Manuelle Lymphdrainage
Das Lymphsystem
von: Hermann Kaufmann, Naturarzt
Wohl niemandem muss man heute erklären, was der Blutkreislauf im
menschlichen Körper darstellt. Auch vom Nervensystem hat man noch schwach eine Ahnung. Kaum jemand hat jedoch eine komplexe Vorstellung vom
Lymphsystem; erst wenn es nicht mehr reibungslos funktioniert, wird man darauf aufmerksam gemacht.
Ich will versuchen, Ihnen auf einfache Weise das Prinzip des Lymphsystems
näher zu bringen. Um Hormone, Nährstoffe und Medikamente zu den Zellen zu bringen, verlässt das Blut die feinsten Äderchen (Kapillaren),
durchströmt die Zellen und die Zell-Zwischenräume (Interstitium) und wird von den postkapillaren Venolen, den kleinsten Äderchen des
Venensystems wieder aufgenommen. Auf diesem Weg hat das Blut jedoch die Nährstoffe abgegeben und ist nun beladen mit
Stoffwechselrückständen, Schlacken, wie der Volksmund sagt.
Es gibt im Organismus jedoch noch mehr Abfallstoffe als bloß diese
Stoffwechselprodukte. Es sind dies Zelltrümmer, abgestorbene Zellen, Plasmaproteine, besiegte Bakterien und Viren, langkettige Fettsäuren,
Fremdstoffe und natürlich Wasser. Dies alles bildet zusammen die sogenannte "lymphpflichtige Last". Von all dem Blut, das unser Herz im
Laufe eines Tages, bei ruhendem Organismus immerhin gut 5 Liter pro Minute, durch den Körper pumpt, werden nur etwa 80% über das
Venensystem zum Herzen zurückgeführt, der Rest übernimmt das lymphatische System.
Auf dem Weg durch die insgesamt etwa 600 (!) Lymphknoten (früher nannte
man sie fälschlicherweise Lymphdrüsen), der cisterna chyli (ein Sammelgefäß etwa auf der Höhe des 12. Brustwirbels), den ductus
toracicus, (zu vergleichen etwa mit einer Ader) zum oberen linken Venenwinkel unmittelbar vor dem Herzen, wird ständig Flüssigkeit an das
Blut abgegeben, sodass der Durchfluss an gereinigter Lymphe hier noch etwa zwei Liter pro Tag beträgt.

Abb: Oberflächliche Lymphsammelknoten und Richtung des Lymphflusses
Was bewirkt die Manuelle Lymphdrainage (MLD)
Die MLD ist
die behutsamste Massage überhaupt, man kann sie eher als "einen Reiz setzen" bezeichnen, denn als Massage. Durch sanftes Verschieben der Haut
werden die initialen Lymphgefässe angeregt, vermehrt lymphpflichtige Last (Wasser etc.) aufzunehmen.
Durch das
Verschieben der Haut in Abflußrichtung wird der Lymphfluß angeregt, vergleichbar dem Anregen der Blutzirkulation bei einer klassischen Massage.
Infolge des angeregten Kreislaufs wird also mehr Lymphflüssigkeit abtransportiert, was auch einen rascheren Rückgang der Schwellung nach einer
Verstauchung, einer Prellung oder einer Operation zur Folge hat.
Viele
Chirurgen verordnen aus diesem Grund MLD kurz nach der Operation. Durch den Abfluß der lymphpflichtigen Last sinkt der Gewebedruck, was auch
schmerzlindernd wirkt, und das Gebiet kann wieder besser durchblutet werden. Durchblutetes Gewebe erhält mehr Nähr- und Aufbaustoffe und heilt
deshalb schneller ab. Durch die MLD können aber auch neue Abflußwege (Lymphbahnen) geschaffen werden, z.B. nach einer Brustamputation, bei der
üblicherweise auch die Lymphknoten der betreffenden Achselhöhle entfernt werden.
Bei einer
akuten Entzündung, die durch toxische Substanzen, Bakterien oder Viren verursacht wurde, darf keine MLD
durchgeführt werden. Es bestünde die Gefahr, daß diese Toxine sozusagen durch die Lymphknoten durch geschoben würden, bevor sie durch das
Immunsystem unschädlich gemacht werden konnten.
Es muß also
immer zuerst die Ursache einer Entzündung abgeklärt werden. Ist die Ursache eine Reizung, z.B. Tennisarm, Sehnenscheidenentzündung oder eine chronische Entzündung, bei der die meisten verursachenden Stoffe abgebaut
sind, dann ist die MLD die Therapie der Wahl. Die weitverbreitete Cellulite (Panniculose) und die nicht minder häßliche Reiterhose (Lipödem)
werden ebenfalls mit der MLD mit viel Erfolg therapiert. Abschließend kann gesagt werden: Wo immer Wasser (Ödeme),
Blutergüsse (Hämatome) oder Stoffwechselrückstände (Zellulitis etc.) im Gewebe liegen, ist eine Therapie mittels
Manueller Lymphdrainage angezeigt.
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