Aspirin - Die Acetylsalicylsäure

Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung, Studien und Wechselwirkungen

Aspirin ist den meisten als Schmerzmittel bekannt. Der Wirkstoff in Aspirin ist die Acetysalcylsäure - kurz "ASS" genannt. Der Begriff Aspirin ist der Handelsname, unter dem die Firma Bayer das Mittel anbietet.

Aber die Acetylsalicylsäure findet sich auch in einer Vielzahl anderer Präparate wieder. Die gebräuchlichsten Handelsnamen sind neben Aspirin: Togal und Godamed oder einfach nur ASS, wie zum Beispiel ASS ratiopharm. Bisher sind die verschiedenen Darreichungsformen und Dosierungen frei verkäuflich, eine Rezeptpflicht für stärker wirkende Präparate wird jedoch diskutiert, da der Wirkstoff eine Reihe von Nebenwirkungen aufweist.

von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Die der Gruppe der Salicylsäure-Derivate zugehörige Acetylsalicylsäure (ASS) ist eins der meistverwendeten nicht-opioiden Schmerzmittel auf dem Markt weltweit. Der Wirkstoff weist eine allgemein gute Verträglichkeit auf.

ASS ist antipyretisch (fiebersenkend) sowie antiphlogistisch (entzündungshemmend) und fungiert daneben als wichtigster Thrombozytenaggregationshemmer.

Neben den üblichen Darreichungsformen wie Tabletten, Brausetabletten, Zäpfchen (Suppositorien) und Injektions- bzw. Infusionslösungen wird der Wirkstoff auch in einer gut wasserlöslichen Form (Handelsname Aspisol, als L-Lysin) zur intravenösen sowie oralen Anwendung angeboten.

Allgemeine Anwendungsgebiete und Wirkungen von ASS

Die Acetylsalicylsäure wird eingesetzt bei leichten bis mäßigen Schmerzempfindungen (z.B. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Regelschmerzen), zur Senkung von erhöhten Körpertemperaturen - Fieber (z.B. im Rahmen eines grippalen Infekts) sowie als Kombinationspräparat bei der Behandlung von Migräne.

Aber es gibt noch andere weniger bekannte Anwendungsgebiete:

Im Tierversuch hemmt Aspirin das Tumorwachstum.(3) Beim Menschen kann es das Risiko an Krebs zu erkranken oder an einer Krebserkrankung zu sterben senken, wie eine Untersuchung an Frauen nach der Menopause zeigte.(4) 

Aber vor allem der schützende Effekt einer niedrigen Dosis Aspirin (75 bis 100 Milligramm täglich) auf Krankheiten wie Gefäßverschluss bis hin zum Herzinfarkt oder Hirnschlag, Angina, Arterienerkrankungen oder Herzflimmern ist gut belegt und wird als schützende Langzeitbehandlung von Patienten verwendet, die einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke erlitten haben.(5) Als Hemmer der Thrombozytenaggregation (verhindert das Verklumpen von Blutplättchen) soll es einem Schlaganfall vorbeugen und die Verstopfung feiner Gefäße im Bereich des Herzens (Herzkranzgefäße) vermeiden.

Solche Patienten bekommen allerdings immer mehrere Mittel verordnet und genau damit können gravierende Probleme beginnen. Mehr dazu weiter unten unter dem Punkt: Wechselwirkungen.

Schauen wir einmal, was mit der Acetylsalicylsäure im Körper passiert:

Nach der Aufnahme in den Organismus wird der Wirkstoff rasch resorbiert und zu einem hohen Prozentsatz in der Leber umgewandelt. Acetylsalicylsäure weist eine kurze Plasmahalbwertszeit von ca. fünfzehn Minuten auf (das wegen seiner vielen Nebenwirkungen nicht mehr verwendete Salicylat dagegen eine Zeit von bis zu drei Stunden). Nach der Umwandlung in der Leber erfolgt die Ausscheidung über das Nierensystem.

Bis Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wusste man gar nicht, warum Aspirin eigentlich wirkt - dennoch wurde es fleißig genommen und verordnet. Ich erwähne dies nur mal am Rand, weil es bei der Homöopathie letztlich auch noch nicht genau bekannt ist, warum diese wirkt.

