Nachtkerzenöl: Anwendung, Wirkung und Studien

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die seit mehreren hundert Jahren in Europa bekannte Nachtkerze kommt ursprünglich aus Nordamerika und ist mit unserem heimischen Weideröschen und der Fuchsie verwandt. Sowohl im kosmetischen wie auch medizinischen Bereich findet das Öl dieser Pflanze aufgrund seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren vielfache Anwendung.

Zur Gewinnung des Öls wird die Nachtkerze in ein- oder zweijährigen Kulturen angebaut. Nach ersten Versuchen in den 1990er Jahren wird die Pflanze in Deutschland derzeit nur von wenigen Landwirten kultiviert und das Öl direkt vermarktet.
Da es sich bei der Nachtkerze um eine weitgehend ungezüchtete Pflanze handelt, reifen die Samen zeitlich versetzt. Die Felder werden daher dann mit einem Mähdrescher abgeerntet, wenn etwa drei Viertel der Kapseln eine braune Farbe angenommen haben. Nach zweijähriger Kulturzeit gewinnen die Landwirte zwischen sechs und 13 Dezitonnen Samen je Hektar, wobei der Ölgehalt etwa bei einem Viertel liegt.

Die Nachtkerze in der Blüte
Abb1: Es gibt ca. 120-200 Nachtkerzen-Arten. Hier vermutlich die Oenothera elata.

Vor allen Dingen das Öl der Nachtkerzensamen hat mit einundsiebzig Prozent einen sehr hohen Anteil an ungesättigter Fettsäuren.

Dies ungesättigten Fettsäuren können nicht vom Körper selbst erzeugt werden, sondern müssen diesem über die Nahrung zugeführt werden.

Anwendung in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde wird die Einnahme von Nachtkerzenöl empfohlen, um die Symptome von Neurodermitis zu behandeln und lindern, welche unter anderem auf einen Mangel an Gamma-Linolensäure zurückgeführt werden. Nachtkerzenöl wiederum enthält zwischen acht und vierzehn Prozent Linolsäure, welche der menschliche Körper in Gamma-Linolensäure umwandeln kann.

Eine ausreichende Versorgung mit ungesättigten Fettsäuren ist eine hervorragende Prophylaxe für die verschiedensten Erkrankungen. Bei Kindern wird so der Entstehung von Hautproblemen (z.B. Ekzeme), bei Erwachsenen der Volkskrankheit aus der Gruppe der Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt.

Entsprechend ergibt sich natürlich auch die Anwendung im Krankheitsfall:

Bei Patienten mit Neurodermitis wurden durch die Gabe von Nachtkerzenöl sehr gute Erfolge erzielt, wie auch Prof. Dr. Michael Meurer von der Münchner Dermatologischen Klinik bezeugt. Er schreibt den Pflanzenölen der Nachtkerze (vor allem der Gammalinolensäure) eine gute Wirkung bei Asthma und auch Neurodermitis zu. So konnten mehr als zwei Drittel der an Neurodermitis Erkrankten durch die Anwendung von Nachtkerzenöl eine Symptomlinderung erzielen, manche Ekzeme verschwanden auch ganz und bei jedem Dritten wurde eine Stabilisierung erreicht.

Im Cancer Immuno-Biology Labaratory Ohio wurde die Nachtkerze auf eine mögliche Reduzierung des Wachstums von Tumorzellen bei Krebs-Patienten hin untersucht. Allerdings sind sich hier die Experten noch nicht sicher, weshalb Prof. Dr. Walter Dorsch aus München zunächst zu einer gemäßigten Erwartungshaltung rät.

Fest steht aber, dass die Nachtkerze (bzw. die in ihrem Öl enthaltene Gammalinolensäure) sog. Prostaglandine aufbaut. Diese Prostaglandine tragen dazu bei, dass der Stoffwechsel der Haut, insbesondere die Talgabsonderung positiv beeinflusst wird, sie wirken sich erweiternd auf die Gefäße aus und bewirken eine gesteigerte Muskelfunktion wie auch eine Regulation der weiblichen Sexualhormone.

