Die Harnwege sind Zwischenspeicher und Ableiter für den Urin. Zu ihnen gehören die Nierenbecken und die Harnleiter, die zur Harnblase führen. Von diesem größten Urinspeicher leitet die Harnröhre den Urin aus dem Körper.
Die Beschwerden sind vielfältig, aber oft typisch
Harnwegserkrankungen machen sich meistens bemerkbar durch Schmerzen im Bereich der Geschlechts-Organe, im Unterbauch und dessen Flanken, die zur Nieren-Region übergehen. Übelkeit und Erbrechen können ebenso auf diesen Krankheiten beruhen, auch ohne dass Schmerzen in den Harnwegen auftreten.
Das Wasser lassen kann erhebliche Schwierigkeiten bereiten und mit brennenden Schmerzen verbunden sein. Auch kann es zum totalen Harnverhalt kommen oder auch zur kompletten oder teilweisen Inkontinenz.
Weitere Alarm-Zeichen sind daneben Blut im Urin oder ein ungewöhnlicher Ausfluss. Die häufigsten Harnwegserkrankungen sind Entzündungen, die auf Infektionen mit diversen Bakterien, Viren, Pilzen und auch tierischen Parasiten (Egel) beruhen. Beim Befall mit solchen Erregern klagen die Kranken häufig über Fieber, Abgeschlagenheit und Schüttelfrost.
Harnwegsentzündungen (HWI)
Harnwegsentzündungen treten bei Frauen viermal häufiger auf als bei Männern. Oft sind es Darmbakterien, die in den Scheideneingang verschleppt werden und weiter vordringen. Bekannte und oft vorkommende HWIs sind die Blasenentzündung (Zystitis) und die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die auch sich auf die gesamte Niere ausbreiten kann. Sind die Erreger labortechnisch identifiziert, verordnet der Arzt ein spezifisch wirkendes Antibiotikum. In schweren Fällen werden die Medikamente als Infusion verabreicht.
Mineralische Ablagerungen in den Harnwegen
In den ableitenden Harnwegen können sich auch Steine bilden: z.B. Nierensteine oder Blasensteine. Sie können in einigen Fällen starke, krampfartige Schmerzen auslösen (Nierenkolik) oder wie kleine Blasensteine lange unbemerkt bleiben.
Die kristallinen Bildungen können mit verschiedenen Techniken zertrümmert werden, sodass das Material leicht abgehen kann. Manchmal ist auch eine Operation erforderlich.
Inkontinenz und Harnverhalt
Bei der Harninkontinenz kann der Urin nicht mehr oder nur sehr schwer gehalten werden, sodass zumindest ein gewisser unwillkürlicher Urinabgang zu beklagen ist (Blasenschwäche). Bei Frauen beruht die Inkontinenz oft auf einer Schwäche der Beckenboden-Muskulatur.
In beiden Geschlechtern können auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder ein Schlaganfall zu Inkontinenz führen. Das gesamte ableitende Harnsystem kann auch entwicklungsbedingt fehlgebildet sein. Es gibt z.B. doppelt oder inkomplett angelegte Harnleiter. Auch eine allgemeine Altersschwäche ist oft mit Inkontinenz verbunden. Hier bleibt meistens nur die Versorgung mit Inkontinenz-Material.
Auch durch Unfälle können die ableitenden Harnwege in Mitleidenschaft gezogen werden. Ebenso treten auch in diesem Bereich Krebserkrankungen auf. Die Tumore können zum Beispiel in der Blase oder der Prostata entstehen und nicht nur zum Nachlassen der Kontrolle, sondern manchmal auch zum Harnverhalt führen.
Die gutartige (benigne) Prostata-Vergrößerung (Prostata-Adenom) ist bei Männern über 40 ein häufiges Syndrom, das ebenfalls sowohl Inkontinenz als auch einen Harnverhalt verursachen kann. Die Behandlung erfolgt medikamentös oder operativ.
Eine teil- oder zeitweise auftretende Inkontinenz kennzeichnet auch die Reizblase. Organische Ursachen dafür können bisher nur unscharf zugeordnet werden.
Jedoch besteht ein erhöhtes Risiko bei Diabetes, Östrogen-Mangel und einer Gebärmutterabsenkung. Behandelt wird die Reizblase mit Medikamenten (Beta-3-Agonisten), Reizstrom-Therapie und Verhaltensschulungen.
Diagnose der Harnwegserkrankungen
Zunächst erstellt der Arzt mit dem Patienten eine Anamnese. Dann folgt eine körperliche Untersuchung und eine Blutentnahme. Das Blutbild offenbart eventuell erhöhte Entzündungswerte und Leukozytenzahlen.
Daneben können Blutwerte auch auf Nierenstörungen hinweisen. Eine Analyse des Urins gehört genauso zur urologischen Untersuchung wie ein Abstrich aus der Harnröhre, die durch Krankheitserreger besiedelt sein kann. Auch die Prostata- und Samenflüssigkeit kann zur Feststellung der Krankheit herangezogen werden.
Weitere diagnostische Maßnahmen sind bildgebende Verfahren wie Sonographie, CT oder Kernspin-Resonanzspektroskopie (NMR) und Röngten mit Kontrast-Mitteln. Spezielle Techniken sind daneben die Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung) und die Zystometrie (Blasendruckmessung).
Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel
Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei einer Harnwegserkrankung in Frage kommen.
Liegen körperlichen Problemen seelische Ursachen zugrunde, können Bachblüten helfen. Lassen Sie sich von einem/r Therapeuten/In eine Mischung zusammen stellen.
Entspannungs-Techniken
Hier kommt infrage: die Ordnungs-Therapie nach Kneipp, Aroma-Therapie, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Meditation.
Generell: Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge mit neutraler Flüssigkeit: Wasser und Kräutertee (siehe weiter unten unter dem Stichwort Heilpflanzen). Im Allgemeinen wenigstens 30 – 40ml pro Kilogramm Körpergewicht. Trinkmenge langsam steigern.
Zusätzlich eine „reizarme Kost“ – ohne Kaffee, Alkohol (vor allem kein Rotwein) und ohne scharfe Gewürze.
Vermeiden Sie wie bei allen Entzündungen vor allem Zucker, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, Milch und Schweinefleisch. Die Kost sollte tendentiell vegetarisch orientiert sein und aus frischen, nicht verarbeiteten Bio-Lebensmitteln bestehen.
Für folgende Pflanzen liegen positive Studiendaten bei HWIs (positive Monographie der Kommission E) vor: Bärentraubenblätter, Meerrettichwurzel, Goldrute
Gute Erfahrungen liegen auch mit folgenden Heilpflanzen vor: Angelikafrüchte, Bruchkraut, Diptamwurzel, Dostenkraut, Leinsamen, Sauerdornwurzelrinde, Brennnessel.
Grundsätzlich sind bei HWIs alle Kräutertees empfehlenswert, die stark harntreibend sind.
Bei gutartiger Prostata-Vergrößerung helfen Präparate von Kürbiskernen und Sägepalme.
Tote Zähne stören grundsätzlich den ganzen Organismus. Auch Amalgam-Füllungen sind gefährlich. Sie sollten sie durch einen in diesen Sachen erfahrenen Zahnarzt sanieren lassen.
Beitragsbild: 123rf.com – kerdkanno
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 8.12.2020 aktualisiert.
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