Diabetes einer der
wichtigsten Gründe für die Entstehung von Sehstörungen und Erblindung. Auch hier haben Gesunde ein dreifach
reduziertes Risiko für diese gesundheitlichen Probleme. Die WHO
vermutet, dass ca. 15 Prozent der Krankenkassenleistungen nur für Diabetes und deren Folgeschäden ausgegeben
werden.
Weltweit, so schätzt die WHO, gibt es etwa 10 Prozent aller Erwachsenen, die älter sind als 25 und an Diabetes
leiden. Spitzenreiter sind unter anderem die Amerikaner mit 11 Prozent, während Europa als „Schlusslicht“ fungiert
mit immerhin noch 9 Prozent. Das hört sich im Vergleich zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hochdruck noch
relativ moderat an. Aber die WHO warnt, dass die Folgeschäden von Diabetes, entgleistem Nüchternblutzuckerwert und
anderen Abnormalitäten der Glukoseintoleranz weitaus höher liegen als die 9 bis 11 Prozent bzw. 10 Prozent
weltweit.
Chronisch 3 – Chronische Schmerzen
Kommen wir zu einer chronischen Krankheit, die ich so gar nicht in den Statistiken finde, dafür aber täglich in
meiner Praxis. Eine der "beliebtesten" Schmerzformen ist der Rückenschmerz. Denn inzwischen leiden rund zwei Drittel der Deutschen an ihnen. Und
alleine Aussagen von chronischen Schmerzpatienten wie "Ich gebe mir bald die Kugel" oder "So will ich nicht
weiterleben" - verdeutlichen die Dramatik dieses Schmerzproblems. Klar: an den Schmerzen selbst stirbt man nicht.
Aber für viele Patienten wird das Leben unerträglich.
Und nicht nur mir kommt es so vor, also würde das mit den Schmerzen immer weiter zunehmen: Wenn man sich die
Statistik anschaut, dann wird man feststellen, dass vor etwa 10 Jahren "nur" ein Drittel der Deutsche
Rückenschmerzen hatte. Eine chronische Form der Rückenschmerzen verdoppelte sich
ebenfalls seit 1998 von 17 auf über 30 Prozent. Damit sind noch nicht ganz, aber bald die Werte für den Bluthochdruck erreicht.
Rückenschmerzen sind nicht nur äußerst unangenehm, sondern oft auch hartnäckig beständig gegen die verschiedenen
Formen der Behandlung. Immerhin versagen die Behandlungen zu mehr als 80 Prozent, so dass der Patient schon nach
einer Woche wieder beim Arzt vorstellig wird. Das ändert auch nichts an der Tatsache, dass diese Rückenschmerzen
oft nur "gelegentlich" auftreten, denn laut Statistik gehören 70 Prozent der Bevölkerung zu denen, die nicht
chronisch von Rückenschmerzen betroffen sind. Die signifikante Zunahme an Rückenschmerzen wird in Zusammenhang
gebracht mit einer Vermehrung von sitzenden Tätigkeiten, wie Computerarbeit.
Auch hier sagt uns die Statistik, dass vor 10 Jahren schon 40 Prozent der Betroffenen Schmerzen hatten aufgrund eine schlechten Körperhaltung. Heute sollen es über 60 Prozent sein.
Ob das wirklich der Weisheit letzter statistischer Schluss ist, bleibt zu fragen.
Ich erinnere mich, dass früher (in den 70er und 80er Jahren) die Leute zum Arzt gingen, weil ihre
Rückenschmerzen vom schweren Heben kamen. Wenn es also stimmt, dass sitzende Arbeit und Arbeit in Bewegung
signifikante Zahlen an Rückenpatienten schafft, dann kommt es nicht auf das Sitzen oder das Stehen oder Heben an,
sondern auf die Natur der Arbeit. Oder: Arbeiten ist an sich ungesund bzw. risikoreich in Sachen Gesundheit.
Statistisch käme allerdings alles wieder ins Lot, wenn die Kugelschreiber und Bleistifte der Büroangestellten 50
Kilogramm wögen. Denn dann müssten sie schwere Sachen heben, die "ins Kreuz schießen".
Auch der Hinweis des Leiters des Rückenzentrums in Berlin, Dr. Marnitz: "Massagen, so wohltuend sie für den
Moment auch sein mögen, bringen bei chronischen Rückenschmerzen gar nichts",
lässt Raum für die Vermutung, dass die wahren Ursachen für die Probleme nicht in schwerer oder sitzender Arbeit zu
suchen sind. Hier werden Gründe herbeigezaubert, um nicht die Statistik umsonst aufgestellt zu haben.