Nebenwirkungen

Kosmetisch kann man durch die Anwendung von Nachtkerzenöl brüchige Fingernägel, Haarproblemen (z.B. Haarausfall) und trockene Haut (Hautalterung) positiv beeinflussen. Das Öl sollte hier in Form von Masken und Kapseln verwendet werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat sich dafür ausgesprochen, dass man dem Körper täglich 10 Gramm Linolsäure zuführen sollte.

Dabei, so Dr. Ehmann, sei es nicht wichtig von welchem Hersteller das Präparat ist. Auch preisgünstige Anbieter liefern gute Qualität.

Eine Kur mit Nachtkerzeöl beinhaltet die Einnahme von 6-10 Ölkapseln pro Tag, die mit möglichst viel Flüssigkeit, am besten Wasser, genommen werden sollen.

Weder sollten aber Wunder noch sofortige Wirkung erwartet werden. Ein bisschen Geduld muss sein, denn die Nachtkerze entfaltet ihre Wirkung erst innerhalb einiger Wochen.

Studien und wissenschaftliche Erörterung

Unter der englischen Bezeichnung „evening primrose” für „Nachtkerze“ bzw. „evening primrose oil“ für das Öl der Nachtkerze findet sich eine große Anzahl an „wissenschaftlichen“ Studien, die die Wirkung des Öls auf die Haut, Wechseljahresbeschwerden, prämenstruelle Probleme etc. untersuchen.

Insgesamt kommen 563 Studien in Frage, die das Nachtkerzenöl untersuchen bzw. erwähnen. Ich habe die Studien herausgesucht, die sich direkt mit dem Nachtkerzenöl auseinandersetzen und damit eigene Ergebnisse zur Diskussion von Wirksamkeit und Sicherheit des Nachtkerzenöls bei verschiedenen Indikationen beitragen.

Muggli R.: Systemic evening primrose oil improves the biophysical skin parameters of healthy adults.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18492193
Physiologische Parameter der Haut sind Indikatoren von altersbedingten strukturellen und funktionellen Veränderungen des Hautgewebes. In dieser randomisierten, doppelblinden und mit Plazebo kontrollierten Studie an gesunden Erwachsenen wurde die Wirksamkeit von Efamol Nachtkerzenöl, einem Gammalinolensäure haltigen Pflanzenöl, geprüft auf folgende Parameter: Hautfeuchtigkeit, Wasserverluste durch die Haut, Rötungen, Festigkeit, Elastizität, Resistenz gegen Ermüdung und Rauheit. Das Öl wurde oral in Soft-Gel Kapseln 3 x 500 mg zweimal täglich verabreicht. Die Behandlung erfolgte über den Zeitraum von 12 Wochen. Auswertungen erfolgten zu Beginn der Studie, nach 4 Wochen und am Ende der Behandlungsperiode. Leider sind keine Angaben in der Studie gemacht worden über die Größe des Probandenkollektivs. Zu Beginn der Studie und nach 4 Wochen gab es keine Unterschiede zwischen Verum und Plazebo Gruppe bei allen untersuchten Variablen. Am Ende der Studie, nach 12 Wochen, unterschieden sich alle Variablen, mit Ausnahme von Hautrötungen, in der Verum Gruppe von der Plazebo Gruppe. Feuchtigkeit, transepidermale Feuchtigkeitsverluste, Elastizität, Festigkeit, Resistenz gegen Ermüdung und Rauheit waren signifikant verbessert um jeweils 12.9, 7.7, 4.7, 16.7, 14.2 und 21.7 Prozent.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Gammalinolensäure eine essentielle Fettsäure ist, die einen entscheidenden Einfluss auf die optimale Struktur und Funktion der Haut hat.

