Neurodermitis: Das Atopische Ekzem

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Neurodermitis (in der Schulmedizin eher als atopisches Ekzem bekannt), ist eine Hauterkrankung mit einem sehr typischen Erscheinungsbild. Die Neurodermitis tritt häufig erstmals innerhalb der ersten fünf Lebensjahre auf und zeigt sich vor allem durch trockene Haut mit Juckreiz. Neurodermitis ist nicht ansteckend.

Typische Körperstellen, an denen sich bei Kindern die Rötungen, Schuppen und Krusten (teilweise nässend) bilden, sind das Gesicht, der Hals und die Außenseiten der Extremitäten (vor allem Ellenbogen, Kniekehlen, Hand- und Fußgelenke).

Bei Jugendlichen und Erwachsenen tritt das typische Ekzem vor allem an Gesicht, Hals, den Beugeseiten der Extremitäten und dem Hand- und Fußrücken auf.

Als Komplikationen können Hautinfektionen der vorgeschädigten Haut auftreten.

In der Schulmedizin gelten als Ursachen einer Neurodermitis die genetische Veranlagung und die Reaktion auf unterschiedliche Faktoren (z.B. Nahrungsmittel, Infektionen und psychische Einflüsse).

Ungefähr 15-20% der Kinder in Deutschland leiden an Neurodermitis, ein Drittel von ihnen erkrankt zusätzlich an einem allergischen Asthma (siehe auch Atembeschwerden) oder einer allergischen Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen).

Verlauf

Der Verlauf der Neurodermitis ist chronisch-phasenhaft. Man nahm bisher an, dass sich bei 80% der Kinder die Erkrankung bis zur Pubertät zurückbildet. Doch nach einer Studie aus dem Jahr 2014 hat sich diese These nicht bestätigt (JAMA Dermatol., 2014; doi: 10.1001/jamadermatol.2013.10271):

Wissenschaftler von der University of Pennsylvania Perelman School of Medicine in Philadelphia untersuchten mehr als 7.000 Krankheitsverläufe von Kindern ab zwei Jahren bis ins Erwachsenenalter von 26 Jahren. Alle Teilnehmer an der Studie litten an Neurodermitis und Ekzemen.

Ein Teil der Probanden erhielt keine Arzneien gegen die krankhaften Hauterscheinungen, bei einem anderen Teil wurden die Ekzeme mit Medikamenten behandelt. Von allen untersuchten Fällen hatte nur die Hälfte der Patienten bis zum 20. Lebensjahr einen Zeitraum von sechs Monaten erlebt, in dem sie keine Hautsymptome auswiesen und beschwerdefrei waren.

Die auch als atopische Dermatitis bezeichnete Neurodermitis muss als eine Erkrankung angesehen werden, die den Patienten (mehr oder weniger) ein Leben lang begleiten kann. So jedenfalls lautet das düstere Resümee, welches die Forscher aus ihren Erkenntnissen zogen. Wer bereits als Kind neurodermitische Hautprobleme hat, den wird die Erkrankung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehntes oder sogar lebenslang begleiten. Das muss meiner Erfahrung nach aber gar nicht sein!

Bevor wir zu den Alternativen und der Naturheilkunde kommen, schauen wir uns erst einmal an, was die "Schule" so im Programm hat.

Schulmedizinische Therapie

Leider wird aufgrund des großen Leidensdrucks in der Regel mit "harten" Arzneimitteln behandelt. Standard-Medikamente sind Salben mit den Wirkstoffen Kortison. Das Antiphlogistikum Bufexamac musste 2010 vom Markt genommen werden, weil es Kontaktekzeme hervorrief. Doch auch Kortison hat eine breite Palette von Nebenwirkungen, ohne dabei letztendlich eine Heilung der Hauterkrankung bewirken zu können.

Die Sterioidsalben sind im langfristigen Einsatz überaus riskant, denn sie schwächen das Hautgewebe und erhöhen die Gefahr von Pilzinfektionen. 