Nun, bei Aspirin wissen wir es nun allerdings: Die Acetylsalicylsäure heftet sich an ein Enzym, welches Prostaglandine herstellt. Diese Prostaglandine spielen eine Rolle bei der Regulation der Blutgerinnung und bei Entzündungen. Durch die Anlagerung verhindert die Acetylsalicylsäure die Bildung von Prostaglandinen. Dadurch sind Entzündungen seltener. Das lindert den Schmerz.

Je nach Verwendung ist die Dosierung des Wirkstoffs unterschiedlich. Zur Senkung von Fieber oder zur Linderung von Schmerzen werden in der Regel 500 bis 1000 mg pro Tag verordnet. Zur Aufrechterhaltung einer regelhaften Blutzirkulation reichen bereits Dosen von 100 bis 300 mg pro Tag aus. Insgesamt sollte die Tageshöchstmenge von drei Gramm nicht überschritten werden, um unkalkulierbare Nebenwirkungen zu vermeiden.

Schauen wir uns einmal die gängigen und bekannteren, auch in niedrigerer Dosierung auftretenden Nebenwirkungen an.

Nebenwirkungen die auftreten könnten:

Bei Verwendung als Thrombozytenaggregationshemmer liegt die tägliche Dosierung bei bis zu 300 mg. Gängig sind eher 75 bis 100mg. Durch die langandauernde Einnahme kann es vor allem zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (z.B. Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Mikroblutungen der Schleimhaut) kommen. Das ist auch allgemein bekannt.

Eine Verwendung höher dosierter Präparate kann die Entstehung von Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen (Tinnitus) sowie schweren gastrointestinalen Blutungen (durch Geschwüren, die zu einem Durchbruch führen).

Vor allem die Blutungen der Magenschleimhaut können schwerwiegende Folgen haben. Immer wieder kommt es zu Todesfällen. Geschwüre und krankhafte Veränderungen des Darmes, die in Folge des Aspirinkonsums entstehen können, führen teilweise zu langwierigen Krankenhausaufenthalten und ebenfalls zu folgenreichen Komplikationen.

Erste Blutungen im Verdauungstrakt zeigen sich oftmals bereits nach zweiwöchiger Einnahme von Aspirin. Auch scheint ein enger Zusammenhang zwischen der Einnahme von Acetysalcylsäure und der Entstehung von grauem Star oder einem Hörverlust zu bestehen.

In seltenen Fällen zeigen sich allergische Reaktionen (z.B. durch Rötungen, Schwellungen oder auch Pustelbildungen auf der Hautoberfläche), Atemprobleme, ein Blutdruckabfall, Nasenbluten oder Zahnfleischbluten sowie die Beeinträchtigung von Leberfunktionen und Nierenfunktion bis hin zu einem vollständigen Nierenversagen.

Untersuchungen gehen ebenfalls davon aus, dass durch die Einnahme von ASS-Präparaten die Brustkrebsrate bei Frauen erhöht wird.

Bedingt durch die gehemmte Verklumpung der Blutplättchen verlängert sich die Blutungszeit bei (inneren und äußeren) Wunden, eine Anämie (Blutarmut, z.B. Eisenmangel-Anämie) ist möglich.

Insgesamt wird die Einnahme von Aspirin und anderen ASS-Medikamenten mit 51 verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang gebracht (www.greenmedinfo.com/toxic-ingredient/aspirin).

Acetylsalicylsäure wird gerne gegen Kopfschmerzen genommen. Der Missbrauch kann jedoch einen gegenteiligen Effekt verursachen, der zu einem gesteigerten Schmerzempfinden führt. Daneben sollte der Wirkstoff nicht in Kombination mit Alkohol eingenommen werden, da sich hierdurch die Wirkung drastisch erhöht und die Gefahr einer Geschwürbildung besteht.

Die Einnahme in Kombination mit anderen Medikamenten sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Vielfach kann es zu einer Verstärkung der verschiedenen Wirkstoffe kommen, zum Teil sind diese aber auch gesenkt oder sogar vollständig gelöscht (z.B. hebt die Einnahme des Wirkstoffs Ibuprofen die blutverdünnende Wirkung der Acetylsalicylsäure auf).

In einigen Fällen ist die Einnahme acetylsalicylsäurehaltiger Medikamente überhaupt nicht angebracht und sollte vorher medizinisch abgeklärt werden. Dies betrifft im Besonderen die Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, bereits vorhandene Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, Erkrankungen der Blutgerinnung sowie Leberschäden und Nierenschäden.