Yoon S, Lee J, Lee S. - Department of Dermatology, College of Medicine, Inha University, Inchon, Republic of Korea: The therapeutic effect of evening primrose oil in atopic dermatitis patients with dry scaly skin lesions is associated with the normalization of serum gamma-interferon levels.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11803254
In dieser Studie ohne Plazebo Kontrolle wurde untersucht, ob Nachtkerzenöl bei atopischer Dermatitis effektiv wirkt. Es wurden 14 Patienten mit atopischer Dermatitis mit juckender, trockener und schuppender Haut mit Nachtkerzenöl behandelt. Des Weiteren wurden die Serumspiegel von Gamma-Interferon (IFN-Gamma) und IgE-Antikörper bestimmt. Diese Maßnahme diente zur Bestimmung, ob die Behandlung durch das Nachtkerzenöl auf immunologischen Mechanismen beruhte. Nach der Behandlung zeigte sich, dass die Hautläsionen und der Pruritus (Juckreiz) bei allen Patienten deutlich reduziert worden waren. IFN-Gamma Spiegel zeigten sich deutlich erhöht nach der Behandlung mit Annäherung an Normalwerte von gesunden Kontrollprobanden. Serum IgE Spiegel waren deutlich herabgesetzt, konnten aber nicht auf Normalwerte reduziert werden.
Die Forscher schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Nachtkerzenöl hoch effektiv ist in der Behandlung einer nicht entzündlichen Form der atopischen Dermatitis. Die Wiederherstellung von IFN-Gamma Spiegeln zeigt dabei an, dass das Nachtkerzenöl möglicherweise einen immunmodulatorischen Effekt hat, der über IFN-Gamma gesteuert wird.

Rahbeeni et al. - Department of Radiation Oncology, University of Cape Town and Groote Schuur Hospital, Observatory, South Africa:
The effect of evening primrose oil on the radiation response and blood flow of mouse normal and tumour tissue.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10902742
Das Ziel dieser Studie war, den Effekt von oral verabreichtem Nachtkerzenöl auf Bestrahlung und Blutfluss in normalem Gewebe und Tumorgewebe bei BALB/c Mäusen zu studieren. Zu diesem Zweck wurde Nachtkerzenöl täglich an die Mäuse verfüttert. Die Strahlungseffekte auf die Haut wurden gemessen. Ein Rhabdomyosarkom wurde in die Haut der Tiere verpflanzt und dessen Wachstum unter Bestrahlung und Therapie beobachtet. Der Blutfluss des Tumorgewebes und der normalen Mäusehaut wurde bestimmt. Der Gehalt an Fettsäuren in den roten Blutkörperchen, im Plasma und im Tumorgewebe wurde bestimmt. Als Resultat konnte festgehalten werden, dass eine tägliche Behandlung bzw. Verfütterung von Nachtkerzenöl die Empfindlichkeit der Haut auf Bestrahlung reduzierte. Des Weiteren wurde ein strahlungsbedingter Anstieg des Blutflusses im normalen Gewebe verhindert. Der Blutfluss im Tumorgewebe zeigte keine Veränderungen, ebenso keine Tumorempfindlichkeit der Bestrahlung gegenüber. Die Verfütterung von Nachtkerzenöl resultierte in einem Anstieg der Plasmakonzentrationen von Linolsäure, Gammalinolensäure, Dihomo-Gamma-Linolsäure und Arachidonsäure. Diese Veränderung trat auf unabhängig von der Bestrahlung der Mäuse. In den roten Blutkörperchen erhöhte das Nachtkerzenöl die Gammalinolensäure Spiegel von unbestrahlten Mäusen und die Linolsäure Spiegel nach 20 Tagen nach der Bestrahlung. Es wurden keine Veränderungen der Fettsäure Spiegel in den Tumoren beobachtet.
Fazit: Die tägliche Verabreichung von Nachtkerzenöl reduzierte die Empfindlichkeit der Haut auf strahlungsbedingte Abschuppung, veränderte aber nicht die Empfindlichkeit der Tumore auf die Bestrahlung. Damit kann Nachtkerzenöl bei normalem Gewebe Strahlungsschäden limitieren. Einen unterstützenden Einfluss auf eine Strahlungstherapie bei Tumoren kann man von diesen Beobachtungen nicht ableiten.

Gallagher S.: Omega 3 oils and pregnancy.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15124319
Schwangere können ohne Bedenken Omega-3-Fettsäuren in der frühen Phase der Schwangerschaft einnehmen, um damit in den Genuss aller Vorzüge zu gelangen. Mehr noch sollten Schwangere die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Nachtkerzenöl während der Dauer der gesamten Schwangerschaft in Betracht ziehen. Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage, Frühgeburten zu verhindern, einen komplikationsfreien, leichten Geburtsvorgang zu gewährleisten, dient der Entwicklung von Gehirn und Augen des Babys und programmieren die Zellmembranen des Säuglings vor für eine lebenslange Wellness. Vorteile für die Mutter sind die Verhinderung von postnataler Depression und das Wissen, dem Säugling einen gesunden Start ins Leben gegeben zu haben.