Calcineurininhibitoren

Von den Calcineurininhibitoren (Cyclosporin, Pimecrolimus [ELIDEL] und Tacrolimus [PROTOPIC]), die ebenfalls ab und zu eingesetzt werden, halte ich wenig und rate zur Vorsicht: "Seit 2006 rät die europäische Arzneimittelbehörde EMA zu größerer Vorsicht bei der Anwendung der Neurodermitis-Externa Pimecrolimus (ELIDEL) und Tacrolimus (PROTOPIC), da ein Zusammenhang mit den darunter beobachteten Krebserkrankungen nicht auszuschließen ist.

Pimecrolimus ist seitdem nur noch als Mittel der zweiten Wahl bei Unverträglichkeit oder mangelnder Wirksamkeit von Kortikosteroid-Externa zugelassen sowie bei atopischer Dermatitis im Gesicht, wo eine längere Behandlung mit Kortikosteroiden nicht ratsam ist." (vgl.:www.arznei-telegramm.de)

Bufemax

Bis 2010 waren Salben mit dem Wirkstoff Bufemax als Alternative zu Cortison beliebt, vor allem weil diese auch rezeptfrei erhältlich waren. Die Wirkung von Bufemax galt (meines Wissens nach) auch als nicht gesichert. Bufemax hatte nicht unerhebliche Riskiken für allergene Reaktionen. Laut einem Bericht aus Ökotest (Oktober 2010) schätzte der damalige Leiter des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK), dass zischen 30.000 und 50.000 Patienten pro Jahr ein Ekzem wegen Bufemax ausbilden. Ich erwähne es mehr aus "historischen" Gründen, weil in der Medizin so manches gerne unter den Teppich gekehrt wird...

Weitere Massnahmen der Schulmedizin

Neben Medikamenten werden den Patienten auch UV-Bestrahlung verordnet, sowie eine Supplementierung mit Vitamin D und E.

Antihistaminika blockieren die Wirkung des Entzündungs-Mediators Histamin.

Zur Grundpflege der Haut wird gerne eine harnstoffhaltige Lotion (Urea) verordnet, weil Neurodermitiker einen Mangel an dem natürlichen Feuchthaltemittel aufweisen.

Eine Behandlung mit Zinksalben und Dexpanthenol veranlassen Dermatologen ebenfalls ganz gerne.

Auch Heparin wird manchmal noch zur Therapie eingesetzt; eine Wirkung ist auch für Heparin (meines Wissens) nicht belegt.

Geduld

Obwohl eine naturheilkundliche Therapie nicht ganz einfach ist und Erfahrung seitens der Therapeuten erfordert, ist vor allem eines noch wichtiger: die Geduld.

Vor allem die Geduld der Eltern, wenn die Patienten noch klein sind. Das ganze wird noch "strapziöser" wenn bereits mit Cortison behandelt wird und auf eine alternative Therapie umgestellt werden soll, denn das kindliche Immunsystem und die gesamte Reaktionslage wird sich ändern.

Empfehlenswert sind bei Neurodermitis verschieden Pflanzenöle aus Johanniskraut, Nachtkerze, Schwarzkümmel und Borretsch.

Wichtig ist auch die Identifizierung der Trigger, die einen anfallsartigen Schub auslösen. Hier können bestimmte Textilien, Lebensmittel und Naturstoffe eine Rolle spielen.

Aber dazu gleich mehr - weiter unten in der Tabelle...

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Sprache der Symptome

Generell sehen wir in der Naturheilkunde die Haut als zusätzliches Entgiftungsventil, vor allem wenn die anderen Entgiftungsorgane überlastet sind.

Die Haut gilt in der Naturheilkunde aber auch als Projektionsfläche unserer seelischen Vorgänge. Vor Scham oder Wut werden wir rot, der Schreck lässt uns erblassen. Beim Neurodermitiker ist es meist umgekehrt. Diese Reaktion zeigt uns, dass dieses Problem eventuell auch auf der seelischen Ebene angegangen werden sollte. Die Haut gleicht manchmal einem Schlachtfeld. Neurodermitis ist insofern vererbbar, als die Kinder sowieso die Probleme (körperliche wie seelische) der Eltern ausleben.