Vor Operationen muss das Medikament abgesetzt werden, um die Blutungszeit wieder zu normalisieren. Bei Verwendung von Methotrexat (unter anderem Chemotherapeutikum, Antirheumatikum) ist von der Einnahme abzuraten. Eine bestehende Schwangerschaft sollte bereits über das erste Tertiär fortgeschritten sein, um ungewollte Schäden am Ungeborenen zu vermeiden.

Vorsicht bei Kombination mit anderen Medikamenten: Die Wechselwirkungen!

Eine Medikation mit Aspirin oder anderen Mitteln ist nicht immer harmlos, vor allem dann nicht, wenn man mehrere verschiedene Medikamente einnimmt.

In Kombination mit Mitteln, die bei Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen eingesetzt werden, können sich möglicherweise gefährliche Wechselwirkungen ergeben. Aspirin wird jedoch oft als Ergänzung zu blutdrucksenkenden Mitteln nach einem Herzinfarkt gegeben. Eine kontroverse Diskussion um mögliche, gefährliche Wechselwirkungen und das Risiko ernster Nebenwirkungen bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird seit vielen Jahren lebhaft geführt, ohne dass bislang eine eindeutige Lösung gefunden wurde.

ACE-Hemmer gehören zu den Medikamenten, die Herzkranke einnehmen müssen und die häufig mit Aspirin kombiniert werden. Das Enzym ACE (Angiotensin-konvertierendes Enzym) stellt das Hormon Angiotensin II aus seiner Vorstufe her. Dieses Hormon wirkt gefäßverengend und erhöht dadurch den Blutdruck. Zur Behandlung des Bluthochdruckes (Hypertonie) oder einer chronischen Herzinsuffizienz werden daher ACE-Hemmer eingesetzt, die das Enzym inaktivieren. Der Wirkstoff, der zuerst in Schlangengift entdeckt wurde, gehört heute in Deutschland zu den umsatzstärksten Arzneimitteln. Auch nach einem Herzinfarkt wird Patienten oft ein ACE-Hemmer, teilweise in Kombination mit Aspirin gegeben. Schon früh wurden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. So verstärken ACE-Hemmer die Wirkung von Immunsuppressiva und schwächen die Wirkung von Antidiabetika. Daneben existieren Hinweise, dass auch die Kombination mit Aspirin zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. Eine Studie versuchte 2001 diese Wechselwirkung zu beurteilen. Die Forscher um den Kardiologen Dr. John G. F. Cleland kamen zu dem Ergebnis, dass in den kritischen ersten fünf Wochen nach dem Infarkt beide Medikamente gegeben werden sollten, da sich dies positiv auf die Gesundheit des Patienten auswirkte, während es in dieser Zeitspanne nicht zu Wechselwirkungen kam. Trotz ungesicherter Sachlage wird in der Studie empfohlen, Aspirin nach dieser Phase wegen möglicher Risiken abzusetzen.(6)

Ein Jahr später veröffentlichte Cleland einen Fachartikel, in dem er aufzeigte, dass Aspirin nicht zur Therapie bei Herzinfarkten geeignet sei. Er begründete dies unter anderem damit, dass die Wirkung als Hemmer der Thrombozytenaggregation gar nicht so effektiv und sicher sei, wie weitläufig angenommen. Außerdem kommt Cleland nach Durchsicht aller größeren Langzeitstudien zu dem Schluss, dass die Gabe von Aspirin nach einem Herzinfarkt die Sterblichkeitsrate nicht verbessere. Am wichtigsten scheint aber folgende Aussage des Fachartikels: Aspirin verringert zwar das Auftreten kleinerer Gefäßerkrankungen, doch dafür sind die plötzlichen tödlichen Ereignisse nach der Einnahme des Medikaments erhöht. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass Aspirin die Entwicklung von Herzerkrankungen verändert, ohne vor ihnen zu schützen. So bleiben möglicherweise durch die Einnahme des Wirkstoffs verschiedene Krankheiten unentdeckt, weil sie von dem Medikament kaschiert werden. Aber ganz unerwartet und plötzlich nehmen sie einen fatalen Ausgang.(23)