Pruthi S et al. - Breast Diagnostic Clinic, Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, USA: Vitamin E and evening primrose oil for management of cyclical mastalgia: a randomized pilot study.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20359269
Ziel dieser Studie war die Evaluierung der Wirksamkeit von Vitamin E, Nachtkerzenöl und der Kombination von Vitamin E und Nachtkerzenöl bei der Schmerzbehandlung bei Frauen mit periodisch auftretenden Mastalgien (Brustschmerz). Ausführung: Es wurde eine doppelblinde, randomisierte, Plazebo kontrollierte Studie durchgeführt, die zwei US amerikanische medizinische Zentren einschloss. 85 Frauen mit prämenstruellen, periodisch auftretenden Mastalgien wurden in die Studie aufgenommen. Die Teilnehmerinnen wurden zufallsbedingt aufgeteilt in vier Gruppen für eine orale Behandlung für den Zeitraum von 6 Monaten: 1. Gruppe mit Vitamin E (1200 IU täglich), 2. Gruppe Nachtkerzenöl (3000 mg täglich), 3. Gruppe Vitamin E (1200 IU täglich) und Nachtkerzenöl (3000 mg täglich), 4. Gruppe doppeltes Plazebo. Gemessen wurden Veränderungen bei den Brustschmerzen, basierend auf einem modifizierten McGill Schmerz-Fragebogen bei der Aufnahme zu Beginn der Studie und nach 6 Monaten.
Befunde: 41 Patientinnen beendeten die Studie. Die Analysen der Daten von Studienanfang und Studienende zeigten einen Unterschied im Auftauchen von schweren Schmerzzuständen unter der Behandlung mit Nachtkerzenöl, Vitamin E und der Kombination von Vitamin E und Nachtkerzenöl, aber keinen Unterschied bei der Plazebo Gruppe. Andere statistische Auswertungsverfahren zeigten keine signifikante Schmerzabnahme bzw. unter dem Separationstest nach Aickin eine Tendenz zur Abnahme periodisch auftretender Mastalgien unter Vitamin E und Nachtkerzenöl allein und als Kombinationstherapie.
Schluss: Eine tägliche Dosierung von 1200 IU Vitamin E, 3000 mg Nachtkerzenöl oder Vitamin E und Nachtkerzenöl in Kombination in gleicher Dosierung über einen Zeitraum von 6 Monaten kann die Schwere von periodisch auftretenden Mastalgien reduzieren.

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Abschließende Betrachtung zum Nachtkerzenöl

Während Befürworter alternativer Behandlungsmethoden Nachtkerzenöl als effektiv und sicher einstufen, sehen die Befürworter schulmedizinischer Anwendungen keinen oder kaum Nutzen in einer Anwendung des Nachtkerzenöls.

Auffällig allerdings beim Sichten des vorliegenden „wissenschaftlichen“ Materials, besonders aus PubMed, war, dass die überwiegende Anzahl an Veröffentlichungen keine „harten“ Daten zur Unwirksamkeit bzw. fehlenden Unbedenklichkeit des Nachtkerzenöls brachten.

Stattdessen wiederholten diese Veröffentlichungen nur die Meinung, die die Schulmedizin sich zu Eigen gemacht hat und gibt sie als Wissenschaft aus. Aber eine Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal ist nicht automatisch wissenschaftlich, nur weil sie veröffentlicht wurde.

Die Arbeiten, die sich auf selbst erhobene Daten stützen, also eine den wissenschaftlichen Kriterien entsprechende Studie durchgeführt haben, kommen zu Ergebnissen, die das Nachtkerzenöl als eine gute Alternative mit gesichertem therapeutischem Nutzen einstufen.

Leider sind derartige Studien noch zu selten. Das Gros der über 500 Studien, in denen das Nachtkerzenöl untersucht bzw. nur erwähnt wird, bezieht sich auf vorgefasste, mit Vorurteilen behaftete Lehrmeinungen der Schulmedizin und haben aus naturwissenschaftlicher Sicht leider keinen Aussagewert.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 11.08.2014 aktualisiert