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Mögliche Ursachen

Allergien wie bestimmte Nahrungsmittel, Tierhaare, Amalgam, Chlor, Leitungswasser, Schimmelpilze, Kuhmilch. Ausscheidung der Stoffwechselendprodukte ist nur noch über die Haut möglich. Fehlbesiedlung der Darmflora: Wer Hautprobleme hat, hat auch meist auch Darmprobleme. Als eine wichtige Maßnahme wäre die Sanierung der Darmflora anzusehen.

Symptome

Juckreiz und Rötung der Haut, Schuppenbildung (auch nässende), Krusten an Ellenbeugen, Kniekehlen, Wangen, Stirn, Händen und Füssen. Magenbeschwerden, Anschwellen der Lymphknoten.

Naturheilkunde und Alternative Medizin

Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei einer Neurodermitis in Frage kommen können.

Aromatherapie Orale Einnahmen von Aroma-Essenzen sollten von erfahrenen Therapeuten begleitet werden. In Frage kommen Majoran, Rosmarin oder z.B. Zypresse.
Bachblüten Wenn seelische Probleme der Neurodermitis zu Grunde liegen (vor allem bei Erwachsenen) kann die Bachblütentherapie unterstützend und ausgleichend wirken.
Ernährung

Für Erwachsene ist Fasten eine der besten Methoden, den Körper zu entschlacken und entgiften. Viele Schulmediziner halten die Ernährungsumstellung bei Neurodermitis für nicht notwendig, ich betrachte diese aber als sehr sinnvoll.

Einzelne hilfreiche Lebensmittel sind:

Entspannung Negativer Stress wirkt sich bei Neurodermitikern generell schlecht aus. Versuchen Sie ein Bewegungs- oder Entspannungsverfahren zu finden, das Ihnen zusagt. Zum Beispiel: Yoga, Qi Gong, Tai Chi, 5 Tibeter, Autogenes Training, Meditation.
Heilpflanzen 

An erster Stelle will ich auf das Nachtkerzenöl hinweisen. Es reduziert Juckreiz, Krustenbildung.

Lichttherapie

Der Mediziner Jan Hendrik Wilkens entdeckte die Wirkung von Licht im Kampf gegen quälenden Juckreiz. Ein von Wilkens daraufhin konzipiertes, sonnenbankähnliches Farblichttherapie-Gerät kam zur Behandlung von Neurodermitis zum Einsatz: Ein Randomlaser mit einem das Tageslicht um ein 80-faches übersteigenden Blauanteil wirkt ausschließlich auf die rötlichen Entzündungszellen, während sein Licht auf gesundes Gewebe keinerlei Effekt hat. Über das Lymphsystem erhält das Knochenmark nun die Nachricht, keine weiteren Zellen mehr zu bilden, die Neurodermitis generieren könnten.

Orthomolekular-Medizin

Omega-3 Fettsäuren: Fischöl enthält wertvolle essenzielle Fettsäuren, die eine starke entzündungshemmende Wirkung haben. Untersuchungen ergaben, dass die empfohlene Dosierung von 2-6 Gramm pro Tag bereits nach zwei Monaten der Einnahme deutliche Verbesserungen des Hautbildes bringen kann.

Zink: Bei Menschen mit chronischen Ekzemen liegt oft ein Zinkmangel vor. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass die regelmäßigen Gaben von Zink (15 Milligramm Zinkzitrat zunächst dreimal am Tag, später in einer geringeren Dosierung) bereits nach zwei Monaten die Symptome der Neurodermitis erheblich lindern konnten (Acta Derm. Venereol., 2014; doi: 10.2340/00015555-1772).

Vitamin C: Es senkt den Histaminspiegel und wirkt immunmodulierend. Dosierung 1 bis 4g täglich.

Vitamin-B 12-Creme: Bei Patienten in allen Altersgruppen hat die lokale Behandlung der Haut mit einer Vitamin B 12-Creme eine Verbesserung der Symptome gebracht. Wichtig ist, dass die Cremes frei von chemischen Duftstoffen, Parabenen und anderen hautreizenden Chemikalien sind. Positiv für die Haut hat sich ein Wirkstoffkomplex von Vitamin B 12 und beruhigenden Pflanzenextrakten wie Aloe vera oder Avocado-Öl erwiesen. Übrigens: als so eine Creme (Regividerm) in einem Beitrag der ARD gezeigt wurde, gab es natürlich einen Sturm von Protesten. Klar.