Auch die rapide Zunahme der Rückenprobleme ist ein Hinweis auf die falsche Schuldzuweisung an die verschiedenen
Formen von Arbeit. Ich will nicht behaupten, dass die Arbeitsbedingungen vollkommen schuldlos am Entstehen von Rückenproblemen sind. Aber ich bezweifele, dass sie die alleinige Ursache
darstellen.
Warum? Wenn es nur die Arbeit ist, die den Rücken strapaziert, dann dürften alle Arbeitslosen hoffnungslos
glücklich sein. Und auch die Kinder, denn Kinderarbeit gibt es nicht in Deutschland. Aber ausgerechnet bei dieser
Bevölkerungsgruppe sehen wir immer mehr Probleme mit den Rückenschmerzen: Laut Krankenkasse lassen 65 Prozent der Ärzte verlauten, dass die Zahl der Kinder mit Rückenproblemen in den letzten 10 Jahren um 17 Prozent gestiegen sei. Über die Hälfte
dieser Kinder hat ein Alter zwischen 11 und 14 Jahren.
Gründe für diese Beobachtung können nun schlecht zu schwere Kugelschreiber in der Schule sein oder permanentes
Sitzen vor Computern, obwohl letzteres einen gewissen Beitrag leisten mag. Laut Krankenkasse spielen hier noch
Übergewicht und Bewegungsmangel (also doch zu lange vor dem Computer gehockt) eine wichtige Rolle.
Die Probleme treten bei den Kindern dann auch deutlich schneller auf als vergleichsweise bei Erwachsenen. Im
Alter zwischen 6 und 8 Jahren gibt es die ersten gesundheitlichen Einschränkung aufgrund von Übergewicht. Motorische Veränderungen treten schon im Alter zwischen 3 und 5 Jahren auf.
Dazu kommt dann noch eine Ernährung mit Fertiggerichten, ohne nennenswerte Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe etc. und schon ist die Basis für die Entwicklung von
Langzeitschäden gelegt.
Chronisch 4 – Krebs
Wenn wir der Marketingabteilung der Pharmaindustrie Glauben schenken dürfen, dann würden spätestens nächstes Wochenende alle
Krebsformen ausgerottet sein.
Denn die Pharmaindustrie feiert einen medizinischen Durchbruch nach dem anderen, wenn es um die medikamentöse
Therapie von Krebs geht. Aber diese Marktschreierei scheint das auch die notwendige Begleitmusik für ein für
die Pharmaindustrie interessantes Phänomen zu sein: Die deutliche Zunahme an Krebserkrankungen in Europa. Hier warten potentielle Kunden auf teure Behandlungen, die Profite
verheißen. Das nur am Rande.
Laut Statistik der Internationalen Krebsforschungsagentur liegt die Zahl der jährlichen
Krebs-Neuerkrankungen in Europa im Jahr 2004 bei ca. 2,9 Millionen und 1,7 Millionen Krebstoten. Wer hat
Schuld laut Agentur? Das Alter bzw. der größer werdende Prozentsatz alter Menschen.
Auch die WHO sagt voraus, dass Krebs die Morbidität und Mortalität in den nächsten Jahrzehnten weltweit deutlich
erhöhen wird. Und auch die WHO sieht das Älterwerden der Menschen als den größten Übeltäter an. Von daher sieht die
Organisation einen Anstieg der Neuerkrankungen von 12,7 Millionen in 2008 auf 21,4 Millionen in 2030.
Brustkrebs und Prostatakrebs sind die häufigsten Krebsarten, gefolgt von Lungenkrebs und Dickdarmkrebs. Die Häufigkeit dieser und anderer Krebsarten, wie
Gebärmutterhalskrebs, Leberkrebs, Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs, variieren hier auch wieder zu Ungunsten der
Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen.
Damit scheint auch Krebs keine „Zivilisationserkrankung“ zu sein, sondern ein Problem der Armut (und weniger des
Alterns). Andere Erklärungen für das Auftreten bestimmter Krebsformen sind Infektionen.