Eine niederländische Studie untersuchte die Wirkung des ACE-Hemmers Captopril in Kombination mit einer niedrigen Dosis Aspirin (≤ 100 mg täglich) und fand im Zeitraum von einem Jahr nach dem Infarkt keine Schwächung der Wirkung von Captopril. Unabhängig davon reduzierte das Aspirin die Ausdehnung der linksventrikulären Herzkammer.(7) Studien mit anderen ACE-Hemmern zeigten dagegen, dass Aspirin deren Wirkung abschwächen kann, zum Beispiel bei Enalapril, so dass man im Einzelfall gründlich abwägen muss.(8) Doch die Gabe beider Medikamente, ACE-Hemmer und Aspirin, bei Herzkrankheiten hat sich als erfolgreich und weitgehend sicher erwiesen und sich in vielen Kliniken durchgesetzt. Eine israelische Studie an über 11.000 Patienten über fünf Jahre konnte zudem belegen, dass die Gabe von ACE-Hemmern zusammen mit Aspirin mit einer geringeren Mortalität der Patienten einhergeht als die Verabreichung der Hemmer allein. Daher wird von den israelischen Kardiologen empfohlen, auch weiterhin beide Medikamente zu kombinieren.(9) Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2003 unterstützt die Annahme, dass die Verwendung beider Medikamente zusammen bei Herzproblemen sicher ist. Die Dosis an Aspirin wird dabei nicht angegeben und eine unterschiedliche Mortalitätsrate konnte nicht bestätigt werden.(10)

Doch viele neuere Studien schränken den Optimismus früherer Untersuchungen wieder ein und zeigen auf, dass nicht nur Aspirin, sondern auch andere nichtsteroidale Antirheumatika ein Gesundheitsrisiko insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen könnten. Zu den nichtsteroidalen Antirheumatika gehören frei erhältliche Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Naproxen oder das verschreibungspflichtige Diclofenac.
Die häufige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (≥ 22 Tage im Monat) erhöht das Risiko cardiovasculärer Erkrankungen um den Faktor 1,44 und die Einnahme von mehr als 15 Tabletten pro Woche sogar um den Faktor 1,86, wie eine Studie an über 70.000 Frauen über zwölf Jahre zeigte.(11)

Eine dänische Studie zeigte 2006, dass täglich eingenommene, hohe Dosen von 1200 Milligramm Ibuprofen oder 100 Milligramm Diclofenac das Risiko eines neuen Infarktes oder Todes von Patienten nach einem Herzinfarkt erhöht. Während eine geringere Dosis Ibuprofen das Risiko senkt, verdoppelt die hohe Dosis es. Bei Diclofenac unterscheidet sich das relative Risiko von dem der Vergleichsgruppe sogar um den Faktor vier. Die Auswirkung einer Aspirin-Einnahme wurde nicht untersucht.(12)

2008 wurde in Dänemark eine Studie an über 58.000 Patienten durchgeführt, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Auswertung ergab, dass das Mortalitätsrisiko sich durch die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika dosisabhängig erhöht. Zudem ergaben sich Hinweise, dass auch das Risiko eines Folgeinfarktes durch die Einnahme der Antirheumatika steigen könnte. Die Forscher raten daher zu besonderer Sorgfalt bei der Medikation von Patienten nach einem Herzinfarkt.(13)

Auch eine aktuelle Studie aus den USA wirft neue Fragen nach der Sicherheit von Medikamenten wie Aspirin bei Bluthochdruck und Erkrankungen der Herzkranzgefäße auf. Laut der 2011 veröffentlichten Studie erhöht die regelmäßige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika das Risiko von Infarkt, Schlaganfall oder Tod um 47 Prozent. Für die Studie wurden über 20.000 Patienten mit Bluthochdruck oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße befragt und verzeichnet, wie viele in den 2,7 Jahren der Studienlaufzeit einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder den Tod erlitten. Doch birgt eine Untersuchung aufgrund von Patientenaussagen immer ein Risiko an Unwägbarkeiten und Fehlern. Zudem beklagen die Forscher, dass die Sachlage in dieser Frage immer noch nicht ausreichend geklärt ist und erst wenige Daten dazu vorliegen. Mehr noch, die bisher durchgeführten Studien widersprechen sich oft oder lassen kritische Werte, wie den Blutdruck außer Acht. Auch in dieser Untersuchung wurden wichtige Informationen wie die Art und Dosierung der Antirheumatika nicht miteinbezogen.(14) Dabei kann beides für das Risiko ernster Nebenwirkungen ausschlaggebend sein.