Probiotika: Von Probiotika halte ich sowieso sehr viel. Bei Kindern und Erwachsenen zeigte sich eine Verbesserung von ekzematösen Erkrankungen durch die Einnahme von Probiotika wie Lactobacillus salivarius-LS01 und Bifidobacterium breve-BR03 (J. Clin. Gastroenterol., 2012; 46 Suppl: S33–40).

Säure-Basen-Haushalt

Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen. Basenmischungen können hilfreich sein. Bei Neurodermitis sind Kalzium- und Magensiumdefizite häufig.

Schüssler-Salze Kalium chloratum Nr. 4,
Kalium sulfuricum Nr. 6
Natrium phosphoricum Nr. 9

Homöopathie

Die klasssiche Homöopathie ist immer eine gute Option. Meiner Erfahrung nach ist diese aber nur wirksam (und deren Erfolg zu beurteilen), wenn keine Cortisonpräparate eingesetzt werden.

Wirbelsäulensegmente

Folgende Wirbelfehlstellungen können eine Ausscheidung behindern: 3. Lendenwirbel für die Blase, 1. Lendenwirbel für den Dickdarm. Der 10. und 11. Brustwirbel für die Nieren und meist ist auch der 3. Brustwirbel (Lu) blockiert. Der Besuch bei einem versierten Chiropraktiker oder Manualtherapeuten könnte deshalb empfehlenswert sein.

Sonstiges

In einen Esslöffel fettreicher Creme mischen Sie 5 Tropfen der Lapacho-Urtinktur (erhältlich in der Drogerie).

Nach einer Studie der Rehaklinik Graal-Müritz soll Stutenmilch das Hautbild bei Neurodermitis ganz erheblich bessern. Diese Erfahrungen kann ich mittlerweile bestätigen.

Das viel beworbene "Tote-Meer-Badesalz" bringt nach meinen Beobachtungen nur wenig. Ein Bad mit gleicher Salzkonzentration wie im Toten Meer benötigt einige Kilogramm Salz.

Verwenden Sie keine Weichspüler. Ich rate auch dringend dazu nur Waschmittel zu verwenden, die von Ökotest mit "gut" oder "sehr gut" getestet wurden. Das Gleiche gilt für Duschgels, Haarshampoos, Seifen und Kosmetika.

Meiden Sie auch Wasch- und Putzmittel mit Triclosan. Auf den Packungen werden diese auch als Irgasan DP300, Cloxifenol oder Trichlorhydroxydiphenylether oder 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)phenol angegeben.

Salben

Patienten mit Neurodermitis möchten generell eine Salbe, bzw. etwas zum cremen. Auch ich kann nicht von vornherein sagen, welche Creme / Salbe am besten hilft oder auch vertragen wird. Folgende Salben können ausprobiert werden:

zur Heilung:

  • Harnstoffsalben z.B. Basodexan Soft 
  • Salben mit Nachtkerzenöl: z.B. Lipoderm
  • Salben mit Vitamin B12: Regividerm 
  • Salben mit Cariospermum: z.B. Halicar

nachfettende Salben: z.B. Linola Fettsalbe (bei sehr trockener Haut), auch die Calendula Salbe von Weleda leistet dabei dehr gute Dienste und nimmt bei einigen Patienten den Juckreiz.

Achten Sie bei allen Salben und Cremes darauf, dass diese keine Zusatzstoffe wie Formaldehyd oder Formalaldehydabspalter, allergieauslösende Duftstoffe (z.B. Eichenmoos, Baummoos, Isoeugenol, Cinnamal), PEG oder PEG Derivate, Diethylphthalat, Paraffine, Erdölprodukte oder Silikone in der Lipidphase enthalten.

Oder Sie versuchen es mit einem Heilerdewickel.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 20.2.2017 aktualisiert.