So vermutet man das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs als Folge einer Infektion mit dem humanen Papillomvirus - und hat dafür
auch eine (umstrittene) Gebärmutterhalskrebsimpfung
parat. Aber auch hier tappt die Schulmedizin im Dunkel der selbst gebastelten Vermutungen. Denn eine Infektion bedeutet nicht, dass die Infizierte übermorgen an Krebs erkrankt. Es dauert
seltsamerweise oft mehrere Jahrzehnte, bis dass eine Erkrankung "ausbricht". Ob die dann immer auf eine
Infektion vor langer Zeit zurückgeführt werden kann, ist mehr als fraglich. So sollen die HPV (humanen
Papillomviren) für 5 Prozent aller weltweit vorkommenden Krebsformen verantwortlich sein. Hepatitis-B-Viren und Hepatitis-C-Viren sind für bis zu 85
Prozent aller Formen von Leberkrebs verantwortlich. Und der Helicobacter pylori
ist der Verantwortliche für 80 Prozent der Magenkrebse.
Chronisch 5 – psychische Erkrankungen
„Die Welt wird immer verrückter“, verlautete schon damals mein Großvater. Und vielleicht hatte er sogar recht?
Denn immer mehr Menschen entwickeln psychische Störungen, die sie ins Krankenhaus bringen.
Zunahme dieser Entwicklung: Fast 130 Prozent in den letzten 20 Jahren. Laut Statistik der Krankenkassen gab es
1990 0,37 Prozent betroffene Versicherte. 2010 waren es dann schon 0,85 Prozent.
Depressionen scheinen hier der absolute Spitzenreiter zu sein, denn die stiegen
seit dem Jahr 2000 um 117 Prozent. Und Patienten mit psychischen Problemen werden häufig „rückfällig“. Etwa 30
Prozent der Patienten kommen innerhalb von 2 Jahren nach Entlassung aus dem Krankenhaus wieder mit den gleichen
Problemen zurück. Bei fast 40 Prozent liegt eine weitere oder andere psychische Erkrankung vor. Fast die Hälfte der
behandelten Patienten kommt schon nach 3 Monaten wieder zurück und knapp ein Drittel steht im Folgemonat wieder auf
der Matte.
Der Grund für diese katastrophalen Misserfolge in der Behandlung wird in der mangelnden Zeit des behandelnden
Arztes für seine Patienten gesucht. Argument: Wenn der Arzt wenig Zeit hat, dann kommt der Patient dafür umso
öfter. Wenn das so richtig sein sollte, dann versucht der Arzt nur das zu machen, was jeder Geschäftsmann auch
macht: Umsatz. Je mehr Patienten er durchschleust, desto mehr kann er bei den Kassen abrechnen. Und der Einsatz von
bequemen Therapiehilfen, wie Antidepressiva, garantiert den sicheren und leicht verdienten Erfolg der Behandlung. Aber
sind psychische Erkrankungen wirklich mit ein paar Pillchen zu therapieren?
Eine andere Ursache für schlechte Prognose von stationär behandelten Patienten ist im Sparprogramm der
Krankenhäuser begründet. Diese müssen aus Kostengründen die Liegezeiten verkürzen. 1990 betrug die Verweildauer
mehr als 2 Wochen. 2010 war sie auf 8,3 Tage gesunken. Der Schuss ging dann sofort nach hinten los, denn das
baldige Wiedersehen mit den Patienten steigerte die damit verbundenen Behandlungstage deutlich um 17 Prozent. Die
Zunahme der Depressionen und Schizophrenien dagegen stellt für die Pharmaindustrie
einen Markt mit Wachstumspotential dar. Nicht umsonst wird an der Entwicklung von neuen und neuartigen
Antidepressiva gearbeitet.

Chronisch 6 – Medikamentöse Nebenwirkungen
Chronisch krank durch Medikamente? Wenn man versucht, in der WHO-Statistik, wie oben angegeben, nach tödlichen
Nebenwirkungen zu fahnden, dann geht man mit leeren Händen nach Hause. Denn die aufgeführten Statistiken sind
Todesfälle aufgrund von Erkrankungen.
Aber Todesfälle durch Medikamente, falsche Diagnosen mit anschließend falscher Behandlung und nosokomiale
Infektionen gelten nun mal nicht als Krankheiten, wobei es für die Betroffenen auf das Gleiche hinausläuft: Man ist
nicht weniger oder mehr tot aufgrund von tödlichen Erkrankungen oder Behandlungsfehlern. Ein bisschen tot gibt es
nicht.
Prof. Frölich von der Universität Hannover verweist auf 58.000 Tote jährlich in Deutschland nur durch
Medikamenten-Nebenwirkungen. Und er sieht diese Zahl nur als die Spitze des Eisberges an. Dazu kommen noch ca.