Eine ebenfalls 2011 veröffentlichte Studie aus Madrid wies im Gegensatz zur US-Studie nach, dass die Einnahme von Aspirin in niedriger Dosierung (≤ 300 mg täglich) sicher ist. Wird das Aspirin abgesetzt, erhöht sich die Gefahr eines Herzinfarktes sogar wieder, so die Forscher.(15)

Auch die Art des Antirheumatikums ist für das Risiko von schweren Nebenwirkungen wichtig. Naproxen kann für Menschen mit cardiovaskulären Krankheiten eine bessere Wahl sein als viele andere Mittel, wie 2009 in einer Untersuchung an über 48.000 Patienten gezeigt wurde. Es erwies sich als deutlich sicherer als die ebenfalls untersuchten Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen, Celecoxib und Rofecoxib.(16)

Auch nach Sichtung verschiedener Studien wurde Naproxen neben Ibuprofen in einem Review als sicher eingestuft.(17) Doch konnte diese Einstufung für Ibuprofen nicht gehalten werden. So erhöht Ibuprofen bei wiederholter Einnahme den Blutdruck, was bei Bluthochdruck-Patienten ein Risiko darstellt, oder verursacht Bluthochdruck bei Gesunden.(18)

In einer aktuellen Meta-Analyse von Patienten- und Forschungsdaten von über 100.000 Patienten erwies sich das Mittel außerdem als das mit dem höchsten Risiko für Schlaganfälle. Untersucht wurden die Wirkstoffe Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib, Etoricoxib, Rofecoxib sowie Lumiracoxib. Auch hier schnitt Naproxen mit dem niedrigsten Risiko am besten ab. Doch obwohl die Studie groß angelegt war und zahlreiche Daten verarbeitet wurden, wollen die Wissenschaftler sich nicht mit Sicherheit auf das Gefahrenpotential der Medikamente festlegen. Trotz Unsicherheiten wollten sie keins der Mittel als „sicher“ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einstufen und empfehlen, immer das cardiovaskuläre Risiko des Einzelnen zu betrachten, wenn man eins dieser Medikamente verschreibt.(19)

Patienten sollten verschiedene Antirheumatika zudem nicht gleichzeitig einnehmen. Zwar ist auch hier die Sachlage nicht endgültig geklärt, doch zeigen mehrere Studien, dass sich das Risiko eines Folgeinfarktes oder Todes erhöhen kann, wenn Aspirin und Ibuprofen zusammen eingenommen werden.(20)(21) In einer anderen Untersuchung konnte das erhöhte Risiko dagegen nicht bestätigt werden.(22)

ASS-Einnahme für Diabetes-Patienten

Vor allem Patienten, die an chronischen Erkrankungen leiden, sollten bei der Einnahme von Medikamenten immer vorsichtig sein. So weisen mehrere Studien darauf hin, dass Aspirin beispielsweise bei Diabetes-Patienten keinerlei schützende Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigt.

Eine Studie aus dem Jahr 2009 verdeutlicht, dass kein klarer Hinweis darauf zu finden ist, ob Aspirin vor Gefäßerkrankungen bei Diabetikern schützen kann. Die Ergebnisse innerhalb der Studie waren bei Männern und Frauen recht unterschiedlich, aber bei keinem Geschlecht war ein klarer Nutzen des Medikaments sichtbar. (24)
Zu dem gleichen Ergebnis kam eine schwedische Studie aus demselben Jahr. Die Autoren stellten aber noch dazu fest, dass es teilweise bei den Patienten zu schwerwiegenden Blutungen gekommen war. (25)

Fazit

Die schwierige Sachlage zeigt einmal mehr, dass man mit jedem Medikament verantwortungsbewusst umgehen muss. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Untersuchungen mehr Klarheit bringen, vor allem da Antirheumatika weitverbreitet sind. Sie werden häufig zur Selbstmedikation bei vorübergehenden Schmerzen eingesetzt, aber auch bei chronischen Schmerzen verschrieben und über lange Zeiträume eingenommen.

Doch grade die häufige Einnahme ist mit Risiken verbunden. Die gelegentliche Einnahme der Mittel bei Schmerzen kann dagegen als relativ sicher betrachtet werden.