30.000 Tote durch nosokomiale Infektionen in den
Krankenhäusern, so dass wir jährlich schon auf 88.000 Tote kommen, die die ärztliche Heilkunst uns beschert. Dass
diese enormen Zahlen nicht sofort aufstoßen, liegt daran, dass entweder die wahre Todesursache nicht als solche
erkannt wird oder aber bewusst „umetikettiert“ wird.
Da wird aus einer missachteten Kontraindikation, wie z.B. eine dekompensierte Herzschwäche, die dennoch unbedachterweise mit einem Betablocker behandelt wurde, um Tachykardien z.B. zu
vermeiden, ein Todesfall aufgrund von Herzversagen. Der wahre Grund aber lag in der falschen Medikation durch die
Gabe des Betablockers.
Nicht selten kommt es auch vor, dass Virusinfektionen mit Antibiotika behandelt werden - gerne mit der Begründung, dass man eine Superinfektion vermeiden
wolle. Kann man machen, halte ich aber generell für fragwürdig.
Um wie viel mehr Verständnis ist gefordert, wenn es um wesentlich komplexere Erkrankungen geht? Und da die
Ausbildung der meisten Ärzte in Biochemie (und auch meine) fast gegen Null geht und es für die Pharmakologie nur
wenig besser aussieht, ist es nicht verwunderlich, dass eine solch hohe Zahl an Problemen mit und ohne tödlichen
Ausgang in der medikamentösen Therapie zustande kommt. So muss ich auch bei einigen Patienten erst einmal wegen
deren Medikamente Rücksprache mit einem mir bekannten Pharmakologen oder Apotheker halten.
Besonders kritisch wird es, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig gegeben werden. Denn hier gibt es nicht
nur Nebenwirkungen, auf die man zu achten hat, und natürlich die einschlägigen Kontraindikationen. Hier treten auch
noch oft unübersehbare Wechselwirkungen zwischen den eingesetzten Arzneien auf, die teilweise üble Folgen haben
können.
Dies kann sein, dass Medikament A die Wirkung von B herabsetzt, so dass es zu einem therapeutischen Ausfall
kommt. Ober aber A verstärkt B so stark, dass es zu überproportional starken Nebenwirkungen kommt, die für ein
Medikament, wie Digitalis z.B. mit lebensbedrohlichen Zuständen verbunden sind. Nicht selten können zwei
Medikamente für sich allein relativ gut verträglich sein, aber in der Kombination leber- oder nierentoxisch
werden.
So scheint es nur logisch, wenn Prof. Frölich argumentiert, dass 10 Prozent der Krankenhausliegezeit auf diese
Nebenwirkungen zurückzuführen sind. Bei den älteren Patienten sind es sogar 15 Prozent der
Krankenhausaufnahmen, die durch medikamentöse Nebenwirkungen verursacht werden. Die Schlussfolgerung des Professors
aus Hannover lautet: Medikamentöse Nebenwirkungen ist die häufigste Krankheit, die es überhaupt gibt.
Fazit
Es gibt noch eine lange Liste an chronischen Erkrankungen, wie Eingangs schon angeführt. Es würde hier zu weit
führen, alle diese Erkrankungen unter die Lupe zu nehmen.
Man kann mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich das Bild der hier diskutierten chronischen
Leiden auch bei den meisten hier nicht besprochenen Leiden wiederfinden lässt.
Anhand der chronischen Erkrankungen zeigt die Schulmedizin ihr wahres Gesicht. Sie ist entweder nicht willens
oder unfähig, diese in den Griff zu bekommen. Um nicht als vollkommen unfähig dazustehen, werden Statistiken
über Todesfälle durch Medikamente versteckt oder verschönt.
Kein Wunder, dass einige Vertreter Schulmedizin und der Pharmaindustrie einen vehementen
Kampf gegen alternative Konzepte führen, da sie wissen, dass diese oft wirksamer sind als sie selbst.
Und wenn man den Kampf nicht mit Mitteln des fairen Wettbewerbs gewinnen kann, was man ja immer als so
erstrebenswert hochhält, dann werden Machtmittel zur Hilfe genommen und Verbote erlassen. Je mehr Verbote erlassen
werden, umso deutlicher wird, dass die alternativen Konzepte die Besseren sind.
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 13.10.2011 aktualisiert.

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