Wer sich selbst therapiert, kann es bei Schmerzen mit Medikamenten mit dem Wirkstoff Naproxen versuchen, der ein geringeres Risiko darstellt als andere Mittel.

Bei einer Verschreibung solcher Medikamente, langfristiger Einnahme oder gleichzeitig vorliegenden cardiovaskulären Erkrankungen sollte man mit seinem Therapeuten über das Risiko sprechen. Geringere Dosierung und die Einnahme eines relativ sicheren Mittels können langfristig eine gute Wahl sein, so dass der Nutzen das Risiko überwiegt.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.8.2012 aktualisiert.

Gesundheits-Newsletter von Rene Gräber

Quellen:

1: Upchurch et al., Prothrombotic consequences of the oxidation of fibrinogen and their inhibition by aspirin. J Thromb Thrombolysis 1998;5:9-14, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10608044
2: Betts et al., In vitro antioxidant properties of potential biotransformation products of salicylate, sulphasalazine and amidopyrine. Journal of Free Radicals in Biology and Medicine, 1985;1:273-80, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2873165
3: Bosetti et al., Aspirin and cancer risk: an updated quantitative review to 2005. Cancer Causes Control 2006;17:871-88, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1684125
4: Bardia et al., Association of Aspirin and Nonaspirin Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs With Cancer Incidence and Mortality, JNCI – Journal of the National Cancer Institute, 2007, 99 (11): 881-889, http://jnci.oxfordjournals.org/content/99/11/881.full
5: Antithrombotic Trialists’ Collaboration. Collaborative meta-analysis
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324:71-86. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11786451
6: Cleland et al., Does aspirin attenuate the effect of angiotensin-converting enzyme inhibitors in hypertension or heart failure?, Current Opinion in Nephrology and Hypertension, 2001 Sep;10(5):625-31, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11496056
7: Oosterga et al., Effects of aspirin on angiotensin-converting enzyme inhibition and left ventricular dilation one year after acute myocardial infarction, The American Journal of Cardiology, 1998 May 15;81(10):1178-81, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9604941
8: Ahmed, Interaction between aspirin and angiotensin-converting enzyme inhibitors: should they be used together in older adults with heart failure?, Journal of the American Geriatrics Society, 2002 Jul;50(7):1293-6, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12133028
9: Leor et al., Aspirin and mortality in patients treated with angiotensin-converting enzyme inhibitors: a cohort study of 11,575 patients with coronary artery disease, Journal of the American College of Cardiology, 1999 Jun;33(7):1920-5, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10362194
10: Harjai et al., Use of aspirin in conjunction with angiotensin-converting enzyme inhibitors does not worsen long-term survival in heart failure, International Journal of Cardiology, 2003 Apr;88(2-3):207-14, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12714200
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14: Bavry et al., Harmful effects of NSAIDs among patients with hypertension and coronary artery disease, The American Journal of Medicine, 2011 Jul;124(7):614-20, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21596367
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20: Gislason et al., Risk of death or reinfarction associated with the use of selective cyclooxygenase-2 inhibitors and nonselective nonsteroidal antiinflammatory drugs after acute myocardial infarction, Circulation, 2006;113:2906-2913.  http://circ.ahajournals.org/content/113/25/2906.long
21: MacDonald & Wie,  Effect of ibuprofen on cardioprotective effect of aspirin. Lancet. 2003;361:573-574, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12598144
22: Curtis et al., Aspirin, ibuprofen, and mortality after myocardial infarction: retrospective cohort study. BMJ. 2003;327:1322-1323, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC286319/
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24: Giorgia De Berardis, et al., Aspirin for Primary Prevention of Cardiovascular Events in People with Diabetes: Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials; British Medical Journal, November 6, 2009: 339; b4531, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19897665
25: Lennart Welin, et al., Aspirin Increases Mortality in Diabetic Patients without Cardiovascular Disease: A Swedish Record Linkage Study,Pharmacoepidemiol Drug Safety, December 1, 2009: 18(12); 1143-9, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19672841
26: Nishida, et al., Evaluation of Small Bowel Blood Flow in Healthy Subjects Receiving Low-Dose Aspirin, World Journal of Gastroenterology, January 14, 2011: 17(2); 226-30, U.,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21245996

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.08.2012 aktualisiert

 

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